Daten
Kommune
Berlin Reinickendorf
Dateiname
1. Version vom 13.10.2010.pdf
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Erstellt
07.10.15, 19:13
Aktualisiert
28.01.18, 01:29
Stichworte
Inhalt der Datei
Drucksachen der
Bezirksverordnetenversammlung
Reinickendorf von Berlin
XVIII. Wahlperiode
Vorlage zur Kenntnisnahme
Drucksache-Nr:
Aktueller Initiator:
Bezirksamt
Abt. Finanzen, Personal und Sport
Datum:
1275/XVIII
13.10.2010
Ursprungsdrucksachenart:
Vorlage zur Kenntnisnahme
Ursprungsinitiator:
Bezirksamt
,,
Tätigkeitsbericht der Behindertenbeauftragten des Bezirks
Reinickendorf für den Zeitraum vom 01.01.2009 bis 31.12.2009
Beratungsfolge:
Datum
10.11.2010
Gremium
BVV Reinickendorf
BVV/046/2010
Sachverhalt:
Text siehe Anlage
Ergebnis
� beantwortet von ___________________________
�
�
�
�
�
�
�
�
Kenntnis genommen
beschlossen/Zustimmung/Annahme
beschlossen mit Änderung
abgelehnt
für erledigt erklärt
vertagt
zurückgezogen
überwiesen in den _____________________________ (federführend)
mitberatend in den _____________________________
Bezirksamt Reinickendorf von Berlin
Abteilung Finanzen, Personal und Sport
An die
Bezirksverordnetenversammlung
von Berlin-Reinickendorf
12.10.2010
Drucksache Nr.
XVIII. WP
Vorlage zur Kenntnisnahme in der
Bezirksverordnetenversammlung
Tätigkeitsbericht der Behindertenbeauftragten des Bezirks Reinickendorf
für den Zeitraum vom 01.01.2009 bis 31.12.2009
Wir bitten den Tätigkeitsbericht der bezirklichen Behindertenbeauftragten für den Zeitraum vom
1. Januar 2009 bis 31. Dezember 2009 zur Kenntnis zu nehmen.
Frank Balzer
Bezirksbürgermeister
Bericht der Beauftragten für Menschen mit Behinderung für das Jahr 2009
Drucksache Nr. 0467/XVIII
Der Bericht der Beauftragten für Menschen mit Behinderung umfasst den Zeitraum vom
1. Januar 2009 bis zum 31. Dezember 2009.
Organisatorische Anbindung/ personelle Ausstattung
Die Beauftragte für Menschen mit Behinderung ist mit einer Stundenanzahl von 34
Stunden (abzüglich der tariflichen Stundenabsenkungen für Angestellte) beschäftigt.
In der Zeit vom 20.04. bis 17.07.2009 und vom 02.11. bis 18.12.2009 absolvierte ein
Praktikant bei der Beauftragten für Menschen mit Behinderung im Ausbildungsgang
zum Verwaltungsfachangestellten des Berufsförderungswerkes Berlin-Brandenburg
sein Praktikum. Der Praktikant hat eine Hörbehinderung mit einem Grad der
Behinderung von 80%.
Die Räumlichkeiten der Beauftragten für Menschen mit Behinderung befinden sich
weiterhin im Erdgeschoss des Rathauses Reinickendorf, Eichborndamm 215-239 im
Raum 19a. Die Zugänge zu den Räumlichkeiten im Rathaus Reinickendorf sowie zum
U-Bahnhof Rathaus Reinickendorf sind behindertengerecht.
Der bezirkliche Beirat für Menschen mit Behinderung hat weiterhin einen eigenen Raum
im Rathaus (Zimmer 19) neben der Beauftragten für Menschen mit Behinderung. Hier
ist die Geschäftsstelle des Beirates eingerichtet und es wurden gleichzeitig
Sprechstunden angeboten.
Die Beauftragte für Menschen mit Behinderung hielt dienstags von 10 bis 12 Uhr und
donnerstags von 16 bis 18 Uhr Sprechstunden ab.
Zusätzlich hat der bezirkliche Beirat für Menschen mit Behinderung jeden 1., 2. und 4.
Dienstag und jeden 3. Donnerstag im Monat Sprechstunden angeboten. Diese fanden
zur gleichen Zeit wie die Sprechstunden der Beauftragten für Menschen mit
Behinderung statt.
Zu den regelmäßig stattfindenden Sitzungen des bezirklichen Behindertenbeirates
berichteten interne und externe Referenten u. a. zu folgenden Themen, wie z. B. über
die Problematik des Shared-space, Schriftdolmetschens, Stand der Vermessungen des
öffentlichen Straßenlandes in Reinickendorf, Einrichtung von Pflegestützpunkten,
erweiterten Angebotspaletten von Mobilitätshilfediensten, Sanierungsmaßnahmen bei
der GeSoBau und Informationen und Angebote der Nachbarschaftsetage im
„Märkischen Viertel“.
Die Mitglieder des bezirklichen Beirates für Menschen mit Behinderung arbeiten
ehrenamtlich - dieses Engagement ist lobend hervorzuheben. Leider konnten einige
Mitglieder aus gesundheitlichen Gründen nicht immer an den Sitzungen teilnehmen.
Darüber hinaus mussten einige Mitglieder des bezirklichen Beirates den
Sonderfahrdienst in Anspruch nehmen und es entstanden dadurch für die Betroffenen
zusätzliche Kosten. Der bezirkliche Beirat hat in diesem Zusammenhang
bemängelt, dass zurzeit keine Aufwandsentschädigungen für diesen Personenkreis
vorgesehen sind.
Beratungstätigkeit
Auch in diesem Jahr hatten die Frequentierung der Sprechstunden und die
telefonischen Beratungen in einem noch breiteren Umfang als in den Jahren zuvor
zugenommen. Der Grund war sicherlich die örtliche Nähe zum Bürgeramt, die
Einrichtung der Website und der Bekanntheitsgrad der Beauftragten für Menschen mit
Behinderung durch Interviews in bezirklichen Broschüren, wie z. B. “Älter werden wir
später“, „Reinickendorfer Seniorentipps“, „Ratgeber für Menschen mit Behinderung
2009“, „MV - barrierefrei erleben“ und Beiträgen in Broschüren und Magazinen von
Behindertenverbänden.
Häufigkeit der Anfragen
Ein Großteil der Beratungstätigkeit befasste sich mit Beratungen zu Fragen des
allgemeinen Schwerbehindertenrechtes. Hier konnte im Rahmen der Lotsen-/
Ombudsfunktion den Betroffenen weitergeholfen oder über neue Ansprechpartner
Lösungen gefunden werden. Menschen mit Behinderung haben sich an die Beauftragte
für Menschen mit Behinderung gewandt, die sich wegen ihrer Behinderung benachteiligt
oder diskriminiert fühlten. In einigen Fällen reichte die Beratungstätigkeit nicht aus und
es
wurde
notwendig
zu
intervenieren
als
Beispiel
hierzu
seien
Wohnungsgesellschaften und Friedhofsverwaltungen genannt. Oft wurden auch vor Ort
klärende Gespräche mit allen Beteiligten geführt.
Häufig wurden Beratungen und Hilfestellungsersuche bei Widerspruchsbescheiden zum
Schwerbehindertenausweis des Versorgungsamtes in Anspruch genommen. In einem
Fall konnte einer alleinerziehenden Mutter mit einem schwer geistig behinderten Kind
die Weiterbezahlung des Einzelfallhelfers für ein Jahr mithilfe einer Stiftung ermöglicht
werden, nachdem das Jugendamt die Zahlung eingestellt hatte.
Ein großes Problem stellte auch in diesem Jahr die Suche nach rollstuhlgeeigneten
Wohnungen dar. Betroffene haben sich Hilfe suchend an die Beauftragte für Menschen
mit Behinderung gewandt. Hier konnten leider nur Ratschläge, wie z.B. ein Verweis auf
die Internetseite von LAGeSo für rollstuhlgerechte Wohnungen, gegeben werden.
Leider ist der Zustand dieser Internetseite unzureichend gepflegt und nicht auf dem
aktuellen Stand. Gemeinsam mit dem Landesbeauftragten für Menschen mit
Behinderung und den bezirklichen Beauftragten für Menschen mit Behinderung wurde
die Aktualisierung dieser Internetseite angemahnt. Hinzu kommt die erhöhte Miete von
rollstuhlgeeigneten Wohnungen. Ein Großteil der Rollstuhlfahrer ist aber von
Transferleistungen - die nach der AV-Wohnen Miethöchstzahlungen vorsieht abhängig, weshalb dieser Personenkreis Schwierigkeiten hat, diese Wohnungen
genehmigt zu bekommen.
Beratungen von Bauvorhaben
Mit der bezirklichen Bauaufsicht wurde bei den anstehenden Bauvorhaben soweit wie
möglich Barrierefreiheit umgesetzt (§ 51 Bauordnung für Berlin).
Ausnahmegenehmigungen wurden nur mit Rücksprache der Beauftragten für
Menschen mit Behinderung erteilt. Architekten haben sich während der Planung einer
Neu- bzw. Umbaumaßnahme über Möglichkeiten zur Umsetzung der Barrierefreiheit
von der Beauftragten für Menschen mit Behinderung beraten lassen.
Die Zusammenarbeit mit dem Ordnungs- und Gewerbeamt ist als sehr kooperativ zu
bezeichnen. Es wurden ungefähr 35 Stellungnahmeersuchen bei Gaststätten zur
eventuellen Befreiung vom Einbau einer Behindertentoilette angefordert. Die
gesetzliche Grundlage sieht nach dem Landesgleichberechtigungsgesetz bei einem
Konzessionswechsel einer Gaststätte den Einbau einer Behindertentoilette vor. Die
allgemeine wirtschaftliche Lage und die dadurch bedingten Mindereinnahmen der
Pächter haben auch in diesem Jahr zu gesunkenen Mieten geführt. Aus diesem Grund
konnte dann eine Behindertentoilette oft wegen der Unverhältnismäßigkeitsklausel nicht
mehr gefordert werden, sodass in solchen Fällen Ausnahmegenehmigungen erteilt
werden mussten. Die neue gesetzliche Möglichkeit, Raucherzimmer neben einer
Behindertentoilette mit einzuplanen, hat das Problem noch verschärft.
Öffentlichkeitsarbeit
„Tag für Menschen mit und ohne Behinderung“
Der „Tag für Menschen mit und ohne Behinderung“ fand am 27.06.2009 in der Zeit von
10 bis 18 Uhr erstmalig im „Märkischen Zentrum“ statt. Der ursprünglich eingeplante
Termin Ende April in den „Hallen Am Borsigturm“ musste nach einer Absage des
Centermanagements wegen Umbaumaßnahmen abgesagt werden. Der kurzfristige
Standortwechsel ins Märkische Viertel war nur dank der sehr kooperativen
Zusammenarbeit mit dem Centermanagement des „Märkischen Zentrums“ möglich.
Trotz der zur gleichen Zeit stattfindenden Seniorenwoche haben wieder ca. 40
Behindertenverbände, Selbsthilfegruppen und freie Träger an der Veranstaltung
teilgenommen. Die meisten der ca. 250 Teilnehmer waren ehrenamtlich tätig. Die
Beauftragte der BVG für behinderte Fahrgäste sowie Firmen, die Produkte und
spezielle Hilfen für Menschen mit Behinderungen anboten, waren ebenfalls mit einem
Stand vertreten.
Bewährt hat sich das schon traditionell zum „Behindertentag“ gehörende 8-stündige
Musikprogramm mit 40 verschiedenen musikalischen Darbietungen. Die Einbindung
von behinderten und nichtbehinderten Künstlern stellte eine Bereicherung für die
Veranstaltung und einen gelungenen Beitrag zur Integration dar.
Ganz besonders erwähnenswert ist die erfreuliche Tatsache, dass alle Künstler ohne
Gage auftraten.
Die 7. Kompanie des Wachbataillons aus der Julius – Leber – Kaserne hat mit 17
Soldaten die Veranstaltung tatkräftig unterstützt und dazu beigetragen, dass die
Veranstaltung reibungslos ablaufen konnte.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich der neue Standort sogar als der
bessere bewährt hat. Es sind weitaus mehr Besucher ins „Märkische Zentrum“ als in die
„Hallen Am Borsigturm“ gekommen. Der Grund ist wahrscheinlich im Vergleich zu Tegel
in dem Einzugsgebiet zu sehen. Die Veranstaltung wurde von den Betroffenen als
abwechslungsreich und informativ bewertet.
Nach Rücksprache mit den Teilnehmern wird der nächste „Tag für Menschen mit und
ohne Behinderung“ wieder im „Märkischen Zentrum“ stattfinden.
Behinderten - und Seniorenparlamente
1.) Behinderten- und Seniorenparlament am 27.04.2009
Neben dem Bericht der Bezirksbürgermeisterin und dem Bericht der Beauftragten
für Menschen mit Behinderung wurde zu folgenden Themen referiert:
Vorstellung des berlinweiten Projekts „Mobilität für alle“. Die Projektträger agens
e.V. und Albatros e.V. berichteten über das bereits angelaufene Projekt, das zum
Ziel hat, mobilitätseingeschränkte Menschen durch Informationen und praktische
Hilfen zu unterstützen. Das Projekt ist eine 3-jährige Förderung über den Berliner
öffentlich geförderten Beschäftigungssektor (ÖBS) und dem Bundesprogramm
„Kommunal-Kombi“.
Die Sozialmanagerin der GeSoBau berichtete über das Sanierungskonzept im
Märkischen Viertel.
2.) Behinderten – Seniorenparlament am 23.11.2009
Vorstellung des neu gewählten Stadtrates für Wirtschaft und Bauen, Herrn Martin
Lambert, der kurzfristig für den Bürgermeister einsprang. Hier wurde der Wunsch
der anwesenden Betroffenen nach abzusenkenden Bordsteinkanten im Bezirk
deutlich.
Bericht der Beauftragten für Behinderung und Aussprache mit einer kleinen
Powerpoint-Präsentation über den „Tag für Menschen mit Behinderung“.
Die Leiterin der Koordinierungsstelle „Rund ums Alter“ / Pflegestützpunkte
Reinickendorf stellte die neue Einrichtung von Pflegestützpunkten im Bezirk vor.
Bericht der Seniorenvertretung
Beide Veranstaltungen dienten den Vertretern der Behindertenverbände und
Einzelpersonen zur Information rund um das Thema Behinderung und waren jeweils mit
ca. 60 Personen gut besucht. Im Rahmen der Multiplikatorenfunktion der Teilnehmer
wurden diese Informationen an die einzelnen Behindertenverbände weitergegeben.
BVG
Die Zusammenarbeit mit der Beauftragten der BVG für behinderte Fahrgäste, Frau
Albrecht, ist als sehr kooperativ zu bezeichnen. Frau Albrecht nahm regelmäßig an den
Behinderten- und Seniorenparlamenten teil. Sie informierte über Angebote der BVG
zum Mobilitätstraining für Rollstuhlfahrer in Bus und U-Bahn. Zusätzliche
Schulungsangebote für Rollatorbenutzer wurden neu ins Programm aufgenommen.
Ende 2009 konnte die BVG vermelden, dass ihre Busflotte nun mehr zu 100%
barrierefrei ausgestattet ist. Ein wichtiger Meilenstein für den Ausbau der barrierefreien
Stadt Berlin wurde dadurch erreicht.
Lokales Soziales Kapital (LSK)
Für das Jahr 2009 konnten zwei LSK - Projekte für soziale Zwecke mit auf dem Weg
gebracht werden.
1.) Die Jugendfeuerwehr Heiligensee konnte mithilfe des Mikroprojekts zwei geistig
behinderte Jugendliche aufnehmen und betreuen. Sinn und Zweck war unter
anderem die Vermittlung von Kompetenzen, die den Jugendlichen im späteren
Berufsleben die Eingliederung erleichtern soll. Beim Behindertenparlament am
26.04.2010 hat der Leiter der Jugendfeuerwehr Heiligensee über das aus seiner
Sicht sehr erfolgreiche Projekt berichtet.
2.) Erstellung der Broschüre:
„Wer? Wie? Wo? Unser Märkisches Viertel barrierefrei erleben“
Der Träger Albatros e.V. (Projektgruppe Mobidat) hat im Einzugsgebiet des
Märkischen Viertels Dienstleistungsgeschäfte, soziale Einrichtungen, Praxen,
Restaurants usw. auf Barrierefreiheit untersucht und die Ergebnisse in einer
Broschüre zusammengefasst. Diese Broschüre konnte (mit einer Auflage von
10.000 Stück) rechtzeitig am „Tag für Menschen mit und ohne Behinderung“ im
Märkischen Zentrum verteilt werden.
Aktion Berlin- barrierefrei
Im letzten Jahr konnten wieder Signets: „Aktion Berlin - barrierefrei“ (weißer Pfeil auf
gelben Grund) in Reinickendorf vergeben werden, die auf eine Initiative des
Landesbehindertenbeauftragten von Berlin zurückgehen.
Die Signets wurden verliehen an:
Vier Filialen von Thoben’s Backwaren; Podologie Praxis Birgit Maibier; Klick Foto
Studio; das „Märkisches Zentrum“; Möbelhaus Domeyer; Rechtsanwaltspraxis
Ekkehard von der Aue; der Havelbäcker; Dipl.- med. Antje Klaan; Caritasverband
Erzbistum Berlin e.V. und EJF Lazarus gAG Kita.
Barrierefreie Wohnungen
Der Mangel an barrierefreien und darüber hinaus bezahlbaren Wohnungen im Bezirk
stellte auch im Jahr 2009 immer noch ein großes Problem dar und wird in den nächsten
Jahren aufgrund des demografischen Wandels zunehmen.
Auf Initiative der Beauftragten für Menschen mit Behinderung wurden mit dem
Geschäftsführer der GeSoBau Gespräche - mit dem Schwerpunkt auch
rollstuhlgerechte Wohnungen im Rahmen des Sanierungskonzeptes im Märkischen
Viertel anzubieten - geführt. Bei mehreren Treffen unter Federführung der Beauftragten
für Menschen mit Behinderung mit dem Geschäftsführer der GeSoBau, der
Sozialmanagerin der GeSoBau sowie einem Techniker der Koordinierungsstelle „Rund
ums Alter“ wurden Mindeststandards für barrierefreie Wohnungen erarbeitet.
Barrierefreies Straßenland/ Investitionsplanung
Es gehört zu den Aufgaben der bezirklichen Behindertenbeauftragten dem Bezirk
Vorschläge zu unterbreiten, die die Belange von Menschen mit Behinderung betreffen.
Die gesetzliche Grundlage bildet das Landesgleichberechtigungsgesetz (LGBG) § 7
Abs. 2. Gerade die Förderung der Barrierefreiheit im öffentlichen Straßenland ist dabei
ein wichtiges Ziel, um die Lebensbedingungen für mobilitätseingeschränkte Personen
zu verbessern.
Im Rahmen der Möglichkeit, dem Bezirksamt Vorschläge zur Aufnahme in die
Investitionsplanung zu unterbreiten, wurden folgende Vorschläge gemacht:
1.) Absenkungen der Bordsteinkanten im öffentlichen Straßenland
Hier ist als erstes das Wohngebiet Reinickendorf-Ost (rund um die Residenzstraße)
zu benennen, aber auch Alt-Tegel und das Märkische Viertel sind als „barrierearm“
einzustufen. Der bezirkliche Behindertenbeirat hat sich die Mühe gemacht, das
Gebiet rund um die Residenzstraße zu berollen und zu dokumentieren. (siehe
Bericht 2008)
Begründung:
Die bisherige Praxis, Bordsteinkanten nur bei geplanten Straßensanierungen
abzusenken, ist auf Dauer für Menschen mit Behinderung unbefriedigend.
Barrierefreiheit kommt nicht nur mobilitätseingeschränkten Personen zugute,
sondern auch allen kinderwagenschiebenden Eltern oder Reisenden mit Koffern. Für
10% der Bevölkerung ist Barrierefreiheit unabdingbar, für 30% hilfreich und für alle
komfortabel.
2.) Barrierefreie Zuwegung vom Kreuzfahrtanleger an der Greenwichpromenade bis
zum Aufzug des U-Bahnhofes Alt - Tegel und im nahen Umkreis.
Begründung:
Tegel wird als Naherholungsgebiet immer attraktiver. Einrichtungen wie die
nahegelegene Medical Park Klinik und Kreuzfahrttouristen werden die
Barrierefreiheit zu schätzen wissen.
3.) Schulstättensanierungsprogramm
Im Zuge des Schulstättensanierungsprogrammes sollen gleichzeitig auch bei
baulichen Maßnahmen die barrierefreie Zuwegung und Behindertentoiletten mit
eingeplant werden.
Begründung:
Im März 2009 ist die UN – Konvention für die Rechte von Menschen mit
Behinderungen (Behindertenrechtskonvention) in Kraft getreten. Damit haben alle
Eltern ein Recht, ihr behindertes Kind auf eine allgemeinbildende Schule zu
schicken.
4.) Sportstättensanierungsprogramm
Bei den anstehenden Sanierungsmaßnahmen bei Sportstätten sollen eine
barrierefreie Zuwegung und eine Behindertentoilette mit eingeplant werden.
Begründung:
Bauliche Vorrausetzungen müssen geschaffen werden, damit Sportvereine auch
Menschen
mit
Handicap
integrieren
können.
Das
gilt
auch
für
mobilitätseingeschränkte Besucher bei Sportveranstaltungen.
Persönliches Budget
Zu diesen Themen wurde im letzten Bericht ausführlich Stellung bezogen. Broschüren
zum persönlichen Budget sind im Geschäftszimmer der Beauftragten für Menschen mit
Behinderung erhältlich.
Jobcenter Reinickendorf
Die von Seiten der Beauftragten für Menschen mit Behinderung angebotenen
vierteljährlichen Sprechstunden für Mitarbeiter des Jobcenters mit dem Schwerpunkt
Rehabilitationsbereich sind leider nicht mehr genutzt worden. Eine Erklärung ist
sicherlich, dass die sehr engagierte Teamleiterin sich in der Elternzeit befindet, aber
auch die Zunahme an Fachkompetenz der Berater durch Fortbildungen zum Thema
Behinderung ist sicher von Bedeutung.
Ausblick
1.) Barrierefreier Ausbau des Rathauses:
Hierzu zählt erneut die bereits in den vergangenen Jahren angesprochene
fehlende Modulleiste des fast behindertengerechten Fahrstuhls zwischen Altund Neubau des Rathauses. Sehbehinderten Personen soll mit Hilfe einer
Sprachausgabe sowie einem Wegeleitsystem für Blinde die Möglichkeit zur
Orientierung im Rathaus gegeben werden.
Die Einrichtung weiterer Automatiktüren, wie z. B. die Erreichung der
Bezirkskasse oder der Übergang vom Verbindungsgang zwischen Alt- und
Neubau, soll in die Finanzierung mit eingeplant werden.
Die Anschaffung einer mobilen Induktionsschleifenanlage für hörgeschädigte
Personen ist dringend anzuraten.
2.) Öffentliches Straßenland:
Absenkungen von Bordsteinkanten in vielen Bereichen des Bezirkes
Reinickendorf müssen verstärkt umgesetzt werden. (Verweis auf den
kommenden Bericht 2010 - Prioritätenliste für Bordsteinkanten)
3.) Demografischer Wandel:
Es müssen dringend Lösungen für mehr bezahlbare und rollstuhlgeeignete
Wohnungen geschaffen werden.
Claudia Meier
Beauftragte für Menschen mit Behinderung
Berlin, den 20.08.2010