Daten
Kommune
Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf
Dateiname
Drucksache.pdf
Größe
71 kB
Erstellt
07.10.15, 23:50
Aktualisiert
27.01.18, 12:01
Stichworte
Inhalt der Datei
Drucksachen
der Bezirksverordnetenversammlung
Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin
4. Wahlperiode
Ursprung: Große Anfrage
TOP-Nr.:
CDU-Fraktion
Klose/Herz
Große Anfrage
DS-Nr: 1274/4
Beratungsfolge:
Datum
Gremium
18.06.2015
BVV
BVV-046/4
beantwortet
Grün- oder Fläche?
Wir fragen das Bezirksamt:
1. Welche Erkenntnisse hat das Bezirksamt über den Zustand über die Grünflächen
auf dem Bundesplatz?
2. Welche Maßnahmen hat das Bezirksamt hinsichtlich der Müllbeseitigung,
insbesondere von Spritzen, getroffen, um der Initiative Bundesplatz die Erfüllung
der Pflegevereinbarung zu ermöglichen?
3. Welche Ideen verfolgt das Bezirksamt, um auch der Obdachlosenszene in den
angrenzenden Grünflächen Herr zu werden?
4. Welche Erkenntnisse hat das Bezirksamt zum sonntäglichen „Markttreiben“ im
Preußenpark und entsprechen diese Erkenntnisse den Vorstellungen des
Bezirksamtes für den Umgang mit einer geschützten Grünfläche?
5. Wie beurteilt das Bezirksamt die hygienischen Zustände bei der Veräußerung
von Lebensmitteln während des „Markttreibens“ auf dem Preußenpark und ist
das Bezirksamt der Auffassung, dass das schwunghafte Handelstreiben mit der
geltenden Gesetzeslage in Einklang steht?
Zur Beantwortung BzStR Schulte:
Frau Vorsteherin, meine Damen und Herren, man mag nach der Rede von Herrn Herz
sagen: „Willkommen in der Großstadt“. Weil, es ist natürlich so, in einer Großstadt wie
Berlin gibt es eben auch nicht nur Sonnenseiten, sondern auch Schattenseiten. Die
gehören dazu und die Frage ist eben auch, wie wir als Gesellschaft damit umgehen.
1274/4
Ausdruck vom: 25.06.2015
Seite: 1
Wir können nicht alle Schattenseiten zudecken und so tun, als ob es sie nicht gibt. Und
deswegen ist z. B. auch das Ansinnen der AG City, die dann sagt, wir wollen Betteln
möglichst weghaben vom Kudamm. Das, finde ich, ist der falsche Ansatz. Weil betteln
ist etwas, was zur Großstadt dazugehört und ich finde es, z. B. und es war in der
Diskussion, wie wir am Kudamm damit umgehen, da bin ich der festen Überzeugung,
dass man Betteln zulassen muss, solange es nicht aggressiv ist, Betteln gehört dann
eben auch zu einer Großstadt dazu. Das ist für mich so ein Punkt, wo wir natürlich auch
hier beim Bundesplatz wissen, dass es dort auch bestimmte negative
Begleiterscheinung gibt.
Zu 1.:
Die seit nunmehr 2012 bestehende Pflegevereinbarung mit dem Initiative Bundesplatz
e.V. wurde um weitere zwei Jahre verlängert. Hier zeigt sich, dass es mit der
Unterstützung privater Akteure auch in Zeiten knapper Ressourcen möglich ist, intensiv
genutzte Grünflächen in Innenstadtbereichen so zu gestalten, wie es der öffentlichen
Hand alleine nicht mehr möglich ist. Die Initiative pflegt die auf dem Platz liegenden
Pflanzflächen, während vom Fachbereich Grünflächen des Straßen- und
Grünflächenamtes die an den Fahrbahnen grenzenden Bereiche sowie die Hochbeete
an der Südseite des Platzes und die Bäume unterhalten werden. Um eine bessere
Einsehbarkeit des Platzes zu erreichen, werden die Gehölzflächen unter gärtnerischen
und präventiven Gesichtspunkten im Herbst zurückgeschnitten. Die Rasenflächen
werden gemäht, sobald die Trockenperiode vorbei ist und damit die vordringlichere
Aufgabe des Wässerns entfällt. Auch sind Gespräche mit der BSR geplant, um einen
intensiveren Reinigungsmodus des Platzes zu erreichen. Insgesamt stellen sich die
Hochbeete und die von der Initiative gepflegten Flächen positiv dar.
Zu 2.:
In den vergangenen Jahren führte Fixpunkt e. V. unregelmäßig auch am Bundesplatz
Streetworkaktionen durch. In den Jahren 2010 bis 2013 wurden jährlich bis zu 15
Spritzenteile gefunden. Im Jahr 2014 wurden weder Spritzen noch Nadeln am
Bundesplatz gefunden.
Aktuell, im Juni 2015, ist durch den Vorsitzenden der Initiative Bundesplatz auf die
zunehmende Belastung durch Dealen und Drogenkonsum im Park hingewiesen
worden. Fixpunkt suchte den Bundesplatz am 10. Juni 2015 auf. Es wurde eine Spritze
gefunden, jedoch nicht am übermittelten Konsumort. Die Situation wurde ausführlich
durch Fixpunkt mit dem Vorsitzenden der Initiative erörtert. Fixpunkt wird den
Bundesplatz weiterhin unregelmäßig, bei Bedarf aber auch öfter, im Rahmen von
Streetwork aufsuchen. Dabei aufgefundene Spritzen werden fachgerecht entsorgt.
Zu 3.:
Am Bundesplatz sind immer wieder Streetworker vor Ort, den Hinweisen aus der
Bevölkerung wird ebenfalls nachgegangen. Die Streetworker bieten den Menschen
Unterstützung an. Sie weisen auf die Hilfs- und Beratungsangebote der einzelnen
sozialen Träger sowie auf Tagesstätten, Nachtcafés, Suppenküchen und
Kleiderkammern sowie zur medizinischen Versorgung der Obdachlosen hin. Die
Menschen können, müssen aber diese Angebote nicht wahrnehmen. Was das für ein
Resonanz hat, was die Abteilung Soziales und auch meine Abteilung gemacht haben,
kann ich gerne zitieren mit einem Schreiben von Herrn Severin vom 11. Juni:
1274/4
Ausdruck vom: 25.06.2015
Seite: 2
„Sehr geehrter Herr Bezirksstadtrat Engelmann, sehr geehrter Herr Bezirksstadtrat
Schulte, vielen Dank für die Unterstützung des Bezirks bei der Bewältigung der
aktuellen Probleme auf dem Bundesplatz. Sie erhalten nun von mehreren Stellen, die
sich in der Drogen-, Obdachlosenproblematik auskennen Rat, Hilfe und Unterstützung.
Dem intensivsten Zugang zu der jungen Frau und ihrem Begleiter im Rollstuhl hat wohl
das Team von Fixpunkt gefunden. Auch das Team des Caritasarztmobil schaut häufiger
vorbei und mit dem Seelingtreff stehen wir im telefonischen Kontakt. Das
Grünflächenamt hat sich ein Bild von der Situation vor Ort gemacht, deshalb gilt unserer
besondere Dank allen MitarbeiterInnen des Bezirks, die in den letzten Tagen ein
offenes Ohr für uns hatten. Mit freundlichen Grüßen…“
Zu 4. und 5.:
Die Situation im Preußenpark ist seit vielen Jahren bekannt und immer wieder auch in
den Gremien der BVV diskutiert worden, zuletzt in der Sitzung des Ausschusses für
Wirtschaft, Ordnungsangelegenheiten und Verkehr am 11. September 2014. Der
Preußenpark wird regelmäßig vom Ordnungsamt bestreift. Bei entsprechenden
Kontrollen ist in der Regel ein gewerblicher Handel nicht nachzuweisen. Naja, es ist ein
Unterschied, ob ich da eine Kontrolle manche oder als Privatperson hingehe und wenn
ich tatsächlich diesen gewerblichen Handel nachweisen muss, dann langt nicht der
einmalige Verkauf, sondern ich muss zeigen, dass es regelmäßig gemacht wird. Das
heißt, der Verkauf einer Speise an eine Person zu einem Abgabepreis, so wird gesagt,
es ist sozusagen kein gewerblicher Verkauf, dann hab ich ein Problem. Und bestimmte
Dinge, die wir dann auch zur Anzeige gebracht haben, werden vor Gericht wegen
Geringfügigkeit eingestellt, insofern ist das in der Tat ein Problem der Strafverfolgung,
wie man das auch immer macht. Und es ist auch nicht eine Frage der Händlerinnen und
Händler, sondern es ist auch immer ne Frage derjenigen, die dort kaufen und das
konsumieren. Einerseits wird immer gesagt, es ist eine Frage von Verbraucherschutz.
Wir wollen, dass hygienische Mittelstandards eingehalten werden. Und hier, und zwar
jeder der im Preußenpark einkauft und dort auch Essen konsumiert, würde in einem
Restaurant das niemals machen, weil nämlich die Zustände, wie so etwas zubereitet
wird, in jeder Küche dazu führen würde, dass ein Restaurant geschlossen wird. Und
diese mangelhaften, hygienischen Zustände dann als etwas besonderes, tolles
darzustellen, solange es dann tatsächlich keine Lebensmittelvergiftung gibt, ist es ein
Punkt, wo dann alle immer sagen, ist schön und hat was von Internationalität, aber
trotzdem weise ich noch mal darauf hin. Ich habe aber nichts dagegen, wenn Leute
zusammenkommen, gemeinsam Picknicken und gemeinsam dort essen und
verabreden, auch dagegen habe ich nichts und insofern ist die Frage, wie man dann
auch tatsächlich dafür sorgt, dass da unterschieden wird.
Verstöße gegen die Parkordnung, wozu auch das Radfahren außerhalb der dafür
gekennzeichneten Wege und das Nichtanleinen von Hunden gehören, werden
geahndet. Da die Problematik mit ordnungsrechtlichen Maßnahmen allein nicht zu lösen
ist, hat das Ordnungsamt Charlottenburg-Wilmersdorf bereits vor Jahren ein Merkblatt
herausgegeben, in dem die wesentlichen Regeln zur Nutzung von Grünanlagen
zusammengefasst werden und zudem wegen möglicher Gesundheitsgefährdung
empfohlen wird, keine Speisen, deren Herkunft und Herstellungsweise nicht zweifelsfrei
hygienischen Mindeststandards entspricht, zu verzehren.
1274/4
Ausdruck vom: 25.06.2015
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