Daten
Kommune
Berlin Friedrichshain-Kreuzberg
Dateiname
Drucksache.pdf
Größe
67 kB
Erstellt
09.10.15, 21:38
Aktualisiert
27.01.18, 11:50
Stichworte
Inhalt der Datei
Drucksachen der Bezirksverordnetenversammlung
Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin
IV. Wahlperiode
Drucksache: DS/0556/IV
Ursprung: EinwohnerInnenanfrage
Initiator: EinwohnerIn,
Beitritt:
Beratungsfolge
30.01.2013
Gremium
BVV
Sitzung
Erledigungsart
009/IV-BVV
beantwortet
EinwohnerInnenanfrage
Betr.: EA/007 - Historischer Hafen
Aus der Presse wurde bekannt, dass im Interessenbekundungsverfahren zur Entwicklung und
Sanierung des Grenz- und Zollsteg im Osthafen vor dem Treptower Ufer die Wahl auf das Projekt
des Historischen Hafens in Kooperation mit der Agromex GmbH & Co.KG fiel. Dort soll nun ein
Museumshafen entstehen, finanziell getragen von einer Stiftung durch den Historischen Hafen
Berlin e.V. und der Agromex. Das Immobilienunternehmen Agromex soll dabei die
Anschubfinanzierung leisten.
Dazu haben der Initiativkreis "Mediaspree versenken! AG Spreeufer, die Stadtteilinitiative Karla
Pappel und die MieterInnen-Initiative M.Hoffmannstr./Fanny-Zobel-Str. folgende Fragen:
1. Da das Bezirksamt Friedrichshain/Kreuzberg Teil der Jury des
Interessenbekundungsverfahrens zum Grenzsteg im Osthafen war, die auch das Konzept
für die finanzielle Realisierung zu beurteilen hatte, hat es sicherlich Kenntnis darüber, wie
hoch die Summe ist, die von Agromex GmbH & Co.KG zum Bau des historischen Hafens
beigesteuert wird und ob diese Gelder Verwendungszweck gebunden sind. Wenn ja,
woran?
2. Was sind die Bedingungen, baulicher oder sonstiger Art, an die der Verein "Histor. Hafen
Berlin" durch das finanzielle Engagement von Agromex beim Bau des Museumshafens
gebunden wird? Entstehen dort z.B. Liegeplätze und Anleger für Sportboote/Yachten, unter
anderem auch für Hotelgäste des am Ufer geplanten Hotels oder für Anwohner der
geplanten Eigentumswohnungen?
3. Als Zweck der Stiftung "Histor. Hafen Berlin" ist die wissenschaftliche Erforschung der
Geschichte der Berlin-Brandenburgischen Binnenschifffahrt und deren Aufbereitung für die
Öffentlichkeit in Form eines Museumshafens festgeschrieben. Bleibt der wissenschaftliche
und museale Charakter des Histor. Hafens erhalten oder wird, durch etwaige
Zugeständnisse an Agromex oder andere, gegen den gemeinnützigen Stiftungszweck
verstoßen und eine Kommerzialisierung des Museumsprojektes bewirkt?
Beantwortung: Herr Dr. Schulz
Ich bin von der Initiative „Mediaspree versenken!“ und trage hier ein Anliegen einer unserer
solidarisch …, wie soll ich sagen …, also eine Gruppe, mit der wir solidarisch sind vor. Das geht
um das Bauvorhaben der Agromex, Nähe der Elsenbrücke. So, ich lese erst mal den
Einleitungstext vor, damit den Anwesenden die Sache bekannt wird. …
Herr Dr. Schulz: Die EinwohnerInnenanfrage kann ich natürlich nur in dem Rahmen beantworten,
indem uns Informationen während des Interessenbekundungsverfahren zur Verfügung gestellt
worden sind und dann über den Herrn Pietsch, der diese Stiftung betreiben will, uns zugestellt
worden sind. In diesem Rahmen lassen sich Ihre drei Fragen wie folgt beantworten:
Zu Frage 1: Der Verein Historischer Hafen Berlin, vertreten durch Manfred Pietsch, hat im
Rahmen des Interessenbekundungsverfahren für den Zoll- und Grenzsteg am Osthafen den
Zuschlag erhalten. Die Firma Agromex GmbH & Co. KG, im Folgenden nenne ich die immer nur
Agromex, ist offizieller Kooperationspartner des Vereins und hat diesen im Rahmen der
Bewerbung ihre Unterstützung zugesagt. Dazu lag auch ein Letter of Itent vor. Träger des Projekts
Historischer Hafen wird eine noch zu gründende rechtsfähige Stiftung sein. Die Stiftung wird
voraussichtlich den Namen Stiftung Museumshafen Berlin tragen und damit soll unter anderem
aus Gründen der Namensklarheit eine Abgrenzung von den Aktivitäten der BerlinBrandenburgischen Schifffahrtsgesellschaft e.V. erfolgen, die die Rechte an der Internetdomain
historischerhafen-berlin.de für sich beansprucht.
Agromex hat im Rahmen der Stiftungsgründung verbindlich zugesagt eine Anstiftung in Höhe von
20.000,00 EUR zu leisten. Der Anstiftungsbetrag ist nicht zweckgebunden und soll allein dem
satzungsmäßigen Ziel der Stiftung dienen. Im Rahmen der Stiftungsgründung wird von Agromex
erwogen, den bereits zugesagten Anstiftungsbetrag zu erhöhen. Die Höhe … der notwendigen
Investition zur Instandhaltung des Zoll- und Grenzstegs zur Hebung des Wracks Ingrid Wengler
sowie zum Bau des Museumshafens steht derzeit noch nicht endgültig fest. Vor diesem
Hintergrund gibt es zu diesem Zeitpunkt auch noch keine Festlegung bzgl. einer möglichen
Finanzierungsbeteiligung durch Agromex.
Der Grundgedanke der Gemeinschaftsbewerbung des Vereins Historischer Hafen Berlin und der
Agromex ist darauf ausgerichtet, eine Stiftung zu gründen, die finanziell unabhängig und nur ihrem
gemeinnützigen Stiftungszweck sowie der staatlichen Stiftungsaufsicht verpflichtet ist. Nach
Gründung der Stiftung soll dies in einem ersten Schritt Finanzmittel einwerben und anschließend
das bauliche Vorhaben aus eigenen finanziellen Mitteln bewältigen.
Zu Frage 2: Die Anstiftung von Agromex ist an keinerlei Bedingungen geknüpft. Im geplanten
Museumshafen am Zoll- und Grenzsteg entstehen ausschließlich Liegeplätze für Museumsschiffe,
Traditionsboote, Linienverkehrsschiffe, Tagesanleger sowie Anleger der sogenannten gelben
Welle.
Zu Frage 3: Die Stiftung Museumshafen Berlin soll als rechtsfähige Stiftung unter staatlicher
Aufsicht gegründet werden. In der aktuellen Gründungsphase werden notwendige Abstimmungen
zur Zeit mit der zuständigen Senatsverwaltung als zukünftige Stiftungsaufsicht und dem
Finanzamt, die über die Gemeinnützigkeit entscheiden hinsichtlich der Stiftungsziele und der
Satzung vorgenommen. Unter anderem sollen die wissenschaftliche und kulturelle Aufarbeitung
folgender Themen im Fokus stehen: Geschichte der Binnenschifffahrt, Berliner
Stadtentwicklungsgeschichte, nach dem Motto, Berlin wurde aus dem Kahn gebaut, sowie
Geschichte der deutschen Teilung, Zoll- und Grenzsteg als Zeugnis der ehemaligen DeutschDeutschen Grenzbefestigungsanlage. Diese Themen sollen im Stiftungszweck und in der Satzung
verankert werden.
Die Stiftung strebt deshalb auch an, als gemeinnützig vom Finanzamt anerkannt zu werden.
Soweit unsere Kenntnisse gegenwärtig.
Frau Hammer: So, die erste Nachfrage ist: Sind dem Bezirksamt die Verstrickungen der Agromex
Geschäftsführer Hirth, Rembold und Schaunburg in dubiose Kredit- und Grundstücksgeschäfte in
Leipzig, die von verschiedenen Wirtschaftsprüfungsinstituten festgestellt wurden, nachdem
entsprechende Vorwürfe der Vetternwirtschaft öffentlich geworden waren, bekannt und wenn ja,
warum halten sie Argomex dennoch für einen seriösen Investoren?
Zweite Nachfrage: Wie weit hat das Bezirksamt die Kooperation zwischen Agromex und dem
Historischen Hafen gewollt und gefördert? Welche Vorabsprachen gab es dazu zwischen Bezirk
und Agromex und wann waren diese?
Zu Nachfrage 1: Dem Bezirksamt liegen keine Kenntnisse vor über irgendwelche Verstrickungen
der Agromex mit irgendwem oder irgendjemanden. Vielleicht noch mal deutlich zu machen, welche
Rolle das Bezirksamt in diesen Verfahren spielt. Wir sind neben Treptow-Köpenick als Bezirk
beteiligt, weil die Wasserflächen zu Friedrichshain-Kreuzberg gehören. Die eigentliche
Genehmigungsbehörde ist das Wasserschifffahrtsamt, weil sie die Bundesrepublik Deutschland als
Eigentümerin dieser Wasserfläche vertritt. Vom Wasserschifffahrtsamt ist auch die Auslobung
dieses Interessenbekundungsverfahrens erfolgt und sie wird auch entscheiden müssen mit ihren
Gremien, ob sie der Empfehlung dieser Jury folgt oder nicht. Dazu wird sie sicherlich auch weitere
Prüfungen vornehmen, bevor sie einen Vertrag abschließen wird zur Nutzung dieser Fläche. Also
insoweit kann ich mich jetzt auch nicht äußern, ob dieser Investor ein seriöser oder nichtseriöser
Investor war, sondern der Investor kam als Kooperationspartner von Herrn Pietsch und auch von
den beteiligten Bürgermeister von Treptow-Köpenick, Herrn Egel, kam kein Hinweis, dass die
Agromex problematische Investor oder ähnliches wäre und wir an dieser oder jener Stelle etwas
kritisch hinterfragen müssen und die Agromex ist ein Investor, der im Bezirksgebiet TreptowKöpenick nach meiner Kenntnis bauen will. Also insoweit dann, wenn etwas bekannt sein sollte,
dann auch Herr Egel das wissen müsste.
Zu Nachfrage 2: Es gab nirgendwo und an keiner Stelle und zu keinem Zeitpunkt irgendwelche
Vorverhandlungen oder Festlegung des Bezirksamts hinsichtlich Agromex. Agromex ist mir
bekannt aus der Zeitung, dass sie dort diese Hochhaus Eiger Nordwand planen. Ich werde mich
aber an dieser Stelle dazu nicht äußern, weil das Sache und Angelegenheit der
Bezirksverordnetenversammlung des Bezirksamts von Treptow-Köpenick ist und ich glaube, dass
die auch durchaus in der Lage sind, sich kritisch damit auseinanderzusetzen.