Daten
Kommune
Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf
Dateiname
Drucksache.pdf
Größe
69 kB
Erstellt
10.10.15, 10:23
Aktualisiert
27.01.18, 12:43
Stichworte
Inhalt der Datei
Drucksachen
der Bezirksverordnetenversammlung
Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin
4. Wahlperiode
Ursprung: Große Anfrage
TOP-Nr.:
SPD-Fraktion
Wuttig/Böhm
Große Anfrage
DS-Nr: 0786/4
Beratungsfolge:
Datum
Gremium
12.12.2013
BVV
BVV-026/4
beantwortet
Jugend in Arbeit - auch in Charlottenburg-Wilmersdorf
Wir fragen das Bezirksamt:
1. Wie viele Jugendliche (U25) haben sich im Bezirk in diesem Jahr neu arbeitslos
gemeldet und wie viele davon konnten im Herbst mit Ausbildungsbeginn in
betriebliche Ausbildung vermittelt werden?
2. Wie viele Jugendliche (U25) aus dem Bereich der Langzeitarbeitslosen konnten
dem Arbeitsprogramm des Job Centers entsprechend in betriebliche Ausbildung
vermittelt werden und wie schätzt das Bezirksamt diese Entwicklung im Vergleich
zu den Vorjahren ein?
3. Wie viele Jugendliche profitierten in diesem Jahr von geförderten Ausbildungen
und welche Instrumente sieht das Bezirksamt hierbei als besonders wirksam im
Sinne einer dauerhaften Unterbringung auf dem ersten Arbeitsmarkt an?
4. Warum wird das Instrument der Jugendberufshilfe in Charlottenburg-Wilmersdorf
in so geringem Ausmaß (letzter unter allen Berliner Bezirken) eingesetzt?
5. Welche weiteren Ergebnisse sind zur Entwicklung einer Jugendberufsagentur in
Charlottenburg-Wilmersdorf zu berichten?
Zur Beantwortung Herr BzStR Engelmann:
Frau Vorsteherin, sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Frau Böhm, die
statistischen Erhebungen zu arbeitslosen Jugendlichen und zur Besetzung von
Ausbildungsstellen erfolgen bei der Bundesagentur für Arbeit und im Jobcenter und ich
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habe zu Ihren Fragen deshalb unser Jobcenter um Unterstützung gebeten und darf
insofern die Große Anfrage wie folgt beantworten:
Zu 1.
Im November 2013 waren in der Agentur für Arbeit Berlin Nord Geschäftsbereich
Charlottenburg Wilmersdorf (Rechtskreis SGB II und SGB III) insgesamt 950
Jugendliche zwischen 15 bis unter 25 Jahren arbeitslos gemeldet. Davon haben sich
insgesamt 356 in diesem Jahr neu arbeitslos gemeldet.
Es konnten zum Ausbildungsbeginn im Herbst insgesamt 480 Jugendliche in
betriebliche Ausbildung vermittelt werden.
Zu 2.
Bei der statistischen Erfassung von erfolgreichen Vermittlungen und damit der
Einmündung in Ausbildungsstellen wird nicht unterschieden zwischen
langzeitarbeitslosen Jugendlichen und solchen Jugendlichen, die kurzfristig arbeitslos
sind. Das Ziel des Jobcenters ist es möglichst alle Jugendlichen in Ausbildung zu
vermitteln.
Die Einschätzung der Entwicklung zu den Vorjahren ist grundsätzlich sehr positiv, da
die Einmündungsquote in der Agentur Bezirk Nord (Vermittlung in Ausbildung) mit
32,4% um 6,3% über dem angestrebten Zielwert für 2013 liegt.
Zu 3.
Im Jahr 2013 wurden von Seiten des Jobcenters Charlottenburg-Wilmersdorf 20 Plätze
„BaE kooperativ“ (Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen) eingekauft und
von der Agentur für Arbeit Berlin Nord wurden für den gesamten Zuständigkeitsbereich
der Agentur Berlin Nord weitere 50 Plätze „BaE kooperativ“ eingekauft.
Seit Mitte September haben allerdings alle drei Berliner Arbeitsagenturen vereinbart,
ihre BaE-Plätze berlinweit zu öffnen und zu besetzen.
Beim Instrument „BaE kooperativ“ handelt es sich um eine Ausbildung bei einem
Bildungsträger, bei der aber ein fachpraktischer Teil bei einem Kooperationsbetrieb
absolviert wird, ähnlich wie die Verbundausbildung. Durch die daraus entstehende
Nähe zu einem „realen Betrieb“ auf dem Arbeitsmarkt ist von einer dauerhaften
Integration in den ersten Arbeitsmarkt auszugehen.
Zu 4.
Unter dem Begriff „Jugendberufshilfe" werden in der Fachdiskussion die Leistungen
nach dem SGB VIII angesprochen. Deshalb habe ich das Jugendamt um
Stellungnahme gebeten und von der Jugendamtsdirektorin folgende Stellungnahme
erhalten:
Die Jugendhilfe ist zuständig, soweit junge Menschen zum Ausgleich sozialer
Benachteilungen oder zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen in erhöhtem
Maße auf sozialpädagogische Unterstützung angewiesen sind.
Für formale Bildung und Ausbildung junger Menschen sind vorrangig Andere, hier:
Schule, das Duale Ausbildungssystem im Zusammenwirken mit der Wirtschaft,
Arbeitsagentur oder Jobcenter zuständig.
Die Prüfung eines Jugendhilfebedarfs findet in jedem Einzelfall statt. Damit soll sicher
gestellt werden, dass die Jugendhilfe hier nicht - wie an vielen anderen Stellen - als
Ausfallbürge für gesellschaftliche Problemlagen in Anspruch genommen wird, sondern
sich auf ihr eigentliches Kerngeschäft konzentriert.
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Die Betrachtung der verschiedenen Produkte der Jugendberufshilfe macht deutlich,
dass das Jugendamt Charlottenburg-Wilmersdorf nur in einigen dieser Produkte „Ietzter
unter allen Berliner Bezirken" ist. Im Übrigen weist der Haushaltsplan eine Summe von
144.000 Euro aus und ist damit, wie bei den Haushaltsberatungen im
Jugendhilfeausschuss vorgetragen, wie in den Vorjahren nicht auskömmlich.
Zu 5.
Jobcenter und Jugendamt sind regelmäßig im Gespräch, um die Zusammenarbeit an
den unterschiedlichsten Stellen abzustimmen. Die Abteilung Jugend ist weiterhin
interessiert, eine gemeinsame AnlaufsteIle mit dem JobCenter zu realisieren, in der
zumindest zeitweise Sprechstunden der Jugendberater/innen angeboten werden
können. Für den Januar 2014 ist ein Workshop in Form einer Zukunftswerkstatt mit
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Jugendamtes (Jugendberaterinnen und
Jugendberater aus allen Regionen), den Fallmanagerinnen und Fallmanagern und
Arbeitsvermittlerinnen und Arbeitsvermittlern aus dem Bereich U25 des Jobcenters
unter Beteiligung der Arbeitsagentur Berlin Nord geplant. Das Jobcenter wird diesen
Workshop planen, durchführen und auch auswerten.
Wie weit sich eine gemeinsame AnlaufsteIle tatsächlich realisieren lässt, hängt im
Wesentlichen von der personellen Ausstattung des Jugendamtes ab. Wie bekannt sind
durch den VZÄ-Abbau im Jugendamt Stellen im Umfang von 19,3 VZÄ bis 2016
abzubauen. Darüber hinaus sind aktuell im Regionalen Sozialdienst einschließlich
Jugendberatung rund 18 % der Stellen nicht besetzt, so dass derzeit prioritär die
notwendigsten Pflichtaufgaben insbesondere im Rahmen des Kinderschutzes
wahrgenommen werden müssen.
Auf Landesebene wurde im Bereich der Jugendverwaltung eine Arbeitsgruppe zur
Erarbeitung eines Konzepts einer Jugendberufsagentur eingesetzt. Vom Ergebnis der
Arbeitsgruppe und Entscheidungen hierzu auf Landesebene erhofft sich das Bezirksamt
insbesondere Unterstützung hinsichtlich der dafür notwendigen personellen
Ressourcen. Aus dem Bestand wird das Jugendamt nach gegenwärtig sich
abzeichnender Aufgaben- und Personalentwicklung keine Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter dafür abstellen können.
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