Beschlussvorlage.pdf

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Daten

Kommune
Ulm
Dateiname
Beschlussvorlage.pdf
Größe
357 kB
Erstellt
12.10.15, 21:52
Aktualisiert
27.01.18, 09:43

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Stadt Ulm Beschlussvorlage Sachbearbeitung ABI - Ältere, Behinderte und Integration Datum 16.04.2014 Geschäftszeichen ABI/ SG 2 Beschlussorgan Fachbereichsausschuss Bildung und Soziales Behandlung öffentlich Betreff: Stationäres Hospiz Ulm (u.a. Antrag der CDU-Fraktion vom 26.02.2014, Nr. 42) - Sachstandsbericht - Anlagen: 1 Sitzung am 14.05.2014 TOP GD 168/14 Antrag: Vom Bericht Kenntnis zu nehmen. Walter Lang Genehmigt: BM 2, OB Bearbeitungsvermerke Geschäftsstelle des Gemeinderats: Eingang OB/G Versand an GR Niederschrift § Anlage Nr. -2- Sachdarstellung: 1. Allgemeines Das Hospiz Ulm ist als Gesellschaft unter dem Namen Hospiz Agathe Streicher gemeinnützige GmbH mit Sitz in Ulm im Handelsregister des Amtsgerichts Ulm eingetragen. Das Hospiz Ulm e.V. ist Alleingesellschafter. Der Gegenstand des Unternehmens ist der Betrieb eines stationären Hospizes im Sinne des §39a SGB V. Das Hospiz ist als eine ausschließlich und unmittelbar mildtätigen Zwecken dienende Körperschaft als gemeinnützig im Sinne der §§ 51 ff AO anerkannt. Im Vordergrund der Hospizarbeit steht die ambulante Begleitung im Haushalt oder der Familie mit dem Ziel, sterbenden Menschen ein möglichst würdevolles und selbstbestimmtes Leben bis zum Ende zu ermöglichen. Wünsche und Bedürfnisse der Sterbenden und ihrer Angehörigen stehen im Zentrum des Handelns der Hospizs. Nicht immer ist eine Versorgung zuhause ausreichend gewährleistet. Hier kann das stationäre Hospiz eine Alternative sein: Ziel der stationären Hospizarbeit ist es, eine palliativmedizinische Behandlung und Pflege anzubieten, die die Lebensqualität des sterbenden Menschen verbessert, seine Würde nicht antastet und aktive Sterbehilfe ausschließt. Zur Optimierung der Versorgung arbeitet das Hospiz im Rahmen des regionalen Netzwerks mit den niedergelassenen Ärzten, Krankenhäusern und sonstigen innerhalb des Versorgungsspektrums Beteiligten eng zusammen. Das stationäre Hospiz in Ulm wurde 2001 eröffnet. Seit November 2009 ist der Sitz in der Lichtensteinstraße 14/2 im 2. Stockwerk mit herrlichem Blick über Ulm. In ruhiger, familiärer Atmosphäre bieten die 10 geräumigen und gemütlichen Einzelzimmer Kranken, ihren Angehörigen und Freunden viel Intimsphäre und Freiraum. Jedes Zimmer ist individuell ausgestattet, alle verfügen über Telefon, Fernseher, Kühlschrank und WLAN Anschluss. Die Stadt Ulm beteiligte sich 2008 beim Umbau der Klinik Dr. Bertele in ein Hospizhaus mit einem Baukostenzuschuss von 300.000 €. Ende 2013 beschloss der Gemeinderat, das zinslose Darlehen i.H.v. 200.000 € in einen Zuschuss umzuwandeln. Im Hospiz wird alles getan, um die Beschwerden von Schwerkranken und Sterbenden zu lindern. Das können Schmerzen, Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, Schlaflosigkeit, Durst usw. sein. Dieses Konzept nennt man Palliative Care, übersetzbar mit „lindernde Fürsorge für sterbende Menschen“. Hervorragend ausgebildete hauptamtliche Pflegemitarbeiterinnen arbeiten nach palliativmedizinischen Maßstäben. Das bedeutet: Die Kranken erhalten eine bestmögliche Linderung der Beschwerden durch eine patientenorientierte Pflege und durch eine konsequent durchgeführte Schmerztherapie. Auf Wunsch werden alternative Möglichkeiten bei der Pflege angeboten, z.B. Massagen, rhythmische Einreibungen, Aromatherapie, Malterapie, Atemtherapie, Pflege nach anthroposophischen Gesichtspunkten. Der Sterbende wird in seiner Persönlichkeit, seiner religiösweltanschaulichen Prägung, seiner Lebensgeschichte und seiner persönlichen Bedürfnisse wahrgenommen und geachtet. Hausärztinnen und Hausärzte sorgen für die notwendigen palliativmedizinischen Maßnahmen. Auch Ehrenamtliche, Hauswirtschaftskräfte und die Sozialarbeiterin helfen dabei, dass sich Menschen trotz ihrer schweren Krankheit möglichst wohlfühlen. Die Kranken gestalten, soweit es ihr Zustand zulässt, ihren Alltag selbst. Dabei finden ihre Lebensgeschichte, ihr Lebensrhythmus, ihre Vorlieben und Abneigungen und ihre wechselnden Bedürfnisse und Befindlichkeit Berücksichtigung. Die Seelsorge wird ehrenamtlich von Reinhard Müller, Pfarrer im Ruhestand, übernommen. Selbstverständlich können jedoch auch Geistliche anderer Konfessionen angefragt werden. -3Wichtig ist, dass die betroffenen Menschen und ihre Angehörigen umfassend informiert und beraten werden, aber selbst entscheiden, was sie möchten. Zugehörige mit ihren Ängsten und Bedürfnissen werden integriert und beim Abschied nehmen unterstützt. Es gibt keine festgelegten Besuchszeiten, Angehörige dürfen rund um die Uhr da sein. Sie können im Zimmer des Kranken übernachten und die Mahlzeiten im Haus einnehmen. Es gibt zusätzlich ein Appartement, wenn Angehörige von auswärts kommen und einen längeren Aufenthalt einplanen. Wenn Haustiere zu den nächsten „Zugehörigen“ zählen finden auch sie einen Platz, wenn es vom Kranken so gewünscht wird. Es gibt fast nichts, was nicht möglich gemacht werden kann mit Hilfe vieler Menschen, die sich im Hospiz engagieren. So gab es im Ulmer Hospiz auch schon zwei Hochzeiten und den Besuch eines Pferdes. Die Mahlzeiten können gemeinsam mit anderen in der Wohnküche eingenommen werden. Diese ist auch der Treffpunkt für Austausch und Unterhaltung. Eine große Dachterrasse bietet einen herrlichen Ausblick auf das Münster und es besteht auch die Möglichkeit, Pflegebetten raus zu stellen, so dass die Kranken sich an der frischen Luft aufhalten können. Die Menschen, die im Hospiz Aufnahme finden, sollen sich ähnlich wohl fühlen wie zuhause und darüber hinaus die Gewissheit haben, dass immer jemand in der Nähe ist. 2. Auslastung Auslastung 2010 85 % Auslastung 2011 87,7 % Anmeldungen/Warteliste: 340 Personen Anmeldungen/Warteliste: 388 Personen Tatsächliche Aufnahmen: 154 Personen Tatsächliche Aufnahmen 155 Personen Belegtage: Auslastung 2012 3097 Tage 92,6 % Belegtage: Auslastung 2013 – 3200 Tage 92,1 % Anmeldungen/Warteliste: 464 Personen Anmeldungen/Warteliste: 451 Personen Tatsächliche Aufnahmen: 141 Personen Tatsächliche Aufnahmen 126 Personen Belegtage: 3. 3383 Tage Belegtage: 3332 Tage Personalsituation Insgesamt stehen 11 Planstellen Pflege, 1,8 Planstellen Hauswirtschaft, 0,70 Planstellen Sozialarbeit, 0,25 Geschäftsleitung sowie ein Hausmeister auf 450 € Basis zur Verfügung. Darüber hinaus unterstützen 38 Ehrenamtliche im hauswirtschaftlichen Dienst und ein ehrenamtlicher Seelsorger die Arbeit. 4. Finanzierung Grundlage der Finanzierung ist ein Versorgungsvertrag über stationäre Hospizversorgung im Sinne des § 39a SGB V mit den Verbänden der Krankenkassen. In einer Vergütungsvereinbarung wird ein tagesbezogener Bedarfssatz verhandelt, der sich allerdings nicht an den tatsächlichen Bedarfen orientiert. So würde ein Tagessatz, der den tatsächlichen Kosten entspricht, bei einer kalkulatorischen -4Auslastung von 80%, rund 300 € betragen. Der aktuell mit den Krankenkassenverbänden ausgehandelte Tagessatz für das Hospiz Agathe Streicher beträgt 260 €, 10% davon sind als Eigenquote durch das Hospiz in Form von Spenden aufzubringen, die Kostenträger ziehen diesen Betrag direkt vom verhandelten Betrag ab. Das bedeutet, dass das Hospiz einen Zuschuss in Höhe von 234 € pro Tag und Bett (Differenz von ca. 66 €) erhält. Im Versorgungsvertrag ist zudem geregelt, dass die anspruchsberechtigten Versicherten, die im Hospiz stationär aufgenommen werden, keine Zuzahlungen zu leisten haben. Dies hat zur Folge, dass das Hospiz jährlich weit mehr als die geforderten 10% an Eigenleistung aufbringen muss. Der Betrag liegt je nach Belegungssituation zwischen 130.000 € und 160.000 € jährlich. 5. Übersicht Defizitermittlung 2010 - 2013 Defizit: Ausgleich durch : 2010 Gesamtkosten: 793.272 € Hospiz e.V.: Kostenträger: 639.272 € Förderverein 79.000 € Differenz: 75.000 € 154.000 € 2011 Gesamtkosten: 854.529 € Hospiz e.V.: Kostenträger: 696.925 € Förderverein: 63.000 € Differenz: 94.604 € 157.604 € 2012 Gesamtkosten: 902.267 € Hospiz e.V. Kostenträger 743.000 € Förderverein: 72.500 € Differenz: 86.767 € 159.267 € 2013 Gesamtkosten: 908.077 € Hospiz e.V.: Kostenträger: 756.792 € Förderverein 63.000 € Differenz: 151.285 € 88.285 € -5Das o.a. strukturelle Defizit hat das Hospiz veranlasst, noch vor der Gründung des stationären Hospizes nach einer Zusatzfinanzierung Ausschau zu halten. So hat sich am 13.03.2001 der Förderverein Hospiz Agathe Streicher konstituiert. Gründungsmitglieder sind: Stadt Ulm, Stadt Neu-Ulm, Landkreis Neu-Ulm, Alb-Donau-Kreis, Universitätsklinikum Ulm, katholische Gesamtkirchenpflege, Diakonieverband Ulm Derzeitige Mitgliederzahl: 106 (Juristische Personen/ Natürliche Personen), Vorstandsvorsitzender Dr. Götz Hartung. Die Stadt Ulm leistet einen jährlichen Mitgliedsbeitrag von 20.000 €. Der Förderverein hat es sich zur Aufgabe gemacht, das stationäre Hospiz ideell und finanziell zu unterstützen. Derzeit ist es dem Verein möglich, das jährliche Defizit durch einen Zuschuss in Höhe von ca. 70.000 € zu reduzieren. Den Rest verantwortet der Verein Hospiz Ulm e.V. als alleiniger Gesellschafter. Die Stadt Ulm ist gerne zu Gesprächen über eine weitergehende Förderung bereit, sofern sich die anderen Gebietskörperschaften ebenfalls anteilig nach der Belegung beteiligen und die Kranken- und Pflegekassen ihre Tagessätze entsprechend den tatsächlichen Kosten anpassen.