Daten
Kommune
Berlin Pankow
Dateiname
VzK ,7. ZB, 41 Tagung am 17.05.2006.pdf
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Erstellt
14.10.15, 02:00
Aktualisiert
27.01.18, 11:17
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Inhalt der Datei
Drucksache
der
Bezirksverordnetenversammlung
Pankow von Berlin
V-0086
V-0800
Vorlage zur Kenntnisnahme § 13 BezVG /ZB
des Bezirksamtes
Beratungsfolge:
17.04.2002
05.06.2002
09.10.2002
05.03.2002
21.05.2003
12.11.2003
01.09.2004
31.08.2005
17.05.2006
BVV
BVV
BVV
BVV
BVV
BVV
BVV
BVV
BVV
BVV/05/2002
BVV/06/2002
BVV/09/2002
BVV/02/V
BVV/14/V
BVV/20/V
BVV/07/V
BVV/34/V
BVV/41/V
ohne Änderungen in der BVV beschlossen
mit Zwischenbericht zur Kenntnis genommen
mit Zwischenbericht zur Kenntnis genommen
mit Zwischenbericht zur Kenntnis genommen
mit Zwischenbericht zur Kenntnis genommen
mit Zwischenbericht zur Kenntnis genommen
mit Zwischenbericht zur Kenntnis genommen
mit Zwischenbericht zur Kenntnis genommen
Betreff: Bericht des Bezirksamtes zu rassistisch und rechtsradikal motivierten
Vorfällen
Beratungsfolge:
29.09.2004
BVV
BVV/08/V
beschlossen
31.08.2005
BVV
BVV/34/V
mit Zwischenbericht zur Kenntnis genommen
17.05.2006
BVV
BVV/41/V
Betreff: Expertise von Nichtregierungsorganisationen im Bericht des
Bezirksamtes zu rassistisch und rechtsradikal motivierten Vorfällen
Es wird gebeten, zur Kenntnis zu nehmen:
Siehe Anlage
Berlin, den 09.05.2006
Einreicher: Bezirksamt
Ergebnis:
ZUR KENNTNIS GENOMMEN OHNE AUSSPRACHE
x
ZUR KENNTNIS GENOMMEN MIT AUSSPRACHE
zurückgezogen
Drs. V-0086
Drs. V-0800
Bezirksamt Pankow von Berlin
An die
Bezirksverordnetenversammlung
.05.2006
Drucksache-Nr.:
in Erledigung der
Drucksache Nr. V-86/2002
und
Drucksache Nr. V-800/2004
Vorlage zur Kenntnisnahme
für die Bezirksverordnetenversammlung gemäß § 13 BezVG
7. Zwischenbericht
Bericht des Bezirksamtes zu rassistisch und rechtsradikal
motivierten Vorfällen
im Sachzusammenhang
Expertise von Nichtregierungsorganisationen im Bereich des Bezirksamtes zu
rassistisch und rechtsradikal motivierten Vorfällen
Wir bitten zur Kenntnis zu nehmen:
In Erledigung des in der 5. Sitzung am 17.04.2002 angenommenen Ersuchens der
Bezirksverordnetenversammlung –Drucksache Nr. V-86/2002, hier: Punkt 1
Bericht des Bezirksamtes zu rassistisch und rechtsradikal
motivierten Vorfällen
„Das Bezirksamt wird beauftragt, der BVV halbjährlich einen Bericht zu Vorfällen/Straftaten
mit vermuteten oder bestätigten rassistischen, fremdenfeindlichen und/oder rechtsradikalen
Hintergrund vorzulegen.
In dem Bericht sollen detaillierte Angaben über Art und Weise, Ort und Zeit der Vorfälle
enthalten sein.“
und des in der 26. Sitzung am 29.09.2004 angenommenen Antrages der
Bezirksverordnetenversammlung – Drucksache Nr. V-800/2004:
Expertise von Nichtregierungsorganisationen im Bereich des Bezirksamtes zu
rassistisch und rechtsradikal motivierten Vorfällen
„Das Bezirksamt wird beauftragt, in Ergänzung der Drs. V-86/02, Punkt 1, „Bericht des
Bezirksamtes zu rassistisch und rechtsradikal motivierten Vorfällen“, in die nächsten Berichte
an die BVV auch die Erkenntnisse von Nichtregierungsorganisationen (z.B.
Opferberatungsstellen) aufzunehmen.“
wird gemäß § 13 Bezirksverwaltungsgesetz berichtet:
In Erledigung der vorbezeichneten Beschlüsse und in Fortführung der bisher dazu erstellten
Zwischenberichte an die BVV hat das für Öffentliche Sicherheit zuständige Referat der
Senatsverwaltung für Inneres die halbjährlich zugesagten Berichte mit letztem Schreiben
vom 16.03.2006 abgegeben und im Wortlaut wie folgt Mitteilung dazu gemacht:
„Politisch „rechts“ motivierte Kriminalität in Pankow im Jahre 2005
Im Rahmen meiner Zuständigkeit berichte ich wie folgt:
Dem Polizeilichen Staatsschutz im Landeskriminalamt wurden im Jahr 2005 insgesamt 341
Fälle der Politisch motivierten Kriminalität (PMK) in Pankow bekannt, von denen 196 dem
Phänomenbereich PMK-rechts zugeordnet worden sind. Darunter wurden 29 Fälle als
fremdenfeindlich motiviert bewertet; davon drei als Gewaltdelikte.
Bei diesen drei Gewaltdelikten handelt es sich um folgende Vorgänge:
1) Am 29.05.2005, gegen 19.55 Uhr, saßen die drei späteren Geschädigten
nichtdeutscher Herkunft in einem Park an der Berliner Allee in 13088 Berlin, als sie
von zwei männlichen Tätern mit den Worten "da sind ja Ausländer, Scheiß Ausländer,
auf sie" verbal attackiert wurden. Die Geschädigten flüchteten daraufhin, weil ein
Täter ein Messer zog und hiermit stechende Bewegungen in ihre Richtung ausführte.
Nach einer Verfolgungsaktion wurde einem Geschädigten mit dem Flaschenhals
einer zerbrochenen Bierflasche in den Rücken gestochen. Die Täter konnten ermittelt
werden.
2) Ein Geschädigter wurde am 09.10.2005 auf der Sulzfelder Str. in 13088 Berlin von
drei Männern mit den Worten "das ist unser Gehweg" angesprochen. Es fielen noch
weitere Äußerungen, die der später Geschädigte aufgrund seiner ausschließlich
vorhandenen Englischkenntnisse nicht verstanden hatte. Von den unbekannt
gebliebenen Tätern wurde der Geschädigte dann in englischer Sprache aufgefordert,
die Geh-wegseite zu wechseln. Als er der Aufforderung nachkommen wollte, bekam
er einen Schlag in den Nacken. Als Reaktion drehte er sich um und schlug mit der
Faust ins Gesicht eines der Täter.
3) Ein Opfer dunkler Hautfarbe lief am 14.11.2005 auf dem Gehweg an der
Schönhauser Allee in 10439 Berlin, als ihm in Höhe der Einmündung der PaulRobeson-Str. zwei männliche Personen begegneten. Einer stieß ihn beim
Vorbeigehen seitlich an; im Anschluss schlug einer der Tatverdächtigen mehrmals mit
der geballten Hand in Kopfrichtung des Geschädigten, der bei der Attacke mehrere
Schläge in Höhe der rechten Schläfe erhielt. Danach flüchteten beide unter
Alkoholeinfluss stehenden Personen. Sie konnten kurz darauf von der Polizei
vorläufig festgenommen werden.
Bei den Delikten mit antisemitischer Handlungsmotivation waren im Jahr 2005 insgesamt 35
Fälle zu verzeichnen, darunter kein Gewaltdelikt.
Außerdem sind in Pankow im Jahr 2005 insgesamt 116 Propagandadelikte zu verzeichnen
gewesen; stadtweit wurden 1367 derartige Taten polizeilich bekannt.“
Mit gleichem Schreiben bittet die Senatsinnenverwaltung darum, künftig zu einer jährlichen
Berichterstattung übergehen zu können. Ende Februar/Anfang März des jeweiligen
Folgejahres würde das Bezirksamt Zahlenmaterial erhalten, das Bestandteil der zu diesem
Zeitpunkt veröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik und somit statistisch aussagekräftiger
wäre. Der Abgleich mit der Polizeilichen Kriminalstatistik ist im übrigen der Grund für die
bislang verspäteten halbjährlichen Berichterstattungen von SenInn an das Bezirksamt und
damit an die BVV.
Expertise von Nichtregierungsorganisationen im Bereich des Bezirksamtes zu
rassistisch und rechtsradikal motivierten Vorfällen
Erstmals liegen für das Jahr 2005 die im Pankower Register erfaßten rassistisch,
rechtsextrem und/oder antisemitisch motivierten Vorfällen und Angriffen vor. Die Einrichtung
des Registers war Bestandteil der in den Zielvereinbarungen 2004 und 2005 zur Umsetzung
des Lokalen Aktionsplanes Pankow zwischen dem Bezirksamt Pankow und den Partnern der
ARGE Aktionsplan, d. h. der Mobilen Beratung gegen Rechts vom Verein für demokratische
Kultur Berlin e. V. und der Netzwerkstelle [moskito] von Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH
festgelegten Maßnahmen. Über die Vorbereitung und Implementierung des Registers und
des dazugehörigen Fragebogens wurde die BVV bereits im Abschlussbericht über die
Umsetzung der Zielvereinbarung 2005 unter Punkt 2.1.4. informiert.
Im Bezirk bestehen nunmehr 8 Anlaufstellen, darunter bei Vereinen, einer Schule und einer
Beratungseinrichtung. Diese erfassen per Fragebogen diejenigen Hinweise und
Informationen, die einen rechtsextremistischen, rassistischen oder antisemitischen
Hintergrund vermuten lassen, und geben sie zur Auswertung an die Netzwerkstelle [moskito]
weiter. Informationen erfolgen anlassbezogen auch in den Sitzungen des Fachgremiums der
ARGE Aktionsplan.
Die im Bezirk Pankow im vergangenen Jahr insgesamt erfaßten 53 Vorfälle bilden nur einen
Ausschnitt rechter und rassistischer Angriffe im Großbezirk ab, da noch immer nicht jeder
Vorfall gemeldet wird und das Register noch nicht allenthalben bekannt ist. Die gemeldeten
Vorfälle verdeutlichen dennoch die Breite der Bedrohungsszenarien. Am häufigsten wurde
über rechte und diskriminierende Slogans auf Plakaten, Aufklebern und Hauswänden
informiert. Dem folgten Hinweise zu rechtsextremen Übergriffen. Informiert wurde ebenso
über drei fremdenfeindliche bzw. rassistische Übergriffe sowie über die Schändung von
Gräbern auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee. Auffallend ist die Zunahme von
Demonstrationen rechtsextremer Gruppierungen im vierten Quartal 2005 durch Pankower
Regionen. Die Gesamtheit der erfaßten Vorfälle verdeutlicht auch ein regional breites
Aktionsfeld. Die Schwerpunkte liegen hier im Umfeld von S- bzw. U - Bahnhöfen wie
Pankow, Prenzlauer Allee und Schönhauser Allee sowie regional in den Ortsteilen
Niederschönhausen, südliches Weißensee sowie Prenzlauer Berg Nord und Prenzlauer Berg
Ost.
Die im Jahre 2005 zusammengetragene Pankower Chronik wurde inzwischen in die von der
Opferberatungsstelle Reach Out geführte berlinweite Chronik eingeordnet bzw. vom Apabiz,
dem antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin e. V. erfaßt.
Festgelegt wurde des weiteren, halbjährlich dem Bezirksbürgermeister eine Auswertung des
Registers vorzulegen. Diese wird Bestandteil der Berichte des Bezirksamtes an die
Bezirksverordnetenversammlung Pankow zu rassistisch und rechtsradikal motivierten
Vorfällen.
Die Chronik 2005 des Pankower Registers steht ebenso auf der Internetseite des Bezirksamtes Pankow zum Download zur Verfügung unter www.berlin.de/pankow
Die ARGE Aktionsplan ist gegenwärtig dabei, über die derzeitigen Anlaufstellen hinaus
diverse zivilgesellschaftliche Akteure im Bezirk mit den Ergebnissen dieser Chronik bekannt
zu machen für deren Auseinandersetzung mit rechten, fremdenfeindlichen und
antisemitischen Erscheinungen vor Ort.
Haushaltsmäßige Auswirkungen
keine
Gleichstellungsrelevante Auswirkungen
keine
Auswirkungen auf die nachhaltige Entwicklung
Sensibilisierung und Aktivierung des zivilgesellschaftlichen Engagements im Bezirk gegen
Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus, Stärkung der
Bürgergesellschaft.
Kinder- und Familienverträglichkeit
entfällt
Burkhard Kleinert
Bezirksbürgermeister
Anlage
Pankower Register – Pankower Chronik 2005
Info-Blatt Pankower Register
Pankower Chronik 2005
Das Register ist eine Maßnahme der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) zur Umsetzung des „Lokalen Aktionsplan für
Demokratie und Toleranz - gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus". Die ARGE ist eine
Kooperation der Netzwerkstelle [moskito] der Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH und dem Verein für Demokratische
Kultur Berlin e.V. als Träger der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR). Gefördert durch das
Bundesprogramm CIVITAS.
Pankower Register Chronologie 2005
2
Pankower Register Chronologie 2005
11. Dezember 2004
In der U-Bahnlinie 2 wird eine Frau mit einem Karton mit arabischen Schriftzeichen
von einem ca. 18 jährigen Mann angesprochen mit der Frage, ob das jüdisch sei.
Trotz der Verneinung sagt der Mann, er hasse Juden. Er fotografiert die Frau,
bezeichnet sie als Judenfreundin und verabschiedet sich von der Frau am U-Bahnhof Schönhauser
Allee mit den Worten „Sieg heil"
Netzwerkstelle [moskito]
17. Januar 2005
An der Station Gustav- Adolfstraße/ Langhansstraße werden gegen 17 Uhr in einem Linienbus
mehrere ausgelegte Flugblätter entdeckt, die für den
nationalsozialistischen Roman „Der letzte Patriot" von J. Voigt werben.
Antifa Weißensee
31. Januar 2005
Nach dem Besuch einer unbekannten Gruppen von ca. 12 Männern werden im Kurt- Lade-Klub
Aufkleber der „Kameradschaft Nord-Ost" gefunden mit den Texten „Stoppt
den deutschen Selbsthass" und „Verbot aller antivölkischen Demonstrationen"
Pankower Netzwerk gegen Rassismus, Antisemitismus und rechte Gewalt
12. Februar 2005
Drei maskierte Personen stürmen in den Irish Pub „Green Island" in der
Mühlenstraße und zerstören mit axtähnlichen Gegenständen fast die komplette Innenausstattung
des Lokals. Anschließend sprühen sie Hakenkreuze und SSRunen an die Wände. Laut Aussagen des Besitzers war der Pub eine zeitlang ein Treffpunkt rechter
Jugendlicher, denen Hausverbot erteilt wurde.
Tagesspiegel 14.02.2005
Pankower Netzwerk gegen Rassismus, Antisemitismus und rechte Gewalt
14. Februar 2005
An der Rückseite eines Baumarktes in der Blankenburger Straße werden mehrere
Plakate der NPD - Pankow geklebt.
Netzwerkstelle [moskito]
17./18. Februar 2005
Am S-Bahnhof Prenzlauer Allee und entlang der S-Bahnstrecke Richtung Wedding
wird die Internetadresse der Kameradschaft „Nationale Aktivisten Prenzlauer Berg"
gesprüht.
Netzwerkstelle [moskito]
18. Februar 2005
Zwei weibliche Jugendliche werden am Abend auf der Bornholmer Straße von acht
ihnen entgegenkommenden Männern mit sexistischen Sprüche lautstark angepöbelt
und als „Dumme Zecken" bezeichnet.
Netzwerkstelle [moskito]
20. Februar 2005
Im Thälmann Park werden auf Laternen und Bänken Aufkleber geklebt, die auf die
„Horst Wessel Aktionswoche" aufmerksam machen. Neben der Schrift befindet sich
ein Konterfei von Horst Wessel sowie Runen.
Netzwerkstelle [moskito]
3
Pankower Register Chronologie 2005
3. März 2005
Gegen 22.00/ 22.30 Uhr wird ein Jugendlicher beim joggen am Weißen See in Höhe
des Pavillon an der Bootsanlegestelle aus einer Gruppe Nazis heraus mit
Schneebällen beworfen. Als der Jugendliche in seiner zweiten Runde den Pavillon
erneut passiert wird er mit Flaschen beworfen. Während der dritten Jogging-Runde
wird der Jugendliche von einem aus der Gruppe aus einem Gebüsch heraus mit
einem Schlagring attackiert und erleidet eine kleine Streifwunde. Der Jugendliche
wehrt sich, woraufhin der Nazi wegläuft.
Antifa Weißensee
29. März 2005
Im Stadtteilzentrum am Teutoburger Platz wird auf der Infotafel im Durchgang zum
Hof ein Hakenkreuz eingeritzt.
Netzwerkstelle [moskito]
1. April 2005
Wie bereits drei Tag zuvor wird eine junge Frau früh Morgens in der Metrolinie M13
an der Haltestelle Prenzlauer Allee/Ostseestraße von demselben Nazi angepöbelt
und bedroht. Als die Frau wieder aussteigt und sich in der Nähe der Haltestelle
versteckt folgt ihr der Nazi. Er beschimpft sie erneut, kann sie aber nicht finden.
Antifa Weißensee
12. April 2005
In einer Kneipe in Prenzlauer Berg bekommen Mitarbeiter/innen eine
Dienstanweisung in der u.a. „schwarzen Jugendlichen" ein Hausverbot angedroht
wird.
Pankower Netzwerk gegen Rassismus, Antisemitismus und rechte Gewalt
16. April 2005
Ein aus dem Kurt-Lade-Klub kommender junger Musiker wird von drei jungen
Männer gefragt, ob er aus dem Klub käme. Als er bejaht, wird er in das
Warthäuschen der Bushaltestelle Tschaikowskystraße in eine Ecke gedrängt und geschlagen. Der
Betroffene erleidet Schürfwunden, Prellungen und Schnitte
unterhalb des Auges von seiner zerstörten Brille. Er muss im Krankenhaus behandelt
werden.
Pankower Netzwerk gegen Rassismus, Antisemitismus und rechte Gewalt
Reachout Berlin
Netzwerkstelle [moskito]
26. April 2005
Drei Musiker werden gegen 18.30 Uhr in ihrem Proberaum in Pankow von vier
Männern überfallen. Die vier Männer sind der rechten Szene zu zuordnen. Die
Musiker werden mit Reizgas besprüht und wortlos mit Teleskopschlagstöcken
äußerst brutal zusammengeschlagen. Selbst als die Musiker blutend am Boden
liegen, schlagen die Täter noch auf sie ein. Die drei Musiker tragen
Kopfverletzungen, Prellungen und Augenreizungen davon und werden im
Krankenhaus behandelt. Die Täter werden in der Nähe des Tatortes festgenommen.
Der Staatsschutz ermittelt.
Pressedienst der Polizei vom 27.04.05
Reachout Berlin
4
Pankower Register Chronologie 2005
21. Mai 2005
In den frühen Morgenstunden überkleben Nazis entlang der Gustav- Adolf- Straße,
der Wisbyer Straße bis zur Prenzlauer Allee Plakate für eine Demo gegen Naziläden.
Auf den Plakaten stehen die Parolen „ Rock the Antifa in Pankow und anderswo" und
„Lade-Club dichtmachen! Deutsche Jugend braucht deutsche Alternativen".
Antifa Weißensee
22. Mai 2005
Zwei junge Leute, die für eine Veranstaltung im Kurt-Lade-Klub plakatieren, werden
gegen drei Uhr morgens im Hof der Breite Straße 16, in der sich die Kneipe
„Wohlklang" befindet, von Gästen aus der Kneipe mit „Rotfront verrecke" angepöbelt.
Als die beiden in Richtung Pankow Kirche weggehen wird ihnen ein Glas hinterher
geworfen. Ein junger Mann, der sie einholt, versucht ihnen die Plakate zu entreisen.
Als dies misslingt schlägt der Mann zu und trifft den einen Jugendlichen am Auge.
Pankower Netzwerk gegen Rassismus, Antisemitismus und rechte Gewalt
8. Juni 2005
Eine als Linke erkennbare Frau wird in der Storkower Straße in der Nähe des SBahnhofes von vier Neonazis angegriffen und beleidigt. Die Frau wird von hinten
gewürgt. Der Versuch, die Frau zu vergewaltigen, wird abgebrochen, da die Täter
sich beobachtet fühlen und deshalb wegrennen. Es gibt Zeug/innen, die die Frau
aber nicht ansprechen konnte.
Antifa Friedrichshain
27. Juni 2005
Im Ortsteil Niederschönhausen tauchen vermehrt Aufkleber der „Autonomen
Nationalisten Pankow" auf. Die Texte lauten „Niemand schafft größeres Unrecht als
der, der es in Form des rechtes begeht (Platon) - Gegen den § 130 StGB" und „Wir drohen nicht!
Wir versprechen!"
Außerdem tauchen Aufkleber der „Autonomen Nationalisten Hohenschönhausen" in
Niederschönhausen auf. Unter der Überschrift „Völkerverständigung" schlägt ein
weißer Mann einem dunkelhäutigen Mann den Kopf ab.
mbr-berlin
28. Juni 2005
In den vergangenen Monaten werden 21 der 58 angebrachten
Straßenzusatzschilder, überwiegend im Bötzow - Viertel, zerstört. Auf diesen Ergänzungsschildern
zu Straßen, die Namen von Widerstandskämpfer/innen
während des Nationalsozialismus tragen, befinden sich kurze Texte zu den Persönlichkeiten, um
ihnen zu gedenken.
Bürgerinitiative für einen toleranten Kiez
Ende Juni 2005
In Niederschönhausen werden verstärkt Aufkleber der „AGL Frei Kräfte Berlin"
geklebt mit dem Text „ Örtliche Strukturen unterstützen. Angst vor Antifa-Wichsern
und Ausländergängs in deinem Bezirk? NEIN!!"
mbr-berlin
5
Pankower Register Chronologie 2005
30. Juni 2005
In der Nacht wird der Jüdische Friedhof in Weißensee geschändet. Die Täter stoßen
vier Grabsäulen eines Grabes um und kippen einen weiteren Grabstein um. Der
Sicherheitsbeauftragte der Jüdischen Gemeinde erstattet Anzeige.
Netzwerkstelle [moskito]
ddp 30.06.2005
4. Juli 2005
Ein Fahrgast entdeckt in der Buslinie 150 Aufkleber der „Autonomen Nationalisten
Pankow" mit dem Text „ Wir drohen nicht - Wir versprechen!"
Beratungshaus Buch
7. Juli 2005
An die Hauswand der Jugendeinrichtung „Oktopus" in der Parkstraße werden zwei Hakenkreuze
gesprüht.
Netzwerkstelle [moskito]
23. Juli 2005
Gegen 0.40 Uhr werden in der Straßenunterführung zum S-Bahnhof Greifswalder
Straße zwei alternative Jugendliche aus einer Gruppe von fünfzehn Neonazis heraus angegriffen.
Die Neonazigruppe hielt sich an der dortigen Straßenbahn-Haltestelle
auf. Zwei der Täter greifen die Jugendlichen von vorne mit Schlägen und Tritten an,
während zwei weitere den Fluchtweg versperren. Nachdem die Polizei informiert
wird, können die Angreifer, die der Berliner Kameradschaftsszene zugeordnet
werden, in einer nahgelegenen Discothek gestellt werden.
Reachout Berlin
28. Juli 2005
Am Beratungshaus Buch werden NPD-Aufkleber gefunden mit dem Text
„Deutschland über alles!".
Beratungshaus Buch
7. August 2005
Am Kurt-Lade-Klub in der Grabbeallee und Umgebung werden Plakate der
„Vereinten Nationalisten Nordost" mit dem Text „ Kein Geld für Asoziale und Linksradikale. Macht
den Club dicht!" gefunden.
Kurt Lade Klub
Pressemitteilung des Bezirksamt Pankow 10.08.06
14. August 2005
Es werden Aufkleber einer größeren Klebe-Aktion im Komponisten-Viertel
(Smetanastraße und Umgebung) entdeckt. Die Aufkleber mobilisieren zu der rechten
„Antikriegs-Demo" am 3. September 2005 an der Landsberger Allee. Aufrufer zu der Demonstration
sind die „Freien Kräfte Berlin"
Antifa Weißensee
15. August 2005
Im Komponisten-Viertel werden erneut Aufkleber für die rechte „AntikriegsDemonstration" am 3.September in Berlin entdeckt. Sie tragen Aufschriften wie „Für
freie Völker in einer freien Welt!" oder „Für die Unterdrückten! Gegen die Ausbeuter!"
Antifa Weißensee
6
Pankower Register Chronologie 2005
16. August 2005
Einer Passantin kommen gegen 15.30 Uhr auf der Berliner Straße auf der Höhe
eines Supermarktes drei junge Männer mit einem tragbaren Kassettenrekorder
entgegen. Aus diesem dröhnt lautstark Musik mit dem Text: „Deutschland,
Deutschland, Sieg heil..."
Beratungshaus Buch
17. August 2005
Gegen 14.30 Uhr beginnt die NPD auf dem Antonplatz einen Infostand aufzubauen.
Dieser wird von mehreren Personen aus dem Kameradschaftsspektrum geschützt.
Gegen 16 Uhr wird der Stand wieder abgebaut.
Antifa Weißensee
18. August 2005
Acht schwarz gekleidete Neonazis hängen auf der Berliner Allee und der Thomas- Mann-Straße
NPD-Plakate auf. Ihre Personalien werden von der vorbeikommenden
Polizei aufgenommen.
Antifa Weißensee
30. August 2005
Entlang der Ostsee Straße werden Aufkleber der „Deutschen Stimme" (DS) und der
„Unabhängigen Nachrichten" (UN) entdeckt, welche den 8.Mai als „Tag der
Niederlage" diffamieren. Die Texte der Aufkleber lauten: „1945/2005: 60 Jahre und
immer noch nicht frei! 8.Mai 2005 wir feiern nicht!" und „Kampagne gegen nationalen Selbsthass
und Medien Hetze. 1945 - Wir feiern nicht". Die Aufkleber stammen
vermutlich von einer Aufkleber-Aktion am Vortag.
Antifa Weißensee
3. September 2005
Am Gartenpavillon im Hof des Zeiler Wegs 29 werden Hakenkreuz und Runen- Schmierereien
entdeckt.
Beratungshaus Buch
8. September 2005
Vor dem Friedrich List Gymnasium in der. Kuckhoffstraße verteilen mehrere
Personen die „Schulhof-CD" der NPD.
Juso Kreisvorstand Pankow
12. September 2005
An der Hagenbeck Oberschule in der Gustav- Adolf- Straße verteilen mehrere
Personen die „Schulhof-CD" der NPD. Viele Schüler/innen schmeißen die CD weg.
Juso Kreisvorstand Pankow
13. September 2005
An der Kurt Tucholsky Oberschule in der Neumannstraße verteilen vier Männer die
„Schulhof-CD" der NPD. Viele Schüler/innen schmeißen die CD weg.
Pressemitteilung der Kurt Tucholsky Oberschule 14.09.05
7
Pankower Register Chronologie 2005
16. September 2005
Am Morgen baut die NPD einen Wahlstand auf dem Antonplatz auf und muss diesen
bereits gegen 12 Uhr auf Grund von Protesten von Passant/innen wieder abbauen.
Antifa Weißensee
18. September 2005
Kurz nach 3 Uhr steigen am Alexanderplatz vier Nazis in die U-Bahnlinie 2 Richtung
Pankow ein. Zuvor hatten sie bereits in der U-Bahnlinie 5 Fahrgäste angepöbelt und
den Hitlergruß gezeigt. Sie grölen lautstark Lieder, in denen häufig das Wort
„Kanake" vorkommt. Als sie an der Eberswalder Straße aussteigen, greifen sie zwei andere
Fahrgäste an. Einer der Angegriffenen kann die zufällig vorbei kommende
Polizei aufmerksam machen. Die Opfer erstatten Anzeige.
antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e.V.
28. September 2005
Am Morgen um 5.45 Uhr pöbeln mehrere Jugendliche auf der Berliner Allee,
zwischen Antonplatz und Albertinenstraße, einen Punk an. Nachdem dieser die
Provokation ignoriert, werfen die Jugendlichen eine Flasche nach ihm, die nur knapp
seinen Kopf verfehlt und beschimpfen ihn als „Zecke"
Antifa Weißensee
7. Oktober 2005
Spontan demonstrieren ca. 50 Rechtsextreme durch den Prenzlauer Berg. Sie haben schwarz-weißrote sowie Fahnen der „Jungen Nationaldemokraten" (JN) dabei und skandieren Sprechchöre, in
denen sie den Staat Israel und die Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts verhöhnen.
Der Aufmarsch, organisiert von der
„JN-Berlin/ Stützpunkt Nordost", führte von der Greifswalder Straße zum S-Bahnhof Landsberger
Allee. Er dauerte ca. zwei Stunden.
Netzwerkstelle [moskito]
9. Oktober 2005
An der Rückseite eines Supermarktes in der Streustraße/ Ecke Roelckestraße sowie
auf dem dazugehörigen Parkplatz werden Schmierereien der „Nationalen Aktivisten Prenzlauer
Berg" (Schriftzug und Internetseite) entdeckt.
Antifa Weißensee
15. Oktober 2005
Am Abend werden in Weißensee in der Blankenburger Straße zwei alternative
Frauen von zwei Männern angesprochen und beleidigt, weil diese über NPDAufkleber Aufkleber einer Antifa- Gruppe kleben. Einer der beiden Männer
verschwindet kurz auf seinem Fahrrad und kommt kurz darauf mit 5 schwarz
gekleideten Personen wieder. Diese bauen sich vor den zwei Frauen auf, beleidigen
sie weiter und versuchen einer Frau ihre Aufnäher von der Jacke zu reißen. Im
weggehen drohen sie den Frauen damit, dass beim nächsten Treffen mehr passieren
werde.
Bunte Kuh e.V.
8
Pankower Register Chronologie 2005
15. Oktober 2005
Am Oberstufenzentrum in der Buschallee verteilen ca. vier Nazis die „Schulhof-CD"
der NPD. Alternativ aussehende Jugendliche werden als „Zecken" beschimpft.
Antifa Weißensee
22. Oktober 2005
Ca. 120 Neonazis marschieren vom S-Bahnhof Pankow zum S-Bahnhof Pankow - Heinersdorf
unter dem Motto „Mehr Geld und soziale Gerechtigkeit für die deutsche
Jugend"
Pankower Netzwerk gegen Rassismus, Antisemitismus und rechte Gewalt
1. November 2005
An ein Haus in der Küselstraße (Carl- Leggien- Siedlung) wird mit einer Schablone
an die Wand „Israel, du Opfer" und ein Hakenkreuz darunter gesprüht. Eine
Anwohnerin erstattet Anzeige.
Netzwerkstelle [moskito]
2. November 2005
Ca. 35 Rechtsextremisten marschieren durch den Prenzlauer Berg zum S-Bahnhof Greifswalder
Straße.
Netzwerkstelle [moskito]
2. November 2005
Eine Gruppe junger Linker wird nach einer Nazi-Spontandemonstration am SBahnhof Greifswalder Str. von ca. 40 Nazis angegriffen. Eine Frau wird zu Boden
gestoßen und von mehreren Personen mit Fäusten traktiert. Sie lassen von ihr ab,
als drei Personen einige prügelnde Nazis zur Seite stoßen, andere weichen
daraufhin zurück. Kurze Zeit später trifft Bereitschaftspolizei ein und vertreibt die
Personen und die Nazis. Nach kurzer Zeit stellt die Frau fest, dass ihr während des
Angriffs die Gürteltasche einschließlich Handy geraubt wurde. Die Polizei vor Ort
weigert sich, eine Anzeige entgegenzunehmen und sich überhaupt darum zu
kümmern. Die Nazis fahren unbehelligt mit der S-Bahn ab.
Reachout Berlin
3. November 2005
Gegen 21 Uhr versammeln sich ca. 40 Neonazis vor allem aus dem Berliner
Kameradschaftsspektrum am S-Bahnhof Prenzlauer Allee. Sie rufen Parolen wie:
„Hier marschiert der nationale Widerstand", „fuck the cops - fuck the jews", „Wer Deutschland nicht
mag soll Deutschland verlassen" und „Prenzl'berg wir sind da deine Anti-Antifa". Die Spontandemonstration endet ca. eine Stunde später am SBahnhof Greifswalder Straße.
Pankower Netzwerk gegen Rassismus, Antisemitismus und rechte Gewalt
9
Pankower Register Chronologie 2005
5. November 2005
Gegen ca. 20 Uhr versammeln sich etwa 40-50 Neonazis, vor allem sogenannte
„Autonome Nationalisten" am S-Bahnhof Prenzlauer Allee zu einer spontan
angemeldeten Demonstration. Zuvor war ihnen untersagt worden in Potsdam zu
laufen. Die Demonstration geht über die Grellstraße zum S-Bahnhof Greifswalder
Straße. In den Parolen wird vor allem Hass auf „die Roten", die Antifa und Israel
skandiert.
Pankower Netzwerk gegen Rassismus, Antisemitismus und rechte Gewalt
14. November 2005
Ein 35 Jahre alter dunkelhäutiger Amerikaner wird gegen 23.15 Uhr auf der
Schönhauser Allee in Höhe der Paul- Robeson- Straße von zwei Neonazis erst
angerempelt und dann mehrfach mit Fäusten geschlagen. Die Täter werden auf der
Flucht von der Polizei festgenommen.
Pressedienst der Polizei 15.11.05
Tageszeitung 16.11.05
25. November 2005
An die Hauswand der Jugendeinrichtung „Oktopus" in der Parkstraße werden
mehrere Plakate der „Autonomen Nationalisten Prenzlauer Berg" geklebt. Auf ihnen
steht der Text „Rock the Antifa in Pankow und anderswo. Lade-Klub dichtmachen! Deutsche
Jugend braucht deutsche Alternativen". Die Leiterin der Einrichtung erstatt
Anzeige.
Netzwerkstelle [moskito]
27. November 2005
Ein alternativer Jugendlicher wird gegen 3.00 Uhr auf der Bornholmer Brücke von
einer Gruppe von 10-15 dunkel gekleideten Personen zuerst angesprochen, ob er in
seinem Tabak „Drogen" habe. Er verneint. Die Täter nehmen ihm trotzdem den
Tabak ab und werfen ihn auf den Boden. Dann schlagen sie den Jugendlichen zu
Boden und treten auf ihn ein. Der Jugendliche kann fliehen.
Reachout Berlin
19. Dezember 2005
Am Abend versuchen ca. 20 vermummte Nazis Zutritt zu einer
Diskussionsveranstaltung der „Bürgerinitiative für einen toleranten Kiez" im Haus der Demokratie
und Menschenrechte an der Greifswalder Straße zu bekommen.
Netzwerkstelle [moskito]
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