Daten
Kommune
Berlin Pankow
Dateiname
VzK, 9. ZB, 7. Tagung, 13.06.2007.pdf
Größe
103 kB
Erstellt
14.10.15, 02:00
Aktualisiert
27.01.18, 11:17
Stichworte
Inhalt der Datei
Drucksache
der
Bezirksverordnetenversammlung
Pankow von Berlin
Vorlage zur Kenntnisnahme § 13 BezVG /ZB
des Bezirksamtes
V-0086
Ursprungsdrucksachenart: Antrag,
Ursprungsinitiator: Fraktionen der
Linkspartei.PDS und SPD
Beratungsfolge:
17.04.2002
05.06.2002
09.10.2002
05.03.2003
21.05.2003
12.11.2003
01.09.2004
31.08.2005
17.05.2006
27.09.2006
13.06.2007
BVV
BVV
BVV
BVV
BVV
BVV
BVV
BVV
BVV
BVV
BVV
BVV/05/2002
BVV/06/2002
BVV/09/2002
BVV/02/V
BVV/14/V
BVV/20/V
BVV/07/V
BVV/34/V
BVV/41/V
BVV/43/V
BVV/07/VI
ohne Änderungen in der BVV beschlossen
mit Zwischenbericht zur Kenntnis genommen
mit Zwischenbericht zur Kenntnis genommen
mit Zwischenbericht zur Kenntnis genommen
mit Zwischenbericht zur Kenntnis genommen
mit Zwischenbericht zur Kenntnis genommen
mit Zwischenbericht zur Kenntnis genommen
mit Zwischenbericht zur Kenntnis genommen
mit Zwischenbericht zur Kenntnis genommen
mit Zwischenbericht zur Kenntnis genommen
Betreff: Bericht des Bezirksamtes zu rassistisch und rechtsradikal motivierten
Vorfällen
Es wird gebeten, zur Kenntnis zu nehmen:
Siehe Anlage
Berlin, den 05.06.2007
Einreicher: Bezirksamt
Ergebnis:
ZUR KENNTNIS GENOMMEN OHNE AUSSPRACHE
X
ZUR KENNTNIS GENOMMEN MIT AUSSPRACHE
zurückgezogen
Drs. V-0086
Bezirksamt Pankow von Berlin
An die
Bezirksverordnetenversammlung
.6.2007
Drucksache-Nr.:
in Erledigung der
Drucksache Nr. V-86/2002
und
Drucksache Nr. V-800/2004
Vorlage zur Kenntnisnahme
für die Bezirksverordnetenversammlung gemäß § 13 BezVG
9. Zwischenbericht
Bericht des Bezirksamtes zu rassistisch und rechtsradikal motivierten Vorfällen
Wir bitten zur Kenntnis zu nehmen:
In Erledigung des in der 5. Sitzung am 17.04.2002 angenommenen Ersuchens der
Bezirksverordnetenversammlung –Drucksache Nr. V-86/2002, hier: Punkt 1
„Das Bezirksamt wird beauftragt, der BVV halbjährlich einen Bericht zu
Vorfällen/Straftaten mit vermuteten oder bestätigten rassistischen, fremdenfeindlichen
und/oder rechtsradikalen Hintergrund vorzulegen.
In dem Bericht sollen detaillierte Angaben über Art und Weise, Ort und Zeit der Vorfälle
enthalten sein.“
und des in der 26. Sitzung am 29.09.2004 angenommenen Ersuchens der
Bezirksverordnetenversammlung – Drucksache Nr. V-800/2004:
„Das Bezirksamt wird beauftragt, in Ergänzung der Drs. V-86/02, Punkt 1, „Bericht des
Bezirksamtes zu rassistisch und rechtsradikal motivierten Vorfällen“, in die nächsten
Berichte an die BVV auch die Erkenntnisse von Nichtregierungsorganisationen (z.B.
Opferberatungsstellen) aufzunehmen.“
wird gemäß § 13 Bezirksverwaltungsgesetz berichtet:
Nach Auskunft der Senatsinnenverwaltung kann aussagefähiges Zahlenmaterial erst
nach dem Abgleich mit der Polizeilichen Kriminalstatistik im ersten Quartal des
Folgejahres übermittelt werden. Deshalb berichtet das Bezirksamte nicht mehr
halbjährlich, sondern für das ganze Jahr. Die polizeiliche Auswertung für das Jahr 2006
liegt dem Bezirksamt jetzt vor und hat folgenden Wortlaut:
„Dem Polizeilichen Staatsschutz im Landeskriminalamt wurden im Jahr 2006 insgesamt 383 Fälle der
Politisch motivierten Kriminalität (PMK) in Pankow bekannt, von denen 238 dem Phänomenbereich PMKrechts zugeordnet worden sind. Darunter wurden 39 Fälle als fremdenfeindlich motiviert bewertet, davon
sieben als Gewaltdelikte.
Bei diesen sieben Gewaltdelikten handelt es sich um folgende Vorfälle:
1. Am 18.02.2006, gegen 03.50 Uhr, sollen drei männliche Personen in der Schönhauser Allee von zwei
vermutlich der rechten Szene zugehörigen Personen mit einem Teleskopschlagstock angegriffen
worden sein. Die Täter hatten während der Tat damit geprahlt, dass sie gerade auf dem Bahnhof ein
paar Türken „platt gemacht“ hätten. Einer der Täter soll einem Geschädigten bei dem voran
gegangenen Gerangel mit dem Teleskop-schlagstock auf den Kopf geschlagen haben. Die Täter
konnten bisher nicht ermittelt werden.
2. Ein türkischer Geschädigter befand sich am 25.05.2006 mit seiner Freundin auf der Schönhauser
Allee in 10437 Berlin, als ihnen eine Gruppe von vier Personen entgegen kam. Als die Gruppe auf
gleicher Höhe war, wurde eine Person aus dieser Gruppe gegen die Freundin des Geschädigten
geschubst. Der Geschädigte stellte die Personen zur Rede. Daraufhin wurde er in einen
Hauseingang gedrängt und von allen Mitgliedern der Gruppe mit den Fäusten geschlagen. Während
dieser Handlungen fielen Worte wie „Scheiß Ausländer.“ Alle Täter wurden ermittelt.
3. Ein Opfer dunkler Hautfarbe lief am 05.06.2006 auf dem Gehweg die Stargarder Straße entlang, als
ihm gegen 21.20 Uhr der deutsch Beschuldigte „Du scheiß Ausländer“ hinterher rief und eine Flasche
in seine Richtung warf. Als der Geschädigte den Täter aufforderte, dies zu unterlassen, rief der Täter:
„Dreh dich um und hau ab, sonst bekommst du eine Bombe von mir.“ Der Täter wurde ermittelt.
4. Ein Opfer dunkler Hautfarbe wurde am 29.06.2006 gegen 01.00 Uhr auf der Greifswalder Straße von
einer Gruppe von 10-12 Personen verfolgt. Zwei aus der Gruppe fragten ihn, ob er wisse, dass Nazis
keine Ausländer mögen. Danach traten und schlugen ihn die beiden Täter, so dass er bewusstlos zu
Boden ging. Die Täter konnten bisher nicht ermittelt werden.
5. Am 18.08.2006 ging das 28-jährige Opfer gegen 23.50 Uhr auf der Schönhauser –Allee- Brücke an
einem Imbiss vorbei, in dem sich mehrere Personen aufhielten, die dem Äußeren nach der rechten
Szene zuzuordnen waren. Einer aus dieser Gruppe ging auf den Geschädigten zu und spuckte vor
ihm aus. Als das Opfer ihn ansprach, schlug der Täter mit einer Bierflasche auf ihn ein und traf ihn im
Kopf- und Schulterbereich. Ein zweiter Täter schubste das Opfer mehrfach und beschimpfte ihn mit
„Neger“. Die Täter sind bis heute unbekannt.
6. Am 23.08.2006 wurde der 33-jährige Geschädigte (dunkle Hautfarbe) gegen 18.10 Uhr an einer Tram
- Haltestelle in der Prenzlauer Allee von drei Tätern mit den Worten „Neger, Affe, Bimbo“ lautstark
beleidigt und zusätzlich angespuckt. Nachdem der Geschädigte nicht reagierte, wurde ihm von einem
Täter ein Regenschirm in den Rücken geschlagen. Als der Geschädigte nunmehr nach dem Warum
fragte, schlug ihn einer der Täter sofort wieder mit dem Regenschirm, ein zweiter schlug mit den
Fäusten auf das Opfer ein. Der dritte Täter entbot den „Deutschen Gruß“. Die Täter sind bislang
unbekannt.
7. Die zwei Geschädigten (aus einem der neuen EU - Staaten) hielten sich am 08.11.2006 gegen 19.00
Uhr auf einem Parkplatz an der Berliner Straße in 13187 Berlin auf und tranken Alkohol. Nachdem
sie eine andere Gruppe um Feuer baten, entwickelte sich ein Streit, wobei die Geschädigten lediglich
die Worte „polnische Schweine“ verstanden. Die Geschädig- ten versuchten mit dem Auto zu
flüchten, als ein Täter aus der anderen Gruppe einen Kleinpflasterstein in die Heckscheibe warf. Die
Täter wurden als Skinheads beschrieben. Sie sind bislang unbekannt.
Bei den Delikten mit antisemitischer Handlungsmotivation waren im Jahre 2006 im Bezirk Pankow
insgesamt 46 Fälle zu verzeichnen, darunter ein Gewaltdelikt. Bei diesem Gewaltdelikt handelt es sich
um folgenden Vorfall:
1. Die drei deutschen Geschädigten fuhren am 30.06.2006 gegen 20.50 Uhr auf der Landsberger Alle in
einer Tram und spielten über ein CD-Radio laute Punk-Rock-Musik ab. Kurz nach Betreten des
Abteils wurden sie aus einer Gruppe von ca. zehn Personen mit den Worten “Scheiß Pack, Scheiß
Juden, Scheiß Zecken, Staatsfeinde“ angepöbelt. Nach den verbalen Angriffen haben ca. fünf
Personen aus der genannten Personengruppen die Geschädigten mit Fußtritten und Faustschlägen
gegen Kopf und Körper attackiert. Die Täter sind bislang unbekannt.
Außerdem sind in Pankow im Jahr 2006 insgesamt 148 Propagandadelikte zu verzeichnen gewesen;
stadtweit wurden 1345 derartige Taten polizeilich bekannt“.
Expertise von Nichtregierungsorganisationen im Bereich des Bezirksamtes zu
rassistisch und rechtsradikal motivierten Vorfällen
Dem Bezirksamt Pankow liegt die Auswertung des Pankower Registers von 2006 vor, das von der
Netzwerkstelle [moskito] geführt wird. Das Register wurde im Jahre 2005 implementiert und ist
Bestandteil des Lokalen Aktionsplanes Pankow.
Im Register werden Meldungen dokumentiert, die von derzeit elf Anlaufstellen im Bezirk erfasst werden.
Dabei handelt es sich um Vereine, Parteien, eine Schule und eine Beratungseinrichtung. Diese
Meldungen beinhalten Informationen oder Hinweise zu Vorfällen, die einen rechtsextremistischen,
rassistischen oder antisemitischen Hintergrund vermuten lassen.
Im Jahr 2006 wurden 73 Meldungen erfasst und damit 20 mehr als im Jahr zuvor. Die
Netzwerkstelle [moskito] begründet diesen deutlichen Anstieg u. a. mit dem höheren
Bekanntheitsgrad des Registers, mit dem im Frühjahr 2006 begonnenen
Auseinandersetzungen um den Moscheebau in Heinersdorf sowie mit Vorfällen im
Vorfeld der Wahlen zum Abgeordnetenhaus und zu den
Bezirksverordnetenversammlungen.
In den Meldungen an das Pankower Register spiegelt sich die Bandbreite alltäglicher
Bedrohungsszenarien wider, wobei Vorfälle im Bereich rechter Propaganda
überwiegen. Das betrifft vor allem rechtsextremistische und diskriminierende Slogans
auf Plakaten und Aufklebern sowie an Hauswänden. Rechtsextremistische und
rassistische Pöbeleien gehen häufig einher mit massiven Bedrohungen und
körperlichen Tätlichkeiten. Erstmals wurden deutlich islamfeindliche Aktionen registriert.
Allein 15 Meldungen beziehen sich auf den Konflikt um den Moscheebau.
Hinsichtlich der regionalen Streuung der im Register erfassten Vorfälle wurden die
meisten in Prenzlauer Berg (24) gemeldet. Diese Region überwiegt ebenso bei den
dem Polizeilichen Staatsschutz bekannt gewordenen Delikten.
Es wurde festgestellt, dass in den wenigsten Fällen Passanten und Passantinnen bzw.
anwesende Personen eingriffen, Hilfe holten oder die Polizei informierten.
Die im Pankower Register im Jahr 2006 zusammengetragenen Meldungen wurden inzwischen der
Opferberatungsstelle ReachOut für deren Berlin weite Chronik übermittelt. Eine Pressemeldung der
Netzwerkstelle[moskito] wurde den Medien bereits zur Verfügung gestellt. Das Register ist im Internet
abrufbar unter:
http://www.pfefferwerk.net/stadtkultur/stadtteilarbeit/dokumente/moskito/Pankower_Chronik_2006.pdf
Eine ausführliche Darstellung der im Pankower Register dokumentierten Vorfälle ist der
Anlage zu entnehmen.
Haushaltsmäßige Auswirkungen
keine
Gleichstellungs- und gleichbehandlungsrelevante Auswirkungen
Sensibilisierung für eine Auseinandersetzung mit Diskriminierung und
Ungleichbehandlung von Menschen auf Grund ihrer ethnischen Herkunft, ihrer Religion
oder Weltanschauung, Behinderung oder sexuellen Identität.
Auswirkungen auf die nachhaltige Entwicklung
keine
Kinder- und Familienverträglichkeit
entfällt
Matthias Köhne
Bezirksbürgermeister
Anlage
Detaillierte Übersicht des Pankower Registers („Pankower Chronik“) zum Jahr 2006