Daten
Kommune
Berlin Pankow
Dateiname
VzK13, ZB, 34. Tagung, 31.08.05.pdf
Größe
312 kB
Erstellt
14.10.15, 02:00
Aktualisiert
27.01.18, 11:20
Stichworte
Inhalt der Datei
Drucksache
der
Bezirksverordnetenversammlung
Pankow von Berlin
V-0800
V-0086
Vorlage zur Kenntnisnahme § 13 BezVG
des Bezirksamtes
Beratungsfolge:
29.09.2004
31.08.2005
BVV
BVV
BVV/08/V
ohne Änderungen in der BVV beschlossen
Betreff: Expertise von Nichtregierungsorganisationen im Bericht des
Bezirksamtes zu rassistisch und rechtsradikal motivierten Vorfällen
1. Zwischenbericht
Es wird gebeten, zur Kenntnis zu nehmen:
siehe Anlage
Berlin, den 03.08.2005
Einreicher: Bezirksamt
Ergebnis:
x
ZUR KENNTNIS GENOMMEN OHNE AUSSPRACHE
ZUR KENNTNIS GENOMMEN MIT AUSSPRACHE
zurückgezogen
Drs. V-0800
Bezirksamt Pankow von Berlin
.07.2005
An die
Bezirksverordnetenversammlung
Drucksache-Nr.:
in Erledigung der
Drucksache Nr. V-86/2002
und
Drucksache Nr. V-800/2004
Vorlage zur Kenntnisnahme
für die Bezirksverordnetenversammlung gemäß § 13 BezVG
6. Zwischenbericht
Bericht des Bezirksamtes zu rassistisch und rechtsradikal motivierten
Vorfällen
im Sachzusammenhang
Expertise von Nichtregierungsorganisationen im Bereich des Bezirksamtes zu rassistisch und
rechtsradikal motivierten Vorfällen
Wir bitten zur Kenntnis zu nehmen:
In Erledigung des in der 5. Sitzung am 17.04.2002 angenommenen Ersuchens der
Bezirksverordnetenversammlung –Drucksache Nr. V-86/2002, hier: Punkt 1
Bericht des Bezirksamtes zu rassistisch und rechtsradikal motivierten
Vorfällen
„Das Bezirksamt wird beauftragt, der BVV halbjährlich einen Bericht zu Vorfällen/Straftaten mit
vermuteten oder bestätigten rassistischen, fremdenfeindlichen und/oder rechtsradikalen
Hintergrund vorzulegen.
In dem Bericht sollen detaillierte Angaben über Art und Weise, Ort und Zeit der Vorfälle
enthalten sein.“
und der in der 26. Sitzung am 29.09.2004 angenommenen Antrages der Bezirksverordnetenversammlung
– Drucksache Nr. V-800/2004:
Expertise von Nichtregierungsorganisationen im Bereich des Bezirksamtes zu rassistisch und
rechtsradikal motivierten Vorfällen
„Das Bezirksamt wird beauftragt, in Ergänzung der Drs. V-86/02, Punkt 1, „Bericht des Bezirksamtes zu
rassistisch und rechtsradikal motivierten Vorfällen“, in die nächsten berichte an die BVV auch die
Erkenntnisse von Nichtregierungsorganisationen (z.B. Opferberastungsstellen) aufzunehmen.“
wird gemäß § 13 Bezirksverwaltungsgesetz berichtet:
In Erledigung der vorbezeichneten Beschlüsse und in Fortführung der bisher dazu erstellten
Zwischenberichte an die BVV hat das für Öffentliche Sicherheit zuständige Referat der
Senatsverwaltung für Inneres die halbjährlich zugesagten Berichte mit letztem Schreiben vom
23.06.2005 abgegeben und im Wortlaut wie folgt Mitteilung dazu gemacht:
„Politisch „rechts“ motivierte Kriminalität in Pankow im 1. Halbjahr 2004
Im Rahmen meiner Zuständigkeit und unter Bezugnahme auf meine bisherige Berichterstattung berichte
ich wie folgt:
Dem Polizeilichen Staatsschutz im Landeskriminalamt wurden im 1. Halbjahr 2004 insgesamt 144
Straftaten der Politisch motivierten Kriminalität (PMK) in Pankow bekannt, von denen 66 Taten PMK –
rechts zugeordnet worden sind. Darunter wurden elf Taten als fremdenfeindlich motiviert bewertet, wobei
zwei dieser Taten Gewaltdelikte gewesen sind.
Zu diesen beiden Sachverhalten:
Am Abend des 6. März 2004 wurden zwei peruanische Staatsangehörige in der Straßenbahn in
Höhe des S-Bahnhof Greifswalder Straße durch zwei unbekannte männliche Täter, die ihrem
Erscheinungsbild nach der rechten Szene zuzurechnen sein dürften, beleidigt („Arschloch, Scheiß
Ausländer, nimmst uns unsere Jobs weg!“); einem Opfer wurde durch beide Täter mit der Faust
in das Gesicht geschlagen.
In der Nacht vom 21. zum 22. April 2004 wurde ein männliches Tatopfer aus Guinea durch drei
ermittelte Täter in der Schönhauser Allee 79 zu Boden gestoßen und beleidigt („Nigger raus aus
Deutschland, was machst Du hier, geh nach Hause!“). Nachdem dem Opfer seine Kette vom Hals
gerissen und versucht worden war, seine Brieftasche zu rauben, verletzten zwei der Täter den
Mann mit Schlägen und Tritten, wobei beide durch Stahlkappen verstärkte Schuhe trugen, mit
denen mindestens zweimal ins Gesicht getreten worden ist.
Das Opfer verlor dabei kurzzeitig das Bewußtsein, wobei jedoch erst durch das Einschreiten
mehrerer Zeugen die massiven Tathandlungen der alkoholisierten Täter unterbunden wurden.
Der Geschädigte erlitt durch die Tat zahlreiche Gesichts- und Kopfverletzungen sowie
Abschürfungen und Prellungen am ganzen Körper.
Außerdem sind in Pankow im 1. Halbjahr 2004 insgesamt 71 so genannte Propagandadelikte zu
verzeichnen gewesen; stadtweit wurden 468 derartige Taten polizeilich bekannt.“
Mit einem zweiten Schreiben wird wie folgt mitgeteilt:
„Politisch „rechts“ motivierte Kriminalität in Pankow im 2. Halbjahr 2004
Im Rahmen meiner Zuständigkeit und unter Bezugnahme auf das Schreiben vom 15.11.2004 berichte ich
ergänzend wie folgt:
Dem Polizeilichen Staatsschutz im Landeskriminalamt wurden im Jahr 2004 insgesamt 256 Straftaten der
Politisch motivierten Kriminalität (PMK) in Pankow bekannt, von denen 131 Taten PMK – rechts
zugeordnet worden sind. Darunter wurden 18 Taten als fremdenfeindlich motiviert bewertet, wobei zwei
dieser Taten Gewaltdelikte gewesen sind. Diese beiden Taten sind bereits im Schreiben vom 15.11.2004
näher beschrieben worden.
Bei den Delikten mit antisemitischer Handlungsmotivation waren im Jahr 2004 insgesamt 28 Fälle zu
verzeichnen, darunter ein Gewaltdelikt mit folgendem Sachverhalt:
Am 31.07.2004, gegen 12.55 Uhr, trat eine männliche Person, welche an der Kleidung zwei
Davidstern-Buttons trug, an einen NPD-Informationsstand in 10437 Berlin, Schönhauser Allee
72b, heran. Ihm wurde ein Flugblatt übergeben, welches er zu Boden warf. Nachdem er sich vom
Stand entfernt hatte, rannte ihm ein NPD-Mitglied vom Informationsstand hinterher, würgte ihn
und warf ihn zu Boden.
Außerdem sind in Pankow im Jahr 2004 insgesamt 138 so genannte Propagandadelikte zu verzeichnen
gewesen; stadtweit wurden 1022 derartige Taten polizeilich bekannt.“
Das Bezirksamt hatte mit dem 5. Zwischenbericht im Juli 2004 eine weitere Berichterstattung bereits für
Oktober 2004 in Aussicht gestellt, den 1. Halbjahresbericht 2004 dann erst mit Schreiben der
Senatsverwaltung für Inneres vom 15.11.2004 erhalten. Angesichts des im September 2004 gefassten
Beschlusses V-800/2004, mit dem das Bezirksamt beauftragt ist, in Ergänzung zu der laufenden
Berichterstattung zu rassistisch und rechtsradikal motivierten Vorfällen „in die nächsten Berichte an die
BVV auch die Erkenntnisse von Nichtregierungsorganisationen (z.B. Opferberatungsstellen)
aufzunehmen“, hat das Bezirksamt diese BE zum 1. Halbjahr 2004 zunächst zurückgestellt.
Wie die Bezirksverordnetenversammlung unterrichtet ist, hat das Bezirksamt die weitere Umsetzung des
Lokalen Aktionsplanes Pankow beschlossen und mit den derzeitigen Partnern mit der „ARGE
Aktionsplan“, vertreten durch die Geschäftsführungen der Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH und des
Vereins für Demokratische Kultur in Berlin e.V., nach Realisierung der ersten Zielvereinbarung zum
Lokalen Aktionsplan für das Jahr 2004 erneut eine Zielvereinbarung für den Zeitraum 1.01. bis
31.12.2005 abgeschlossen.
Getragen von dem Leitsatz „Abbau von alltäglichem Rassismus und Stärkung von Zivilcourage gegen
rassistische Überfälle, Angriffe und Äußerungen“ haben die Vertragspartner/innen u.a. vereinbart, dass
nach Überfällen und Übergriffen im Bezirk Pankow von Berlin, die einen rechtsextremistischen,
rassistischen oder antisemitischen Hintergrund vermuten lassen, zeitnah eine gemeinsame Auswertung
dieser Vorfälle stattfindet. Die Initiative dafür geht jeweils von jenem Partner aus, der die Erstinformation
zum Vorfall erhält. Informationen erfolgen anlassbezogen auch in den Sitzungen des Fachgremiums der
ARGE Aktionsplan.
Das im Jahr 2004 entwickelte Register der Vorkommnisse, die rechtsextremistischen, rassistischen oder
antisemitischen Hintergrund haben, wird ab April 2005 mit einem Workshop in einer ersten Probephase
eingeführt und getestet. Dabei obliegt es der „ARGE“ die sogenannten „Anlaufstellen“, d. h. Jugend-,
Migranten- und andere Vereine sowie das Netzwerk gegen Rechtsextremismus auszusuchen und die
Akteure in diesen Einrichtungen zu schulen. Die Netzwerkstelle [moskito] wird diese Unterlagen und
Daten unter Berücksichtigung des Datenschutzes sammeln, verarbeiten, auswerten und archivieren. Die
Probephase wird 6 Monaten nach Einführung der Fragebögen mit einem Kurzbericht abgeschlossen. Die
Vertragspartner überprüfen das Verfahren und nehmen gegebenenfalls Änderungen vor. Des Weiteren
beschließen sie gemeinsam, welche Institutionen, Einrichtungen und Initiativen dauerhaft als
„Anlaufstellen“ gewonnen werden sollen. Sollte sich das Register als Instrument der sozialräumlichen
Aktivierung in der Probephase nicht bewähren, so werden die Vertragspartner im
III. Quartal über das weitere Vorgehen beraten.
Die „ARGE“ wird bei erfolgreicher Implementierung dem Bezirksbürgermeister halbjährlich eine
Auswertung des Registers vorlegen, so sieht es die Zielvereinbarung vor. Diese Auswertung wird dann in
den Berichten des Bezirksamtes an die Bezirksverordnetenversammlung Pankow zu rassistisch und
rechtsradikal motivierten Vorfällen einfließen.
Haushaltsmäßige Auswirkungen
keine
Gleichstellungsrelevante Auswirkungen
keine
Auswirkungen auf die nachhaltige Entwicklung
keine
Kinder- und Familienverträglichkeit
entfällt
Burkhard Kleinert
Bezirksbürgermeister