Daten
Kommune
Berlin Pankow
Dateiname
VzK 13, 24./25. Tagung, 13.05.2009.pdf
Größe
226 kB
Erstellt
14.10.15, 02:00
Aktualisiert
27.01.18, 11:21
Stichworte
Inhalt der Datei
Drucksache
der
Bezirksverordnetenversammlung
Pankow von Berlin
Vorlage zur Kenntnisnahme § 13 BezVG /ZB
des Bezirksamtes
V-0800
Ursprungsdrucksachenart: Antrag,
Ursprungsinitiator: Fraktion der Linkspartei. PDS
Beratungsfolge:
29.09.2004
31.08.2005
17.05.2006
13.06.2007
11.07.2007
05.09.2007
30.04.2008
28.05.2008
13.05.2009
17.06.2009
01.07.2009
BVV
BVV
BVV
BVV
BVV
BVV
BVV
BVV
BVV
BVV
BVV
BVV/08/V
BVV/34/V
BVV/41/V
BVV/07/VI
BVV/08/VI
BVV/08F/VI
BVV/15/VI
BVV/Fort15/VI
BVV/24/VI
BVV/25/VI
BVV/25Forts/VI
ohne Änderungen in der BVV beschlossen
mit Zwischenbericht zur Kenntnis genommen
mit Zwischenbericht zur Kenntnis genommen
vertagt
vertagt
mit Zwischenbericht zur Kenntnis genommen
vertagt
mit Zwischenbericht zur Kenntnis genommen
vertagt
vertagt
Betreff: Expertise von Nichtregierungsorganisationen im Bericht des Bezirksamtes
zu rassistisch und rechtsradikal motivierten Vorfällen
Es wird gebeten, zur Kenntnis zu nehmen:
SIEHE ANLAGE
Berlin, den 09.06.2009
Einreicher: Bezirksamt
Ergebnis:
ZUR KENNTNIS GENOMMEN OHNE AUSSPRACHE
x
ZUR KENNTNIS GENOMMEN MIT AUSSPRACHE
zurückgezogen
Drs. V-0800
.2009
Bezirksamt Pankow von Berlin
An die
Bezirksverordnetenversammlung
Drucksache-Nr.:
in Erledigung der
Drucksache Nr. V-86/2002
und
Drucksache Nr. V-800/2004
Vorlage zur Kenntnisnahme
für die Bezirksverordnetenversammlung gemäß § 13 BezVG
11. Zwischenbericht
Bericht des Bezirksamtes zu rassistisch und rechtsradikal motivierten
Vorfällen
Wir bitten zur Kenntnis zu nehmen:
In Erledigung des in der 5. Sitzung am 17.04.2002 angenommenen Ersuchens der
Bezirksverordnetenversammlung –Drucksache Nr. V-86/2002, hier: Punkt 1
„Das Bezirksamt wird beauftragt, der BVV halbjährlich einen Bericht zu Vorfällen/Straftaten mit
vermuteten oder bestätigten rassistischen, fremdenfeindlichen und/oder rechtsradikalen
Hintergrund vorzulegen.
In dem Bericht sollen detaillierte Angaben über Art und Weise, Ort und Zeit der Vorfälle
enthalten sein.“
und des in der 26. Sitzung am 29.09.2004 angenommenen Ersuchens der
Bezirksverordnetenversammlung – Drucksache Nr. V-800/2004:
„Das Bezirksamt wird beauftragt, in Ergänzung der Drs. V-86/02, Punkt 1, „Bericht des
Bezirksamtes zu rassistisch und rechtsradikal motivierten Vorfällen“, in die nächsten Berichte an
die BVV auch die Erkenntnisse von Nichtregierungsorganisationen (z.B. Opferberatungsstellen)
aufzunehmen.“
wird gemäß § 13 Bezirksverwaltungsgesetz berichtet:
Nach dem im ersten Quartal 2009 erfolgten Abgleich mit der Polizeilichen Kriminalstatistik hat
das Bezirksamt Pankow von der Senatsinnenverwaltung aussagefähiges Zahlenmaterial
erhalten. Das Bezirksamt unterrichtete die Bezirksverordnetenversammlung bereits in 2008,
dass dieser Abgleich jeweils für das gesamte Kalenderjahr erfolgt. Von daher ist eine
Berichterstattung des Bezirksamtes erst nach dem ersten Quartal des Folgejahres möglich. Mit
der Übermittlung der aktuellen Fallzahlen erhielt das Bezirksamt zugleich folgenden Hinweis –
Zitat:
„Die folgenden statistischen Angaben stellen keine Einzelstraftaten der politisch motivierten
Kriminalität (PMK) dar. Bei der Darstellung handelt es sich um Fallzahlen. Ein Fall bezeichnet
jeweils einen Lebenssachverhalt in einem engen räumlichen und zeitlichen Zusammenhang mit
identischer oder ähnlicher Motivlage, unabhängig von der Zahl der Tatverdächtigen,
Tathandlungen bzw. Anzahl der verletzten Rechtsnormen. Einem Fall können unter Umständen
mehrere Themenfelder bzw. Unterthemen zugeordnet werden. Aus diesem Grund lässt die
Anzahl der Themenfeld- bzw. Unterthemennennungen keine Rückschlüsse auf das tatsächliche
Fallaufkommen zu.“
Im Einzelnen handelt es sich für 2008 um folgende Fallzahlen:
PMK-rechts
davon antisemitisch
davon fremdenfeindlich
Gewaltdelikte
Propagandadelikte
11
1
5
90
sonstige
Delikte
43
25
14
Gesamt
144
Eine detaillierte Aufstellung der Delikte in 2008 ist der Anlage 1 zu entnehmen.
Der Gesamtbericht 2008 für Berlin kann aus dem Internet herunter geladen werden
http://www.berlin.de/imperia/md/content/seninn/abteilungiii/kriminalitaetsstatistiken2/2008/pmk_
2008.pdf .
Expertise von Nichtregierungsorganisationen im Bereich des Bezirksamtes zu
rassistisch und rechtsradikal motivierten Vorfällen
Die Netzwerkstelle [moskito] hat dem Bezirksamt Pankow eine Auswertung des Pankower
Registers für das Jahr 2008 vorgelegt. Aufgenommen wurden Meldungen von 17 Anlaufstellen
bei Vereinen, Initiativen, freien Trägern und Projekten, die mit der Netzwerkstelle kooperieren.
Dokumentiert wurden Informationen oder Hinweise zu Vorfällen mit einem vermutlich
rechtsextremistischen, rassistischen, antisemitischen oder homophoben Hintergrund. Die
Netzwerkstelle recherchiert nach Möglichkeit diese Meldungen mittels verschiedener Quellen
nach, darunter Pressemeldungen der Berliner Polizei sowie Anfragen in Institutionen. Die
inhaltliche Verantwortung liegt bei den in der Aufstellung genannten Quellen.
Im Jahr 2008 wurden 133 Vorfälle erfasst, gegenüber 80 in 2007. Diese Zunahme liegt
insbesondere an der ganzjährigen Arbeit mit dem Register im Gegensatz zum Vorjahr. Nach
wie vor ist jedoch davon auszugehen, dass ein Großteil der Übergriffe und Vorfälle in Bezirk
nicht erfasst wird.
Insgesamt waren in 2008 für den Bezirk eine verstärkte Bedrohungslage und vermehrte
Übergriffe auf Personen zu verzeichnen, die auf Grund ihres Engagements von
Rechtsextremisten als „politische Gegner“ eingestuft wurden. Es wurde eine zunehmende
Professionalisierung der sogenannten „Anti-Antifa-Arbeit“ durch gezielte Einschüchterungen,
Bedrohungen (persönlich, per Telefon oder Internet) sowie Angriffe organisierter Nazis
festgestellt.
Bei 28 Vorfällen handelt es sich um Gewaltdelikte gegenüber 17 Fällen in 2007. Diese betreffen
den Tatbestand der einfachen oder gefährlichen Körperverletzung sowie Vorfälle massiver
Bedrohung bzw. Nötigung. Da die Zahl der Gewaltdelikte sich ausschließlich auf die Vorfälle
bezieht, mitunter jedoch zwei oder mehr Personen angegriffen wurden, liegt die Zahl der
Geschädigten höher. Besonders gravierend war ein Überfall zweier Neonazis auf einen 46jährigen Ghanaer in einem Pankower Wohnheim, wobei dieser schwer verletzt wurde. Das
Landgericht Berlin verurteilte beide Täter wegen Körperverletzung und Volksverhetzung zu vier
bzw. viereinhalb Jahren Haft.
Des Weiteren wurden 62 Propagandadelikte (in 2007: 29) erfasst, von denen je ein Drittel in
Prenzlauer Berg und Pankow-Zentrum begangen wurde. Besonders häufig tauchten Aufkleber
und Plakate an Jugendklubs sowie U- und S-Bahnhöfen auf. In 44 Fällen handelte es sich um
die Selbstdarstellung extrem rechter Kräfte, Parteien und Organisationen. Darunter fallen auch
antisemitische und nazistische Schmierereien.
Gemeldet wurden 11 Sachbeschädigungen (in 2007: sechs), die überwiegend antisemitisch
motiviert waren, und 10 Fälle von Volksverhetzung (in 2007: 13). Im Jahr 2008 wurden im
Bezirk 12 Kundgebungen, Informationsstände und andere Aktionen gezählt. Mehrheitlich
handelte es sich um Aktionen der NPD oder ihrer Jugendorganisation JN. Diese richteten sich
u.a. gegen die Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde in Heinersdorf.
Eine ausführliche Darstellung der im Pankower Register dokumentierten Vorfälle ist der Anlage
2 zu entnehmen.
Haushaltsmäßige Auswirkungen
Kofinanzierung der Netzwerkstelle[moskito] bei Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH durch das
Bezirksamt für das Haushaltsjahr 2008 in Höhe von 28.000 € aus Kapitel 3310, 684 06.
Gleichstellungs- und gleichbehandlungsrelevante Auswirkungen
Sensibilisierung der Pankower Zivilgesellschaft für ein Engagement gegen rechtsextremistische, rassistische, antisemitische oder homophobe Vorfälle und Entwicklungen.
Auswirkungen auf die nachhaltige Entwicklung
Keine Auswirkungen
Kinder- und Familienverträglichkeit
keine Auswirkungen
Matthias Köhne
Bezirksbürgermeister
Anlagen
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Anlage 1: Detaillierte Übersicht Polizeiliche Kriminalstatistik 2008 Verwaltungsbezirk
Pankow
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Anlage 2: Detallierte Übersicht des Pankower Registers 2008