Daten
Kommune
Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf
Dateiname
GA - Antwort.pdf
Größe
82 kB
Erstellt
14.10.15, 06:47
Aktualisiert
27.01.18, 22:31
Stichworte
Inhalt der Datei
Drucksachen
der Bezirksverordnetenversammlung
Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin
4. Wahlperiode
Ursprung: Große Anfrage
TOP-Nr.:
SPD-Fraktion
Wuttig/Böhm
Große Anfrage
DS-Nr: 1171/4
Beratungsfolge:
Datum
Gremium
19.03.2015
BVV
BVV-043/4
beantwortet
Keine 300.000 Euro, keine zwei zusätzlichen Stellen und keine
Jugendberufsagentur für den Bezirk?
Wir fragen das Bezirksamt:
1. Wie beurteilt das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf die seit dem Jahr 2012
intensiv geführten Diskussionen über die Jugendarbeitslosigkeit im Bezirk?
2. Welche Maßnahmen und daraus resultierende Erkenntnisse erwuchsen aus dem
am 21.02.2013 in der BVV gefassten Beschluss, sich einem „Arbeitsbündnis
Jugend und Beruf – neue Perspektiven für Charlottenburg-Wilmersdorf“ zu
widmen?
3. In wessen Verantwortung und durch welche konkreten Handlungsschritte hat
sich das Bezirksamt seit wann für die Umsetzung des BVV-Beschlusses vom
18.09.2014 eingesetzt, in dem die Einrichtung einer Jugendberufsagentur im
Bezirk gefordert wurde?
4. Wie beurteilt das Bezirksamt die Tatsache, dass trotz frühzeitiger Aufforderungen
durch die Gesamtheit der BVV der Bezirk nunmehr nicht in der Lage scheint, die
zur Verfügung gestellten Förderungen im Jahr 2015 in Anspruch zu nehmen?
Zur Beantwortung Frau BzStR’in Jantzen:
Sehr geehrte Frau Vorsteherin, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Frau Böhm.
Auch ich, kann ich feststellen, hab mir oft gewünscht, dass wir schon weiter wären,
nicht nur bei Jugendgroßagentur, sondern auch bei vielen anderen Sachen und
manchmal spielt das Leben oder die Ressourcen und die Personalausstattung spielt
einem keinen Streich, sondern funkt dann auch dazwischen.
«VONAME»
Ausdruck vom: 24.03.2015
Seite: 1
Ja, die Anfrage ist Topp aktuell. Es ist auf den Punkt gebracht mit der
Beschlussfassung im Senat und es trifft zu, dass Marzahn-Hellersdorf, FriedrichshainKreuzberg, Tempelhof-Schöneberg und Spandau ausgewählt wurden im September zu
beginnen. Aber, ich kann sagen, die Frage in der Überschrift, also keine 300.000 Euro,
keine zwei Stellen und kein JBA im Bezirk. Die kann man schon mal klar verneinen, weil
natürlich wird der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf seine Jugendberufsagentur
bekommen, wenn auch nicht Start im September diesen Jahres, sondern im nächsten
Jahr. Ziel ist spätestens zweites Quartal 2016. Ich bin froh, dass wir mit der Vorlage für
den RdB, und zwar mit dem Senatsbeschluss und auch mit der heute veröffentlichen
Pressemitteilung jetzt endlich wirklich Klarheit darüber haben, was denn der Bezirk
bekommt, weil bis zum Schluss war nicht klar, ob die Bezirke tatsächlich die
Jugendämter die Stellen kriegen, die in die Jugendberufsagentur zur Beratung und
Vernetzung mit den anderen Einrichtungen kommen und auch die 300.000,-- waren
zumindest nicht offiziell avisiert.
Der Arbeitsprozess auf Landesebene in den Arbeitsgruppen hat stattgefunden. Er war
offensichtlich sehr erfolgreich, aber es ist sehr schwierig gewesen an die Informationen
auch regelmäßig ranzukommen. Ich freu mich, dass jetzt klar ist, dass alle Bezirke die
Jugendberufsagentur kriegen, weil im Übergang zwischen Schule und Beruf dringender
Handlungsbedarf gegeben ist. Es ist ein undurchschaubares Übergangssystem und zu
der Zahl noch mal mit den vielen Kindern- und Jugendlichen ohne Schulabschluss.
Sehr geehrte Damen und Herren, das wird eine Jugendberufsagentur nicht richten, da
ist in Schule viel zu tun, weil es nutzt nichts, die Kinder besser zu beraten, sondern wir
müssen sie mit den Kompetenzen in der Schule ausstatten, die sie eben auch
brauchen, das ist Leben, Schreiben, Rechnen, soziale Kompetenz und sich selber
Wissen anzueignen in dieser doch immer komplizierteren Welt. Da werden ja auch
gerade die Rahmenpläne überarbeitet, da haben wir Hoffnung, dass sich da was tut und
natürlich braucht es auch eine gute Personalausstattung.
Die Rahmenbedingungen sind jetzt endlich gesetzt und wie schon gesagt, wir werden
eine Jugendberufsagentur kriegen und wir können jetzt auch gemeinsam weiter an dem
arbeiten, was wir begonnen haben, nämlich die Vorbereitung zu treffen, um das auch
gut zu machen. Ich sag es schon mal vielleicht am Anfang, weil es ist wichtig, es haben
verschiedenen Treffen stattgefunden, es gibt erste Absprachen, es wird im März einen
Tag der offenen Tür im Job Center stattfinden, da ist dann der Auftakt in einer
Jugendkonferenz auf dem Weg zur bezirklichen Jugendberufsagentur, wo die
entscheidenden Akteure, die da zusammen arbeiten, zusammen sitzen und auch
möglichst die Wirtschaft und weitere Akteure eingebunden werden.
Wir haben verabredet, zwischen der Arbeitsagentur Job Center und Herrn Engelmann,
dass wir bis zum 30.06., das mussten wir auch mit dem Kriterienkatalog zur Einrichtung
der Jugendberufsagentur abgeben, das wird dann sicherlich auch überprüft werden,
dass wir bis zum 30.06. die Projektstrukturen schaffen. Den Zettel habe ich jetzt leider
nicht mitgenommen, also wir brauchen ja eine Kooperationsgremium, einen Beirat in
dem Arbeitsagenturbezirk Job Center und auch die Senatsverwaltung für Bildung
vertreten ist. Da werden jetzt die Weichen für gestellt und wir haben als Ziel die
Kooperationsvereinbarungen und die nötige Ablauforganisation, wie dann eben auch
die Jugendberufsagentur gestaltet werden soll (bis zum 30.09.). Die Beste Nachricht
dabei ist, der Bezirk hat keine Räume mehr, das wissen wir von den vielen
Diskussionen der Umzüge. Wir werden auch keine großen Räumlichkeiten anmieten
können, die Arbeitsagentur Nord hat angeboten, diese Jugendberufsagentur beim BIZ
anzubinden. Das ist auch ein Vorschlag, den ich persönlich für eine sehr gute Lösung
halte. Der Jugendhilfeausschuss war ja im BIZ und hat sich das angeguckt. Das ist eine
«VONAME»
Ausdruck vom: 24.03.2015
Seite: 2
freundliche schöne Ecke.
Ich möchte ganz auch was zu dem Landeskonzept Berufs- und Studienorientierung
sagen: In der Jugendberufsagentur selber wird eben nur ein Schullaufbahnberater mit
dabei sein. Das ist auch gut und richtig, dass die da sitzen. Aber die eigentliche
Berufsberatung muss früh in der Schule anfangen und da werden jetzt diese Teams
gebildet, wo auch immer ein Koordinator in der Schule dabei ist. Was ich jetzt zu meiner
Freude festgestellt habe, dass die Jugendlichen mit Behinderung eben auch
angebunden werden. Es wird Berufs- und Studienorientierung nicht nur an den ISSSchulen geben, da verstärkt, sondern auch an den Gymnasien.
Zu 1.
Das Bezirksamt sieht in der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit ein wichtiges Ziel
und Insofern ist eine Diskussion, die zu einer weit gehenden Integration von
Jugendlichen in Ausbildung und Arbeit führt, nur als positiv zu bewerten.
Die Handlungsfelder sind dabei genauso vielfältig, wie die Gründe die dazu führen,
dass Jugendliche Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt begegnen.
Wie Ihnen bekannt ist, sind die Ansatzpunkte dabei weit gestreut und können in den
Familien, in der Schule, in der Herkunft, in der persönlichen Entwicklung und den
besonderen Unterstützungsbedarfen der Jugendlichen, aber auch in der Bereitschaft
der potentiellen Arbeitgeber liegen.
Nicht auf alle Faktoren hat das Bezirksamt eine Einflussmöglichkeit oder die
gewünschten finanziellen Mittel.
Das Bezirksamt steht deshalb in stetigem Kontakt mit den entsprechenden Partnern,
insbesondere mit dem Jobcenter und der Bundesagentur für Arbeit. Nach den dort
durchgeführten Analysen sind es vorrangig fehlende Schulabschlüsse und
Berufsausbildungen, die in Arbeitslosigkeit führen.
Dies kann in engem Zusammenhang auch mit unzureichenden Sprachkenntnissen oder
fehlenden (auch Sozial-) Kompetenzen, die im Berufsleben gefordert werden, liegen.
In einem Zweijahresprogramm läuft derzeit das Zukunftsprogramm Berlin-Brandenburg
der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit mit vielen
Kooperationspartnern unter anderem mit dem Schwerpunktziel, die
Jugendarbeitslosigkeit in Berlin und Brandenburg zu senken.
In diesem Zusammenhang lässt sich die Trägerversammlung des Jobcenters als
lokales Ziel regelmäßig über die Arbeitslosenquote der unter 25 jährigen berichten.
Die Agentur für Arbeit und die Jobcenter bieten ein breit gefächertes Instrumentarium,
um die Jugendlichen je nach ihren persönlichen Voraussetzungen so weit zu fördern,
dass sie eine Arbeit oder Ausbildung aufnehmen können.
Ansonsten wird mit einer Vielzahl von Kontakten und Maßnahmen versucht, frühzeitig
einzuwirken, sei es über Integrationslotsen und –lotsinnen, Schulen und
Kindertagesstätten, ehrenamtliche Arbeit und nicht zuletzt die Beratungsangebote des
Jugend- und Gesundheitsamtes.
Es liegt damit im Interesse des Bezirksamts das Thema stetig präsent zu halten und als
Arbeitsauftrag anzunehmen.
«VONAME»
Ausdruck vom: 24.03.2015
Seite: 3
zu 2. und 3.
Im Nachgang der Jugendkonferenz haben mehrere Arbeitstreffen zwischen den
beteiligten Institutionen stattgefunden. In einem Arbeitsgespräch zwischen dem
Geschäftsführer des Jobcenters und der Stadträtin für Jugend, Familie, Schule Sport
und Umwelt am 11. April 2013 wurden Vorschläge gesammelt, wie die Betreuung der
Jugendlichen an der Schnittstelle zwischen Jugendamt und Jobcenter besser
miteinander abgestimmt werden kann.
In dem Zusammenhang wurde auch über Möglichkeiten gesprochen, wie
Mitarbeiter/innen des Jobcenters und des Jugendamtes in gemeinsamen
Räumlichkeiten - ggf. nach Umzug des Jobcenters im neuen Gebäude - intensiver
zusammenarbeiten können.
Zur Konkretisierung und weiteren Planung wurde eine Arbeitsgruppe aus jeweils zwei
Mitarbeiter/innen des Jugendamtes und des Jobcenters gebildet. Es fanden
gegenseitige Hospitationen und eine Zukunftswerkstatt statt, um die für die engere
Zusammenarbeit geplante Zielgruppe genauer zu definieren und Verfahren in der
Zusammenarbeit zu verbessern.
Das Bezirksamt hat bereits vor dem Beschluss vom 18.9., der im Übrigen das
Bezirksamt „nur“ aufgefordert hat, über die Entwicklungen auf Landesebene zu
berichten, mit dem Jobcenter vorbereitende Arbeiten aufgenommen.
Wie mit der Vorlage zur Kenntnisnahme zum Beschluss „Jugendberufsagentur in
Charlottenburg-Wilmersdorf“ berichtet, wurde im April 2014 wurde die bezirkliche „AG
Jugendberufsagentur (AG JBA)“ mit Vertreter/inne/n des Jobcenters (U25-Team) und
des Jugendamtes ins Leben gerufen, um Eckpunkte zu erarbeiten. In der Folge gab es
in unterschiedlicher Zusammensetzung weitere Treffen mit Verantwortlichen des
Jobcenters und des Jugendamtes, um Schnittstellen abzustimmen und Arbeitsabläufe
zu verbessern. Bei einer gemeinsamen Tagung wurden Fallbeispiele aus den
verschiedenen Blickwinkeln der jeweiligen Verantwortlichkeiten besprochen. Während
dieser Treffen ist auch die Idee entstanden, gemeinsam ein niedrigschwelliges,
aufsuchendes Beratungskonzept in den Häusern der Jugend, gemeinsam mit
MitarbeiterInnen des Jugendamtes und des Jobcenters (Gruppe U-25) anzusiedeln. Im
Kern sollten das Jugendamt sowie das Jobcenter ein Angebot vorhalten und in dieses
sollten weitere Kooperationspartner sukzessiv einbezogen werden.
Die Entwicklung um die Einrichtung der JBA auf Landesebene hat im zweiten Halbjahr
2014 zu dem gemeinsamen Entschluss geführt, zunächst die Ergebnisse auf
Landesebene abzuwarten, aber den gegenseitigen Informationsfluss weiter aufrecht zu
erhalten.
zu 4.
Die Einrichtung einer Jugendberufsagentur wird seitens des Bezirksamts nicht nur
begrüßt und unterstützt sondern das Bezirksamt sieht es auch als wichtige Aufgabe,
diese auf den Weg zu bringen.
Wie bereits dargestellt, gibt es dazu bereits über lange Zeit und regelmäßig
Gesprächskontakte insbesondere mit dem Jobcenter.
Wie Ihnen sicherlich bekannt ist, sind die Rahmenbedingungen des Projektes erst im
Dezember 2014 festgelegt worden. In der Lenkungsgruppe des Projektes
"Jugendberufsagentur in Berlin umsetzen!" wurde der Senatsbeschluss vom Dienstag
vorbereitet, nach dem es vier Pilotbezirke geben wird, die bereits im Jahr 2015 mit der
Einrichtung beginnen.
«VONAME»
Ausdruck vom: 24.03.2015
Seite: 4
Bis Dezember 2016 soll die Einrichtungen allen 12 Bezirken erfolgt sein.
Im Februar 2015 wurden bestimmte Kriterien in allen Bezirken abgefragt, um zu einer
Auswahl der vier Pilotbezirke zu kommen. In der Betrachtung dieser Kriterien haben
sich andere Bezirke als geeigneter als Pilotbezirk erwiesen, wobei auch eine regionale
Verteilung berücksichtigt wurde. Diese Bezirke werden voraussichtlich im dritten Quartal
dieses Jahres mit der Arbeit beginnen.
Bei dem im Bezirksamt stattgefundenen Gespräch Anfang März 2015 zwischen dem
Bezirksamt, dem Jobcenter und der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit
wurde besprochen, diese Entwicklung mit den entsprechenden guten und weniger
guten Erfahrungen sehr eng zu beobachten um hiervon zu profitieren.
Es kann keine Rede davon sein, dass der Bezirk hier eine zur Verfügung gestellte
Förderung nicht in Anspruch genommen hätte. Eine derartige Förderung stand
tatsächlich nur für vier Bezirke zur Verfügung. Es ist vernünftig, hier Bezirke beginnen
zu lassen, die aufgrund ihrer Strukturen und regionalen Voraussetzungen im
berlinweiten Vergleich ausgewählt wurden. Von der Arbeit und den Erfahrungen dieser
Projektbezirke können wir in Charlottenburg-Wilmersdorf nur profitieren.
Der Beginn in 2016 ist damit nicht als verlorene Zeit oder Chance anzusehen, da in
dieser Zeit kontinuierlich an einer zielgerichteten Umsetzung im Sinne der Jugendlichen
gearbeitet wird.
Im Bezirk haben sich die Verantwortlichen der Abteilungen Soz und Jug, des
Jobcenters und der Arbeitsagentur dazu verständigt, als Standort der einzurichtenden
JBA in Charlottenburg-Wilmersdorf, die Räumlichkeiten im BIZ in der Königin-ElisabethStr. vorzuschlagen. Zur inhaltlichen Vorbereitung soll im Rahmen der Jugendkonferenz
des Jobcenters am 29.4.2015 als Auftakt im Bezirk, die Gründung einer gemeinsamen
Projektgruppe „Auf dem Weg zur JBA“ mit einem Fachforum aller beteiligten
Institutionen stattfinden.
An der Vorbereitung und Durchführung dieser Veranstaltung sind MitarbeiterInnen des
Jobcenters U-25 und des Jugendamtes federführend. Die Beteiligung der AA wird
angestrebt. Vor allem aber die Beteiligung der für den erfolgreichen Prozess der JBA so
wichtigen Sozialpartner und des Bildungsbereichs zu einem späteren Zeitpunkt muss
dort verbindlich festgelegt werden.
«VONAME»
Ausdruck vom: 24.03.2015
Seite: 5