Daten
Kommune
Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf
Dateiname
Beantwortung.pdf
Größe
79 kB
Erstellt
15.10.15, 22:32
Aktualisiert
27.01.18, 21:33
Stichworte
Inhalt der Datei
Drucksachen
der Bezirksverordnetenversammlung
Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin
4. Wahlperiode
Ursprung: Große Anfrage
TOP-Nr.:
SPD-Fraktion
Wuttig/Fortong/Schmitt-Schmelz
Große Anfrage
DS-Nr: 1086/4
Beratungsfolge:
Datum
Gremium
11.12.2014
BVV
BVV-040/4
beantwortet
Prävention gegen häusliche Gewalt - Angebote für Kinder und
Jugendliche
Wir fragen das Bezirksamt:
1. Welche Anlaufstellen für Kinder und Jugendliche, die Opfer von häuslicher
Gewalt geworden sind oder diese miterleben mussten, sind dem Bezirksamt
bekannt und wie bewertet das Bezirksamt die Zusammenarbeit mit diesen?
2. Gibt es in den KITAs des KITA-Eigenbetriebes Nordwest Projekte, die sich mit
der Problematik häusliche Gewalt beschäftigen? Wenn ja, welche?
3. Ist dem Bezirksamt bekannt, ob Schulen in Charlottenburg-Wilmersdorf die
Kinderworkshops zur Prävention von häuslicher Gewalt „Gewalt kriegt die rote
Karte“ der Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen – BIG e.V. in Anspruch
nehmen und wenn ja, welche Erfahrungen sie damit gesammelt haben?
4. Welche (Beratungs-)Angebote gibt es in den bezirklichen Kinder- und
Jugendeinrichtungen für von häuslicher Gewalt betroffene Kinder und
Jugendliche? Wie werden diese angenommen?
5. Welche Fortbildungsangebote zum Thema häusliche Gewalt gibt es für die
Erzieherinnen und Erzieher des KITA-Eigenbetriebes Nordwest und die
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der bezirklichen Kinder- und
Jugendeinrichtungen und in welchem Maße werden diese in Anspruch
genommen?
«VONAME»
Ausdruck vom: 16.12.2014
Seite: 1
Zur Beantwortung Frau BzStR’in Jantzen
Sehr geehrte Frau Vorsteherin, sehr geehrte Damen und Herren,
Ihre Anfrage beantworte ich wie folgt:
Zu 1.
Zunächst sei hier auf die im Rahmen des Netzwerk Kinderschutz existierenden
Beratungs- und Hilfeangebote hingewiesen. Hier sichert werktags zwischen 8 und 18
Uhr vorrangig der Regionale Sozialpädagogische Dienst (RSD) der bezirklichen
Jugendämter eine verbindliche Erreichbarkeit und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
werden ggf. je nach Einzelfall sofort tätig, um Schutz und Hilfe für betroffene junge
Menschen zu gewährleisten.
Kontaktaufnahme zu den von Gewalt betroffenen Kindern, Jugendlichen und deren
Familien erfolgt überwiegend auf der Grundlage von verpflichtenden Meldungen der
Polizei, die sie unmittelbar nach Einsätzen von häuslicher Gewalt an das zuständige
Jugendamt faxen.
Ferner vermitteln ggf. Fachkräfte aus Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit bzw.
der Tagesbetreuung oder auch Lehrerinnen und Lehrer einen Kontakt zum Jugendamt,
wenn sich Kinder/Jugendliche ihnen anvertrauen. Kinder und Jugendliche können sich
auch direkt an den RSD wenden, auch ohne Wissen ihrer Personensorgeberechtigten
(§ 8 SGB VIII).
Darüber hinaus sind zu jeder Tages- und Nachtzeit der Kindernotdienst, der
Jugendnotdienst, der Mädchennotdienst und die Hotline Kinderschutz des Berliner
Notdienst Kinderschutz zentrale Anlaufstellen für Kinder und Jugendliche - aber auch
für Personen aus dem Umfeld der betroffenen jungen Menschen, die helfen möchten.
Eine weitere Möglichkeit ist das Kinder- und Jugendtelefon. Hier können Kinder und
Jugendliche von Montag bis Samstag von 14.00 – 20.00 Uhr mit ehrenamtlichen
Beraterinnen/ Beratern, ggf. auch anonym über ihre Sorgen sprechen.
Die Kooperation des Jugendamtes mit den Einrichtungen des Berliner Notdienst
Kinderschutz ist sehr positiv. Wurde dort in der Zeit zwischen 18 und 8 Uhr, am
Wochenende und an Feiertagen eine erste Krisenintervention notwendig, erfolgt eine
unverzügliche und sehr verbindliche Fallübergabe an den RSD des zuständigen
Jugendamtes, damit weitere Hilfe und Unterstützung erfolgen kann.
In Einzelfällen arbeitet das Jugendamt auch mit Trägern weiterer Angebote zusammen
wie der Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen – BIG e.V. oder Strohhalm e.V. Auch
hier sind die Erfahrungen positiv zu werten.
Zu 2.
Im Kita-Eigenbetrieb Kindertagesstätten Nordwest gibt es keine Projekte explizit zum
Thema „häusliche Gewalt“.
Die gesamte Bildung und Förderung der Kinder in unseren Kindertagesstätten gemäß
dem Berliner Bildungsprogramm zielt auf die Stärkung von Ich- und
Sozialkompetenzen, was sich Resilienz fördernd auswirkt.
Unter Resilienz versteht man die Fähigkeit, erfolgreich mit belastenden Situationen (z.B.
Erfahrungen mit häuslicher Gewalt, traumatische Erfahrungen) umzugehen und diese
verarbeiten zu können.
«VONAME»
Ausdruck vom: 16.12.2014
Seite: 2
Zu 3.
Nach Auskunft der Regionalen Schulaufsicht und BIG e.V. hat noch keine Schule im
Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf den Kinderworkshop zur Prävention häuslicher
Gewalt "Gewalt kriegt die rote Karte" der Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen-BIG
e.V. in Anspruch genommen. BIG e.V. war mit zwei Schulen - die über „ECHT FAIR!
Die interaktive Ausstellung für Kinder und Jugendliche zur Gewaltprävention“ auf das
Angebot aufmerksam geworden sind – dazu im Gespräch. Leider konnten die
Kinderworkshops nicht zustande kommen, weil einmal das Format nicht passte und
einmal interne Umstrukturierungen einer Schule keine Ressourcen hergaben.
Die Ausstellung war in den Jahren 2012, 2013 und 2014 im Bezirk und das
Interesse an ihr nahm von Jahr zu Jahr zu. Die Begleitung der Schulklassen durch die
Ausstellung wurde zum Teil von BUG e.V. und zum Teil von MitarbeiterInnen der
Friedenskirche übernommen.
Die Ruth-Cohn-ErzieherInnenfachschule, das Finkenkrug-Förderzentrum und die
Loschmidt-Oberschule haben das Angebot einer Fortbildung zum Thema „Kinder und
häusliche Gewalt“ in Anspruch genommen.
Da das Interesse von Schulen aus ganz Berlin - insbesondere an den
Kinderworkshops - grundsätzlich stets größer ist als die Möglichkeit dem
nachzukommen, hat BIG e.V. zunächst keine weiteren Versuche der proaktiven
Kontaktaufnahme unternommen. BIG e.V. ist jedoch gerne bereit, ihre Arbeit in den
Gremien vorzustellen. In diesem Zusammenhang hoffe ich, dass die Initiative der BVV,
für die Angebote von BIG e.V. mehr Mittel bereit zu stellen, erfolgreich sein wird.
Zu 4.
Jede niedrigschwellige und lebenswelt-orientierte Einrichtung mit offenem und
freiwilligem Zugang baut in ihrer Wirkungsweise an erster Stelle auf Beziehung, auf
Vertrauen und auf Verlässlichkeit gegenüber den Besucherinnen und Besuchern.
Je nach anvertrauten Sorgen und Nöten von Kindern oder Jugendlichen sind den
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Verfahrenswege bei gewichtigen Anhaltspunkten
einer möglichen Kindeswohlgefährdung, wie z.B. bei Gewalt in der Familie oder im
Lebensumfeld des Kindes bekannt und Wege der Hilfe werden möglichst unter
Beteiligung der Kinder und Jugendliche angeboten.
In der Angebotsplanung der Einrichtungen werden Themen, Bedarfe und Problemlagen
der Kinder und Jugendlichen aufgegriffen. So fand 2012 im Rahmen Fallunspezifischer
Arbeit in der Region 2 eine Regionalkonferenz zum Thema „Häusliche Gewalt“ unter
Mitwirkung von BIG e.V. statt.
An diese Auftaktveranstaltung schloss sich die Interaktive Ausstellung für Kinder und
Jugendliche zur Gewaltprävention „ECHT FAIR!“ an, die von einigen Schulklassen und
auch von Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit besucht wurde. Aufgrund des
großen Anklangs wurde die Ausstellung 2013 und auch 2014 erneut angeboten, im
Haus der Jugend Anne Frank und in der Friedenskirche Charlottenburg.
«VONAME»
Ausdruck vom: 16.12.2014
Seite: 3
ECHT FAIR! ist eine Ausstellung der BIG Prävention und für Kinder und Jugendliche ab
der 5.Klasse konzipiert. Neben der Anregung zur Auseinandersetzung mit der Thematik
werden die jungen Menschen über ihre Rechte und ihren Anspruch auf Schutz und Hilfe
informiert und auch werden unmittelbare Handlungsalternativen aufgezeigt.
Konzeptioneller Bestandteil dieses Projektes ist immer eine intensive Vorbereitung und
Begleitung der pädagogischen Fachkräfte und zeigt auf, wie sie im Alltag präventiv
wirken können. Somit dient diese Ausstellung auch der Erweiterung der fachlichen
Kompetenzen, der Fortbildung der beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Zu 5.
Der Eigenbetrieb Kindertagesstätten Nordwest begleitet die Kindertagesstätten mit
interner und externer Fachberatung. Großer Wert wird auf eine kontinuierliche Fort- und
Weiterbildung der pädagogischen Fachkräfte gelegt. Im Fortbildungszentrum des
Eigenbetriebes werden praxisnahe Fort- und Weiterbildungen durchgeführt.
Seit 2010 führt der Eigenbetrieb Kindertagesstätten Nordwest in Zusammenarbeit mit
dem Deutschen Kinderschutzbund 2-mal jährlich 3-tägige Fortbildungen für die hier
beschäftigten pädagogischen Fachkräfte zum Thema „Umgang mit Verdacht auf
Kindeswohlgefährdung“ durch, die stets ausgelastet sind. Die Problematik der
häuslichen Gewalt wird als eine Form der Kindeswohlgefährdung in diesem Rahmen
erörtert und bearbeitet.
Pro Kindertagesstätte muss mindestens eine pädagogische Fachkraft die trägerinterne
Fortbildung zum Thema Kindeswohlgefährdung besucht haben und in ihrem Kita-Team
als Multiplikator/in agieren.
Im Eigenbetrieb Kindertagesstätten Nordwest besteht eine „Fachgruppe Kinderschutz“.
Sie setzt sich aus 10 Kita-Leitungen aus allen drei Bezirken und einer Fachberaterin
zusammen. Die Mitglieder der Fachgruppe sind Ansprechpartnerinnen und
Multiplikatoren für alle pädagogischen Fachkräfte des Eigenbetriebs.
Für die Sicherstellung des Schutzauftrages bei Kindeswohlgefährdung werden im
Eigenbetrieb pädagogische Fachkräfte als „insoweit erfahrende Fachkräfte“ qualifiziert.
Darüber hinaus motivieren wir unsere pädagogischen Fachkräfte, auch
Fortbildungsangebote anderer Anbieter zu nutzen. Insbesondere die Angebote des
Sozialpädagogischen Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg werden durch die
pädagogischen Fachkräfte rege frequentiert.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kinder- und Jugendeinrichtungen im Bezirk
haben die Möglichkeit, wie alle anderen Fachkräfte der Jugendhilfe auch,
Fortbildungsangebote des Sozialpädagogischen Fortbildungsinstituts BerlinBrandenburg (SFBB) zu nutzen. Eine statistische Erfassung über die Inanspruchnahme
erfolgt nicht. In konkreten Einzelfällen ist auch eine Beratung durch die
Kinderschutzkoordiation des Jugendamtes möglich.
Zeichnet sich in den Einrichtungen ein fachlicher Unterstützungsbedarf z.B. für
Fortbildungen zu einem bestimmten Thema ab, besteht die Möglichkeit in Kooperation
mit dem Fortbildungsinstitut, bedarfsgerechte Angebote zu entwickeln und anzubieten.
In den Jahren 2012-2014 wurde, wie unter 4. erwähnt, in Kooperation mit BIG
Prävention eine Fortbildung durch die Ausstellung ECHT FAIR! umgesetzt.
«VONAME»
Ausdruck vom: 16.12.2014
Seite: 4