Daten
Kommune
Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf
Dateiname
Antrag.pdf
Größe
66 kB
Erstellt
15.10.15, 22:37
Aktualisiert
27.01.18, 21:23
Stichworte
Inhalt der Datei
Drucksachen
der Bezirksverordnetenversammlung
Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin
4. Wahlperiode
Ursprung: Antrag
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
TOP-Nr.:
Dr. Vandrey/Wapler/Dr. Poethe
Antrag
DS-Nr: 0880/4
Beratungsfolge:
Datum
Gremium
BVV
Einen kritischen Beitrag über die "Kriegsmaler" des Ersten Weltkriegs in
der Ausstellung des Museums Charlottenburg-Wilmersdorf zeigen
Die BVV möge beschließen:
Das Bezirksamt wird gebeten, die Arbeiten der in der Villa Oppenheim ausgestellten
Künstler Hans Baluschek (Zur Grube, 1914), Heinrich Zille (Museumsbestand) und Max
Liebermann (Bildnis Dr. Ernst Scholz, 1919) entweder mit Hinweisen zu versehen, die
erklären, womit und warum die Künstler die Kriegsziele des Ersten Weltkriegs
künstlerisch unterstützten, oder eine kritische historische Ausstellung im Kabinett des
Museums zum Thema zu organisieren.
Zur Unterstreichung der Bedeutung des Themas sollte auch ein Flyer herausgegeben
werden, der diese Werke aufführt.
Bei Hans Baluschek könnte auf seine Zeichnungen für Paul Cassirers Wochenschrift
„Kriegszeit“, die 1914 erschien, auf seine Mitarbeit für die„Künstlerblätter im Krieg“, auf
die 22 Illustrationen „Der Krieg 1914 - 1916“ für das Rote Kreuz sowie sein freiwilliger
Kriegsdienst als Landwehrmann hinweisen.
Die Frage könnte kritisch beantwortet werden, warum sich Baluschek für den Krieg
begeisterte (Stichworte Technikbegeisterung, angeblich aufgezwungener
Verteidigungskrieg, Hoffnung auf nationale Erneuerung).
Bei Heinrich Zille könnte auf seine Zeichnungen für die wöchentlich erschienenen
„Künstlerblätter im Krieg“ und seine humoristischen Figuren „Vadding und Korl“
hingewiesen werden, die er gemeinsam mit der Redaktion des „Ulk“ erfand. Hier könnte
die Frage behandelt werden, ob die Darstellung der Familienväter die Fronterfahrungen
wie einen unfreiwilligen Sonntagsspaziergang erscheinen lassen, oder ob die Figuren
nicht die Hoffnung verkörpern, Menschlichkeit zu bewahren, auch im Krieg.
«VONAME»
Ausdruck vom: 01.04.2015
Seite: 1
Bei Max Liebermann könnte auf seine Zeichnungen für Paul Cassirers Wochenschrift
„Kriegszeit“ hingewiesen werden. Es wäre interessant, zu fragen, warum dieses Kapitel
in Liebermanns Künstlerbiographie in vorhandenen Publikationen ausgeblendet wird.
Der BVV ist bis zum 30.6. 2014 zu berichten.
Begründung:
Der Erste Weltkrieg jährt sich in diesem Jahr zum 100sten Mal. Im Gedenkjahr 2014
erinnert sich Europa an seine Zerstörungswut und das Grauen des Ereignisses. Die
kritische Aufarbeitung und Begleitung wäre auch für die in der Sammlung des
kommunalen Museums Charlottenburg-Wilmersdorf gezeigten Werke wichtig. Es
befinden sich Werke von Künstlern in der Villa Oppenheim, die diesen Weltkrieg
miterlebt und dokumentiert haben. Mit einer kritischen kulturhistorischen
Auseinandersetzung über ihre Künstlerbiographien würde das Museum CharlottenburgWilmersdorf einen eigenen Beitrag im Gedenkjahr leisten.
Literatur:
Bröhan, Margrit: Hans Baluschek (1870-1935). Maler-Zeichner-Illustrator, Berlin 1985.
Hans Baluschek (1870-1935). Sein Werk – ein Spiegelbild seiner Zeit, hg. vom
Kunstamt Kreuzberg, Berlin 1974.
Osterwald, Hans: Zille’s Vermächtnis, Berlin 1930.
«VONAME»
Ausdruck vom: 01.04.2015
Seite: 2