Daten
Kommune
Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf
Dateiname
Vorlage zur Kenntnisnahme.pdf
Größe
175 kB
Erstellt
17.10.15, 07:26
Aktualisiert
27.01.18, 12:31
Stichworte
Inhalt der Datei
Drucksachen
der Bezirksverordnetenversammlung
Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin
4. Wahlperiode
Ursprung: Dringlichkeitsbeschlussvorschlag
Ausschuss für Haushalt, Personal und
Wirtschaftsförderung
TOP-Nr.:
Wuttig/Dr. Timper/Dr. Vandrey/Kaas
Elias/Klose
Vorlage zur Kenntnisnahme
DS-Nr: 0160/4
Beratungsfolge:
Datum
Gremium
06.03.2012
08.03.2012
Haus
BVV
Haus-008/4
BVV-006/4
ohne Änderungen im Ausschuss beschlossen
ohne Änderungen in der BVV beschlossen
Bibliotheksentwicklungsplan jetzt!
Die BVV hat in ihrer Sitzung am 08.03.2012 folgenden Beschluss gefasst:
„Das Bezirksamt wird aufgefordert, der BVV bis zum 31.08.2012 einen
Bibliotheksentwicklungsplan zur Diskussion vorzulegen, der neben aktuellen
Ausleihzahlen, standortbezogenen Angebotsstrukturen und Kosten (KLR) einen
Ausblick auf die künftige bezirkliche Ausstattung (bis 2020) aufweist.
Vor dem Hintergrund des Bezirkshaushalts 2012/13 und daraus resultierenden
geplanten Umstrukturierungen sind der BVV Einsparpotentiale sowie geplante
Raumveränderungen von Bibliotheken an alten und neuen Standorten und die
Auswirkungen auf die jeweiligen Medienbestände in Wort und Zahl (Euro, qm, Anzahl)
verständlich darzulegen.“
Hierzu wird Folgendes berichtet:
Das Bezirksamt legt den beiliegenden Bibliotheksentwicklungsplan in Form einer
Diskussionsgrundlage der BVV vor. Damit soll die BVV in die Lage versetzt werden,
gemeinsam mit dem Bezirksamt strategische Entwicklungsmöglichkeiten anhand der
vorgeschlagenen Szenarien zu entwickeln. Ziel ist es, im 3. Quartal 2013 eine
Entscheidung über die zukünftige Entwicklung des Bibliotheksangebotes im Bezirk zu
treffen.
Es wird gebeten, den Beschluss als erledigt zu betrachten.
Klaus-Dieter Gröhler
Stellv. Bezirksbürgermeister
Inhaltsverzeichnis
Seite
I.
Einführung
4
II.
Bestandssituation 2012
5
1.
Standorte, Räumlichkeiten, Flächenausstattung
5
A.
Heinrich-Schulz-Bibliothek (HSB)
5
B.
Dietrich-Bonhoeffer-Bibliothek (DBB)
6
C.
Ingeborg-Bachmann-Bibliothek (IBB)
6
D.
Johanna-Moosdorf-Bibliothek (JMB)
7
E.
Stadtteilbibliothek Halemweg (HALEM)
7
F.
Adolf-Reichwein-Bibliothek (ARB)
7
G.
Eberhard-Alexander-Burgh-Bibliothek (EABB)
8
2.
Bestandskonzept
8
A.
Bausteine
8
B.
Sonderstandorte
9
3.
Technische Ausstattung und Vernetzung durch IuK-Einsatz
und den EDV-Verbund VÖBB
9
A.
VÖBB
9
B.
RFID
10
C.
Technische Ausstattung und Vernetzung
10
4.
Personalausstattung und Personaleinsatz
10
5.
Sachmittelausstattung
11
A.
Etat
11
B.
Mobiliar
12
6.
Kosten- und Leistungsrechnung
12
7.
Öffnungszeiten
13
8.
Förderung Lesen und Medienkompetenz
14
9.
Weitere Angebote
14
A.
Aufsuchende Bibliotheksarbeit
14
B.
Veranstaltungen
14
10.
Freundeskreis der Bibliotheken
14
III.
Möglichkeiten der zukünftigen Entwicklungen für
Bibliotheksversorgung in Charlottenburg-Wilmersdorf
1.
Vorüberlegung
14
2.
Varianten für Standortentscheidungen
15
A.
Vorausgehende Standortprüfung
15
B.
Schaffung einer Bezirkszentralbibliothek
16
C.
Zentralbibliothek durch Erweiterung einer der beiden
Hauptbibliotheken
17
aa)
Erweiterung DBB
17
bb)
Erweiterung HSB
17
D.
Betrachtung der weiteren Standorte
18
aa)
HALEM
18
bb)
IBB
18
cc)
JMB
19
dd)
EAB
19
ee)
ARB
19
die
14
E.
Alternativstandorte für Stadtteilbibliotheken
19
3.
Bibliotheksbusse
20
4.
Ausdehnung des Ehrenamtes
20
5.
Öffnungszeiten
21
6.
Ausdehnung der Heimausleihe
21
7.
Erscheinungsbild nach außen
21
A.
Zukünftige Entwicklung – Medienetat, Mobiliar, Transporte
21
B.
Hauptaufgabe: Förderung der Lesefähigkeit und Medienkompetenz
22
8.
Zusammenfassung
22
Bibliotheksentwicklungsplan Charlottenburg-Wilmersdorf 2013
I.
Einführung
Öffentliche Bibliotheken sind für viele Bürgerinnen und Bürger die einzigen Institutionen,
die unabhängig von (deren) finanziellen Möglichkeiten Zugang zu Informationen bieten.
Die bezirklichen Bibliotheken in Charlottenburg-Wilmersdorf verstehen sich als
Gebrauchs- und Verbrauchsbibliotheken. Sie sind kein Aufbewahrungsort für
Schrifttum. Die Bibliotheken erfüllen eine soziale Rolle als Weiterbildungseinrichtungen
und müssen gleichzeitig Schritt halten mit immer schneller werdenden
Entwicklungszyklen der Kommunikationstechnologien. Virtuelle wie analoge Medien
müssen vorgehalten und in aufenthaltsorientierten, den Bedürfnissen sich flexibel
anpassenden Räumen angeboten werden.
Die Nachfrage nach den Angeboten der Bibliotheken ist ungebrochen. Keine andere
Kultur- oder Bildungseinrichtung erreicht einen so hohen Anteil der Bevölkerung aller
Alters-, Sozial- und Bildungsschichten wie die Bibliothek. 2012 wurden die Standorte in
Charlottenburg-Wilmersdorf mehr als 657.000 mal besucht, eine halbe Million mal
wurden Bücher und andere Medien entliehen. Allein bei den Maßnahmen zur
Leseförderung für Kitas und Schulklassen werden jährlich bis zu 33.200
Teilnehmerinnen und Teilnehmer gezählt.
Vor dem Hintergrund des seit Jahrzehnten selbst im Berliner Vergleich
unterdurchschnittlich
mit
Ressourcen
ausgestatteten
Bibliothekssystems
Charlottenburg-Wilmersdorf hat die Bibliothek ein Leitbild entwickelt, das sich in
sogenannten Bausteinen widerspiegelt (siehe II.2.A). Ziel ist, Angebote und Lücken klar
zu definieren und beides, Angebote und auch das, was nicht zuverlässig angeboten
werden kann und damit nicht mehr angeboten wird, nach außen zu vertreten. Folge der
konsequenten Bestandspolitik ist derzeit, dass sich der Gesamtbestand der Medien von
470.000 Medien (2001) auf 270.000 (2012) Medien reduzierte, die Entleihungen sich
jedoch von 1.117.000 (2001) auf 1.512.000 (2012), d.h. um 26 % erhöht haben.
Für alle Veränderungen, die die Bibliotheken betreffen, muss man bedenken:
Bibliotheken können Veränderungen nur sehr langsam umsetzen. Das liegt an der
Materie – eventorientierte Bereiche wie Kunstgalerien können viel schneller auf aktuelle
Entwicklungen reagieren – und auch an den begrenzten Ressourcen. Ein neues
Bestandssegment kann, zumindest im laufenden Haushalt, nicht von heute auf morgen
aufgebaut werden. Gerade deshalb müssen Bibliotheken möglichst früh in aktuelle
Entwicklungen einsteigen, um nicht konsequent hinter den Veränderungen hinterher zu
laufen, ohne jemals Schritt halten zu können.
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Ausdruck vom: 08.05.2013
Seite: 4
II.
Bestandssituation 2012
Die heutige bezirkliche Bibliothekssituation entspricht praktisch immer noch dem
System vor der Fusion der beiden Bezirke im Jahre 2001. Zwar wurden die
Stadtteilbibliotheken Halensee und Goethestraße zu Beginn des letzten Jahrzehnts
geschlossen, 2009 die Stadtteilbibliothek in der Bundesallee und 2012 die dortige
eigenständige Musikbibliothek aufgegeben, es gelang jedoch nicht, ein Bibliotheksnetz
mit
einer
Zentralbibliothek,
einer
Mittelpunktsbibliothek
und
kleineren
Stadtteilbibliotheken zu schaffen. Anders übrigens zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Die
Stadt Charlottenburg hatte bereits frühzeitig eine zentrale Hauptbibliothek (mit täglicher
Öffnung bis in die späten Abendstunden) und angegliederte Zweigstellen.
1.
Standorte, Räumlichkeiten, Flächenausstattung
Fast alle Bibliotheken unseres Bezirks sind in Räumen untergebracht, die ursprünglich
nicht für Bibliotheken vorgesehen waren. Insgesamt gibt es nur zwei
Stadtteilbibliotheken, die sich in speziell für die Bibliothek geschaffenen Räumen mit
einer zeitgemäßen, ansprechenden Ausstattung befinden: die Ingeborg-BachmannBibliothek und die Eberhard-Alexander-Burgh-Bibliothek.
A.
Heinrich-Schulz-Bibliothek (HSB)
Otto-Suhr-Allee 96, im Rathaus Charlottenburg,
Direktverbindung U-Bahn-Linie U7 und Bus-Linie M45,
Publikumsfläche 1.136 m², weitestgehend barrierefrei,
61.000 Medien und weitere 15.000 in der Kinderabteilung sowie ca. 8.200
Musikmedien, über 80 laufend gehaltene Zeitungen und Zeitschriften,
226.500 Besucher p.a., 483.993 Ausleihen p.a., 5.427 Teilnehmer p.a.,
Notenbestand derzeit eingelagert
Die HSB befindet sich seit 1945 in ehemaligen Räumen einer Bank. Die räumliche
Aufteilung ist nicht optimal, Tageslicht ist nur begrenzt vorhanden (in erster Linie durch
Oberlichter). Insbesondere in den Sommermonaten fällt die mangelnde Luftzirkulation
stark auf. Die Geräuschbelastung im Eingangsbereich ist durch die Räumhöhe
problematisch. Bereits im Berliner Bibliotheksentwicklungsplan 1995 wird die HSB als
eine der „besonders unzureichenden Hauptbibliotheken“ bezeichnet. Eine
Verbesserung des optischen Eindrucks konnte durch die Renovierung der Räume,
neues Mobiliar und eine veränderte Präsentation der Bestände erreicht werden. Es
fehlen aber nach wie vor attraktive Arbeitsbereiche für Kunden, auch für Gruppen und
Lesezonen mit Café-Charakter.
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Ausdruck vom: 08.05.2013
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B.
Dietrich-Bonhoeffer-Bibliothek (DBB)
Brandenburgische Str. 2,
Direktverbindung U-Bahn-Linie U7 sowie Bus-Linien 101, 104, 249,
Publikumsfläche 1.035 m², barrierefrei,
60.000 Medien und weitere 22.000 in der Kinderabteilung, 100 laufend gehaltene
Zeitungen und Zeitschriften,
188.500 Besucher p.a., 473.206 Ausleihen p.a., 8.894 Teilnehmer p.a.
1955 wurde die Hauptbibliothek in einem Neubau als eine der ersten
Freihandbibliotheken eröffnet, 1961 wurde das Gebäude aufgestockt, um eine
Jugendabteilung aufzunehmen. Durch Umbauten 2005 und 2008 hat sich das
Erscheinungsbild der Bibliothek entscheidend verbessert. Durch den Umbau wurden die
Erwachsenen- und Kinderabteilung miteinander verbunden. Die Bibliothek befindet sich
jetzt auf 2 anstatt wie früher auf 3 Etagen. Beide Etagen können durch einen Aufzug
problemlos erreicht werden. Die gesamte Bibliothek wurde mit zeitgemäßem Mobiliar
ausgestattet und ist jetzt eine ansprechende und helle Bibliothek.
C.
Ingeborg-Bachmann-Bibliothek (IBB)
ehem. Stadtteilbibliothek West (kombinierte Bibliothek1), Nehringstr. 8-10 in der
Nehring-Grundschule,
Bus-Linie 309 mit Fußweg,
Publikumsfläche 746 m², barrierefrei,
20.000 Medien und weitere 9.000 in der Kinderabteilung, 23 laufend gehaltene
Zeitungen und Zeitschriften,
60.500 Besucher p.a., 109.938 Ausleihen p.a., 3.649 Teilnehmer p.a.
Durch eine umfassende Umstrukturierung der Bibliothek zu einer Familienbibliothek
haben sich die Benutzergruppen verändert. Das Umfeld ist durch einen hohen
Migrantenanteil unterschiedlichster Nationen gekennzeichnet, der die Bibliothek leider
nach wie vor nur in eingeschränktem Maße nutzt. Der weitgehend ungenutzte
Sonderbestand an türkischer Literatur aus den 70er Jahren wurde aufgelöst.
Zielrichtung ist, die Deutschkenntnisse insbesondere der Kinder durch geeignete
Medien zu fördern; außerdem wird einfache deutschsprachige Literatur für Erwachsene
nachgefragt. Die Stadtteilbibliothek ist eine der beiden des Bezirks, die speziell für diese
Nutzung erbaut und mit ansprechendem Mobiliar ausgestattet ist. Die Räumlichkeiten
eignen sich für kleinere Veranstaltungen. Allerdings ist die Lärmbelästigung durch die
IT-Technik störend. Für Veranstaltungen muss jeweils die Bestuhlung aufgebaut und
Equipment aus anderen bezirklichen Einrichtungen transportiert werden.
1
Kombinierte Bibliothek: Bestand für Erwachsene und Kinder / Jugendliche.
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D.
Johanna-Moosdorf-Bibliothek (JMB)
ehem. Stadtteilbibliothek Neuwestend (kombinierte Bibliothek), Westendallee 45 im
Herder-Gymnasium,
Bus-Linien 218, 349, M49, 104 jeweils mit Fußweg,
Publikumsfläche 340 m², nicht barrierefrei,
12.000 Medien und weitere 8.000 in der Kinderabteilung, 28 laufend gehaltene
Zeitungen und Zeitschriften,
39.200 Besucher p.a., 106.723 Ausleihen p.a., 2.963 Teilnehmer p.a.
Die Räume sind sehr beengt, die Regale konnten aus Beständen geschlossener
Bibliotheken erneuert werden. Eine zeitgemäße, ansprechende Ausstattung ist jedoch
auch aus Raummangelzuschnitt nicht möglich.
E.
Stadtteilbibliothek Halemweg (HALEM)
Halemweg 18 im Stadtteilzentrum (kombinierte Bibliothek),
Direktverbindung U-Bahn-Linie U7 sowie Bus-Linien 123,
Publikumsfläche 237 m², barrierefrei, 12.000 Medien insgesamt,
10.700 Besucher (von Mitte April 2012 bis Dezember 2012, also hochgerechnet 15.000
p.a.), 17.275 Ausleihen p.a. (von Mitte April 2012 bis Dezember 2012, also
hochgerechnet 24.000 p.a.), 1.883 Teilnehmer (von Mitte April 2012 bis Dezember
2012)
Der frühere, im Schulgebäude der Poelchau-Oberschule verborgene Standort konnte im
April 2012 durch einen neuen, ansprechenden Bibliotheksraum direkt anliegend an der
Straße als Teil eines Stadtteilzentrums ersetzt werden. Der Medienbestand befindet
sich noch im Aufbau. Derzeit wird nach einem Namen für die Bibliothek gesucht. Hierzu
wird dem zuständigen Ausschuss ein Vorschlag unterbreitet werden.
F.
Adolf-Reichwein-Bibliothek (ARB)
Berkaer Platz 1 im Rathaus Schmargendorf (Erwachsenen- und Kinderbibliothek),
Direktverbindung Bus-Linien 110, 115, 186, 249,
Publikumsfläche 219 m², nicht barrierefrei,
16.000 Medien und weitere 11.000 in der Kinderabteilung,
59.800 Besucher p.a., 109.415 Ausleihen p.a., 6.740 Teilnehmer p.a.
Die Bibliothek ist zweigeteilt, die Erwachsenenabteilung befindet sich im Hochparterre,
die Kinderbibliothek im 2. Geschoss. Aufgrund dieser ungünstigen räumlichen Situation
ist jeder Bibliotheksteil nur jeweils 12 Stunden pro Woche geöffnet. Die Räume der
Bibliothek sind großteils mit altem Mobiliar (Einbauten) ausgestattet, was der Bibliothek
einen eigenen Charme verleiht, jedoch jede Möglichkeit einer benutzerorientierten
Aufstellung der Bestände oder der Schaffung von Aufenthaltsqualität verhindert. Die
Einführung von RIFD sprengte die Möglichkeiten des Standortes. So war z.B. ein
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Ausdruck vom: 08.05.2013
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Sicherheitsgate im Kinderbereich aus Platzgründen nicht unterzubringen; der
gemeinsame Serviceplatz von Angestellten und Bibliothekarinnen ist äußerst beengt.
Bei der Durchführung von Veranstaltungen ist die räumliche Enge und der damit
verbundene Lärmpegel eine erhebliche Einschränkung und Belastung.
G.
Eberhard-Alexander-Burgh-Bibliothek (EAB)
ehem. Neil-Armstrong-Bibliothek, Rüdesheimer Str.14 in der Rüdesheimer-Grundschule
(Kinder- und Jugendbibliothek),
Direktverbindung U-Bahn-Linie U3 sowie Bus-Linien 101, 186, 248,
Publikumsfläche 311 m², barrierefrei,
15.000 Medien, 16 laufend gehaltene Zeitungen und Zeitschriften,
40.900 Besucher p.a., 88.400 Ausleihen p.a., 3.717 Teilnehmer p.a.
Die reine Kinder- und Jugendbibliothek wurde 1999 zusammen mit einem Schulneubau
eröffnet, in den die Bibliothek als eigenständiger Baukörper integriert wurde. Die
Bibliothek existierte bereits seit 1958 auf dem Schulgelände, war jedoch von 1995 bis
1999 in der Ladenpassage in der Schlangenbader Passage untergebracht. Sie ist mit
neuem Mobiliar kindgerecht eingerichtet.
Die Entwicklung der Ausleihzahlen aller Bibliotheken in Charlottenburg-Wilmersdorf sind
als Anlage in Diagrammen, beginnend vom 1. Januar 2010, beigefügt.
2.
Bestandskonzept
A.
Bausteine
Folgende vier Bausteine bilden das Grundgerüst für alle Standorte:
Der Baustein „Unterhaltung“ bietet Erwachsenen zeitnah Bestseller und andere
Medien, die „im Gespräch“ sind.
Der Baustein „Alltagsbewältigung“ enthält Bücher – vor allem Ratgeber – und
andere Medien, die Erwachsenen Unterstützung bei der Bewältigung von
alltäglichen Problemen bieten.
Das „Tor zum Lernen“ bietet Bücher und andere Medien zur schulbegleitenden
Unterstützung von Lernprozessen und richtet sich an Kinder bis zu 14 Jahren.
Der Baustein „Freizeit für Kinder“ enthält einen Medienmix, der Kindern bis zu 12
Jahren frei von schulischen Zwängen helfen soll, ihre Kreativität zu entfalten und
ihre emotionalen und sozialen Kompetenzen zu stärken.
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Ausdruck vom: 08.05.2013
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Durch dieses Angebot werden vor allem Kinder und Jugendliche, Familien mit kleinen
Kindern und Senioren bedient, sowie ortsansässige Schulen und Kindergärten.
Abhängig von dem Erhalt oder den Veränderungen der beiden größeren Standorte ist
die konkrete Umsetzung des Bausteins „Individuelles Lernen“. Dieser richtet sich an
Erwachsene sowie zum schulbegleitenden Lernen an Schülerinnen und Schüler mit
dem Ziel der Unterstützung des Lebenslangen Lernens, der individuellen beruflichen
Weiterbildung sowie des Lernens für den mittleren Schulabschluss und das Abitur.
B.
Sonderstandorte
Für die Kunden sichtbar werden die Bausteine durch entsprechende Sonderstandorte:
Für die möglichst selbsterklärende Präsentation werden größere Themenbereiche als
ein Standort zusammengefasst: Beispiele dafür sind: Fit & Gesund - Mit Kindern leben Job & Karriere. Innerhalb dieser Standorte wird nach der Systematik sortiert. Diese
Differenzierung nach Systematik hilft bei den großen Beständen; bei kleineren
unterbindet es die Auffindbarkeit in den Themenblöcken trotzdem nicht. In den
Stadtteilbibliotheken werden nahezu alle Bestände in solchen Gruppen untergebracht.
Die Idee hinter den Sonderstandorten ist, dass die Nutzer am Regal entscheiden, was
sie zum Thema mitnehmen wollen. Dies führt zu Synergieeffekten und verhindert auch
das "Zerstückeln" von Autoren.
Seit 2010 gibt es zusätzlich den Standort "Im Gespräch". Im wöchentlichen Rhythmus
werden hier Sachtitel, die aktuelle gesellschaftliche und mediale Diskussionen
aufgreifen, angeschafft und innerhalb kürzester Zeit (i.d.R. 3 Werktage nach Bestellung)
zur Verfügung gestellt.
3.
Technische Ausstattung und Vernetzung durch IuK-Einsatz und den EDVVerbund VÖBB
A.
VÖBB
Wilmersdorf hat sich im Januar 2000, Charlottenburg im Januar 2001 dem Verbund
Öffentlicher Bibliotheken Berlins (VÖBB) angeschlossen. Im Unterschied zu anderen
EDV-Verbünden vereint der VÖBB nicht nur den Nachweis über die Bestände aller
Öffentlichen Bibliotheken Berlins, sondern vernetzt die Bibliotheken datentechnisch,
administrativ und logistisch so miteinander, dass es für die Kundinnen und Kunden der
Bibliotheken einen Benutzerausweis und ein Benutzerkonto gibt und zudem die
Möglichkeit der Bestellung von Medien aus jeder öffentlichen Berliner Bibliothek in jede
öffentliche Berliner Bibliothek besteht. Die Rückgabe ist in jeder Öffentlichen Bibliothek
innerhalb Berlins möglich. Mit dem VÖBB wurde damit die Idee einer großen virtuellen
Bibliothek verwirklicht. Dennoch werden die Potenziale des VÖBB bisher nicht
angemessen genutzt.
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Ausdruck vom: 08.05.2013
Seite: 9
B.
RFID
2011 wurde mit der Einführung von RFID („radio-frequency identification“) in allen
öffentlichen Bibliotheken Berlins begonnen. Die Bibliotheken in CharlottenburgWilmersdorf haben die Umstellungsphase bereits hinter sich und erreichen in fast allen
Standorten die durch das Projekt vorgegebenen Verbuchungsraten von mehr als 90 %
per Selbstverbucher. RFID hat dadurch, dass die Kunden bei der Verbuchung und
Rückbuchung ihrer Medien auf Selbstbedienung umsteigen, Auswirkung auf die
Arbeitsfelder der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mit RFID ist es möglich, auch interne
Abläufe wie Erwerbung, Bestandskontrolle u.ä. zu vereinfachen.
C.
Technische Ausstattung und Vernetzung
Für die Öffentlichkeit stehen kostenfreie Internetanschlüsse bzw. Internetplätze in allen
Standorten zur Verfügung, seit 2009 in allen Standorten auch W-LAN. Somit können die
Besucherinnen und Besucher auch eigene Laptops, Smartphones und Tablets für ihre
Arbeit vor Ort nutzen.
PC-Arbeitsplätze sind dagegen in keinem Bibliotheksstandort vorhanden, sodass es
bisher nicht möglich ist, z.B. eigene Bilder und Unterlagen für Bewerbungen
einzuscannen, zu bearbeiten und auszudrucken.
Die Auskunftsmittel in Printform wurden bereits sukzessive aufgelöst. Anstelle von
Loseblattsammlungen und Lexika stehen Internet und „Online Public Access Catalogs“
(OPACs) bereit. Viele Informationen werden in Printform nicht mehr angeboten bzw. nur
auf Nachfrage. Die Auskunftsplätze sind bereits in allen Standorten mit Internet
ausgerüstet, um Suchanfragen professionell beantworten zu können.
4.
Personalausstattung und Personaleinsatz
Die Personalausstattung der Stadtbibliotheken Charlottenburg und Wilmersdorf hat sich
laufend reduziert. 2001 waren es noch 76,59 Stellen, 2012 waren es laut Stellenplan
noch 60,34. Rechnet man die befristeten Arbeitszeitreduzierungen und Aussteuerungen
durch langfristige Erkrankungen sowie nicht besetzte Stellen heraus, waren in August
2012 insgesamt 51,33 Stellen besetzt, davon 2 nur befristet bis Anfang 2013. Dazu
kommen 6 Auszubildende. Ungefähr die Hälfte der Stellen sind Beamtenstellen im
bibliothekarischen Bereich. Einige der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind als
Bibliotheksassistentinnen und -assistenten bzw. Fachangestellte für Medien- und
Informationsdienste ausgebildet. Dieser Qualifikation entsprechende Stellen stehen
jedoch nicht zur Verfügung. Die meisten der Angestellten sind angelernte Kräfte. In den
kombinierten Bibliotheken sind die ehemaligen 3:3 Besetzungen (3 bibliothekarische
Kräfte, 3 technische Angestellte) bereits Anfang der 90er Jahre zu 2:2 Besetzungen
umgewandelt worden, mittlerweile liegt die Besetzung noch niedriger, bis hin zu einer
1:1 Besetzung. Die Sicherung der Öffnungszeiten ist gerade bei den 1:1 Besetzungen
mit hohem logistischen Aufwand verbunden, da laufend für Vertretungen aus anderen
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Standorten gesorgt werden muss. In 2012 wurden im gesamten Bibliothekssystem
insgesamt ca. 600 Vertretungen geleistet. Dies bedeutet, dass die Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter sehr häufig an einem Tag an zwei Standorten tätig waren, die
entsprechenden Wegestrecken sind nicht wirtschaftlich.
Als Mindestbesetzungen für die einzelnen Bibliotheksstandorte wurden bisher folgende
Personalkapazitäten zugrunde gelegt:
Bibliotheken
HSB
DBB
IBB
JMB
HALEM
ARB
EAB
Mitarbeiter
Bibliothekare Assistenten
5
4
5
4
1
1
1
1
1
1
1
1
1
1
Zwischen 2013 und Ende 2016 werden 9 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den
Ruhestand gehen, in Anbetracht der Vorgaben zur Personalreduzierung können nicht
alle Stellen wiederbesetzt werden.
5.
Sachmittelausstattung
A.
Etat
Der Gesamtetat der Bibliotheken hat sich von 2008 mit 2,98 Mio. Euro auf 2,65 Mio.
Euro für 2013 verringert. Der Hauptanteil der Kürzungen entfällt auf Personalausgaben
(0,29 Mio. Euro).
Der Ansatz für den Medienbedarf (Titel 52302) lag für die Stadtbibliothek
Charlottenburg-Wilmersdorf in 2001 bei 420.000 DM (≈ 214.743 EUR). Der Medienetat
2012 lag laut Haushaltsplan bei 198.000 EUR. Charlottenburg-Wilmersdorf ist der
einzige Bezirk, bei dem sich der Medienetat im Zeitraum von 2003 bis 2008 rückläufig
entwickelt hat. Aufgrund des seit Jahren gleichbleibend niedrigen Medienetats ist
Charlottenburg-Wilmersdorf bezogen auf seine Einwohner seit Jahren an der letzten, in
2011 an der vorletzten Stelle unter den Bezirken mit 0,67 EUR Medienetat pro
Einwohner (in Berlin lag der Median 2011 bei 0,93 EUR pro Einwohner,
deutschlandweit 2010 bei 1,12 EUR).
In 2010 und 2011 konnte durch eine konsequente Umsetzung eines bezirklichen
Bestandsprofils, das eine starke Reduzierung der Bestände um veraltete, nicht mehr
genutzte Medien bedeutete und gleichzeitig einen Ausbau klar umrissener
Angebotsfelder beinhaltete, dem Abwärtstrend entgegen gewirkt werden. Die
Verklarung des Angebots ist ein wichtiges Element in der Neuaufstellung.
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Ausdruck vom: 08.05.2013
Seite: 11
B.
Mobiliar
In den letzten Jahren wurden die geforderten Einsparungen im Sachmittelbereich, um
den Medienetat nicht kürzen zu müssen, vor allem in dem Titel vorgenommen, der für
Mobiliar und Ausstattung zur Verfügung steht. In 2012 ist dieser Etat so gering, dass
nur vereinzelt Ersatzbeschaffungen oder Mobiliarergänzungen vorgenommen werden
konnten. Die herausgehobene Präsentation bestimmter Bestandsgruppen, flexibles
Mobiliar zum Schmökern, Arbeiten, zusammen Lernen, Spielen oder maßgeschneiderte
Möblierungen für bestimmte Standorte sowie professionelle Leitsysteme und
Beschilderungen sind derzeit nicht umsetzbar.
6.
Kosten- und Leistungsrechnung
Für die Bewertung der KLR-Ergebnisse und anderer Daten, mit denen die
Leistungsfähigkeit der Bibliothek beurteilt werden kann, müssen längere
Entwicklungslinien betrachtet werden, da in Bibliotheken die Reaktionen auf Eingriffe
immer mit einer gewissen Verzögerung zu einer Veränderungen der Leistungszahlen
führen: So führt ein verstärkter Medienetat in der Regel innerhalb von 1-2 Jahren zu
einem Zuwachs an Entleihungen, ein sinkender Medienetat macht sich umgekehrt oft
erst signifikant nach 1-2 Jahren bemerkbar (Hintergrund: Erst der entsprechende
Umsatz eines Mediums produziert die notwendigen Stückzahlen: Ein Buch, das im
Januar gekauft wird, hat erst im Dezember seine 12 Ausleihen erbracht). Die Zahlen
entwickeln sich hierbei immer im Vergleich mit den anderen 11 Bezirken.
Während in Charlottenburg-Wilmersdorf noch 2004 mit den beiden Hauptprodukten ein
positives Budgetierungsergebnis erreicht werden konnte und in 2006 die negativen
Ergebnisse bei den Entleihungen durch die Besuche ausgeglichen wurden, lagen ab
2007 die Kosten für Entleihungen und Besuche über dem Median, d.h. es entstand ein
negatives Budgetierungsergebnis. Diese Zahlen zeigen die typische, langfristige
Entwicklung, der Bibliotheken unterworfen sind: Die Besucher kommen lange Zeit auch
dann noch in die Bibliotheken, wenn es nicht genügend Medien zu entleihen gibt (2005
und 2006), aber irgendwann wandern die Besucher ab, v.a. wenn es in anderen
Regionen ein besseres Angebot gibt (ab 2007, z.B. Steglitz mit der Eröffnung der
Bibliothek im „Schloss“ im Herbst 2006). Verbessern sich die Angebote, steigen zuerst
die Entleihungen: Die Besucher, die die Bibliothek weiterhin genutzt haben, nehmen
jeweils mehr Medien mit. Später werden auch die Besucherzahlen steigen, wenn sich
langsam herum spricht, dass es sich (wieder) lohnt, die Bibliotheken aufzusuchen.
Die Stadtbibliothek hat sich als Folge der Rückgänge in der KLR einem intensiven
Veränderungsprozess unterworfen; dieser berührt, wie oben dargestellt, vor allem den
Bestandsaufbau. Dieser Prozess muss sich aber auch auf die anderen
Angebotsbereiche ausweiten, so z.B. auf die Leseförderung, einem Produkt, in dem
Charlottenburg-Wilmersdorf seit Jahren mit hohen Stückkosten in der KLR an letzter
Stelle agiert, und das, obwohl in den letzten Jahren ein stark verbreitertes Angebot an
attraktiven Leistungen bereitgestellt werden konnte und die Teilnehmerzahlen sich sehr
stark erhöht haben.
0160/4
Ausdruck vom: 08.05.2013
Seite: 12
In der aktuellen KLR für 2012 sind die Produkte Entleihung und Besuche in
Charlottenburg-Wilmersdorf günstiger als der Median, nur das Produkt Leseförderung
liegt mit 7,87 Euro über dem Median (5,77 Euro). Die drei Vergleichsberichte sind als
Anlage beigefügt.
7.
Öffnungszeiten
Die Gesamtöffnungsstunden waren bis zum Jahr 2000 im Vergleich mit ähnlich großen
Bibliothekssystemen gut. Mit dem Jahr 2001 mussten die Öffnungszeiten der
Stadtteilbibliotheken erstmals reduziert werden. In 2009 schließlich wurden die
Öffnungszeiten der Stadtteilbibliotheken vereinheitlicht und auf nur 4 Stunden pro Tag
gekürzt. Dies war als eine vorübergehende Einschränkung gedacht, konnten aber
aufgrund von weiteren Personaleinsparungen nicht wieder aufgehoben werden. Durch
Umbauten bzw. Einführung von RIFD konnten in den beiden großen Häusern die
Öffnungszeiten von Kinder- und Erwachsenenbereich angeglichen und damit die
Öffnungszeiten leicht erhöht werden.
Angaben in Stunden
Bibliothek
2001
2005
2009
tatsächliche
Öffnungszeiten
2012
Heinrich-Schulz-Bibliothek
Erwachsene
Kinder
45,5
37,5
40,5
45,5
40,5
45,5
plus Rückgabe
tägl. 6-22 Uhr
45,5
45,5
45,5
plus Rückgabe
tägl. 6-22 Uhr
Dietrich-Bonhoeffer-Bibliothek
45,5
45,5
Mo-Fr 11-19.30 Uhr
Sa 11-14 Uhr
Mo-Fr 11-19.30 Uhr
Sa 11-14 Uhr
Erwachsene
Kinder
48
27
Ingeborg-Bachmann
26
20
20
Mo-Fr 11-18 Uhr
Johanna-Moosdorf
28
22
20
Mo-Fr 11-18 Uhr
Halemweg
24
16
16
Mo-Di 14-18 Uhr
Do-Fr 14-18 Uhr
Adolf-Reichwein
30
24
24
Mo, Mi 14-18 Uhr
Di-Do 14-18 Uhr
Eberhard-AlexanderBurgh-Bibliothek
20
16
16
Mo-Di 14-18 Uhr
Do-Fr 14-18 Uhr
Durch den Einbau von Außenrückgaben in zwei Bibliotheken konnte die Servicequalität
stark erhöht werden. Die Möglichkeit, Medien zurück zugeben, hat sich an beiden
Standorten auf jeweils 66,5 Stunden ausgedehnt, d.h. um 250 % erhöht. Die Entleihung
von Medien außerhalb der Öffnungszeiten ist jedoch weiterhin nicht möglich.
8.
0160/4
Förderung Lesen und Medienkompetenz
Ausdruck vom: 08.05.2013
Seite: 13
Es werden laufend Bibliotheksunterricht und Führungen für Schulklassen und
Kindertagesstätten angeboten, an diesen und den regelmäßig stattfindenden
Vorlesenachmittagen und sonstigen Veranstaltungen für Kinder konnten 2012
insgesamt 33.200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gezählt werden. Dieses Angebot
findet zum größten Teil außerhalb der Öffnungszeiten vormittags statt.
Bei einer von der Bezirksverwaltung 2012 in Auftrag gegebenen Befragung von 67 KitaErzieherinnen und -erzieher aus Charlottenburg-Wilmersdorf haben 54 das Angebot
„Bibliothekseinführung“ für Kita-Kinder mit sehr gut / gut bewertet. Zwei Drittel zeigten
sich mit dem Angebot der Bibliotheken zufrieden, bei dem Wunsch nach Ausdehnung
des Angebots standen Lesungen an oberster Stelle.
9.
Weitere Angebote
A.
Aufsuchende Bibliotheksarbeit
Während in den anderen Bezirken dieses Angebot völlig eingestellt worden ist, wird es
in Charlottenburg-Wilmersdorf z. Zt. im Rahmen zweier Bürgerarbeitsplätze im
eingeschränkten Rahmen erbracht.
B.
Veranstaltungen
Bedingt durch die beschränkten Personalreserven sind die Angebote von Lesungen in
den letzten Jahren rückläufig, um eine Konzentration auf das Kerngeschäft zu
ermöglichen.
10.
Freundeskreis der Bibliotheken
Im Zuge der Kürzungen des Medienetats und der Personalausstattung hat sich 2002
ein Freundeskreis der Bibliotheken e.V. gegründet, der die Beschaffung neuer Medien
mit finanziert und die Bibliotheken durch Basare und Lesungen unterstützt.
III.
Möglichkeiten
der
zukünftigen
Entwicklungen
Bibliotheksversorgung in Charlottenburg-Wilmersdorf
1.
Vorüberlegung
für
die
Die langfristige Planung muss darin bestehen, mit einer Bibliothek einen Ort zu
schaffen, der sich im Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger und im Gefüge des
Bezirkes als die Zentrale für schnellen und professionell unterstützten Zugang zu allen
Informationen für Alltagsfragen, lebenslanges Lernen und für die Teilhabe am
gesellschaftlichen Leben etabliert, mit Hilfe von Büchern, digitalen oder virtuellen
Medien oder / und der notwendigen bibliothekarischen Begleitung. Die Mittel
insbesondere für den Medienetat müssten dafür weit über den jetzigen Etat
hinausgehen und der jetzige Personalbestand mindestens gehalten werden. Gelingt
dies beides nicht, muss die Zahl der jetzigen Bibliotheken reduziert werden, um die
0160/4
Ausdruck vom: 08.05.2013
Seite: 14
Ressourcen zu konzentrieren. Zukünftig müssen die Bibliotheken eine hohe
Aufenthaltsqualität anbieten. Sie müssen per ÖPNV, Rad oder Auto gut erreichbar, in
attraktiven, von der Straße aus sichtbaren, d.h. niedrigschwellig zugänglichen Räumen
untergebracht sein, die mit modernem, zweckmäßigem Mobiliar und aktuellster ITInfrastruktur ausgestattet sind, bis in den Abend geöffnet sein und durch sehr gut
ausgebildetes Personal betreut werden.
Im Bereich des Medienbestandes wurde der Weg beschritten, die Lücken und Angebote
zu definieren und offensiv damit umzugehen. Bei der Entscheidung über Standorte
könnte in entsprechender Weise verfahren werden. Hilfreich für eine erste Bewertung
der Situation ist die Zugrundelegung eines Rasters, dass einzelne Bewertungspunkte
erfasst, und damit die Möglichkeit gibt, unterschiedliche Sichtweisen abzubilden und um
jetzige Standort zu bewerten. Die Schwierigkeiten eines derartigen Rasters bestehen
jedoch in der Gewichtung der Kriterien. Misst man z. B. der sozialen Förderung eines
Quartiers größere Bedeutung bei, als der tatsächlichen Nachfrage, erhöht sich die
Wertigkeit z. B. der Standorte IBB und HALEM.
Hilfreich ist auch, die Einrichtungen und Entwicklungen in den Nachbarbezirken
wahrzunehmen, da die Nutzerinnen und Nutzer sich nicht an Bezirksgrenzen
orientieren.
In der Anlage befindet sich eine Aufstellung aller Bibliotheken in den 12 Bezirken.
2.
Varianten für Standortentscheidungen
A.
Vorausgehende Standortprüfung
Bei der Entscheidungsfindung für die Neuordnung des bezirklichen Bibliotheksangebots
sind folgende Parameter mit zu berücksichtigen (ohne, dass diese Parameter hier in
einer Rangfolge genannt sind):
Es ist zu klären, ob das System Zentralbibliothek, Mittelpunktbibliothek,
Stadtteilbibliothek angestrebt wird oder ob zwei Hauptbibliotheken und
Stadtteilbibliotheken bestehen bleiben sollen.
Das Erscheinungsbild der Bibliotheksräume
Aufenthaltsqualität muss erhöht werden.
Die Kosten-Leistungs-Rechnung kann, auch wenn sie für die Beurteilung einer
Bildungseinrichtung nicht ausschlaggebendes Kriterium sein kann, nicht außer
Betracht gelassen werden. Ziel muss es sein, dauerhaft die in den Bibliotheken
unseres Bezirkes erbrachten Produkte unter dem Median zu halten. Jedoch kann
nicht prognostiziert werden, welche Auswirkungen auf die KLR durch
Standortveränderungen zu erwarten sind. Insbesondere kann nicht vorhergesagt
werden, ob sich z.B. bei Schließung / Verlagerung eines Standorts der gesamte
Besucherstamm auf die anderen Bibliotheken bzw. den neuen Standort verlagert,
0160/4
muss
verbessert
und
die
Ausdruck vom: 08.05.2013
Seite: 15
und ob z.B. bei Ausdehnung der Öffnungszeiten auch eine Erhöhung der
Besucherzahlen erfolgt oder ob lediglich eine Nutzungsverschiebung stattfindet.
Das Angebot der umliegenden Bezirke muss mit berücksichtigt werden, da z.B. die
Gerhart-Hauptmann-Bibliothek in Schöneberg nur 1,6 km (Luftlinie) von der EAB
entfernt liegt (vgl. Karte mit Auflistung im Anhang). Die Ingeborg-Drewitz-Bibliothek
als Zentralbibliothek des Bezirks Steglitz-Zehlendorf im Einkaufszentrum „Das
Schloss“ ist von der EAB rund 2,2 km Luftlinie entfernt, von der ARB rund 3,8 km
Luftlinie. Diese Zentralbibliothek unseres südlichen Nachbarbezirks verfügt über ca.
200.000 Medien auf 3.100 m² Publikumsfläche und hatte knapp 529.000 Besucher
(2012) und 470.000 (2009).
Bei der weiteren Bibliotheksentwicklungsplanung im gesamten Land Berlin ist zu
beachten, dass die Einführung von RFID mit EU-Mitteln gefördert ist und sich das
Land verpflichtet hat, während der Laufzeit des Projekts (bis 2018) das Angebot der
Bibliotheken auszudehnen. Da bereits jetzt absehbar ist, das nicht alle Bibliotheken,
die zu Beginn der EU-Förderung existierten, bestehen bleiben, muss Berlin mit der
EU klären, welche Forderungen von dort erhoben werden.
Nicht alle frei werdenden Stellen im Bibliotheksbereich können in Anbetracht des
VZÄ-Abbaus wieder besetzt werden.
B.
Schaffung einer Bezirkszentralbibliothek
Um den Anforderungen an eine Zentralbibliothek gerecht zu werden, muss ein
derartiger Standort ca. 3.000 m² Publikumsfläche und auch die Nutzfläche für die
Bibliotheksverwaltung des Bezirks aufweisen. Außerdem ist ein abgetrennter
Veranstaltungsbereich für Leseförderung und Veranstaltungen erforderlich.
Wünschenswert wäre auch eine Fläche für ein Bibliothekscafé.
Eine derartige Zentralbibliothek würde die HSB und die DBB in ihrer jetzigen Form
ersetzen und auch die Musikbibliothek komplett aufnehmen.
Da das Bezirksamt nicht selbst über eine solche Immobilie verfügt, die eine
Unterbringung einer Zentralbibliothek mit 3.000 m² Publikumsfläche ermöglicht und ein
Neubau über die Investitionsplanung (I-Planung) derzeit nicht realisierbar erscheint,
sind externe Angebote geprüft worden, insgesamt wurden 22 Standorte betrachtet, u. a.
auch die Wilmersdorfer Arcaden. Nachdem einige Angebote nicht mehr zur Verfügung
standen, fielen mehrere Standorte wegen fehlender Zentralität (z.B. Theodor-HeussPlatz oder Goslarer Ufer) aus. Andere Standorte (z.B. Nestorstraße) konnten nicht
weiter betrachtet werden, da die Statik nicht ausreichte. Andere wiederum mussten
wegen technischer Anforderungen (Raumzuschnitt) oder wegen zu hoher
Mietforderungen verworfen werden.
Immobilienangebote der BIM, z.B. das bisherige Rathaus Fehrbelliner Platz, wurden
aus räumlichen und wirtschaftlichen Gründen nicht näher betrachtet.
0160/4
Ausdruck vom: 08.05.2013
Seite: 16
Zuletzt befand sich nur noch ein Standort in der näheren Prüfung (Bismarckstraße 105).
Dieser musste nach intensiver Prüfung und begonnenen Vertragsgesprächen jedoch
ausscheiden, weil nunmehr der Eigentümer festgestellt hat, dass die Statik für eine
Bibliotheksnutzung nicht ausreicht. Damit besteht aktuell keine Möglichkeit eine neue
Zentralbibliothek zu schaffen, die diesen größeren Anforderungen gerecht wird. Ein
Neubau einer bezirklichen Zentralbibliothek ist für die I-Planung dieses Jahrzehnt nicht
vorgesehen bzw. eher unwahrscheinlich.
C.
Zentralbibliothek durch Erweiterung einer der beiden Hauptbibliotheken
Da eine „große, neue Zentralbibliothek“ nicht realisierbar ist, muss geprüft werden, ob
einer der beiden Hauptstandorte erweitert werden kann.
aa)
Erweiterung der DBB
Die Immobilie Sigmaringer Straße könnte auch in den beiden oberen Geschossen als
Bibliothek genutzt werden, dann müssten jedoch die bisher in diesen Geschossen
etablierten
Künstlerateliers
verlagert
werden.
Eine
alternative
Unterbringungsmöglichkeit der Künstlerinnen und Künstler im Bezirk ist bisher nicht
gefunden. Die Bibliothek würde dann von den bisherigen 1.035 m² Publikumsfläche um
ca. 1.000 m² erweitert werden, erreicht damit aber nicht die eigentlich für eine
Zentralbibliothek erforderliche Größe. Die barrierefreie Erreichbarkeit könnte durch
Erweiterung des Aufzuges hergestellt werden, der Umbau der jetzigen Ateliers ist mit
vertretbarem Aufwand zu realisieren und stellt keine technischen Probleme dar. Eine
Nutzung des Flachdachs als Lese-Dachgarten wäre nur mit einem erheblichen Aufwand
(ca. 0,5 Mio. €) erreichbar.
bb)
Erweiterung des HSB
Die Prüfungen für eine Erweiterung der HSB sind umfänglich und noch nicht komplett
abgeschlossen. Sie beziehen sich auf mehrere Komponenten. Am ehesten ist eine
Erweiterung der Publikumsfläche durch Verlagerung von anliegenden Büronutzungen
möglich. Die dafür erforderlichen Umbauten erscheinen sowohl denkmalfachlich als
auch wirtschaftlich darstellbar, bedingen aber eine mehrwöchige Schließzeit der
Bibliothek. Der Flächenzugewinn beträgt aber im Höchstfall 200 m². Für die bisherigen
Büronutzungen muss jedoch räumlicher Ersatz geschaffen werden.
Darüber hinaus hat eine Prüfung stattgefunden, weitere 200 m² Fläche durch
Überbauung eines Innenhofs hinzuzugewinnen. Hier stellen sich jedoch Probleme des
Denkmalschutzes, des Brandschutzes und ggf. des Arbeitsschutzes ein. Darüber
hinaus wäre der bauliche Aufwand sehr hoch. Von hier vertiefenden weiteren Prüfungen
wurde vorerst abgesehen.
Ein Hinzugewinn von ebenfalls ca. 200 m² würde sich auch ergeben, wenn der
bisherige Nebeneingang zum Rathaus, Otto-Suhr-Allee 98, geschlossen und nur als
0160/4
Ausdruck vom: 08.05.2013
Seite: 17
Zugang zur Bibliothek genutzt würde. Dann könnte die Bibliothek die heutigen
Verkehrsflächen vor der HSB hinzugewinnen (Eingangshalle) und nach vorn verlagert
werden. Diese Veränderung würde allerdings vertieft denkmalfachlich zu bewerten sein.
Problematisch ist jedoch die Veränderung der Fluchtwegsituation, die Untersuchungen
sind hierzu noch nicht abgeschlossen.
Ebenso wird noch geprüft, ob Flächen neben der Bibliothek als Publikumsflächen dazu
gewonnen werden können. Auch diese Veränderung muss bezüglich Belüftung und
Rettungssituation noch abschließend beurteilt werden. Erst dann kann eine
Kostenschätzung erfolgen. Diese Veränderung könnte bis zu 300 m² erbringen, würde
jedoch eine Verlagerung der Kantinennutzung erfordern.
Im Ergebnis lässt sich jedoch bereits jetzt absehen, dass nur bei Realisierung aller
Flächenzugewinne eine Publikumsfläche von über 2.000 m² erreichbar wäre. Diese
Umsetzung wird jedoch unter Berücksichtigung der o.g. Probleme nicht komplett
machbar sein. Selbst dann wäre die heutigen Nachteile des Standortes nicht beseitigt:
geringe
Außenwahrnehmung,
wenig
Tageslicht,
Unübersichtlichkeit
durch
Raumaufteilung, schlechte Belüftungssituation.
D.
Betrachtung der weiteren Standorte
aa)
HALEM
Da die Bibliothek HALEM als bewusste Entscheidung des Bezirksamtes zur Stärkung
des Stadtteils Charlottenburg-Nord im April 2012 (wieder-) eröffnet worden ist, verbietet
sich eine Aufgabe, ebenso, weil in den Nachbarbezirken keine Bibliotheken in der Nähe
sind, wenngleich der Standort aus KLR-Gesichtspunkten aufzugeben wäre. Da der
Standort klein und übersichtlich ist (nur eine Ebene) bietet er sich für einen Einsatz
ehrenamtlicher Kräfte an.
bb)
IBB
Für einen Fortbestand sprechen soziale Kriterien, allerdings muss festgestellt werden,
dass die Nutzung durch Erwachsene aus dem Quartier (insbesondere mit
Migrationshindergrund) hinter den Erwartungen zurück bleibt.
Wegen der Nähe zur HSB (vier Bushaltestellen) könnte eine Aufgabe des Standortes in
Betracht kommen, ob eine Nachnutzung für Zwecke des Bezirksamtes außerhalb der
Schulnutzung stattfinden könnte, ist bisher nicht geprüft worden. Die Größe der Fläche
und die Barrierefreiheit lässt eine Nachnutzung möglich erscheinen.
0160/4
Ausdruck vom: 08.05.2013
Seite: 18
cc)
JMB
Für den Standort spricht, dass die Entfernung zur HSB erheblich ist, ca. 5 km Luftlinie.
Außerdem wäre eine Nachnutzung der Fläche nur für schulische Zwecke denkbar, eine
KLR-Entlastung des Bezirks würde nicht stattfinden. Bei Fortbestand des Standortes ist
eine komplette Neuausstattung (Mobiliar, Beleuchtung usw.) unumgänglich, allerdings
wäre auch dann die Attraktivität durch fehlende Barrierefreiheit und Raumzuschnitt
begrenzt. Auch dieser Standort könnte sich für eine Einbindung ehrenamtlicher Kräfte
anbieten.
dd)
EAB
Die bauliche und räumliche Situation der EAB ist hinsichtlich Erweiterung überprüft
worden. Eine Erweiterung wäre Voraussetzung, um die EAB zu einer Familienbibliothek
fortzuentwickeln. Dann wäre die Aufgabe des zweiten Schmargendorfer Standortes
(ARB) denkbar, Entfernung unter 2 km Luftlinie. Jedoch musste festgestellt werden,
dass eine Erweiterung nur zu Lasten von Verkehrsflächen der Grundschule möglich
wäre. Dieses ist jedoch nach Erörterung mit der Bauaufsicht wegen der
Fluchtwegsituation nicht darstellbar.
Wegen des besonderen pädagogischen Angebots als Kinder- und Jugendbibliothek ist
zwar die Einbindung ehrenamtlicher Helfer vorstellbar, aber keine KomplettÜbertragung. Im Fall einer Aufgabe der ARB müsste die EAB die dortigen
Teilnehmermengen an Bibliotheksveranstaltungen für Kinder und Jugendliche
übernehmen.
ee)
ARB
Die ARB ist bezüglich ihrer Fläche und ihres Personaleinsatzes die effektivste
Bibliothek, trotz der o.g. Standortprobleme. Ihre Nutzung im Rahmen der Leseförderung
ist besonders hoch. Eine räumliche Ausdehnung im Rathaus Schmargendorf ist nicht
darstellbar. Gleichwohl kann die Nähe zur EAB nicht völlig unbeachtet bleiben.
Sollte die ARB in geeignetere Räume ziehen, wäre die Zukunft der EAB wegen ihrer
Nähe zu Standorten in den Nachbarbezirken zu prüfen, ohne, dass die Versorgung in
Schmargendorf damit gefährdet wäre.
E.
Alternativstandorte für Stadtteilbibliotheken
Die Entscheidung über den Erhalt oder Veränderungen der Stadtteilbibliotheken hängt
auch von der Entscheidung über eine Bezirkszentralbibliothek ab. Die Zahl der
Stadtteilbibliotheken könnte, wenn eine leistungsstarke Bezirkszentralbibliothek und
eine Mittelpunktsbibliothek entstehen, reduziert werden.
0160/4
Ausdruck vom: 08.05.2013
Seite: 19
Auch außerhalb von Schließungsüberlegungen
Weiterentwicklungsprüfung zu unterziehen.
sind
die
Standorte
einer
Für die ARB und JMB würde es sich anbieten, in räumlicher Nähe Ersatzstandorte zu
finden, um den Nachteil der Räumlichkeiten zu beseitigen und das Angebot vor Ort zu
erhalten. Trotz intensiver Suche konnten bisher allerdings keine geeigneten Standorte
gefunden werden.
3.
Bibliotheksbusse
Charlottenburg-Wilmersdorf hat bisher keine Bibliotheksbusse eingesetzt, anders als
mehrere andere Bezirke. Dabei gibt es unterschiedliche Angebote. Während z.B. im
Bezirk Mitte mit einem kleinen Bus Schulen und Kitas angefahren werden, um vor Ort
Leseförderung anzubieten, gibt es in Steglitz-Zehlendorf, Tempelhof-Schöneberg,
Treptow-Köpenick, Spandau und Reinickendorf größere Busse oder LKW, die als
Leihbibliotheken an unterschiedlichen Standorten im Bezirk regelmäßig vorfahren.
Beide Modelle könnten für unseren Bezirk interessant sein, da so geringere
Infrastrukturkosten entstehen und eine hohe vor-Ort-Präsenz gegeben ist.
Allerdings bestehen für die Umsetzung einige Hürden. Eine Anmeldung in der
Investitionsplanung des Bezirks zur Fahrzeugbeschaffung liegt bisher nicht vor. Für ein
Neufahrzeug (Bus) sind bis zu 300.000 Euro zu kalkulieren, für die Beschaffung eines
ausgemusterten BVG-Busses mindestens 25.000 Euro, plus Umrüstung. Das Personal
muss ein entsprechendes Fahrzeug auch führen dürfen. Kommt es zu Erkrankungen
des so qualifizierten Personals, kann die Bücherei nicht betrieben werden, ebenso bei
technischem Defekt des Busses. Für den Betrieb eines kleineren Busses als
Leseförderungs-Wagen bestehen ähnliche Probleme, allerdings sind die
Anschaffungskosten geringer.
4.
Ausdehnung des Ehrenamtes
Denkbar wäre die Übertragung von kleineren Bibliotheksstandorten (z.B. HALEM, JMB)
an Ehrenamtliche oder Träger. Hinsichtlich der KLR dürften dann nur noch Ausleihen
gezählt werden (nicht mehr Besucher), gleichzeitig entfallen Personalkosten. Allerdings
müssen weiterhin die Beschaffung von Medien, Betreuung der Ehrenamtlichen,
Transport usw. durch die Bibliotheksverwaltung erfolgen.
Zielführender erscheint eine Beteiligung von Ehrenamtlichen, d.h. in den
Stadtteilbibliotheken könnten Ehrenamtliche neben dem Bibliothekspersonal Dienst tun
(Verhältnis 1:1). Das würde allerdings eine hohe Verbindlichkeit des ehrenamtlichen
Engagements bedeuten. In der Konsequenz könnte der Personaleinsatz in den
Stadtteilbibliotheken um 50 % reduziert werden, aber es entsteht zusätzlichen Aufwand
durch Betreuung und Einsatzkoordinierung.
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Ausdruck vom: 08.05.2013
Seite: 20
5.
Öffnungszeiten
Der Einsatz ehrenamtlicher Kräfte könnte auch eine Ausdehnung der Öffnungszeiten
ermöglichen. Die jetzige Schließzeit (Samstag um 14 Uhr) liegt zu früh, um eine
sinnvolle Wochenendnutzung zu ermöglichen. Hier ist eine Ausdehnung mindestens in
den Herbst- und Wintermonaten, ggf. eine Sonntagsöffnung, anzustreben. Letzteres
wäre mit dem Personalrat zu klären, allerdings würde die personelle Ausstattung keine
7-Tage-Woche zulassen. In der Konsequenz müsste dann z.B. montags geschlossen
sein.
6.
Ausdehnung der Heimausleihe
Die oben dargestellte Heimausleihe wird derzeit erweitert. Hierfür werden zur Zeit
ehrenamtlich interessierte Bürgerinnen und Bürger angesprochen, die ab Sommer 2013
regelmäßig mobilitätseingeschränkten Einwohnerinnen und Einwohnern Medien nach
Hause liefern sollen und auch wieder mit zurücknehmen. Sobald eine ausreichende
Zahl an Kräften geschult ist, würde die öffentliche Werbung für das neue Angebot
beginnen.
7.
Erscheinungsbild nach außen
Auf die Notwendigkeit der Verbesserung der Innenausstattung der Bibliotheken und
ihrem Erscheinungsbild nach außen ist bereits hingewiesen worden. Darüber hinaus ist
es auch wünschenswert, auf das Angebot der Bibliotheken verstärkt aufmerksam zu
machen. Diesem Ziel dient die Durchführung von Lesungen, die das Bezirksamt seit
2012 an unterschiedlichen Orten in allen Ortsteilen des Bezirks durchführt.
Verstärkt werden könnte diese Werbemaßnahme noch durch die Einrichtung von LeseLounges
im
öffentlichen
Raum
während
der
Sommermonate
(vgl.
www.Stadtlesen.com). Das Bezirksamt hätte an der Umsetzung eines derartigen
Projekts, z.B. in der City West, als Werbemaßnahme für Medien, das Lesen und die
Bücherei ein großes Interesse und wird versuchen, hierfür Unterstützung zu gewinnen.
A.
Zukünftige Entwicklung
Medienetat
Die geschilderten Bemühungen reichen nicht aus, die Bibliotheken dauerhaft
leistungsfähig zu halten. Der Medienetat war über lange Jahre hinweg einfach zu
niedrig. Die Nutzungsgrenze für die tatsächlich nachgefragten Medien ist deshalb
erreicht bzw. überschritten. Derzeit liegen der Umsatz und damit der Verschleiß
insbesondere bei den Non-Book-Medien ein Mehrfaches über den Richtlinien. Bei
Büchern ist der Umsatz bei „Schöner Literatur“ ebenfalls zu hoch, bei der Sachliteratur
hingegen weiterhin zu niedrig.
0160/4
Ausdruck vom: 08.05.2013
Seite: 21
Derzeit ist zusätzlich zu einem angemessenen Medienetat von mindestens 1 EUR/EW
(im Expertenbericht 2005 und dem Ergebnisbericht der AG Neuorganisation 2009 sind
1,50 EUR / EW als Zielgröße bei der Verteilung des Medienetats genannt) ein
zusätzliches hohes Volumen notwendig, um überhaupt wieder einen angemessenen
Bestand aufbauen zu können.
Mobiliar
Die Zukunftsfähigkeit von Bibliotheken hängt in hohem Maße von ihrer
Aufenthaltsqualität ab. Aufgrund der Sparvorgaben wurde, da der Medienetat nicht
weiter reduziert werden sollte, fast ausschließlich bei den Mitteln für Möbel eingespart.
Durch Mittel aus der Investitionsplanung konnte trotzdem die grundlegende Erneuerung
maroder Regale innerhalb mehrerer Jahre in den meisten Standorten durchgeführt
werden. Es fehlen nun Mittel für ansprechende Präsentationen von Non-Book-Medien,
für Arbeitsplätze, an denen mit eigenem PC oder PCs der Bibliotheken oder mit den
Medien der Bibliothek gearbeitet werden kann, in Gruppen oder allein. Hier ist dringend
eine Gegensteuerung erforderlich.
Transporte
Voraussetzung für ein hohes Maß an Kundenorientierung ist neben allen genannten
Punkten auch ein funktionierendes innerbezirkliches Transportsystem, das den
täglichen Transport von Medien, auch in größerem Umfang von allen Standorten in die
Bezirkszentralbibliothek bzw. in die beiden Mittelpunktbibliotheken und umgekehrt,
garantiert und erhalten bleiben muss. Die Kosten für die Transporte werden durch die
Kunden bezahlt. Die Einnahmen betragen pro Jahr 3.500 Euro für die innerbezirklichen
Transporte, die in die Bezirkseinnahmen zurückfließen, den größten Anteil machen die
überbezirklichen Transportgebühren in Hohe von 37.000 Euro aus (diese werden zur
Finanzierung des regelmäßigen Transportes zwischen den Bezirken eingesetzt).
B.
Hauptaufgabe: Förderung der Lesefähigkeit und Medienkompetenz
Die Förderung von Lesefähigkeit und Medienkompetenz muss in allen Standorten
vorrangiges Ziel bleiben. Hierbei ist die Förderung der Lesefähigkeit notwendige
Voraussetzung für den Umgang mit modernen Medien, die das Buch nicht ersetzen,
aber ohne die ein gezielter Zugang zu Informationen nicht mehr möglich ist. In der
Regel finden diese durch Bibliotheksunterricht und Bibliotheksbesuche, die in engem
Kontakt mit Schulen und Kindergärten durchgeführt werden, den Zugang zur Bibliothek,
zum Lesen, zum Recherchieren, zum Umgang mit Wissen usw.. Die Leseförderung
wird in den letzten Jahren bereits sehr viel stärker ausgebaut als bisher.
8.
Zusammenfassung
Vorausgesetzt, der Medien- und Ausstattungsetat wird nicht erhöht, und die der
Abteilung Bürgerdienste, Weiterbildung, Kultur, Hochbau und Immobilien auferlegten
Personaleinsparungen müssen bis 2016 erbracht werden, wird die jetzige Zahl der
Bibliotheksstandorte nicht dauerhaft erhalten bleiben können. Soweit eine personelle
Unterstützung durch Ehrenamtliche verlässlich und dauerhaft gewährleistet werden
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Ausdruck vom: 08.05.2013
Seite: 22
kann, bleiben nur die Möglichkeiten, entweder die HSB (plus Noten) und die DBB in der
jetzigen Form zu belassen oder eine der beiden Standorte zu einer „kleinen“
Zentralbibliothek zu erweitern.
Darüber hinaus ist zu klären, wie die dezentrale Versorgung dauerhaft erreicht werden
kann, um ein effizientes, bürgernahes und modernes Bibliotheksangebot bereit stellen
zu können.
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