Daten
Kommune
Berlin Pankow
Dateiname
Antrag Linksfraktion & Fraktion der SPD.pdf
Größe
119 kB
Erstellt
17.10.15, 22:23
Aktualisiert
27.01.18, 22:08
Stichworte
Inhalt der Datei
1.30
Drucksache
der
Bezirksverordnetenversammlung
Pankow von Berlin
VI-1329
Ursprungsdrucksachenart: Antrag,
Ursprungsinitiator: Linksfraktion und Fraktion der SPD
Antrag
Linksfraktion und Fraktion der SPD;
Beratungsfolge:
11.05.2011
BVV
BVV/42/VI
Betreff: Klausel zur "Demokratieerklärung" streichen
Die BVV möge beschließen:
Der Vorsteher der BVV wird beauftragt, folgende Stellungnahme (sowie deren Begründung) der
BVV Pankow von Berlin an die Bundeskanzlerin und die Bundesministerin für Familie, Senioren,
Frauen und Jugend zu übermitteln und diese Stellungnahme darüber hinaus in geeigneter
Weise öffentlichkeitswirksam bekannt zu geben:
Die
Bezirksverordnetenversammlung
Pankow
von
Berlin
hält
die
sogenannte
Demokratieerklärung als Bedingung einer Förderung aus dem Bundesprogramm „Toleranz
fördern – Kompetenz stärken“, insbesondere in den Sätzen 2 und 3, in ihrer jetzigen Form für
nicht akzeptabel.
Sie spricht sich gegen die sogenannte Demokratieerklärung und für eine Streichung dieser
Klausel aus.
Berlin, den 03.05.2011
Einreicher: Linksfraktion und Fraktion der SPD
BV Michael van der Meer und BV Patrick Technau – Linksfraktion
BV Sabine Röhrbein und BV Rona Tietje – Fraktion der SPD
Siehe 2. Ausfertigung
Begründung siehe Rückseite
Ergebnis:
beschlossen
beschlossen mit Änderung
abgelehnt
zurückgezogen
Abstimmungsverhalten:
EINSTIMMIG
MEHRHEITLICH
JA
NEIN
ENTHALTUNGEN
federführend
überwiesen in den Ausschuss für
zusätzlich in den Ausschuss für
und in den Ausschuss für
Drs. VI-1329
Begründung:
Seit 2007 engagiert sich der Bezirk Pankow erfolgreich im Rahmen des Bundesprogramms
„Vielfalt tut gut – Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“. Dieses Engagement soll
fortgesetzt und verstetigt werden.
Derzeit sind jedoch Träger von Projekten gegen Rechtsextremismus, Rassismus und
Antisemitismus mit der Tatsache konfrontiert, dass das Bundesfamilienministerium im Rahmen
der Förderung aus dem neuen Bundesprogramm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“ das
Unterzeichnen einer sogenannten Demokratieerklärung gegen Extremismus verlangt. Dort heißt
es: „Als Träger der geförderten Maßnahmen haben wir zudem im Rahmen unserer
Möglichkeiten und auf eigene Verantwortung dafür Sorge zu tragen, dass die als Partner
ausgewählten Organisationen, Referenten etc. sich ebenfalls den Zielen des Grundgesetzes
verpflichten. Uns ist bewusst, dass keinesfalls der Anschein erweckt werden darf, dass einer
Unterstützung extremistischer Strukturen durch die Gewährung materieller oder immaterieller
Leistungen Vorschub geleistet wird.“
Diese Erklärung und die Hinweise zur Erklärung für Demokratie werden mit den
Zuwendungsbescheiden an die Träger zur Unterschrift verschickt. Der Verwaltungsrechtler Prof.
Dr. Ulrich Battis kam – ebenso wie der Wissenschaftliche Parlamentsdienst des Deutschen
Bundestages
–
in
einem
Gutachten
zu
dem
Schluss,
dass
Teile
der
Erklärung
verfassungsrechtlich bedenklich sind. Der Zwang, diese Erklärung zu unterzeichnen, sorgt für
Unmut, Kritik und Protest unter den betroffenen Projektträgern, bei Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern und Politikerinnen und Politikern.
Die vom BMFSFJ versandten Hinweise zur Erklärung für Demokratie lassen keinerlei Zweifel
zu: Das BMFSFJ verlangt von Trägern der Demokratie-Arbeit, den potenziellen Partnerinnen
und Partnern mit Misstrauen zu begegnen und sie im Zweifel beim BMFSFJ, der neu
eingerichteten Bundesprogramm-Regiestelle beim Bundesamt für Zivildienst oder beim
Verfassungsschutz als möglicherweise „extremistisch“ zu melden.
Die ersten Vereine und Projekte stehen bereits jetzt vor der existenziellen Entscheidung, die
anti-demokratische Erklärung des BMFSFJ zu unterschreiben, um die wertvolle Arbeit gegen
Rechtsextremismus vor Ort nicht zu gefährden oder die Unterschrift zu verweigern und damit
potenziell die eigene Arbeit beenden zu müssen – mit weit reichenden Konsequenzen für
Engagierte und Betroffene rassistischer und rechtsextremer Gewalt vor Ort.
Als Bezirksverordnetenversammlung Pankow von Berlin sprechen wir uns u.a. aus den
genannten Gründen gegen diese Demokratieerklärung in ihrer jetzigen Form aus und lehnen
sie ab.