Daten
Kommune
Kreis Unna
Dateiname
DKSB K.V. Unna e.V. Statistischer Jahresbericht 2015.pdf
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3,1 MB
Erstellt
13.05.16, 07:51
Aktualisiert
27.01.18, 20:15
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Inhalt der Datei
STATISTISCHER
JAHRESBERICHT 2015
Wer Kindheit gestaltet, gestaltet Zukunft
Deutscher Kinderschutzbund K.V. Unna e.V. -- Statistischer Jahresbericht 2015
Jahresbericht 2015
Vorstand:
Vorsitzende:
Stellvertretende Vorsitzende:
Schatzmeister:
Schriftführerin:
Rosemarie Böhme
Ute Kraft
Hans-Lothar Hampe
Gabriele Makiolla
Geschäftsführung:
Frank Zimmer
Beratungsteam:
Frank Zimmer
Edwin Thöne V25.02.2015
Hannah Westermann ab 01.08.2015
Henriette Schildberg ab 17.08.2015
Präventionsarbeit:
Kinderschutzfachkraft
für die Stadt Selm:
Frank Zimmer
Projekt gegen Cybermobbing
für die Grundschulen
Hannah Westermann
Kinder- und Jugendtelefon:
11 ehrenamtliche MitarbeiterInnen
Buchhaltung:
Christina Krüll
Sekretariat:
Barbara Schäfer
Finanzierung:
Kreismittel, Spenden, Sponsorengelder, Mitgliedsbeiträge, Bußgeldzuweisungen
Spendenkonto:
Stadtsparkasse Unna
IBAN: DE97 443500600003004199
BIC: WELADED1UNN
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Deutscher Kinderschutzbund K.V. Unna e.V. -- Statistischer Jahresbericht 2015
Nachruf
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Deutscher Kinderschutzbund K.V. Unna e.V. -- Statistischer Jahresbericht 2015
Deutscher Kinderschutzbund
Kreisverband Unna e.V.
Vereinsstruktur
Deutscher Kinderschutzbund
Kreisverband Unna e.V.
Märkische Str. 9 – 11
59423 Unna
Tel.:
Fax:
E-Mail:
Homepage:
02303 - 15901
02303 - 239726
info@kinderschutzbund-kreisunna.de
www.kinderschutzbund-kreisunna.de
Eingetragen beim Amtsgericht Unna unter der Vereinsregisternummer: 6VR 608
Mitglied im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband
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Deutscher Kinderschutzbund K.V. Unna e.V. -- Statistischer Jahresbericht 2015
Die Beratungsstelle für
Kinderschutz
Im Jahr 2015 betreute die Beratungsstelle
für Kinderschutz insgesamt 282 Kinder im
gesamten Kreisgebiet Unna.
Wir begrenzen unser beraterisches und
therapeutisches Angebot auch weiterhin
auf die traditionellen Bereiche des Kinderschutzes, weisen aber in 2015 zusätzlich auf
die hohen Zahlen im Bereich des Mobbing
und Cybermobbing hin.
Diese 282 Kinder sind Kinder, die Schutz und
Hilfe durch den Kinderschutzbund bekamen.
Diese Anzahl an Kindern ist aber nur die Spitze
des Eisberges, denn wir verfügen leider immer
noch nicht über verlässliche Zahlen, wie viele
Kinder im Kreis Unna tatsächlich von Gewalt,
Missbrauch und Vernachlässigung betroffen
sind.
m Körperliche Gewalt gegen Kinder
m Sexuelle Kindesmisshandlung
m Vernachlässigung von Kindern
m Mobbing / Cybermobbing
434
403
402
Entwicklung der Klientenzahlen
359
359
344
338
330
298
288
285
254257
257
246
387
385
351
345
293
282
261
179
149
131
61 60 68
21
4
1986
1988
1990
1992
1994
1996
1998
2000
2002
2004
2006
2008
2010
2012
2014
Jahre
Die im Jahr 2015 auf 282 gesunkene Klientenzahl erklärt sich durch den Tod unseres
langjährigen Mitarbeiters Edwin Thöne im
Februar 2015. (siehe Seite 3)
Ab August 2015 konnten wir wieder mit
Hannah Westermann und Henriette Schildberg zwei neue Mitarbeiterinnen für unsere Beratungsstelle einstellen.
Hannah Westermann
Henriette Schildberg
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Deutscher Kinderschutzbund K.V. Unna e.V. -- Statistischer Jahresbericht 2015
Der Kinderschutzbund im Kreis Unna arbeitet
therapeutisch mit Mädchen und Jungen ab
einem Alter von 4 Jahren.
Niemals Gewalt
Im Einzelnen verteilen sich die Anmeldegründe
wie folgt:
Anmeldegründe nach Geschlecht
Mobbing /
Cybermobbing
26
33
Vernach-
40
39
lässigung
körperliche
Gewalt
sexuelle
30
28
Jungen
Mädchen
38
Kindesmisshandlung
48
Zum ersten mal seit 9 Jahren macht die Anzahl der von sexueller Gewalt betroffenen
Kinder den größten Anteil unseres Klientels
aus.
Weiterhin bleibt die Gruppe der vernachlässigten Kinder ein sehr wichtiges Arbeitsfeld.
Es gibt klare Risikofaktoren für
Vernachlässigung von Kindern
in Familien
In Familien, die ihre Kinder vernachlässigen, haben wir es meist mit einer Anhäufung von Problemen in mehreren Lebensbereichen zu tun. Der externe Risikofaktor
Nr. 1 ist die Kinderarmut und damit die Armut von Familien. Dazu kommen beengte
Wohnverhältnisse, anregungsarmes Umfeld,
niedrige oder fehlende Bildungs- und
Berufsabschlüsse und natürlich die Arbeitslosigkeit.
Innerpsychische Gründe liegen auffällig oft
in einem nicht geglücktem Bindungs-
verhalten der Eltern. Hier spielen psychische Erkrankung oder Traumatisierungen der
Eltern eine wichtige Rolle.
Im Bereich der sexuellen Kindesmisshandlung (vgl. S.9) zeigt sich deutlich eine Häufung der Fallzahlen- bei Jungen ebenso wie
bei den Mädchen - mit Beginn der Pubertät
(10 - 13J.).
Durch die sehr gute Kooperation mit dem
Kriminalkommissariat Kriminalprävention /
Opferschutz im Kreis Unna und der schulpsychologischen Beratungsstelle sowie der
regelmäßigen Mitarbeit im Kreiskrisenteam
ergaben sich im Bereich der Mobbingberatung zusätzliche Kontakte an Schulen,
auch als akute Krisenintervention.
Weitere 75 Anfragen nach Beratung oder
Therapie wurden an andere Fachberatungsstellen (Drogen-, Tätertherapiestellen, Frauen- und Mädchenberatungsstelle, Psychiatrie, Erziehungsberatung, Schulpsychologische Beratungsstelle) innerhalb und außerhalb des Kreises Unna empfohlen.
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Deutscher Kinderschutzbund K.V. Unna e.V. -- Statistischer Jahresbericht 2015
Selbstverständlich arbeitet der Kinderschutzbund Unna immer nur auf der Basis
der Freiwilligkeit und mit der Garantie des
vertraulichen Umgangs mit allen persönlichen Daten und Fakten.
Kreis Unna
Verteilung des Klientels auf Städte und Gemeinden 2015
Betreute Kinder gesamt
Unna
Selm
Bergkamen
Fröndenberg
Lünen
Holzwickede
Schwerte
Bönen
Kamen
Werne
außerhalb
56
55
34
26
26
20
16
16
16
11
6
0
10
20
In 108 Kinderschutzfällen gab es eine enge
Zusammenarbeit mit den zuständigen Jugendämtern. Die Kooperation fand vorwiegend im Rahmen von Hilfeplangesprächen
und Fachberatungen statt.
30
40
50
60
In174 Fällen konnten wir zusammen mit den
Eltern und anderen Institutionen eine mögliche Kindeswohlgefährdung rechtzeitig abwehren, so dass das Jugendamt nicht eingeschaltet werden musste.
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Deutscher Kinderschutzbund K.V. Unna e.V. -- Statistischer Jahresbericht 2015
Der zahlenmäßig größte Anteil des Klientels
kommt aus Unna, Selm, Bergkamen, und
Fröndenberg.
Dies erklärt sich in erster Linie aus der räumlichen Nähe zu unserem Standort in Unna,
aber auch - wie z.B. in Fröndenberg durch
unser Angebot der aufsuchenden Hilfe.
Hier wirken sich unsere regelmäßigen Beratungsangebote vor Ort in der Gesamtschule
ebenso wie in Selm die enge Kooperation
mit dem örtlichen Jugendamt und unseren
zusätzlichen Räumen im Beratungshaus
Nienkamp 28 sehr positiv aus.
Haus Nienkamp 28 ist die zentrale Anlaufstelle für alle Ratsuchenden in Selm. Das Angebot bietet Hilfe bei sexuellem Missbrauch, Gewalt, Scheidung, Einstieg ins Berufsleben, sozialpsychiatrischen Problemen
und vielem mehr.
Auch durch die Arbeit als Kinderschutzfachkraft für die Stadt Selm bekommen wir
Kontakt zu Familien, die dann durch unsere
therapeutischen Mitarbeiter der Beratungsstelle weitergehend betreut werden.
Haus Nienkamp 28
Differenzierte Aufgliederung des Klientels auf Städte und Gemeinden im
Kreis Unna aus dem Jahr 2015
Unna
Selm
Bergkamen
Fröndenberg
Lünen
Holzwickede
Bönen
Schwerte
Kamen
Werne
außerhalb
sexuelle Gewalt
körperliche Gewalt Vernachlässigung Mobbing/Cybermobbing
Mädchen
Jungen
Mädchen
Jungen
Mädchen
Jungen
Mädchen
Jungen
6
13
5
3
4
3
3
5
2
2
2
5
11
4
1
5
2
2
3
1
2
2
4
2
3
3
4
5
3
1
2
1
0
8
4
5
3
3
2
1
1
1
1
1
9
8
7
4
2
2
2
2
2
1
0
7
6
6
5
4
1
2
2
4
3
0
13
3
2
3
3
2
2
2
2
0
1
4
8
2
4
1
3
1
0
2
1
0
38
28
30
39
40
33
48
86
58
79
26
56
55
34
26
26
20
16
16
16
11
6
282
59
Die Familien, die in unserer Statistik in der Rubrik „außerhalb“ auftauchen, kommen aus
angrenzenden Städten des Kreises, in denen es kein entsprechendes Beratungsangebot
gibt und sind meist auf Empfehlung kreisansässiger Schulen, Kinderärzten und Psychiatern, kreisübergreifend arbeitenden Trägern von Jugendhilfemaßnahmen oder auch kreisnaher Psychiatrien zu uns gekommen.
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Deutscher Kinderschutzbund K.V. Unna e.V. -- Statistischer Jahresbericht 2015
Altersstruktur der von uns betreuten Mädchen und Jungen im Bereich der
sexuellen Gewalt im gesamten Kreisgebiet Unna
Altersverteilung
Sexuelle Gewalt gegen Mädchen
11
Altersverteilung
Sexuelle Gewalt gegen Jungen
10
10
9
10
9
9
8
8
7
8
7
6
6
6
5
5
5
4
4
3
3 3
2
1
5
4
4
3
3
3
2
2
0 0 0 0
5
4
1
1
0
2
0 0 0
3
2 2
0
0 1 1
0
0
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18
Alter in Jahren
Alter in Jahren
Bei der Altersverteilung der betroffenen
Kinder und Jugendlichen zeigt sich bei Jungen und bei Mädchen ein ähnliches Bild.
Es gibt deutlich sichtbare Häufungen im
Aus der nachfolgenden Statistik lassen sich
die Arten und die Anzahl der Beratungskontakte entnehmen.
Art der Beratung
2200
2000
1800
1600
Übergangsbereich zwischen Kindergarten
und Schule und mit Beginn der Pubertät, die
dann ab dem 14. Lebensjahr wieder abfallen.
Die einzelnen Beratungen am Telefon dauerten zwischen 15 Minuten und 1,5 Stunden,
die Beratungen in unserer Beratungsstelle
und bei Hausbesuchen
dauerten zwischen 30 Minuten und 2 Stunden.
1412
1087
1400
1200
1000
800
600
321
400
200
0
Telefonberatung
Die hohen Stundenzahlen
sind jedoch Einzelfälle, die
vornehmlich bei akuten
Krisensituationen auftreten, wo die Mitarbeiter in
die jeweiligen Familien
oder Institutionen fahren,
um direkt vor Ort die Situation zu entschärfen.
Therapie und
Fachberatungen nach
Beratungsgespräche §4 KKG bzw. § 8a SGB
VIII
Als Reaktion auf die kreisweit sehr gute
Vernetzung und den hohen Bekanntheitsgrad unserer Beratungsstelle ist die Anzahl
der Beratungen weiterhin auf einem sehr
hohem Niveau.
Die durchschnittliche Beratungsdauer bei
Therapiegesprächen in unserer Beratungsstelle lag bei ca. 60 Minuten.
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Deutscher Kinderschutzbund K.V. Unna e.V. -- Statistischer Jahresbericht 2015
Erneut haben wir die Anzahl der Fachberatungen nach §4 KKG bzw. §8a SGB VIII in
unsere Statistik aufgenommen.
Die Bedeutung des neuen Bundeskinderschutzgesetzes ist in den Institutionen des
Kreises Unna angekommen und der Kinderschutzbund ist hierbei ein wichtiger Ansprechpartner!
Fachberatungen nach § 4 KKG bzw. § 8a SGB VIII
Schulen
Kitas
OGS
Ärzte
sonstige
freie Träger
39
56
19
12
96
gesamt
222
Im Gesetz zur Kooperation und Kommunikation (KKG)werden im §4 die Berufsgeheimnisträger benannt, die nun einen gesetzlichen
Anspruch auf Beratung bei ihrer Einschätzung
einer Kindeswohlgefährdung haben.
§ 4 Beratung und Übermittlung von Informationen durch Geheimnisträger bei Kindeswohlgefährdung
Werden
1. Ärztinnen oder Ärzten, Hebammen oder Entbindungspflegern oder Angehörigen eines anderen
Heilberufes, der für die Berufsausübung oder die Führung der Berufsbezeichnung eine staatlich
geregelte Ausbildung erfordert,
2. Berufspsychologinnen oder -psychologen mit staatlich anerkannter wissenschaftlicher Abschlussprüfung,
3. Ehe-, Familien-, Erziehungs- oder Jugendberaterinnen oder -beratern sowie
4. Beraterinnen oder Beratern für Suchtfragen in einer Beratungsstelle, die von einer Behörde oder
Körperschaft, Anstalt oder Stiftung des öffentlichen Rechts anerkannt ist,
5. Mitgliedern oder Beauftragten einer anerkannten Beratungsstelle nach den §§ 3 und 8 des
Schwangerschaftskonfliktgesetzes,
6. staatlich anerkannten Sozialarbeiterinnen oder -arbeitern oder staatlich anerkannten
Sozialpädagoginnen oder -pädagogen oder
7. Lehrerinnen oder Lehrern an öffentlichen und an staatlich anerkannten privaten Schulen
in Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohls eines
Kindes oder eines Jugendlichen bekannt, so sollen sie mit dem Kind oder Jugendlichen und den
Personensorgeberechtigten die Situation erörtern und, soweit erforderlich, bei den Personensorgeberechtigten auf die Inanspruchnahme von Hilfen hinwirken, soweit hierdurch der wirksame Schutz
des Kindes oder des Jugendlichen nicht in Frage gestellt wird.
(2) Die Personen nach Absatz 1 haben zur Einschätzung der Kindeswohlgefährdung gegenüber dem
Träger der öffentlichen Jugendhilfe Anspruch auf Beratung durch eine insoweit erfahrene Fachkraft.
Sie sind zu diesem Zweck befugt, dieser Person die dafür erforderlichen Daten zu übermitteln; vor
einer Übermittlung der Daten sind diese zu pseudonymisieren.
(3) Scheidet eine Abwendung der Gefährdung nach Absatz 1 aus oder ist ein Vorgehen nach Absatz 1
erfolglos und halten die in Absatz 1 genannten Personen ein Tätigwerden des Jugendamtes für erforderlich, um eine Gefährdung des Wohls eines K indes oder eines Jugendlichen abzuwenden, so sind
sie befugt, das Jugendamt zu informieren; hierauf sind die Betroffenen vorab hinzuweisen, es sei
denn, dass damit der wirksame Schutz des Kindes oder des Jugendlichen in Frage gestellt wird. Zu
diesem Zweck sind die Personen nach Satz 1 befugt, dem Jugendamt die erforderlichen Daten mitzuteilen.
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Deutscher Kinderschutzbund K.V. Unna e.V. -- Statistischer Jahresbericht 2015
Projekt Cybermobbing
an Grundschulen
Hannah Westermann
Fluch und Segen zugleich
Der Kinderschutzbund klärt schon in Grundschulen darüber auf, welche Gefahren im
Internet lauern
Von Leonie Prym (HA 06.12.2015)
Fröndenberg. Beleidigungen und fiese
Fotos ziehen im Internet große Kreise. Für
die Opfer von Cyber-Mobbing ist das besonders belastend. Damit Schüler gar nicht
erst zu Opfern- oder gar Tätern -werden,
klärt der Kinderschutzbund über CyberMobbing auf.
Was man im Internet alles machen kann, das
wissen die Schüler der Klasse 4c der
Gemeinschaftsgrundschule in Fröndenberg
ganz genau. „Videos gucken“, „Musik hören“, „Spiele spielen“ schallt es durch den
Klassenraum, als Hannah Westermann vom
Kinderschutzbund fragt, wie sich die Kinder
denn im Internet die Zeit vertreiben. Und
auch Google, YouTube, WhatsApp, Wikipedia und Skype sind für Viertklässler längst
keine Fremdworte mehr.
Dass von 21 Kindern in der Klasse 18 Zugang
zum Internet haben und selbigen benutzen,
ist für Hannah Westermann nichts Neues:
„Es überrascht eher, dass es noch Kinder
gibt, die nicht im Netz surfen.“ Aber nicht
nur die spaßigen und nützlichen Seitendes
Internet sollen die Kinder kennenlernen,
sondern auch die Gefahren. Denn Facebook, Instagram und Twitter bieten nicht nur
viele positive Möglichkeiten, den Schutz
der Anonymität nutzen nicht wenige aus,
um andere zu schikanieren. „Die neuen
Medien sind nicht mehr wegzudenken. Sie
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Deutscher Kinderschutzbund K.V. Unna e.V. -- Statistischer Jahresbericht 2015
Spielerisch geht Hannah Westermann vom Kinderschutzbund das ernste Thema Cyber-Mobbing an.Für viele Kinder ist
das längst kein Fremdwort mehr. Sie appeliert auch an die Eltern, sich frühzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen.
zu verbieten, halte ich für weniger sinnvoll.“
sagt Klassenlehrerin Edda Wilkes. Ihr ist es
vielmehr wichtig, dass die Kinder einen
verantwortungsvollen Umgang mit dem
Netz lernen. Von Hackern, Viren und bösen
Kettenbriefen haben die meisten in der
Klasse schon etwas mitbekommen, aber
auch das Thema Cyber-Mobbing ist für sie
kein Fremdwort. „Das kann zum Beispiel
bedeuten, dass jemand ein Foto von einem
anderen im Internet hoch lädt und dann
werden viele böse Kommentare dazu
geschrieben“, weiß die neunjährige Merve.
Überhaupt wissen die Kinder viel besser
Bescheid, was im Internet alles möglich ist,
als manche Eltern.
„Einige denken, Facebook ist eine ganz
harmlose Angelegenheit und haben gar
keine Vorstellung, wie es da zur Sache
gehen kann.“, weiß Edda Wilkes, die auch
schon Elternabende zu Thema Cyber- Mobbing organisiert hat und damit auf großes
Interesse bei den Eltern gestoßen ist.
Ähnliche Erfahrungen hat auch Hannah
Westermann gemacht, die regelmäßig
Schulbesuchen macht und über die Gefahren von Facebook und Co. aufklärt.
„Spätestens in der weiterführenden Schule, wenn fast alle ein eigenes Handy haben,
muss man mit den Kindern über den Umgang sprechen. Man kann gar nicht früh
genug damit anfangen“, appelliert Hannah
Westermann auch an die Eltern. Doch ihr
geht es nicht nur darum, die Kinder für die
Gefahren zu sensibilisieren – die Kinder
sollen auch nicht selbst zu Tätern werden.
Deshalb spricht sie auch darüber, wie sich
ein Mobbing-Opfer wohl fühlen mag.
„Einsam“, „traurig“, „verängstigt“ vermuten
die Kinder. Gefühle, die man selber nicht
erleben möchte und die man auch keinem
anderen beibrin-gen soll. Und eins steht für
die Viertklässler der 4c auch fest: „Wenn wir
mitbekommen, dass
ein Mitschüler gemobbt wird, gehen wir
sofort zu einem Lehrer und bitten um Hilfe.“
Bei Mobbing Erwachsene
um Hilfe bitten
Auch der Kinderschutzbund hilft
Opfer von Cyber-Mobbing suchen sich am
besten Hilfe einer erwachsenen Vertrauensperson. Auch Freunde und Bekannte
können sie in einem solchen Fall unterstützen: Zum Beispiel, indem sie sich Online
für das Opfer stark machen und etwa
beleidigende Bilder oder Videos eindeutig
ablehnend kommentieren. Darauf weisen
die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und die Initiative Klicksafe hin. Eine
weitere Möglichkeit ist es, den Anbieter der
Internetseite zu kontaktieren.
Der Kinderschutzbund im Kreis Unna informiert und berät zum Thema CyberMobbing. Ansprechpartnerin ist Hannah
Westermann. Der K inderschutzbund ist
unter Tel. 02303/15901 erreichbar.
Außerdem gibt es für Kinder und Jugendliche die kostenlose Nummer gegen Kummer (0800/111 0 333). Dort können Kinder
anonym über ihre Sorgen sprechen.
12
Deutscher Kinderschutzbund K.V. Unna e.V. -- Statistischer Jahresbericht 2015
Das Kinder- und
Jugendtelefon
auch weiterhin über
0800 1110333
Henriette Schildberg
Das Kinder- und Jugendtelefon ist ein
Gesprächsangebot für Kinder und Jugendliche aller Altersstufen.
Die Anruferinnen und Anrufer finden hier
einen Ansprechpartner oder eine Ansprechpartnerin, um ihre schwierige Lebenssituation zu besprechen.
Dabei ist immer Anonymität zugesichert.
Oftmals bietet das Kinder- und Jugendtelefon den Anrufern und Anruferinnen
eine erste Gelegenheit, ihre Anliegen und
Sorgen zu äußern und zu erfahren, dass sie
ernst genommen werden.
Die ehrenamtlichen Berater und BeraterInnen hören wertschätzend zu und
entwickeln im Gespräch Anregungen, Ideen
und gangbare Lösungen, die eine positive
Entwicklung erwarten lassen.
Die K inder- und Jugendlichen erhalten
Unterstützung um ihre Probleme, Sorgen,
Anliegen besser einschätzen, reflektieren
und besser bewältigen zu können. Mittels
gezielter Gesprächs- und Fragetechniken,
die die BeraterInnen des Kinder- und Jugendtelefons während ihrer Ausbildung
erlernt haben, können die Anrufenden ihre
Situation oder ihr Problem individuell unter
Einbezug des jeweiligen Entwicklungsstandes, aktueller Möglichkeiten und
relevanter Kontexte betrachten und positiv
verändern.
Die Gespräche am Telefon dienen somit
einer ersten Entlastung und Perspektiverweiterung auf der Grundlage von Wertschätzung.
mo. - fr. 14:00 - 20:00 Uhr zu erreichen
Die BeraterInnen und Berater orientieren
sich am subjektiven Problemerleben der
Kinder- und Jugendlichen und vermitteln
ggf. auch konkrete Informationen zu nachgefragten Themen.
Auch wird auf weiterführende regionale
Beratungs- und Hilfeangebote verwiesen
und ermutigt, diese Angebote zu nutzen.
Alle ehrenamtlichen BeraterInnen und
Berater haben eine einjährige Ausbildung
abgeschlossen und nehmen regelmäßig an
Fort- und Supervisionsveranstaltungen teil.
Das Kinder- und Jugendtelefon des Kreisverbandes Unna e.V. wird derzeit von 10
ehrenamtlichen zertifizierten BeraterInnen
getragen.
Für Herbst 2016 ist eine neue Ausbildungsgruppe geplant. Zudem ist eine Erweiterung
des Angebotes in Form einer Online-Beratung in angedacht.
13
Deutscher Kinderschutzbund K.V. Unna e.V. -- Statistischer Jahresbericht 2015
Starke Eltern - Starke Kinder®
Elternkurse des Deutschen Kinderschutzbundes
Wege in eine gewaltfreie Erziehung
Jedes Kind hat ein Recht auf gewaltfreie Erziehung.
Die Gesetzesnovelle aus November 2000
schafft dazu die gesetzlichen Grundlagen.
Doch woher wissen die Eltern, wie sie diesen Erziehungsauftrag umsetzen sollen? Sie
fühlen sich allein gelassen, sind hilflos und
unsicher. Klappt in anderen Familien alles
viel besser?
erfahren Eltern hier in jeweils zwei Stunden in
Rollenspielen, Gesprächsrunden und Kleingruppenübungen aktiv Hilfen, die im Alltag
ausprobiert und umgesetzt werden.
Ziel ist es, in entspannter Atmosphäre einen
angenehmen, stressfreien Lebensraum für Kinder und Eltern zu schaffen, um eine nachhaltige positive Veränderung in der Familie zu bewirken. Hierbei ist der Blick nicht auf die Defizite, sondern auf die vorhandenen Ressourcen
der Eltern und der Kinder gerichtet.
Es geht um eine anleitende Erziehung
die Raum gibt und Grenzen setzt.
Die Ressourcen der Eltern und Kinder und
das Finden eigener Lösungswege aus den
Konfliktsituationen werden an Hand konkreter Beispiele reflektiert. Die Atmosphäre der Abende ist von Annahme, Vertrauen und Anerkennung geprägt. Es wird
geübt zu streiten, ohne den Anderen niederzumachen, eine Familie zu sein, in der
Grenzen und Menschen respektiert werden.
Eltern sein ist schön und manchmal
auch ganz schön anstrengend!
Der Elternkurs des Deutschen Kinderschutzbundes stärkt das Selbstvertrauen der Eltern, er ist
ein angeleiteter Erfahrungsaustausch von Eltern, der Hilfen zur gewaltfreien Erziehung
vermittelt.
Dieser vorbeugende Kurs gegen körperliche
und seelische Gewalt findet an 8 bis 12
Abenden statt. Im 14-tägigen Rhythmus
14
Deutscher Kinderschutzbund K.V. Unna e.V. -- Statistischer Jahresbericht 2015
Der Kurs beinhaltet sowohl Selbsterfahrungs-, als auch Theorieelemente mit praktischen Beispielen.
Wichtige Themen dabei sind der Ausdruck
von Bedürfnissen und Gefühlen, Grenzsetzungen, Kommunikationsformen, Verhandlungskunst und Abmachungen.
Der rote Faden des Elterkurses stellt sich
wie folgt dar:
1. Welche Wertevorstellungen und
Erziehungsziele habe ich?
2. Wie kann ich das Selbstwertgefühl des Kindes stärken?
3. Wie kann ich meinem Kind helfen, wenn es Probleme hat?
4. Was mache ich, wenn ich Probleme habe oder:
Wie drücke ich meine Bedürfnisse aus?
5. Wie lösen wir Konflikte in der
Familie?
Es ist einfacher, das Verhalten als die Einstellung zu verändern.
Elternkurse können nicht reale psychosoziale Belastungen, denen die Familie ausgesetzt ist, verbessern. Sie sind keine Allheilmittel zur Vermeidung von Problemen
in der Familie.
Ein Elternkurs ist keine Therapiegruppe, sondern soll präventiv zur Gewaltverhinderung beitragen.
Mit Hilfe von erprobten und wissenschaftlich auf ihre Wirksamkeit getesteten Kursmaterialien werden Wege zum entspannteren Umgang miteinander erarbeitet.
Wie Evaluationsstudien zeigen, beurteilen
Kinder ihre Eltern ein halbes Jahr nach
Abschluss des Kurses durchschnittlich eineinhalb Schulnoten besser!
Wochenaufgaben vertiefen die Einprägung
der erlernten Handlungsvorschläge bis zum
nächsten Kursabend.
15
Deutscher Kinderschutzbund K.V. Unna e.V. -- Statistischer Jahresbericht 2015
Herzlichen Dank
An dieser Stelle bedanken wir uns ganz
herzlich bei allen Spenderinnen und Spendern
für die Unterstützung unserer Arbeit.
Aus datenschutzrechtlichen Gründen möchten
wir die vielen treuen und oft regelmäßig spendenden Privatpersonen hier nicht namentlich
auflisten, aber gerade auch ihnen gilt unserer
Dank und unsere Wertschätzung.
Für die Unterstützung und Förderung
unserer Arbeit bedanken wir uns bei
folgenden Firmen und Institutionen:
¡ Dem Kreis Unna
¡
¡
¡
¡
¡
¡
¡
Dem Lionsclub Unna
Der Sparkasse Unna
Der Sparkasse Fröndenberg
Der Bürgerstiftung Unna
Dem Hellweger Anzeiger
Der Becker Stahl-Service GmbH
Der Burg-Apotheke Unna
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