Daten
Kommune
Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf
Dateiname
Drucksache.pdf
Größe
73 kB
Erstellt
09.12.16, 23:27
Aktualisiert
28.01.18, 00:49
Stichworte
Inhalt der Datei
Drucksachen
der Bezirksverordnetenversammlung
Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin
5. Wahlperiode
Ursprung: Große Anfrage
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
TOP-Nr.:
Dr.Vandrey/Wapler/Kaas Elias
Große Anfrage
DS-Nr: 0012/5
Beratungsfolge:
Datum
Gremium
15.12.2016
BVV
BVV-003/5
beantwortet
Situation der Geflüchteten in den Sporthallen in CharlottenburgWilmersdorf
Wir fragen das Bezirksamt:
1.) Wie viele Geflüchtete sind aktuell in Sporthallen im Bezirk untergebracht und wie ist
ihre Situation?
2.) Bis wann rechnet das Bezirksamt damit, dass die Sporthallen leergezogen werden?
3.) Welche Möglichkeiten hat das Bezirksamt, um auf Grund einer Notsituation die
Geflüchteten in der Heerstraße unterzubringen?
4.) Welche weiteren Unterkünfte für Geflüchtete wie Tempohomes sind im Bezirk
geplant und wann sollen diese eingerichtet werden?
5.) Wir wird das Bezirksamt die Bevölkerung darüber informieren?
Zur Beantwortung Herr BzStR Engelmann:
Frau Vorsteherin, meine sehr verehrten Damen und Herren, lieber Herr Kaas Elias, ich
hoffe, dass meine Beantwortung der Großen Anfrage auch am Ende noch für Freude
sorgt.
zu 1.
In Charlottenburg-Wilmersdorf sind derzeit noch zwei Sporthallen mit Flüchtlingen
belegt. Nach den neuesten Meldungen vom 6.12.2016 waren in der
Prinzregentenstraße 35, der Sporthalle des OSZ, noch von 200 Plätzen insgesamt 124
belegt. Und in der Forckenbeckstraße 37, in der Werner-Ruhemann-Sporthalle von 176
Plätzen noch 115 belegt. Für beide Hallen gilt ein Belegungsstopp.
0012/5
Ausdruck vom: 20.12.2016
Seite: 1
Das heißt, die dort untergebrachten Geflüchteten werden weiter abnehmen.
In der letzten Woche war ich persönlich in der Sporthalle des OSZ in der
Prinzregentenstraße und kann berichten, dass die Lage dort zwar aufgrund der
geringen Belegung zwar nicht sehr geordnet und entspannt gewirkt hat. Die
Sanitärbereiche und Heizungen funktionieren. Es gibt Waschmaschinen und Trockner.
Die Gemeinschaftsverpflegung ist gut organisiert. Jedoch möchte ich aber in aller
Deutlichkeit darauf hinweisen, dass die Unterbringung in Turnhallen für Flüchtlinge
gleichzeitig Isolation, Stigmatisierung. Soziokulturelle Ausgrenzung und einen
erheblichen Eingriff in die individuelle Lebensgestaltung bedeutet. Die Ärzte meines
Gesundheitsamtes bestätigen mir zunehmend eine relevante Steigerung akuter
Problemlagen aus dem psychiatrischen Formkreis unter Flüchtlingen.
Insbesondere in der Werner-Ruhemann-Sporthalle kann trotz der reparierten Heizung,
hinsichtlich der maroden Versorgungsleistungen bei weiterhin niedrigen Temperaturen,
eine Havarie nicht ausgeschlossen werden. Nunmehr erreichte mich durch das
Gesundheitsamt die Meldung, dass eine Familie in der Werner-Ruhemann-Sporthalle
lebt, bei der Stiche von Bettwanzen durch einen berufenen Bereitschaftsarzt
diagnostiziert worden sind. Die Familie lebt dort zu Dritt. Seit sechs Monaten in der
Einrichtung. Eine Schädlingsbekämpfungs-Firma wurde zwischenzeitlich beauftragt.
Erfahrungsgemäß ist eine Gemeinschaftseinrichtung, die keine räumliche Trennung für
die Bewohner zulässt und eine Sporthalle ist eine solche Einrichtung, der Befall mit
Bettwanzen nur schwer zu bekämpfen. Vergleichsweise könnte man sich die
Einrichtung im ICC dazu mal zu Gemüte ziehen. Die Parasiten sind nachtaktiv und
daher tagsüber in Ritzen und Nischen versteckt. Dort legen sie auch ihre Eier ab, aus
der nach einiger Zeit neue Bettwanzen schlüpfen. Bettwanzen können monatelang
hungern, so dass eine Schädlingsbekämpfung in jedem Fall durchgeführt werden muss.
Der Hauptwirt ist der Mensch, den sie in der Dunkelheit befallen. Hautreaktionen,
Juckreiz, Folgeinfektionen, Schlaflosigkeit und psychische Belastungen sind die Folge.
Eine Bekämpfung in großen Hallen erweist sich als extrem schwierig, da die Parasiten
eine Größe von wenigen Millimetern haben und sich hinter Leisten, Lichtschaltern,
Mobiliar und ähnlichem sehr gut verstecken können.
Ich habe Anfang der Woche einen Brief an die Präsidentin des Landesamts für
Flüchtlinge, Frau Langeheine, und nachrichtlich an die neue Sozialsenatorin, Frau
Breitenbach, gesandt, in dem ich die Zustände ausführlich geschildert und dringend
darum gebeten habe, kurzfristige Lösungen anzubieten, in die seit Monaten
leerstehende Unterkunft in der Heerstraße ziehen.
zu 2.
Das Bezirksamt hat den Leerzug der Sporthallen in diesen Jahren schon mehrfach auf
allen politischen Ebenen eingefordert. Ich möchte hier nicht die unsäglichen
Versprechungen des Landes erneut darstellen, die inzwischen alle widerrufen wurden.
Was wir derzeit wissen ist, dass das Landesamt für Flüchtlingsfragen mitgeteilt hat,
dass in diesem Jahr keine weiteren Turnhallen leergezogen werden sollen. Weil wir als
Bezirksamt dafür nicht die Verantwortung tragen, sondern immer wieder berichtet
haben, wenn uns die Landesebene den Freizug versprochen hatte, möchte ich an
dieser Stelle dies nicht erneut tun, solange von dort keine eindeutige Aussage kommt,
können wir als Bezirk keine andere Aussage treffen.
Nun gab es am 8.12.2016 in der Senatskanzlei eine Besprechung zur Sanierung von
Altflüchtlingsunterkünften genutzten Sporthallen. Demnach ist eine tagesgenaue
0012/5
Ausdruck vom: 20.12.2016
Seite: 2
Planung hinsichtlich der Freizüge der Sporthallen zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch
nicht möglich.
Das war zumindest zu dem Zeitpunkt die Aussage. Es ist damit zu rechnen, dass alle
derzeit noch als Unterkünfte genutzten Hallen im Zeitfenster zwischen Ende Januar und
Anfang März freigezogen werden können. Aufgrund des absehbaren Termindrucks
beim Freizug der belegten Hallen im Frühjahr 2017 wurde darauf hingewiesen in dem
Gespräch, dass das LAF allein nicht in der Lage sei, eine große Anzahl parallel
stattfindender Freizüge personell allein zu stemmen. Es sei daher notwendig, dass die
Bezirke im Rahmen ihrer Möglichkeiten bei der Umsetzung unterstützend eingebunden
werden. Ein entsprechender Entwurf für Unterstützungsmöglichkeiten durch die Bezirke
wurde verteilt und sollte eigentlich im Bezirksamt erörtert werden. Inzwischen hat sich ja
an der Stelle ja noch mal etwas verändert, so würde ich sagen, zumindest mündliche
Zusagen seitens der Senatsfinanzverwaltung, dass insbesondere der Freizug der
Sporthalle in der Forckenbeckstraße unmittelbar bevorstehen sollte. Dazu wird ein
sogenannter ASOG-Bescheid gefertigt, der dann den Träger dazu berechtigt, unter
Verstärkung der Kosten, diesen Umzug zu vollziehen und die Erstausstattung praktisch
für die Aufnahme in der Heerstraße zu finanzieren. Gleichzeit ist der Bezirk gebeten, die
Öffentlichkeitsarbeit zu übernehmen, was natürlich bei der Aussage, es soll am Montag
losgehen, ohne das der ASOG-Bescheid bislang uns oder aber auch dem Träger
vorliegt, gewisse Hürden mit sich führt. Unabhängig davon haben wir uns ja ganz klar
dazu bekannt und gesagt, sobald eine neue Einrichtung ans Netz geht, werden wir die
Öffentlichkeit informieren. Wichtig an dieser Stelle wäre tatsächlich, dass wir auch
schriftlich darüber in Kenntnis gesetzt werden, auch die Gespräche, die parallel geführt
worden sind, Herr Schruoffeneger war zeitgleich bei Herrn Senator Kollatz-Ahnen, der
für Finanzen zuständig ist und Herr Naumann und ich, wie er vorhin schon im Wort des
Bürgermeisters gesagt hatte, bei der Sozialsenatorin, Frau Breitenbach und haben
praktisch gemeinsam interveniert und uns dafür ausgesprochen, dass die Turnhalle in
der Forckenbeckstraße, unserer Priorität an der Stelle, für den Freizug genießt und wir
umgehend da eine entsprechende Lösung erwarten.
zu 3.
Zuständig und Verantwortlich für Geflüchteten in Berlin ist im August neu gegründete
Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten. Dort werden unter Einschaltung der BIM,
Mietverträge für Flüchtlingsunterkünfte geschlossen und Verträge mit Betreibern für
solche Unterkünfte abgeschlossen. Das gilt auch für die Heerstraße. Das Gebäude
steht nunmehr seit dem Sommer zur Verfügung und es ist dem Landesamt bisher nicht
gelungen, das Haus in Betrieb zu nehmen. Zuletzt kam die Aussage, dass aufgrund
gravierender Fehler im Ausschreibungsverfahren, das hatten Sie gerade selber auch
formuliert, bei der Suche bei einem Betreiber dieses Verfahren aufgehoben werden
musste und jetzt erneut erfolgen soll. Es war auch schon die Rede davon, dass für eine
Übergangszeit ein Zwischenbetreiber gefunden werden soll. Das Alles ist bisher aber
nicht umgesetzt worden und es wäre aus der bezirklichen Sicht durchaus möglich, das
Gebäude im Rahmen einer Beschlagnahme für die Unterbringung von Flüchtlingen zu
nutzen. Das wird jetzt vermutlich dann durch diesen ASOG-Bescheid auch erfolgen.
Aber auch dieses Verfahren kann nur durch das zuständige LAF selbst durchgeführt
werden. Der Grund dafür ist, dass bei einem derartigen Verfahren Kosten für die
öffentliche Hand entstehen und Gelder, die der Bezirk an dieser Stelle nicht hat.
Zu 4.
Zu den Planungen kann ich Ihnen aktuell Berichten, dass der Standort für Tempohomes
am Familienbad im Olympiastadion derzeit zurückgestellt ist. Dies hat die Berliner
Immobilienmanagement GmbH (BIM) bereits mit der Senatsverwaltung für Inneres und
0012/5
Ausdruck vom: 20.12.2016
Seite: 3
Sport kommuniziert. Ob und inwieweit der Standort für Tempohomes in Betracht
gezogen wird, kann seitens der BIM leider nicht abgeschätzt werden.
Aktiv betrieben wird als Standort für Tempohomes derzeit nur noch das Stadion
Wilmersdorf. Nach Mitteilung der BIM ist mit der Planung und Bauleitung ein
Architekturbüro beauftragt. Dieses hat dem Bezirksamt mitgeteilt, dass aufgrund der
unklaren Erschließungssituation der Starttermin verschoben ist. Verschoben ist heißt,
22. November war eigentlich Baubeginn angesetzt, ist erst einmal verschoben.
Nach Auskunft der Abteilung Jugend, Familie, Bildung, Sport und Kultur sind aktuell die
vorbereitenden Maßnahmen immer noch nicht abgeschlossen. Als Standort für
modulare Unterkünfte in der Quedlinburger Straße, danach hatten Sie auch gefragt, ist
die Wohnungsbaugesellschaft Berlin Mitte (WBM) mit der Projektentwicklung
beauftragt. Nach Auskunft der (WMB) weist das Grundstück starke Grundwasser- und
Bodenkontamination auf. Daher werden voraussichtlich bis Jahresende, ist ja nicht
mehr lange, weitere Baugrund- und Bodenuntersuchungen zur Abgrenzung des
erforderlichen Sanierungsumfangs vorgenommen. Die WBM rechnet frühestens im
nächsten Frühjahr mit einem Baubeginn.
zu 5.
in der vergangen Wahlperiode war es eine gute Gepflogenheit in unserem Bezirk, dass
wir bei jeder Neueröffnung einer Unterkunft für Geflüchtete eine
Informationsveranstaltung für die Öffentlichkeit organisiert haben. Daran werden wir
auch in dieser Wahlperiode festhalten und es wird Veranstaltungen geben, sobald als
wir als Bezirksamt konkrete Informationen zu einem Standort haben. Eine öffentliche
Veranstaltung macht, aus meiner Sicht, nur dann Sinn, wenn wir etwas zu der
entsprechenden Belegungsgröße der Einrichtung für den Betreiber und vor allen Dingen
zu einem Öffnungstermin sagen können.
0012/5
Ausdruck vom: 20.12.2016
Seite: 4