Daten
Kommune
Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf
Dateiname
Drucksache.pdf
Größe
74 kB
Erstellt
09.12.16, 23:27
Aktualisiert
28.01.18, 00:49
Stichworte
Inhalt der Datei
Drucksachen
der Bezirksverordnetenversammlung
Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin
5. Wahlperiode
Ursprung: Große Anfrage
TOP-Nr.:
FDP-Fraktion
Heyne/Recke
Große Anfrage
DS-Nr: 0017/5
Beratungsfolge:
Datum
Gremium
15.12.2016
BVV
BVV-003/5
beantwortet
Stellungnahmen zum Bebauungsplan Olivaer Platz
Wir fragen das Bezirksamt:
1. Nach Berichten hat das Bezirksamt in seiner letzten ordentlichen Sitzung in der
4. Wahlperiode beschlossen, den Bebauungsplan zum Olivaer Platz trotz
erneuter Eingaben und Widersprüchen der Anwohner abzusegnen. Die FDP
Fraktion fragt das Bezirksamt, wie dieser Beschluss gefasst werden konnte,
ohne die BVV zuvor über die genaue Auswertung der zweiten Bürgerbeteiligung
zu informieren?
2. Was waren die Beweggründe des Bezirksamtes den Beschluss noch in der alten
Besetzung zu fassen und warum konnte damit nicht gewartet werden, bis die
BVV umfassend informiert wurde und das neue Bezirksamt und die neuen
Fraktionen sich eingearbeitet haben?
3. Bisher wurde der Bezirksamtsbeschluss weder veröffentlicht, den Fraktionen zur
Verfügung gestellt oder der Öffentlichkeit kundgetan. Wann hatte das Bezirksamt
vor, die politischen Mitentscheidungsorgane und die Bürger über den Beschluss
zu informieren, zumal dem Bezirksamt die Stellungnahmen aus der
Bürgerbeteiligung bereits seit Mitte Juli 2016 vorliegen?
4. Unbestätigten Medienberichten zufolge haben erneut rund 600 Bürgerinnen und
Bürger Stellungnahmen zum geänderten Bebauungsplan Olivaer Platz
eingereicht. Davon sei eine Mehrheit gegen den Entwurf. Kann das Bezirksamt
diese Zahlen bestätigen bzw. der BVV endgültige Zahlen nennen und welchen
Inhalts waren die positiven/negativen Stellungnahmen?
0017/5
Ausdruck vom: 20.12.2016
Seite: 1
5. Warum blieben die negativen Eingaben unberücksichtigt bei der
Beschlussfassung und ist dies die Form von Bürgerbeteiligung, auf welche sich
SPD und Bündnis90/Die Grünen in der Zählgemeinschaftsvereinbarung
verständigt haben?
6. Wird es noch einmal eine umfassende Information an die Anwohner vor Ort
geben, wo über die Konsequenzen der Beschlussfassung informiert wird?
7. Gibt es bereits einen weiteren Zeitplan für die konkrete Umgestaltung des
Olivaer Platzes nach Beschlussfassung?
Zur Beantwortung Herr BzStR Schruoffeneger:
Frau Vorsteherin, Herr Recke, meine Damen und Herren, Sie haben das richtig erkannt.
Wir reden hier über ein Projekt, was fast den zehnten Jahrestag feiert, und zwar auch
fast den zehnten Jahrestag in öffentlicher Diskussion Bürgerbeteiligung und
transparenter Auseinandersetzung über die Planungsziele. Der erste Förderbescheid
für dieses Projekt, nämlich die Förderung der Bürgerbeteiligungsverfahren mit einer
sechsstelligen Summe, stammt vom 15.12.2009. Und seit dem wird diskutiert, mit allen
Beteiligten, die da wohnen, mit allen, die sich einmischen wollen und letztendlich gab es
nun einen Kompromiss und ich finde, da muss man erst mal sagen, es gibt wenige
Verfahren in Berlin oder in diesem Bezirk, die so viel öffentliche Debatte im Vorfeld
hatten, wie dieses eine Verfahren.
Jetzt fragen Sie ja, warum die Bürgerbeteiligung noch nicht ausgewertet ist? Sie sagen,
das Bezirksamt hat in der letzten Sitzung der alten Wahlperiode beschlossen, warum
liegt das noch nicht vor. Und Sie haben jetzt noch mal mündlich gesagt, warum dauert
so was sechs Monate? Sie haben ja selber in Ihrer Frage geschrieben, es gab fast 600
Stellungnahmen. Ja, es waren ungefähr 550, fast 600. Wenn man 600 Stellungnahmen
ernst nimmt, dann wird man eine solche Auswertung nicht in 14 Tagen und auch nicht
in zwei Monaten machen. Zumal wenn da eine Sommerpause zwischen ist.
Die Bürgerbeteiligung war im Mai zu Ende. Sie haben es ja selber noch einmal gesagt.
Und das Bezirksamt hat im November die Auswertungen beschlossen. Das sind sechs
Monate. Ich finde das für 600 Stellungnahmen nicht so schlecht.
Zu 2. und 3.
Jetzt beschweren Sie sich darüber, dass es der BVV noch nicht vorliegt. Ich zitiere
Ihnen mal das Gesetz, das ist § 6 des Ausführungsgesetzes zum Baugesetzbuch, da
heißt es:
„Die Vorlage des Entwurfs des Bebauungsplans an die
Bezirksverordnetenversammlung, und darum geht es jetzt, um die Auswertung der
Trägerbeteiligung und daraus resultierend den endgültigen Entwurf. Also, diese Vorlage
des Entwurfs des Bebauungsplans an die BVV erfolgt, wenn die zuständige
Senatsverwaltung erklärt, dass sie keine Beanstandungen erhebt oder die dafür nach
Satz 2 eingeräumte Frist verstrichen ist. Das ist eine Frist von zwei Monaten. Daraus
folgt, menschlich, logisch, rechenbar, wenn man im November im Bezirksamt
beschließt, hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zwei Monate Zeit, das wäre
dann Mitte Januar, um ihre rechtliche Stellungnahme abzugeben. Und danach, so steht
es im Gesetz, erfolgt die Vorlage an die BVV.“
Sie erklären dazu, und das haben Sie heute nicht hier getan, sondern in Ihrer
Presseerklärung gestern, ich zitiere auch das:
0017/5
Ausdruck vom: 20.12.2016
Seite: 2
„Es ist skandalös, dass die BVV hier offensichtlich als zuständiges Entscheidungs- und
Kontrollgremium übergangen wird und wieder einmal das Bezirksamt über die Presse
kommuniziert usw.“
Was ist denn eigentlich skandalös, wenn man sich an die gesetzlich vorgeschriebenen
Verfahren hält? Ich sehe da keinen Skandal, sondern ich habe den Eindruck, Sie sind
schon in ihrer ersten Arbeitsitzung in der BVV auf dem Weg, die Form der
Sachauseinandersetzung zu verlassen und auch das, was man in Neudeutsch wohl
postfaktisch nennt, zu kommen. Ich glaube, so sollten wir nicht arbeiten.
zu 4.
Also, das was wir jetzt machen: wir warten auf die Stellungnahme der Senatsverwaltung
und danach wird Ihnen das, wenn das dann alles gut gegangen ist, vorgelegt. Sie
schreiben dann selber, es waren ca. 600 Bürgereinwendungen. Ich kann Ihnen auch
sagen, was das alles war. Das war eine bunte Mischung. Insgesamt waren es genau
549 eingegangene Stellungnahmen. 79 in Form von standardisierten Schreiben oder
Unterschriftenlisten und 470 individuelle Schreiben.
Davon haben sich drei Themen, wir haben das in 42 verschiedene Sachthemen
gegliedert, drei dieser Themen betrafen allgemeine Aussagen zum B-Plan und zum
Planungsvorlauf, neun Themen befassten sich mit verkehrlichen Fragen, ein Thema will
den Erhalt der bestehenden Grünanlage, 20 verschiedene Fragestellungen befassen
sich mit der Gestaltung und Ausstattung der neuen Parkanlage. Da sage ich mal, das
ist jetzt im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens gekommen, das gehört da aber
eigentlich nicht hin, weil der Bebauungsplan ja nicht sagt, wie konkret gestaltet wird,
sondern nur das da Grünflächen festgesetzt wird, also die konkreten 20 Punkte gehören
eigentlich in die vorherige Bürgerbeteiligung, wo man über die Ausgestaltung der
Grünanlage geredet hat. Vier Punkte haben konkret was zur Lage und Ausstattung des
Spielplatzes gesagt. Vier weitere haben sich mit den Kosten und Finanzierungsfragen
auseinandergesetzt und eine Beschwerde mit den Auswirkungen auf den Einzelhandel.
Das ist die Zusammenfassung der Beschwerden. Ich erspare Ihnen jetzt, die 20igseitige Ausfertigung zu verlesen, dann sitzen wir hier nämlich noch eine Weile.
zu 5. und 6.
Sie sagen dann, warum bleiben die negativen Eingaben unberücksichtigt bei der
Beschlussfassung. Ich weiß nicht, was Sie da interpretieren. Wenn ich zehn
Beschwerden habe, die sagen, ich will gar keinen Parkplatz und ich habe zehn
Beschwerden, die sagen, sie wollen alle Parkplätze erhalten und ich mache einen
Kompromiss und sage, die Hälfte. Dann habe ich einen Kompromiss, der alles abdeckt,
aber ich habe trotzdem 20 Bürgerbeschwerden, die nicht mit ihrer Einwendung
aufgenommen wurden. Also, ich habe 20 unberücksichtigte Beschwerden. Aber ich
habe einen Kompromiss, der versucht, alles zu ergreifen.
Da sage ich Ihnen mal, solche Kompromisse mach ich gerne und die sind mir lieber, als
wenn wir zehn Bürgerbeschwerden abgeholfen hätten und zehn anderen dafür völlig
vor die Nase getreten hätten.
Und wenn Sie dann fragen, ob es das Ziel der rot-rot-grünen Bürgerbeteiligung ist, so
zu verfahren, dann sage ich Ihnen mit relativ großem Selbstbewusstsein Ja, wenn es
uns am Ende dieser Wahlperiode gelungen ist, fast immer solche Kompromisse
hinzukriegen, wo niemand einseitig seine Interessen zu 100% durchsetzen konnte,
sondern jeder ein bisschen nachgeben musste, dann werde ich am Ende dieser
Wahlperiode relativ zufrieden sein.
0017/5
Ausdruck vom: 20.12.2016
Seite: 3
Dann fragen Sie, warum wir nicht gewartet haben, wie schreiben Sie das hier so schön?
„Bis die BVV sich sozusagen eingearbeitet hat“. Ich lese Ihnen mal aus Ihrer
Presseerklärung vor, nach meiner Nominierung.
Das sagen Sie: „Charlottenburg-Wilmersdorf drohen fünf Jahre Besitzstandswahrung
und Blockade.“
Ja, wenn Sie hier die Mehrheit hätten, scheint mir das auch so. Das würde jetzt nämlich
weitere sechs Monate gar nichts passieren. Und Sie schreiben dann: „Grüne wollen den
Verkehrsraum neu verteilen“. Und weiter heißt es dann: „Zukunftsorientierte Baupolitik
brauch Mut, auch im Umgang mit partikular Interessen- und Gruppenegoismus.“ Ich
unterschreibe jeden Satz Ihrer Presseerklärung.
Ja, Sie müssen das schon ertragen, wenn Sie vor einer Großen Anfrage eine
Presseerklärung machen, die so kommentieren, dass man dazu auch einige Sätze sagt.
Wollen Sie nicht? Ist Ihnen peinlich? Gut, jetzt müssen Sie aber warten, bis ich fertig
bin.
Zur GO – FDP-Fraktion:
Ich möchte den Herrn Bezirksstadtrat bitten, die Fragen zu beantworten und von
sonstigen Ausführungen Abstand zu nehmen.
Herr Schruoffenger:
Wissen Sie, ich finde es ja schon recht ungewöhnlich, dass GO-Anträge mitten in einem
Redebeitrag erfolgen, aber bitte, jeder macht sich so lächerlich, wie er will. Ich
kommentiere natürlich Ihre Fragen.
Zur GO – CDU-Fraktion: Einberufung des Ältestenrats 21:50 Uhr – 22:10 Uhr.
Frau Hansen:
Wir sind ja alle nun ganz neu zusammengewürfelt und haben sicherlich auch noch
gewisse Startschwierigkeiten miteinander. Und ich denke, wenn wir zu einer gewissen
Sachlichkeit zurückfinden, schaffen wir das auch in der Zukunft.
Herr Schuroffeneger wird die Große Anfrage zu Ende beantworten.
zu 7.
Dann komme ich jetzt zur letzten Frage der FDP, wie es weitergeht. Weitergehen wird
es so, dass wir jetzt auf die Stellungnahme der Senatsverwaltung warten. Die
Zwischenmeldung sagt uns, dass wir eine neue Auslegung machen müssen, aber wie
gesagt, es ist im Moment eine Zwischenmeldung. Wir haben es noch nicht endgültig.
Wenn das so ist, würden wir versuchen, bis zur Sommerpause eine neue Auslegung zu
machen, dann direkt nach der Sommerpause hier in der BVV die Beschlussfassung
herbeizuführen, also wir es vor der Sommerpause einbringen in die BVV zur
Beschlussfassung, dass dann die Ausschussberatung direkt im Monat nach der
Sommerpause stattfindet. So dass wir die Festsetzung des B-Plans dann
voraussichtlich im Oktober, spätestens November machen könnten. Das ist im Moment
die Planung. Wenn das zeitlich alles so funktioniert, sind wir weiterhin im Plan und
können die 600.000,-- Euro, die für das Jahr 2017 zur Verfügung stehen, dann in den
Monaten November und Dezember auch noch umsetzen.
0017/5
Ausdruck vom: 20.12.2016
Seite: 4
0017/5
Ausdruck vom: 20.12.2016
Seite: 5