Daten
Kommune
Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf
Dateiname
Große Anfrage - Beantwortung.pdf
Größe
70 kB
Erstellt
29.01.17, 05:02
Aktualisiert
28.01.18, 00:52
Stichworte
Inhalt der Datei
Drucksachen
der Bezirksverordnetenversammlung
Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin
5. Wahlperiode
Ursprung: Große Anfrage
TOP-Nr.:
FDP-Fraktion
Heyne
Große Anfrage
DS-Nr: 0067/5
Beratungsfolge:
Datum
Gremium
19.01.2017
BVV
BVV-004/5
beantwortet
Ist das Stadtentwicklungsamt noch voll arbeitsfähig?
Presse- und Bürgerberichten ist wiederholt zu entnehmen, dass das
Stadtentwicklungsamt chronisch unterbesetzt scheint und behördliche Aufgaben nicht in
vertretbaren Zeiträumen bearbeitet werden können.
Wir fragen das Bezirksamt:
1. Warum ist die Stelle des stellv. Leiters des Stadtentwicklungsamtes seit rd. 2
Jahren unbesetzt und wann gedenkt das Bezirksamt, die Nachbesetzung zu
vollziehen?
2. Konnte der Bearbeitungsrückstau der unteren Denkmalschutzbehörde, u. a.
ausgelöst durch die Schadstoffbelastung der Büroräumlichkeiten im
Dienstgebäudes Hohenzollerndamm, zwischenzeitlich abgearbeitet werden
und wurde mit den Mitarbeitern über die Erbringung ihrer Dienstpflichten auch
außerhalb der Diensträume – z. B. durch Homeoffice bzw. Telearbeit –
gesprochen?
3. Welche Prioritäten setzt das Stadtentwicklungsamt bei der Bauberatung?
4. Wie viele Bauanträge konnten aufgrund der Bearbeitungsrückstände im
Stadtentwicklungsamt im Jahr 2016 nicht bearbeitet werden bzw. bei wie
vielen Bauanträgen erfolgte die Erteilung der Baugenehmigung aufgrund von
Fristabläufen gem. § 70 BauO Bln?
«VONAME»
Ausdruck vom: 27.01.2017
Seite: 1
5. Wie und wann gedenkt das Bezirksamt zu einer Regelbearbeitung - inkl. der
unbedingt erforderlichen Bauberatung – von Bauanträgen zurückzukehren
und dem Ziel der wachsenden Stadt durch angemessene Bearbeitungszeiten
von Bauanträgen und durch Planungssicherheit für Planer und Bauherrn
näher zu kommen?
Zur Beantwortung Herr BzStR Schruoffeneger:
Frau Vorsteherin, meine Damen und Herren, ich habe ja in den letzten Tagen oder Wochen
einige Auseinandersetzungen oder Diskussionen mit der FDP, aber für diese Anfrage bin ich
Ihnen ausgesprochen dankbar und da kriegen Sie von mir jetzt vieles zu hören, was ein
ernsthaftes Problem darstellt und was, im Gegensatz zu der vorherigen Debatte wirklich die
Bearbeitung von Bauanträgen hemmt und zu einem Investitionshemmnis werden kann.
zu 1.
Ich gehe mal davon aus, dass Sie die Fachbereichsleitung Stadtplanung meinen, die
stellenplanmäßig in der Personalunion mit der Gruppenleitung verbindliche Bauleitplanung
abgesichert ist?! Da war es notwendig, erst eine neue Dienstpostenbewertung vorzunehmen.
Mittlerweile ist die Ausschreibung der Stelle erfolgt. Der Termin für die Auswahlgespräche soll
noch im Februar stattfinden. Der Termin dazu wird gerade koordiniert, was nicht ganz einfach,
da dafür die sogenannte Kleine Kommission einberufen werden muss und alle Teilnehmer da
unter einen Hut zu kriegen ist immer schwierig, aber ich bin guter Dinge, dass wir das noch im
Februar schaffen.
zu 2. – 5.
Wir haben hier zwei verschiedene Dinge, die wir hier diskutieren müssen. Einmal die untere
Denkmalschutzbehörde des Bezirks ist mit zwei Stellen ausgestattet. Das ist gemessen an der
Zahl der Denkmäler, die am schlechtesten ausgestattete Denkmalschutzbehörde Berlins. Rein
rechnerisch kommen in Charlottenburg-Wilmersdorf auf jede Stelle 612 Denkmäler. In MarzahnHellersdorf sind es 66, in Pankow und Treptow-Köpenick rund 130 und in den meisten anderen
Bezirken zwischen 230 und 270. Das heißt, jeder dieser beiden Mitarbeiter/innen hat hier im
Bezirk mindestens dreimal so viele Denkmäler zu bearbeiten, wie in den meisten anderen
Bezirken und das ist völlig klar, dass das zu erheblichen Problemen führt.
Ich habe das bei Übernahme des Amtes mit leichtem Erschrecken festgestellt. Wir werden als
Abteilung für die nächste Dienstkräfteanmeldung, hier auch eine Anmeldung vornehmen, um
die Situation zu verbessern, weil das eine zweifache Katastrophe ist, sage ich mal. Einmal ist
das sehr schlecht für die Denkmäler im Bezirk und es ist aber auch sehr schlecht für potentielle
Bauinteressenten und die Besitzer von Denkmälern, die vielleicht auch nur ein wenig was
umändern wollen, weil sie müssen sehr lange auf ihre Bearbeitung ihrer Anträge warten. Ich bin
im Moment relativ erfreut, weil es uns gelungen ist, wenigstens in der Beratung der unteren
Denkmalschutzbehörde keine Rückstände mehr zu haben. Die sind mittlerweile alle
abgearbeitet. Bei den Anträgen ist natürlich noch ein Stau dort.
Monatelang war die untere Denkmalschutzbehörde aufgrund der Erkrankung der beiden
Mitarbeiterinnen dann komplett unbesetzt. Dadurch sind erhebliche Arbeitsrückstände
entstanden. Es ist dann noch in der alten Wahlperiode ein Mitarbeiter aus der Bauaufsicht in
Die Denkmalschutzbehörde erst einmal vorübergehend versetzt worden. Das hat dann
wiederum ein Loch in der Bauaufsicht gerissen. Aber es führt dazu, dass jetzt langsam die
Rückstände in der Denkmalschutzbehörde abgearbeitet werden können.
«VONAME»
Ausdruck vom: 27.01.2017
Seite: 2
Einen zweiten Punkt, den ich hier anschließen will, den ich genauso ärgerlich finde, ist, dass
beide Stellen in der Wohnungsaufsicht unbesetzt sind. Es ist in zwei Ausschreibungen im
letzten Jahr nicht gelungen, geeignete Bewerberinnen oder Bewerber zu finden. Wir gehen jetzt
in eine dritte Ausschreibung. Es wird im Bezirksamt in der nächsten Woche eine Vorlage geben,
diese beiden Stelle von der Besetzungssperre, die wir im Moment haben, auszunehmen.
Weil gerade in der Wohnungsaufsicht trifft es natürlich diejenigen, die den Ärger meistens mit
ihren Vermietern haben, wenn eben, die Heizung nicht funktioniert und ähnliches und die
Wohnungsaufsicht eingreifen müsste. Da kann, wenn beide Stellen nicht besetzt sind,
naturgemäß nicht stattfinden, da wird die Personalnot des Bezirks auf dem Rücken der
Mieter/innen ausgetragen.
In der Bauaufsicht kommt es zu erheblichen Arbeitsausfällen in den letzten Monaten. Auch
wegen Erkrankung und unbesetzter Stellen. Bei der Bauberatung ist es so, dass wir z. Z.
personell nicht in der Lage sind, allen Wünschen nach Bauberatung folge zu leisten. Wir bitten
die Antragsteller oder die Beratungswünsche im Moment per Mail mitzuteilen und dann werden
mit Priorität die Vorgänge behandelt, die sich telefonisch oder in sehr kurzen Gesprächen auch
abarbeiten lassen, wenn es kompliziertere Fälle sind, erfolgt die Bearbeitung in chronologischer
Reihenfolge des Antrags.
Die Zahl der Anträge, die nicht bearbeitet werden konnte, lässt sich so nicht beziffern. Dann
müsste man jetzt alle zählen, die da liegen. Dazu möchte ich die verbliebenen Mitarbeiter/innen
nicht einsetzen, weil das würde dann auch wieder Arbeitszeit kosten. Es ist ja aber auch schon
gesagt worden, wie die Zahl der bewilligten Wohnungsbauten im letzten Jahr war, über 1.600
und ich finde, dass angesichts der personellen Situation in der Bauaufsicht, das eine
hervorragende Leistung der Mitarbeiter/innen ist, bei denen ich mich dafür auch herzlich
bedanke.
Was kann man machen, woran liegt das? Wir haben das Problem gehabt mit
Schadstoffbelastungen in den Räumen. Wir haben insgesamt eine sehr miserable Situation in
der räumlichen Unterbringung der sowohl des Stadtplanungs- sowie auch des
Bauaufsichtsbereichs, was dazu führt, dass Räume, die man dann mal für Besprechungen
braucht, das ist alles sehr knapp. Das muss alles einzeln auch immer dann in der Raumnutzung
koordiniert werden. Wir haben einzelne Räume von der Arbeitssicherheit mit der Weisung, dass
regelmäßig intensiv gelüftet werden kann. Alles solche Situationen, die weder dazu beitragen,
dass die Arbeitsintensität steigt, noch die Arbeitzufriedenheit und die bei Mitarbeiter/innen das
Gefühl hinterlassen, dass sie nicht wirklich wertgeschätzt werden. Wir versuchen das, jetzt für
Schritt für Schritt abzuarbeiten. Das Bezirksamt hat Ende Dezember beschlossen, dass wir den
Versuch unternehmen, noch in diesem Jahr zusätzliche Räume anzumieten. Das ist z. Z. auf
dem Weg und ich hoffe, dass wir da im Sommer eine Lösung finden, die die räumliche Situation
für alle Abteilungen, aber auch für die Bauaufsicht und Stadtplanung deutlich reduziert. Es gibt
eine lange Liste von Stellenbesetzungsverfahren, die wir gerade einleiten. Es gibt den Versuch,
einzelne teilzeitreduzierte Stellen aufzustocken. Kurzfristig, vorübergehend in einem
unbürokratischen Verfahren. Wir haben versucht, Werkverträge zu mache, das gestaltet sich
sehr schwer, weil man Menschen von außen ja nicht den hoheitlichen Bereich reinlassen darf.
Und wenn man sagt, ihr macht nur die Zuarbeit, die Vorarbeit, dann ist es sehr schwer, daraus
ein eigenständiges Werk zu kreieren. Deswegen überlegen wir im Moment, ob wir jenseits der
Werkvertragsvariante auch die Frage Leiharbeit noch mal stellen, also, Zeitarbeitsfirmen für
einzelne, vorübergehende Ausfälle als Ersatz ansprechen werden. Also, das ist ein ganzes
Paket. Das sind hier drei Seiten von Einzelmaßnahmen. Ich glaube, das passt jetzt nicht, dass
ich die hier alle verlesen, aber vielleicht können wir die ja dann in einer der nächsten
Ausschuss-Sitzungen auch noch mal intensiver angucken.
«VONAME»
Ausdruck vom: 27.01.2017
Seite: 3