Daten
Kommune
Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf
Dateiname
Antrag.pdf
Größe
61 kB
Erstellt
21.04.17, 11:35
Aktualisiert
28.01.18, 01:00
Stichworte
Inhalt der Datei
Drucksachen
der Bezirksverordnetenversammlung
Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin
5. Wahlperiode
Ursprung: Antrag
Fraktion DIE LINKE
TOP-Nr.:
Schenker/Juckel
Antrag
DS-Nr: 0220/5
Beratungsfolge:
Datum
Gremium
BVV
Patenschaft für eine*n in der Türkei inhaftierte*n Bürgermeister*in der
HDP/DBP
Die BVV möge beschließen:
Der Bezirksbürgermeister wird gebeten, in seiner Funktion als Bürgermeister des
Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf eine Patenschaft mit einer*einem in der Türkei
inhaftierten Bürgermeister*in der HDP/BDP nach dem Vorbild des Projekts
„Parlamentarier schützen Parlamentarier“ im Bundestag aufzunehmen.
Der BVV ist bis zum 30.06.2017 zu berichten.
Begründung:
Nach dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 in der Türkei sind 76 kurdische Kommunen
von 103 gewählten Kommunen unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt und ihre
Bürgermeister*innen abgesetzt worden. Die Bürgermeister*innen sind durch nicht
gewählte Zwangsverwalter*innen aus Ankara ersetzt. Das sind in der Regel
Gouverneure oder Landrät*innen, die schon davor die Zentralregierung in der Region
repräsentiert haben. Von diesen Absetzungen sind 5,9 Millionen Menschen betroffen.
Die Zwangsverwalter*innen stoppten alle von den Kommunen zuvor durchgeführten
Projekte. Hunderte städtische Angestellte verloren ihre Arbeit. 85 Bürgermeister*innen
sind mittlerweile inhaftiert. Durch die Absetzung und Inhaftierung der
Bürgermeister*innen wird der Wille der Bevölkerung ignoriert, die diese bei den
Kommunalwahlen 2014 gewählt haben.
Eine Patenschaft für abgesetzte und inhaftierte Bürgermeister*innen zu übernehmen, ist
ein Akt der Solidarität und gleichzeitig eine klare Stellungnahme dahingehend, dass die
Absetzung der freigewählten Bürgermeister*innen undemokratisch ist und unter keinen
Umständen hingenommen werden kann.
Durch die Übernahme einer Patenschaft wird das Schicksal der abgesetzten und
inhaftierten Bürgermeister*innen publik gemacht und die Öffentlichkeit wird
sensibilisiert. Patenschaften helfen dabei, internationalen Druck auf die türkische
Regierung auszuüben.
«VONAME»
Ausdruck vom: 18.04.2017
Seite: 1
In der 18. Wahlperiode (Stand März 2017) haben insgesamt 111
Bundestagsabgeordnete eine solche Patenschaft übernommen. Davon haben 60
Bundestagsabgeordnete fraktionsübergreifend das parlamentarische Schutzprogramm
für die türkischen Kollegen aktiviert und übernehmen Patenschaften für 37 Abgeordnete
der HDP.
Wie kann eine solche Patenschaft in der Praxis aussehen?
Nach dem Vorbild des Projekts „Parlamentarier schützen Parlamentarier“ im
Bundestag, an dem sich Abgeordnete aller im Bundestag vertretenen Parteien
beteiligen können folgende Schritte eingeleitet werden:
- In Gesprächen mit politischen Entscheidungsträgern und durch öffentliche Aufrufe
kann auf die Situation der inhaftierten/verfolgten Politiker*innen hingewiesen werden.
Dabei kann ihre Freilassung bzw. ihr Schutz vor willkürlichen Strafverfolgungen
gefordert werden.
- Durch Petitionsschreiben und Pressearbeit kann öffentliche Sensibilität für die Lage
der Politiker*innen geschaffen werden.
- Im Ausland kann das Engagement der Politiker*innen – so möglich – durch ein
persönliches Gespräch gewürdigt werden – alternativ können die Politiker*innen –
sofern sie auf freiem Fuß sind – auch nach Charlottenburg-Wilmersdorf eingeladen
werden.
- Durch Briefwechsel mit den Inhaftierten können sie moralisch unterstützt werden.
- Der Einsatz für ein faires Gerichtsverfahren kann durch Prozessbeobachtung vor Ort
unterstrichen werden.
Eine aktuelle Liste der inhaftierten Bürgermeister*innen kann über das Kurdische
Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e.V. erfragt werden, die auch bei der Kontaktaufnahme
und Übersetzung behilflich sind.
«VONAME»
Ausdruck vom: 18.04.2017
Seite: 2