Daten
Kommune
Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf
Dateiname
Große Anfrge Beantwortung.pdf
Größe
159 kB
Erstellt
13.10.17, 14:29
Aktualisiert
28.01.18, 01:19
Stichworte
Inhalt der Datei
Drucksachen
der Bezirksverordnetenversammlung
Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin
5. Wahlperiode
Ursprung: Große Anfrage
FDP-Fraktion
TOP-Nr.:
Heyne/Rexrodt
Große Anfrage
DS-Nr: 0440/5
Beratungsfolge:
Datum
Gremium
12.10.2017
BVV
BVV-013/5 schriftlich beantwortet
Auf den Haushalt folgt die Sperre?! Transparenz in den
Haushaltsberatungen
Wir fragen das Bezirksamt:
1. Seit wann war dem Bezirksamt bekannt, dass der Bezirk CharlottenburgWilmersdorf im Haushaltsjahr 2017 mit erheblichen Mehrausgaben in einigen
Verwaltungsbereichen rechnen musste, was schlussendlich zum Erlass der
Haushaltssperre am 26.09.2017 führte und warum wurde die BVV nicht bereits
während der Haushaltsberatungen hierüber informiert?
2. In welchen Bereichen werden Mehrausgaben erwartet und wie hat dies Einfluss
auf den kürzlich beschlossenen bezirklichen Doppelhaushalt 2018/2019 bzw. wie
gedenkt das Bezirksamt noch einen positiven Abschluss zu erreichen?
3. Inwiefern werden aufgrund der erneuten Haushaltssperre strukturelle Defizite im
Haushalt ersichtlich und wie gedenkt das Bezirksamt diesen ggf. zu begegnen?
Sehr geehrte Frau Bezirksverordnetenvorsteherin,
das Bezirksamt beantwortet die oben genannte Große Anfrage wie folgt:
1.
0440/5
Seit wann war dem Bezirksamt bekannt, dass der Bezirk CharlottenburgWilmersdorf im Haushaltsjahr 2017 mit erheblichen Mehrausgaben in einigen
Verwaltungsbereichen rechnen muss, was schlussendlich zum Erlass der Haushaltssperre am 26.09.2017 führte und warum wurde die BVV nicht bereits während der Haushaltsberatungen hierüber informiert?
Ausdruck vom: 13.10.2017
Seite: 1
Das sog. kamerale Berichtswesen der Bezirke für das Jahr 2017 (hier: Statusbericht für
Charlottenburg-Wilmersdorf) war bei der Senatsverwaltung für Finanzen mit Datenstand
31.08.2017 spätestens zum 30.09.2017 einzureichen. Das Ergebnis der durch die Abteilungen in ProFiskal einzugebenden Prognosen lag dem für Finanzen zuständigen
Bezirksbürgermeister erst am 22.09.2017, also einen Tag nach der BVV-Sitzung am
21.09.2017 vor, da erst zu diesem Zeitpunkt alle Daten vollständig eingegeben waren.
Die Gesamt-Prognose im Jahr 2015 per 31.08. vor abschließender Basiskorrektur belief
sich auf -7.558,4 Mio. €, das Jahresergebnis 2015 nach Basiskorrektur auf
-748 T€ (Übertrag nach 2017). Insgesamt wurde dabei ein Volumen von
-23.588 Mio. € im Rahmen der Basiskorrektur für Charlottenburg-Wilmersdorf bewegt.
Die entsprechende Gesamt-Prognose 2016 per 31.08. belief sich auf
-2.263,4 Mio. €, das Jahresergebnis 2016 nach Basiskorrektur auf 7.028 Mio. € (Übertrag nach 2018). Hier wurde ein Basiskorrektur-Volumen von 1.787 Mio. € bewegt. Die
aktuelle Gesamt-Prognose für dieses Jahr 2017 beläuft sich vor abschließender Basiskorrektur gem. aktuellem Statusbericht per 31.08. auf -6.116,9 Mio. €. Wie die Basiskorrektur durch die Senatsverwaltung für Finanzen für Charlottenburg-Wilmersdorf
am Ende für 2017 ausfallen wird, kann nicht verlässlich prognostiziert werden.
Die Ausgabenentwicklung jedoch vor allem im Transferbereich, insbesondere bei HzE
und HbL unterlag schon in den vergangenen Jahren einer stetigen Steigerung, jedoch
erst die aktuellen Erkenntnisse aus dem Statusbericht per 31.08.2017, der laufenden
Haushaltsüberwachung und den sich für den Rest des Jahres abzeichnenden Mehrausgaben (insbesondere zu erwartende Mehrausgaben bei den Bewirtschaftungskosten
im Ausgabenfeld A08), haben den Bezirksbürgermeister veranlasst, in der Sitzung des
Bezirksamtes am 26.09.2017 eine haushaltswirtschaftliche Sperre für konsumtive
Sachausgaben nach § 41 Landeshaushaltsordnung (LHO) zu verhängen. Auf die Zielsetzung zur Erreichung eines möglichst positiven Jahressergebnisses – in Kenntnis aller Risiken und Unwägbarkeiten -, hatte der Bezirksbürgermeister bereits in seiner Einbringungsrede zum Planentwurf für den Haushalt 2018/2019 am 04.09.2017 gegenüber
der BVV ausdrücklich hingewiesen.
2.
In welchen Bereichen werden Mehrausgaben erwartet und wie hat dies Einfluss
auf den kürzlich beschlossenen Doppelhaushalt 2018/2019 bzw. wie gedenkt das
Bezirksamt noch einen positiven Abschluss zu erreichen?
Wie bereits unter 1. erläutert, ist vor allem die Ausgabenentwicklung im Transferbereich
bei HzE und HbL für das Ergebnis der aktuellen Bezirksprognose maßgeblich. Hinzu
kommen zu erwartende Mehrausgaben bei den Bewirtschaftungskosten im Ausgabenfeld A08, die vorrangig aus Preissteigerungen z. B. bei der Abfallentsorgung, den
Pförtner- und Schließdiensten, sowie gestiegenen Mietzahlungen für die Heerstr. und
die Jugendberufsagentur resultieren. Um den Vortrag in das Haushaltsjahr 2019 so positiv wie möglich zu halten, war der Erlass der haushaltswirtschaftlichen Beschränkungen ab dem 26.09.2017 unerlässlich. Mit den Ursachen der Kostenentwicklung im
Transferbereich wird sich das Bezirksamt am 24.10.2017 im Detail auseinandersetzen,
um dann entsprechende strukturelle Maßnahmen für die Zukunft ergreifen zu können.
3.
Inwiefern werden aufgrund der erneuten Haushaltssperre strukturelle Defizite im
Haushalt ersichtlich und wie gedenkt das Bezirksamt diesen ggf. zu begegnen?
Der Erlass von haushaltswirtschaftlichen Beschränkungen (Haushaltssperre) an sich
deckt keine strukturellen Defizite im Haushalt auf, sondern stellt lediglich das geeignete
Mittel der Wahl dar, wenn es darum geht den Auswirkungen von Defiziten entsprechende Steuerungsmaßnahmen entgegenzusetzen. Dass diese Defizite nicht zuletzt auch in
0440/5
Ausdruck vom: 13.10.2017
Seite: 2
der Zuweisungssystematik an die Bezirke zu suchen sind, und der Bezirk durch seine
besondere Stellung als Innenstadtbezirk eine übergeordnete Wirkung für die Stadt hat,
ist vom Bezirksamt auf den verschiedensten Ebenen mehrfach deutlich gemacht worden.
Da eine Änderung der Zuweisungssystematik nicht zu erwarten ist, wird das Bezirksamt
wie bereits unter 2. beschrieben am 24.10.2017 in die Datenanalyse bezüglich der Ausgaben im Transferbereich gehen. Ein wichtiger Schritt zur Analyse kostenmäßig negativer Produkte und Produktgruppen sowie damit verbundener struktureller Defizite wird
voraussichtlich die Betrachtung der Daten aus dem Blickwinkel der sog. Phase III der
Budgetierung sein. Hierzu hat die BVV in ihrer letzten Sitzung einen entsprechenden
Beschluss gefasst (Prüfauftrag).
Carsten Engelmann
Stellv. Bezirksbürgermeister
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Ausdruck vom: 13.10.2017
Seite: 3