Daten
Kommune
Kall
Größe
373 kB
Datum
10.05.2012
Erstellt
27.04.12, 18:06
Aktualisiert
10.05.12, 18:12
Stichworte
Inhalt der Datei
Gemeinde Kall
Vorlagen-Nr.
Sitzungstermin
Der Bürgermeister
58/2012
10.05.2012
Federführung: Fachbereich III
An den
Ausschuss für Liegenschaften, Forst und Umwelt
mit der Bitte um
X
FBL:
SB:
öffentliche Sitzung
Herr Schmidt
Herr Feld
Beschlussfassung
Mitzeichnung durch
Fassung eines Empfehlungsbeschlusses an den
Bürgermeister
Kenntnisnahme
Beigeordneter
Haushaltsmäßige Auswirkungen:
Fachbereichsleiter
Vorlage berührt nicht den Haushalt.
Mittel verfügbar bei PSK
Euro
Sachbearbeiter
über-/außerplanmäßige Aufwendungen/
Auszahlungen erforderlich bei PSK
Deckung erfolgt durch PSK
Euro
Kämmerer, wenn haushaltsrechtl. Auswirkungen:
TOP 4
Sanierungskonzept Hallenbad
Beschlussvorschlag:
1) Der Fachausschuss nimmt die Ausführungen der Verwaltung zur Kenntnis.
2) Das vorgestellte Konzept wird zur weiteren Beratung an die Haushaltskommission verwiesen.
Sachdarstellung:
Im Rahmen der Energieleitlinie befasst sich das Energieteam der Gemeinde Kall u. a. auch mit
energetisch sinnvollen Sanierungsmöglichkeiten an öffentlichen Gebäuden. Das Energieteam hat
sich unter der Leitung von Herrn Feld mit der konzeptionellen Umstellung der Gebäudetechnik
sowie sinnvollen Sanierungsmaßnahmen des Hallenbades der Gemeinde Kall beschäftigt.
Ein Hallenbad ist baulich und technisch eine hochkomplexe Anlage mit einer Vielzahl von Bauteilen, Nutzungszonen und Anlagenkomponenten. Dementsprechend gibt es zahlreiche mögliche
Schwachstellen und Ansatzpunkte für Verbesserungen und damit Einsparmöglichkeiten.
Durch die gegebene Komplexität ist es jedoch sehr schwierig, die exakten Auswirkungen einzelner Maßnahmen zu berechnen. Es soll hier aufgezeigt werden, wo – immer ausgehend vom heutigen Nutzungsgrad – Einsparpotential besteht, das sich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten
mit größter Wahrscheinlichkeit realisieren lässt.
Das Hallenbad der Gemeinde Kall ist 1967 erbaut worden. Im Jahr 1995 wurde die Heizungsund Lüftungsanlage erneuert, dabei wurde von Öl auf Gas als Energieträger umgestellt. An der
mittlerweile 17 Jahre alten Gebäudetechnik (Heizung, Wasser, Lüftung) wurden ausweislich der
Arbeitsnachweise nur notwendige Steuerungs- und Unterhaltungsmaßnahmen durchgeführt.
Im Bereich der Gebäudehülle wurden im Jahr 2000 die Fenster komplett ausgetauscht sowie
2007/08 die alte, beschädigte Dämmung auf den Dachflächen entfernt und eine neue Dämmschicht aufgebracht.
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Durch diese drei Sanierungsmaßnahmen konnte der Heizenergieverbrauch im Hallenbad bereits
deutlich gesenkt werden.
Grafik 1
Austausch Heizung/Lüftung
Dämmung
Dachflächen
So brachte zuletzt die durchgeführte Dämmung der Dachflächen eine Senkung des Gasverbrauchs (witterungsbereinigt) um 23,8% und der Heizkosten (Gas) um 29%. Die Amortisierungszeit dieser Maßnahme lag damit unter zwei Jahren, bezogen auf die Kosten für die Dämmung.
Dennoch sind die laufenden Kosten für Heizung und Strom weiterhin sehr hoch, vor allem fällt
auf, das die Stromkosten mittlerweile über den Heizkosten liegen (Grafik 2). Dies liegt vor allem
daran, dass im Bereich Heizung der Verbrauch gesenkt werden konnte, während er beim Strom
relativ konstant blieb – die Bezugskosten für beide Energieträger stiegen jedoch an.
Strom wird dabei im Hallenbad nicht nur in der Beleuchtung, sondern vor allem auch durch die
Lüftungsanlage verbraucht.
Grafik 2
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Grafik 3
Heizenergieverbrauch Hallenbad (Gas)
800.000
700.000
600.000
500.000
400.000
300.000
200.000
100.000
0
[kWh]
2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
Durch die Weiterentwicklung der Technik, insbesondere im Hinblick auf energiesparende
Geräte, Beleuchtung und Regelung, bieten sich weitere Einsparpotentiale, die im Folgenden dargestellt werden.
Die Verwaltung schlägt daher ein Sanierungskonzept für das Hallenbad vor, das
sämtliche Bereiche berücksichtigt, in denen diese Kosten entstehen.
Ein Anschluss des Hallenbades (in Kombination mit dem Feuerwehrgerätehaus Kall sowie anderen privaten Objekten) an ein Nahwärmenetz mit einer Heizanlage auf der Basis
erneuerbarer Energien wird angestrebt. Dazu legt die Verwaltung eine Machbarkeitsstudie vor.
1. Sanierung der Innenbeleuchtung
Die Sanierung der Innenbeleuchtung ist im Zusammenhang mit dem Rathaus zu sehen
und wird in der heutigen Sitzung unter TOP 5 behandelt.
2. Optimierung des Heizsystems
Das vorhandene Heizsystem besteht aus einem Gasbrennwert- und einem Niedertemperaturkessel sowie zwei Lüftungsanlagen (1x Schwimmhalle, 1x Umkleideräume).
Dazu kommt das Rohrleitungssystem (insgesamt 7 Heizkreise) und letztlich die Übertragung der Wärme an die Räume durch eine Fußbodenheizung (im Keller), Heizkörper (in
Schwimmhalle, Umkleide- und Nebenräumen) sowie die Lüftungsanlagen.
In nahezu allen Bereichen ist deutliches Optimierungspotential vorhanden.
Durch eine Optimierung des Rohrleitungsnetzes mittels lückenloser Dämmung und optimierter Kreisläufe kann die Temperatur im Leitungssystem gesenkt werden, so dass eine
optimalere Ausnutzung des Brennwerteffektes möglich ist.
Der Bereich des Beckenrandes wird zusätzlich zu den im Raum befindlichen Heizmedien
mit einer Fußbodenheizung erwärmt. Diese Fußbodenheizung wurde allerdings nicht in
der Decke, sondern auf deren Unterseite verlegt und gibt dadurch den Großteil ihrer
Wärmestrahlung an den Keller ab. Die Effektivität der Fußbodenheizung ist daher sehr
gering, da vor allem der Keller beheizt wird, bevor auch die Betonbodenplatte erwärmt
wird.
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Hier empfiehlt sich der Rückbau der bisherigen Fußbodenheizung in Verbindung mit
Punkt 3 (Dämmmaßnahmen).
Der Anbau an das Schwimmbad enthält Solarien, Lager- und Toilettenräume. Laut Hallenbad-Personal wird dieser Bereich wenig bis gar nicht genutzt. Allerdings wird die Beheizung des Anbaus durch die zentrale Heizungsanlage aus dem Technikraum gewährleistet. Von dort aus laufen Rohrstränge durch den gesamten unbeheizten Keller (einfache Rohrleitungslänge ca. 60 Meter).
Grundsätzlich ist zu prüfen, ob der Anbau überhaupt weiter beheizt werden soll. Wenn ja,
sollten entweder die Rohrleitungen sorgfältig gedämmt werden, alternativ könnte auch eine eigene Heizungsanlage für den Anbau in Betracht kommen. Sollte der Anbau nicht
mehr beheizt werden, sollten die Rohrleitungen abgeklemmt werden. Die bisher entstehenden Leitungsverluste würden so entfallen. Es wird vorgeschlagen, die Leitungen zu
kappen bzw. abzuklemmen und bei Bedarf über eine andere Lösung zu diskutieren.
Das Pumpenmanagement sollte kontrolliert und neu justiert werden, freiliegende Leitungen, Anschlüsse, Übergangsstücke, Ventile etc. gedämmt und ein hydraulischer Abgleich
durchgeführt werden. Über den Einbau entsprechender Messeinrichtungen sollen in Zukunft die Wärmeströme genau kontrolliert und effizient gesteuert werden.
Im Zuge der Analyse soll auch die Lüftungsanlage kontrolliert und ggf. eingestellt werden.
Die Anlage soll in Zukunft über eine Gebäudeleittechnik effektiv gesteuert und kontrolliert
werden. Dabei kann die Kontrolle auch durch das Gebäudemanagement vom Rathaus
aus erfolgen.
Mit der Untersuchung der Situation und der Erarbeitung eines Optimierungskonzeptes
(einschließlich Planung entsprechender Wartungen) sollte ein Fachbüro beauftragt werden.
Die Verwaltung schlägt vor, hierzu ein Budget in Höhe von 10.000 Euro für die Planung
und Umsetzung der Optimierungsmaßnahmen im Haushaltsjahr 2012 einzuplanen. Eine
Einsparung von ca. 5-10% ist durch diese Maßnahmen zu realisieren. Dadurch amortisieren sich die vorgeschlagenen Maßnahmen in 4-5 Jahren.
Es sollte darauf geachtet werden, dass auch Vertreter der Gemeinde (Hausmeister, Bauhof) in die Technik eingewiesen werden.
Detaillierte Berechnungen werden in der Sitzung vorgestellt.
3. Dämmmaßnahmen
Die Effekte der Dämmung der Dachflächen hat gezeigt, welche kurzfristigen Einsparungen hier zu realisieren sind. Die Amortisationszeit lag im Bereich von zwei Jahren.
Im Bereich des Schwimmbeckens lässt sich durch weitere Dämmmaßnahmen (im Übrigen ohne jede Beeinträchtigung des Betriebes, da die Arbeiten im Keller und ohne Abschaltung der Technik durchgeführt werden können) zusätzliche Energie einsparen.
Das gesamte Wasserbecken ist als nicht gedämmte Betonwanne ausgebildet, die ungehindert Wärme an den umgebenden Gang/Keller abgibt. Im Winter werden so im Gang
um das Wasserbecken Temperaturen von über 20° erreicht. Durch eine Dämmung
(Dämmstärke ca. 14 cm) des Beckens ließe sich die vorhandene Wärme wesentlich länger im Wasser halten.
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Dies ist auch im Hinblick auf eine Verkürzung der Nutzungszeiten interessant, da hier gerade durch verringerte Beheizung des Beckenwassers Energie gespart werden soll.
Alternativ könnte die Dämmung auch an den Kelleraußenwänden angebracht werden,
hierfür spräche die einfachere Montage (am Becken befinden sich zahlreiche Zu- und Abflussrohre) sowie die Möglichkeit, dass Becken weiterhin per Sichtkontrolle auf Undichtigkeiten prüfen zu können.
Zusätzlich sollte die Fußbodenheizung demontiert (siehe auch Punkt 2 – Heizungsoptimierung) und stattdessen unter der Decke ebenfalls eine Wärmedämmung (Dämmstärke
ca. 14 cm) angebracht werden. Die Temperatur in der Betonplatte am Deckenrand bzw.
des Bodenbelags der beheizten Seite in der Schwimmhalle ließe sich dadurch auf dem
gleichen Niveau halten - auch ohne die ständige Zufuhr kostenintensiver Heizenergie.
In den Kellerbereich unter den Umkleiden wird ebenfalls ungehindert Wärme aus dem
beheizten Bereich abgegeben. Auch hier wäre eine Dämmung unter der Kellerdecke
sinnvoll.
Die Verwaltung schlägt vor, die Dämmmaßnahmen in 2013 mit einem Gesamtbudget von
25.000 Euro umzusetzen. Ein entsprechender Antrag wird seitens der Verwaltung für das
nächste Haushaltsjahr eingeplant.
Durch diese Maßnahmen ist eine Einsparung von ca. 10% zu realisieren. Dadurch amortisieren sich die vorgeschlagenen Maßnahmen in etwa 8-10 Jahren.
4. Nutzung der Dachfläche der Schwimmhalle (und FWGH) für PV
Das flachgeneigte Dach der Schwimmhalle eignet sich sehr gut für die Errichtung einer
Photovoltaik-Anlage. Insgesamt lassen sich hier ca. 30 kWp errichten. Der Ertrag einer
solchen Anlage liegt bei ca. 25.000 kWh pro Jahr, bei der derzeitigen Vergütung entspricht das etwa 2.500 € pro Jahr (alle Kosten bereits abgerechnet).
Die Pachteinnahmen würden bei ungefähr 600 € pro Jahr liegen.
Ggf. könnte mit einem Investor auch über einen Eigenverbrauch verhandelt werden.
Die Verwaltung schlägt vor, auf der Dachflächen eine Anlage im Eigenbetrieb der Gemeinde zu installieren.
Sollte die Entscheidung des Ausschusses gegen den Eigenbetrieb ausfallen, sollte die
Verwaltung beauftragt werden, für die Dachfläche des Hallenbades Angebote für eine
PV-Anlage einzuholen. Dabei sind regionale Genossenschaften zu bevorzugen, die Bürgern der Gemeinde Kall die Möglichkeit der Partizipation bieten.
5. Absenkung der Wassertemperatur
Die Wassertemperatur im Hallenbad liegt bei 30,5° Celsius. Dies ist im Vergleich zu anderen Hallenbädern hoch und verursacht entsprechende Mehrkosten. Die Nutzerzahlen
der letzten Jahre 2009 und 2010 zeigen, dass ein hoher Anteil der Schwimmgäste Schulklassen sind, die eine solche Wassertemperatur nicht benötigen:
Jahr
2009
2010
Allgemeine
Besucher
19.232
18.030
Schulen/
Schüler
18.117
16.706
Sonstige
2.162
2.173
Besucher
insgesamt
39.511
36.909
Detaillierte Berechnungen werden in der Sitzung vorgestellt.
Die Verwaltung schlägt vor, eine Senkung der Wassertemperatur durchzuführen.
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6. Umstellung Heizanlage auf erneuerbare Energien (in Kombination mit Feuerwehrgerätehaus)
Das Hallenbad Kall hat neben der Hauptschule den größten Heizenergiebedarf der gemeindeeigenen Liegenschaften. Diesen Bedarf langfristig mit fossilen Energieträgern zu
decken, bedeutet auch, sich stetig steigenden Preisen aus zunehmend unsicheren Lieferregionen auszusetzen.
Auf der anderen Seite verfügt die Gemeinde Kall über ausgedehnte Waldflächen, aus denen in mehr als ausreichender Menge erneuerbare Energieträger in Form von Holz (Pellets, Hackschnitzel) gewonnen werden können.
Zudem gibt es regional und überregional einen stabilen Markt für Holzprodukte zur Beheizung.
Bau einer Hackschnitzel-Heizanlage
Die Gemeindeverwaltung hat Kontakte mit möglichen Großabnehmern für Wärme aus einem Biomasse-Heizkraftwerk aufgenommen und dabei durchgehend positive Rückmeldungen erhalten. Zur Zeit wird auf der Grundlage der zur Verfügung gestellten Verbrauchsdaten eine Machbarkeitsstudie vorbereitet. Darin soll die Möglichkeit geprüft werden, auch Hallenbad und das nahegelegene Feuerwehrgerätehaus Kall über eine Hackschnitzel-Anlage und ein Nahwärmenetz zu beheizen.
Ein Angebot für die Erstellung der Machbarkeitsstudie wird durch die ene erarbeitet.
Für den Betrieb könnte ein Contracting-Modell mit regionalen Genossenschaften zum
Tragen kommen. Der Gemeinde entstünden somit keine Kosten für die Installation, den
Betrieb und die Wartung der Anlage, lediglich für die abgenommene Wärme.
Durch den Umstieg würde eine moderne Anlage installiert, die gegenüber der vorhandenen Technik eine wesentlich höhere Effektivität bietet. Die Gemeinde würde somit langfristig geringere Heizkosten tragen als derzeit.
Hierüber würde der Ausschuss in einer der nächsten Sitzungen nach Vorliegen der
Machbarkeitsstudie informiert.
Dazu käme die Einsparung der Investition in eine kurzfristig erforderliche neue Heizanlage am Feuerwehrgerätehaus Kall (angesetzt mit 30.000 €).