Daten
Kommune
Kall
Größe
292 kB
Datum
22.05.2012
Erstellt
04.05.12, 18:12
Aktualisiert
08.05.12, 18:07
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Römerkanal-Charta
Erklärung zum Schutz der römischen Eifelwasserleitung nach Köln
(Entwurf)
Präambel
Die römische Eifelwasserleitung ist der bedeutendste antike Technikbau Mitteleuropas. Voller
Bewunderung steht der moderne Mensch vor den Resten dieses Zweckbaus. Noch heute
geben die erhaltenen Bauwerkselemente Zeugnis ab von großartigen und für die Zeit
unübertrefflichen Leistungen der antiken Ingenieure im Rheinland. In diesen Resten wird eine
Hochkultur sichtbar, die nach dem Ende der Römerzeit niederging und erst nach
Jahrhunderten wieder erreicht werden sollte.
Wasserleitungen waren nie Selbstzweck – ihre Konzeption und die zum Bau erforderliche
Planung haben immer einen ganz bestimmten Zweck zu erfüllen gehabt: den Menschen in
den zivilen Siedlungen oder auch in den Militärlagern das lebensnotwendige Trinkwasser in
größtmöglicher Qualität und Quantität zuzuführen.
Wasser im Überfluss, dazu in einer ausgesuchten Qualität, hat den Menschen im antiken Köln
(CCAA = Colonia Claudia Ara Agrippinensium) einen Wasserluxus beschert, der wesentlich zur
gehobenen Lebensweise der Römer am Rhein beigetragen hat. In dieser Leistung wird nicht
nur überragendes technisches Wissen erkennbar, sondern zudem in ganz besonderem Maß
auch die Überlegenheit der römischen Zivilisation – die maiestas des populus romanus. Der
Römerkanal ist zudem ein beredtes Zeugnis für den Umgang mit den natürlichen Ressourcen
und deren Ausnutzung zum Wohle der in der Provinzhauptstadt Niedergermaniens lebenden
Menschen.
Wie in kaum einem anderen Aquädukt im Imperium Romanum wird in der Kölner
Eifelwasserleitung die Vielzahl der technischen Elemente, wie sie zum Betrieb einer
Fernwasserleitung notwendig waren, offenkundig. Darüber hinaus sind in kaum einem
anderen Aquädukt derart viele unterschiedliche Bauwerksteile archäologisch untersucht,
konserviert, rekonstruiert und öffentlich zugänglich gemacht worden. Erst in der Vielzahl
dieser technischen Elemente werden die Schwierigkeiten im antiken Aquäduktbau deutlich –
gleichzeitig werden aber auch die technischen Lösungen dieser Probleme erkennbar: Der
Römerkanal ist ein technisches Gesamtkunstwerk. In ihm sind die Wurzeln der modernen
Techniken im Wasserleitungsbau zu finden. Wegen dieser unstrittigen Bedeutung – nicht nur
für das Rheinland – ist es deshalb gerechtfertigt, den Römerkanal als technisches Erbe der
Menschheit anzusprechen. Der Schutz der römischen Eifelwasserleitung ist deshalb der
erklärte Wille aller Betroffenen.
Bauwerksbeschreibung
Mit 95,4 km einfacher Trassenlänge (mit Zuleitungen rund 130 km) gehört die
Eifelwasserleitung zu den längsten der von den Römern erbauten Aquädukte im ganzen
Weltreich. Schon die Auswahl der für die Wasserversorgung Kölns genutzten Quellen macht
großes Fachwissen deutlich, denn sie zeugt von einer umsichtigen Prospektion der
Landschaft, um nach römischem Verständnis qualitätvolles Wasser gewinnen zu können. In
fünf Wasserdargeboten im Kalkgebirge der Nordeifel (der sog. Sötenicher Kalkmulde) ließen
sich täglich 20 Millionen Liter Wasser fassen und nach Köln leiten. Dazu wurde ein
begehbarer Steinkanal gebaut, der sich als Gefälleleitung an das durchfahrene Geländerelief
anschmiegte. Durch planerische Glanzleistungen wurden selbst unüberwindlich
erscheinende Geländehindernisse – wie die Wasserscheide zwischen Rhein und Maas und
das 50 m hohe Hindernis des Vorgebirgsrückens – ohne künstliche Wasserhebung
überwunden. Der geschickte Umgang mit den Vermessungsgeräten der Zeit lässt in den
Nachmessungen unserer Tage eine exakte, fast fehlerlose Gefälleabsteckung erkennen.
Der wasserführende Steinkanal war mit einem für Revisionszwecke begehbaren Querschnitt
von 0,70 m x 1,35 m versehen worden; wegen dieses großen Profils war zugleich eine
Behinderung des Durchflusses durch die unvermeidbaren Kalkablagerungen für mehrere
hundert Jahre ausgeschlossen.
Alleinstellungsmerkmale
Die römische Eifelwasserleitung hebt sich durch eine außerordentliche Vielfalt an erhaltenen
Bauwerkselementen unter den römischen Wasserleitungen hervor. Nirgendwo sonst im
römischen Weltreich sind die Bauwerksteile, die den Betrieb einer antiken Wasserleitung
überhaupt erst möglich machten, archäologisch so gut nachgewiesen, wie hier im Rheinland.
Darüber hinaus sind diese Fundstellen in der Regel konserviert, geschützt und für die
Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Ein 115 km langer thematischer Wanderweg
erschließt diese Fundstellen und macht sie für die interessierte Öffentlichkeit erlebbar.
Die streckenweise hervorragend zu ermittelnden Bauwerksmaße waren die Grundlage für
die erstmals gelungene Rekonstruktion der antiken Planungsgedanken und
Vermessungsverfahren im römischen Fernwasserleitungsbau. Auch die mittelalterliche
Nutzung des Römerkanals als Steinbruch ist in dieser Form einzigartig.
Liste der Alleinstellungsmerkmale:
•
Quellfassung „Grüner Pütz“ im Urfttal bei Nettersheim als Beispiel einer Wassergewinnung
mittels einer Sickergalerie
•
Reste der Aquäduktbrücke über die Urft bei Kall-Urft als Beispiel eines mittelalterlich
wiedergenutzten Bauwerks, allerdings zum Zwecke einer Flussableitung für ein Hammerwerk
•
Durchlass Kall-Dalbenden als Beispiel für eine Oberflächenwasser-Unterführung
•
Quellfassung Mechernich-Kallmuth als Beispiel für eine Wassergewinnung aus dem
Grundwasserhorizont
•
Aquäduktbrücke Mechernich-Vollem als Beispiel für eine kleine Bachüberquerung
•
Sammelbecken Mechernich-Eiserfey als (weltweit einziges) Beispiel für eine
Zusammenführung zweier Leitungsäste
•
Aquäduktbrücke Mechernich-Vussem als Beispiel für eine mittelgroße Taldurchquerung
•
Trassenverlauf im Mechernicher Wald als Beispiel für einen Trassenabschnitt, der wegen
eines Geländehindernisses zuerst mit einer provisorischen Holzleitung, dann mit dem
endgültigen Steinkanal ausgebaut worden war
•
Tosbecken bei Mechernich-Lessenich als (weltweit einziges) Beispiel für den Höhenausgleich
in der Nahtstelle zwischen zwei Baulosen
•
Die Aquäduktbrücken von Euskirchen-Stotzheim (über die Erft) und Rheinbach/Meckenheim
(über den Swistbach) sowie die Hochleitung zwischen Hürth und Köln als Beispiele für den
Bau von Großbrücken
•
Die Doppelleitung in Hürth-Hermülheim zeigt in einzigartiger Weise wie zwei Bauperioden
des Ausbaus übereinander gestaffelt errichtet worden sind
•
Das Absetz- und Ableitungsbecken im Grüngürtel von Köln-Klettenberg als (weltweit einziges)
Becken mit einer für beide Zwecke kombinierten Funktion
•
Der Abwasserkanal in Köln-Innenstadt als Beispiel für eine antike großstädtische
Abwasserentsorgung
•
Durch eine gründliche Dokumentation der Ausgrabungsbefunde war es im Forschungsprojekt
„Eifelwasserleitung“ international erstmals möglich, die antike Einteilung von Baulosen und
ihre Stoßstellen (Baulosgrenzen) archäologisch nachzuweisen
•
Im Nachgang dazu konnten aus diesen Ausgrabungsbefunden dann die
Vermessungsmethoden der römischen Ingenieure und die von ihnen benutzten
Gerätschaften (Chorobat und Groma) rekonstruiert werden, wobei sich völlig neue
Methoden der Handhabung dieser Geräte ergaben
•
Beispiele für die Wiederverwendung (Recycling) römischen Mauerwerks im Mittelalter, wo
man ganze Klöster, Kirchen und Burgen aus diesem Abbruchmaterial errichtet hat, (→ das
ehemalige Kloster Schillingskapellen bei Swisttal-Dünstekoven)
•
Beispiele für die Verwendung der Kalksinterablagerung aus der römischen Wasserleitung als
„Aquäduktmarmor“, (→ Säulen, Treppenstufen und die Altarplatte in der Stiftskirche von Bad
Münstereifel)
§ 1 – Erklärung
In Anerkennung der historischen Bedeutung der römischen Eifelwasserleitung nach Köln als
herausragendem Denkmal römischer Technikgeschichte in Deutschland erklären die
unterzeichnenden Beteiligten das volkstümlich „Römerkanal“ genannte Bodendenkmal im
Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten zu pflegen, zu schützen und alles ihnen Mögliche zu
tun, um die Reste dieses großartigen Technikbaus für künftige Generationen zu erhalten. Als
Objekt der Forschung und Lehre soll das Wissen um den Römerkanal vergrößert und
gefördert werden, um als Grundlage z.B. auch für den Technikunterricht künftig noch mehr
genutzt werden zu können. In einer gemeinsamen Anstrengung soll die Attraktivität des
Römerkanals auch als wichtiges touristisches Ziel in Nordrhein-Westfalen gefördert und
ausgebaut werden.
Die Kommunen entlang der Trasse des Römerkanals setzen sich zum Ziel, dieses kulturelle
Erbe in der Region Köln/Bonn und der Eifel zu sichern und zu seiner Entwicklung
beizutragen. Zu diesem Zwecke ist für den Römerkanal ein integratives, nachhaltiges
Gesamtkonzept zu entwickeln. Die Basis hierfür soll die Diskussion mit allen Beteiligten
bilden: das sind im besonderen Maße die Vertreter aus Politik und Wirtschaft, die Träger
öffentlicher Belange und der betroffenen Vereine sowie die Bürgerinnen und Bürger.
Im Wesentlichen geht es um folgendes:
Der Römerkanal als Zeugnis der Geschichte und Kultur ist zu erhalten. Die historische
Substanz des Objektes und die Einbindung in die Kulturlandschaft dürfen nicht beeinträchtigt
werden. Schäden am von den römischen Ingenieuren vorgefundenen und genutzten
Geländerelief und an der historischen Bausubstanz sind zu beheben; Pflegemaßnahmen sind
durchzuführen.
In diesem Sinne sollen die satzungsgemäßen Verpflichtungen des Freundeskreises
Römerkanal e.V. unterstützt werden.
§ 2 – Ziele
Die Städte Köln, Hürth, Brühl, Bornheim, Meckenheim, Rheinbach, Euskirchen und
Mechernich schließen gemeinsam mit den Gemeinden Alfter, Swisttal, Kall und Nettersheim
eine Vereinbarung mit dem Ziel, den in Ihrem Zuständigkeitsbereich verlaufenden
Römerkanal im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu schützen, zu pflegen und
öffentlichkeitswirksam zu entwickeln.
Mit der Unterzeichnung dieser „Römerkanal-Charta“ erklären die Kommunen die Absicht,
dieses kulturelle Erbe in seinem historischen Bestand und in der nachrömischen
Wiederverwendung von Bauwerksteilen
• planerisch und ggf. durch Überführung in öffentliches Eigentum dauerhaft zu sichern,
• gemäß Denkmalschutzgesetz NRW rechtlich zu schützen,
• im Einklang mit Landschaft und Natur sowie der städtebaulichen Umgebung zu
erhalten, denkmalverträglich wieder herzustellen und erfahrbar zu machen,
• qualitätvoll zu entwickeln,
• auf Dauer zu pflegen,
• angemessen zu erschließen, fachgerecht zu erläutern und der Öffentlichkeit in
geeigneter Weise zu vermitteln.
§ 3 – Finanzierung
Alle Beteiligten bemühen sich, sämtliche Finanzierungsmöglichkeiten einschl. Sponsorenund Fördermittel auszuschöpfen.
§ 4 – Modus der Zusammenarbeit
Zum Zwecke der interkommunalen Zusammenarbeit bilden die Städte und Gemeinden gem.
§ 12 der Satzung des Freundeskreises Römerkanal e.V. in der z.Zt. gültigen Fassung einen
Regionalbeirat. Jede Stadt oder Gemeinde entsendet mindestens eine/n sachkompetente/n
Delegierte/n in diesen Beirat. Aus der Mitte des Beirats wird ein/e Vorsitzende/r und ein/e
Stellvertreter/in gewählt.
Gegen den Willen einer Kommune können keine Entscheidungen, bzw. Maßnahmen in
dieser Kommune umgesetzt werden.
Rheinbach, im Mai 2012
Gemeinde Nettersheim
Gemeinde Kall
Stadt Mechernich
Stadt Euskirchen
Stadt Rheinbach
Stadt Meckenheim
Gemeinde Swisttal
Gemeinde Alfter
Stadt Bornheim
Stadt Hürth
Stadt Köln
Stadt Brühl