Daten
Kommune
Leopoldshöhe
Größe
1,5 MB
Datum
10.11.2016
Erstellt
28.10.16, 09:35
Aktualisiert
28.10.16, 09:35
Stichworte
Inhalt der Datei
Mennonitengemeinde Bechterdissen e.V.
Bau einer Seniorenwohnanlage
mit Spiel- und Freizeitfläche
- Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag -
Bau einer Seniorenwohnanlage
mit Spiel- und Freizeitfläche
- Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag -
Projektnr.
16-329
Auftraggeber
Mennonitengemeinde Bechterdissen e.V.
Milser Ring 22
33818 Leopoldshöhe
Verfasser
Projektbearbeitung
Meral Saxowsky
B.Sc. Landschaftsökologie
Dipl.-Ing. Stefan Höke
Landschaftsarchitekt I BDLA
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
Inhaltsverzeichnis
1.0 Veranlassung und Aufgabenstellung ................................................................. 1
2.0 Rechtlicher Rahmen und Methodik .................................................................... 2
2.1
Artenschutzprüfung ......................................................................................... 2
2.1.1
Notwendigkeit der Durchführung einer Artenschutzprüfung
(Prüfungsveranlassung) ......................................................................................... 2
2.1.2
Prüfung der artenschutzrechtlichen Tatbestände (Prüfumfang) ............... 2
2.2
Planungsrelevante Arten................................................................................. 3
2.3
Methodik ......................................................................................................... 4
3.0 Vorhabensbeschreibung und Wirkungsanalyse................................................ 5
3.1
Bau einer Seniorenwohnanlage ...................................................................... 5
3.2
Anlage einer Spiel- und Freizeitfläche............................................................. 5
4.0 Darstellung des Untersuchungsgebiets ............................................................. 6
4.1
Festlegung des Untersuchungsrahmens ......................................................... 6
4.2
Lebensraumtypen im Untersuchungsgebiet .................................................... 6
5.0 Stufe I – Vorprüfung .......................................................................................... 11
5.1
Wirkfaktoren ................................................................................................. 11
5.1.1
5.1.2
Baubedingte Wirkfaktoren...................................................................... 12
Anlage- und betriebsbedingte Wirkfaktoren ........................................... 12
5.1.3
Betroffenheit von Lebensraumtypen ...................................................... 13
5.2
Artnachweise ................................................................................................ 13
5.2.1
Datenbasis der Artnachweise ................................................................ 13
5.2.2
Arten im Untersuchungsgebiet ............................................................... 14
5.3
Konfliktanalyse.............................................................................................. 15
5.3.1
Häufige und verbreitete Vogelarten ....................................................... 15
5.3.2
Planungsrelevante Arten........................................................................ 15
6.0 Stufe II - Vertiefende Prüfung der Verbotstatbestände ................................... 29
7.0 Zusammenfassung ............................................................................................ 31
8.0 Quellenverzeichnis ............................................................................................ 33
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
1.0 Veranlassung und Aufgabenstellung
Gegenstand des Artenschutzrechtlichen Fachbeitrages ist der geplante Bau einer Seniorenwohnanlage mit einer Spiel- und Freizeitfläche im Ortsteil Bechterdissen, zwischen „Im Schmeltebruch“ und „Milser Heide“, in der Gemeinde Leopoldshöhe, des
Kreises Lippe.
Abb. 1
Lage des Plangebiets (roter Kreis) auf Grundlage der TK 1:100.000.
Im Zusammenhang mit dem Vorhaben ergibt sich das Erfordernis der Betrachtung der
artenschutzrechtlichen Belange gem. Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG). Der entsprechende artenschutzrechtliche Fachbeitrag wird hiermit vorgelegt.
1
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
2.0 Rechtlicher Rahmen und Methodik
Artenschutzprüfung
2.1
2.1.1
Notwendigkeit der Durchführung einer Artenschutzprüfung
(Prüfungsveranlassung)
„Die Notwendigkeit zur Durchführung einer Artenschutzprüfung im Rahmen der Bauleitplanung und bei der Genehmigung von Vorhaben ergibt sich aus den unmittelbar
geltenden Regelungen des § 44 Abs. 1 BNatSchG i.V.m. §§ 44 Abs. 5 und 6 und 45
Abs. 7 BNatSchG (MWME 2010). Vorhaben in diesem Zusammenhang sind:
1. nach § 15 BNatSchG i.V.m. §§ 4ff LG zulässige Eingriffe in Natur und Landschaft. Mögliche Trägerverfahren sind in § 6 Abs. 1 LG genannt (z. B. Erlaubnisse, Genehmigungen, Planfeststellungen).
2. nach den Vorschriften des Baugesetzbuches zulässige Vorhaben
(§§ 30, 33, 34, 35 BauGB).
Bei der Artenschutzprüfung handelt es sich um eine eigenständige Prüfung, die nicht
durch andere Prüfverfahren ersetzt werden kann (z. B. Umweltverträglichkeitsprüfung,
FFH-Verträglichkeitsprüfung, Prüfung nach der Eingriffsregelung, Prüfung nach Umweltschadensgesetz)" (MWME 2010).
2.1.2
Prüfung der artenschutzrechtlichen Tatbestände (Prüfumfang)
Gemäß § 44 Abs. 1 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) ist es verboten:
1. wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu
fangen, zu verletzen oder zu töten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur
zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören,
2. wild lebende Tiere der streng geschützten Arten und der europäischen Vogelarten während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und
Wanderzeiten erheblich zu stören; eine erhebliche Störung liegt vor, wenn sich
durch die Störung der Erhaltungszustand der lokalen Population einer Art verschlechtert,
3. Fortpflanzungs- oder Ruhestätten der wild lebenden Tiere der besonders geschützten Arten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören,
2
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
4. wild lebende Pflanzen der besonders geschützten Arten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, sie oder ihre Standorte zu beschädigen oder zu zerstören.
Nach § 44 Abs. 5 BNatSchG liegt kein Verstoß gegen das Verbot Nr. 3 vor, wenn die
ökologische Funktion der von dem Eingriff oder Vorhaben betroffenen Fortpflanzungsund Ruhestätten im räumlichen Zusammenhang weiterhin erfüllt ist. Im Hinblick auf
damit verbundene unvermeidbare Beeinträchtigungen wild lebender Tiere ist auch das
Verbot Nr. 1 nicht erfüllt. Diese Freistellungen gelten auch für Verbot Nr. 4.
„Nach Maßgabe des § 44 Abs. 5 Satz 5 BNatSchG sind die „nur" national besonders
geschützten Arten von den artenschutzrechtlichen Verboten bei Planungs- und Zulassungsvorhaben freigestellt. Demzufolge beschränkt sich der Prüfumfang bei einem
artenschutzrechtlichen Fachbeitrag auf die europäisch geschützten FFH-Anhang IVArten und die europäischen Vogelarten" (MUNLV 2010).
2.2
Planungsrelevante Arten
„Planungsrelevante Arten sind eine naturschutzfachlich begründete Auswahl derjenigen geschützten Arten, die bei einer Artenschutzprüfung im Sinne einer Art-für-ArtBetrachtung einzeln zu bearbeiten sind. Das LANUV bestimmt die für NordrheinWestfalen planungsrelevanten Arten nach einheitlichen naturschutzfachlichen Kriterien
[…].
Die übrigen FFH-Anhang IV-Arten und europäischen Vogelarten sind entweder in
Nordrhein-Westfalen ausgestorbene Arten, Irrgäste sowie sporadische Zuwanderer.
Solche unsteten Vorkommen können bei der Entscheidung über die Zulässigkeit eines
Vorhabens sinnvollerweise keine Rolle spielen. Oder es handelt sich um s. g. „Allerweltsarten" mit einem landesweit günstigen Erhaltungszustand und einer großen Anpassungsfähigkeit. Im Regelfall kann bei diesen Arten davon ausgegangen werden,
dass nicht gegen die Verbote des § 44 Abs. 1 BNatSchG verstoßen wird
(d. h. keine erhebliche Störung der lokalen Population, keine Beeinträchtigung der ökologischen Funktion ihrer Lebensstätten sowie keine unvermeidbaren Verletzungen oder
Tötungen und kein signifikant erhöhtes Tötungsrisiko" (MUNLV 2010).
3
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
2.3
Methodik
Die Untersuchung der artenschutzrechtlichen Relevanz im Zusammenhang mit dem
Vorhaben erfolgt entsprechend der Verwaltungsvorschrift zur Anwendung der nationalen Vorschriften zur Umsetzung der Richtlinie 92/43/EWG (FFH-RL) und 2009/147/EG
(V-RL) zum Artenschutz bei Planungs- oder Zulassungsverfahren (VV-Artenschutz)
vom 13.04.2010 (MUNLV 2010).
Ablauf und Inhalte eines artenschutzrechtlichen Fachbeitrages umfassen die folgenden
drei Stufen:
Stufe I: Vorprüfung (Artenspektrum, Wirkfaktoren)
In dieser Stufe wird durch eine überschlägige Prognose geklärt, ob und ggf. bei
welchen Arten artenschutzrechtliche Konflikte auftreten können. Um dies beurteilen zu können, sind verfügbare Informationen zum betroffenen Artenspektrum einzuholen. Vor dem Hintergrund des Vorhabentyps und der Örtlichkeit
sind alle relevanten Wirkfaktoren des Vorhabens einzubeziehen. Nur wenn artenschutzrechtliche Konflikte möglich sind, ist für die betreffenden Arten eine
vertiefende Art-für-Art-Betrachtung in Stufe II erforderlich.
Stufe II: Vertiefende Prüfung der Verbotstatbestände
Hier werden Vermeidungsmaßnahmen inklusive vorgezogener Ausgleichsmaßnahmen und ggf. ein Risikomanagement konzipiert. Anschließend wird geprüft,
bei welchen Arten trotz dieser Maßnahmen gegen die artenschutzrechtlichen
Verbote verstoßen wird.
Stufe III: Ausnahmeverfahren
In dieser Stufe wird geprüft, ob die drei Ausnahmevoraussetzungen (zwingende
Gründe, Alternativlosigkeit, Erhaltungszustand) vorliegen und insofern eine
Ausnahme von den Verboten zugelassen werden kann. (MUNLV 2010)
Im Rahmen der Artenschutzprüfung ist eine ausreichende Ermittlung und Bestandsaufnahme der im Untersuchungsraum vorkommenden Tier- und Pflanzenarten erforderlich. Im Regelfall bedarf es einer Gesamtschau, die sich auf eine Auswertung vorhandener Erkenntnisse (z. B. Datenbanken) und bei Bedarf auch methodisch beanstandungsfreie Erfassungen vor Ort gründet.
4
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
3.0 Vorhabensbeschreibung und Wirkungsanalyse
3.1
Bau einer Seniorenwohnanlage
Im südlichen Teil des Plangebietes sollen Wohneinheiten für Senioren entstehen. Zum
derzeitigen Planungsstand liegen noch keine Angaben zu Maß und Art der baulichen
Nutzung vor, diese werden im laufenden Verfahren erarbeitet.
3.2
Anlage einer Spiel- und Freizeitfläche
Im nördlichen Teil des Plangebietes wird eine Spiel- und Freizeitfläche angelegt. Auch
hier liegen derzeitig noch keine Angaben zu Maß und Art der baulichen Nutzung vor.
Sie werden ebenfalls im laufenden Verfahren erarbeitet.
Abb. 2
Lage des Plangebiets (rote Strichlinie) auf Basis des Luftbilds.
5
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
4.0 Darstellung des Untersuchungsgebiets
4.1
Festlegung des Untersuchungsrahmens
Das Untersuchungsgebiet umfasst ca. 1,5 ha der Gemeinde Leopoldshöhe im Kreis
Lippe (Flurstücke 703, 704 und 355) und liegt außerhalb eines rechtsverbindlichen
Bebauungsplans (KREIS LIPPE 2016). In die Betrachtung einbezogen werden angrenzende Flächen, sofern diese für die Aspekte des Artenschutzrechtlichen Fachbeitrages
relevant sind.
4.2
Lebensraumtypen im Untersuchungsgebiet
Plangebiet
Das Plangebiet umfasst den Bereich zwischen dem Siedlungsgebiet „Im Schmeltebruch“ und „Milser Heide“. In diesem Bereich befinden sich eine Sportfläche (9) mit
kurzrasiger Vegetation, Teilbereiche dreier Ackerschläge (7), grasdominierte (teils mit
Gartenabfällen versehene) Saumstrukturen (8) entlang der Siedlungsgärten (9) und
eines unbefestigten Feldweges.
Untersuchungsgebiet
Westlich und Nördlich des Plangebiets liegen weitere, teils großflächige Äcker (7), die
von dem oben genannten Feldweg, dessen Saumstrukturen (8) und einer Gehölzreihe
mit lebensraumtypischen Gehölzen (Eiche, Kirsche, Buche, Birke mit Heckenkirsche im
Unterwuchs) (4), sowie kleinflächiger nitrophytenreicher Hochstaudenflur (8) durchschnitten werden. Im Süden grenzt ein Wohngebiet (9, 10) an das Plangebiet. Im Osten befindet sich ein Waldstück (1) mit lebensraumtypischem Buchen-Mischwald, der
punktuell von Lärchen durchsetzt ist. Östlich des Waldes liegt der Waldfriedhof Dalhausen (9), der durch nicht lebensraumtypische Gehölze charakterisiert wird. Im Nordosten des Plangebietes befindet sich ein namenloser Bach (6), mit zum Zeitpunkt der
Begehung sehr geringer Wasserführung. Die Quelle des Baches bildet ein künstliches
Stillgewässer (5), welches sich in einem Garten befindet (9). Entlang der Bachsenke
befinden sich eine Feuchtwiese (3) mit Binsenvegetation sowie einseitig eine grasdominierte Uferböschung mit vereinzelt angepflanzten Weiden (8). Die Randbereiche der
Senke sind dem Lebensraumtyp Fettwiese zuzuordnen (2).
6
7
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
7
8
7
3
2
7
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7
4
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8
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7
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5
7
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7
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8
8
7
Abb. 3
7
7
9
10
7
7
9
1
7
7
7
7
9
10
7
7
9
10
7
7
Lebensraumtypen im Bereich des Plangebiets (schwarze Strichlinie) und der näheren
Umgebung.
Legende:
1 = Laubwälder mittlerer Standorte
2 = Fettwiesen und -weiden
3 = Feucht- und Nasswiesen und -weiden
4 = Kleingehölze, Alleen, Bäume, Gebüsche, Hecken
5 = Stillgewässer
6 = Fließgewässer
7 = Äcker, Weinberge
8 = Säume, Hochstaudenfluren
9 = Gärten, Parkanlagen, Siedlungsbrachen
10 = Gebäude
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
Lebensraumtyp: Gärten, Parkanlagen, Siedlungsbrachen
Abb. 4 Sportfläche im Süden des Plangebiets.
Abb. 5 Waldfriedhof Dalhausen im Osten des
Untersuchungsgebiets.
Abb. 6 Siedlungsgarten mit überwiegend
lebensraumuntypischen Gehölzen im
Süden des Untersuchungsgebiets.
Abb. 7 Siedlungsgarten mit Obstbaumbestand im Süden des Untersuchungsgebiets.
Äcker, Weinberge
Abb. 8 Acker im Norden des Plangebiets.
Abb. 9 Acker mit Gehölzstreifen im Westen
des Untersuchungsgebiets.
8
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
Säume, Hochstaudenfluren
Abb. 10 Grasbetonte Säume entlang des
Feldweges im Plangebiet.
Abb. 11 Saumstruktur mit Gartenabfällen
entlang der Gärten im Süden des Untersuchungsgebiets.
Abb. 12 Kurzwüchsiger Grassaum entlang der
Straße im Osten des Plangebiets.
Abb. 13 Hochstaudenflur im Westen des Untersuchungsgebiets.
Laubwälder mittlerer Standorte
Abb. 14 Buchen-Mischwald im Osten des
Untersuchungsgebiets.
Abb. 15 Lärchen im Buchen-Mischwald.
9
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
Fettwiesen und –weiden/ Feucht- und Nasswiesen und –weiden/ Fließgewässer
Abb. 16 Fettwiese im Nordosten des Untersuchungsgebiets.
Abb. 17 Bachlauf mit Feuchtwiese im Oberlauf und Uferböschung im Nordosten
des Untersuchungsgebiets.
Kleingehölze, Alleen, Bäume, Gebüsche, Hecken
Abb. 18 Gehölzstreifen von Äckern umgeben
im Westen des Untersuchungsgebiets.
10
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
5.0 Stufe I – Vorprüfung
5.1
Wirkfaktoren
Folgende potenzielle Wirkfaktoren können sich im Zusammenhang mit dem geplanten
Vorhaben ergeben:
Tab. 1
Potenzielle Wirkfaktoren im Zusammenhang mit dem Bau einer Seniorenwohnanlage und einer Spiel- und Freizeitfläche.
Maßnahme
Baubedingt
Bauphase
Baustellenbetrieb
Anlagebedingt
Errichtung der Gebäude und der Infrastruktur
Errichtung des Spielund Freizeitanlage
Betriebsbedingt
Betrieb der Seniorenwohnanlage
Betrieb der Spielund Freizeitfläche
Erhöhter Kfz- und
Personen-Verkehr
Wirkfaktor
Auswirkung
Bodenverdichtungen, Bodenabtrag und Veränderung
des (natürlichen) Bodenaufbaus
Lebensraumverlust/-degeneration^
Verlust krautiger Vegetation
Lärmemissionen durch den
Baubetrieb; stoffliche Emissionen (z. B. Staub) durch
den Baubetrieb
Lebensraumverlust
Störung von Tieren
Versiegelung und Teilversiegelung
Lebensraumverlust/-degeneration
Silhouettenwirkung
Störung von Tieren
Teilversiegelung
Lebensraumverlust/-degeneration
Anlage von Grünstrukturen
Lebensraumaufwertung
Erhöhung der Lärmemissionen
Lärm- und Lichtemissionen
durch die Benutzung
Lärmemissionen und Stoffemissionen durch
zusätzlichen Kfz-Verkehr
Störung von Tieren
Störung von Tieren
Störung von Tieren
11
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
5.1.1
Baubedingte Wirkfaktoren
Baubedingte Wirkfaktoren sind Wirkungen, die im Zusammenhang mit den Bauarbeiten
auftreten können. Sie sind auf die Zeiten der Baumaßnahme beschränkt.
Bauphase
Im Rahmen der Bauphase werden Biotopstrukturen, wie Äcker, Säume und eine Rasenfläche (Bolzplatz) dauerhaft verändert bzw. entfernt. Hierdurch gehen Lebensräume
von Tierarten verloren, die derartige Strukturen nutzen. Durch den Baubetrieb können
zudem Flächen beansprucht werden, die über das geplante Baufeld hinausgehen.
Schallemissionen und optische Wirkungen
Baumaßnahmen sind durch den Einsatz von Baufahrzeugen und -maschinen mit akustischen und optischen Störwirkungen verbunden. Diese Wirkungen sind zeitlich auf die
Bauphase sowie räumlich auf die nähere Umgebung des Vorhabens beschränkt und
können zu einer temporären Störung der Tierwelt führen.
5.1.2
Anlage- und betriebsbedingte Wirkfaktoren
Flächeninanspruchnahme
Durch die Errichtung der Gebäude und der Infrastruktur werden Biotopstrukturen des
Plangebietes dauerhaft beansprucht. Hierzu gehören die Lebensraumtypen „Äcker,
Weinberge“, „Säume, Hochstaudenfluren“ sowie „Gärten, Parkanlagen und Siedlungsbrachen“.
Optische und akustische Wirkungen
Auf Grund der Siedlungsrandlage des Plangebietes sind mit der Errichtung der Gebäude nur geringfügige zusätzliche optische Wirkungen zu erwarten. Die Nutzung als Seniorenwohnanlage lässt nur mäßige akustische Wirkungen erwarten, wohingegen von
der Nutzung der geplanten Spiel- und Freizeitfläche höhere Lärmemissionen zu erwarten sind.
Silhouettenwirkung
Das Plangebiet wird im Süden durch Wohnbebauung und im Osten durch einen Wald
begrenzt. Es werden optische Wirkungen in Form von Silhouettenwirkung auf empfindliche Tierarten aufgrund der Reduzierung der Freifläche erwartet. Diese Wirkungen
12
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
sind jedoch aufgrund der Vorbelastung durch das östlich des Plangebietes angrenzende Waldgebiet und die südlich angrenzende Wohnbebauung als gering zu werten.
5.1.3
Betroffenheit von Lebensraumtypen
Im Zusammenhang mit dem Vorhaben werden folgende Lebensraumtypen unmittelbar
beansprucht:
Äcker, Weinberge
Gärten, Parkanlagen und Siedlungsbrachen
Säume und Hochstaudenfluren
Weiterhin befinden sich die folgenden potenziell vorhabensrelevanten Lebensraumtypen in der näheren Umgebung. Diese werden hinsichtlich einer potenziellen mittelbaren Beeinträchtigung der näheren Umgebung betrachtet:
Laubwald mittlerer Standorte
Fettwiesen und -weiden
Feucht- und Nasswiesen und -weiden
Kleingehölze, Alleen, Bäume, Gebüsche, Hecken
Stillgewässer
Fließgewässer
Äcker, Weinberge
Säume und Hochstaudenfluren
Gärten, Parkanlagen und Siedlungsbrachen
Gebäude
5.2
5.2.1
Artnachweise
Datenbasis der Artnachweise
Die Betrachtungen umfassen die artenschutzrechtlich relevanten Arten aller Artengruppen. Zur Analyse der Verbreitung dieser Arten erfolgte eine Auswertung des
Fachinformationssystems „Geschützte Arten in Nordrhein-Westfalen“ (FIS) und der
Landschafts- und Informationssammlung des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (Linfos).
13
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
Zur konkreten Erfassung der Lebensraumtypen und Biotopstrukturen im Untersuchungsgebiet erfolgte am 15. März 2016 eine Begehung des Untersuchungsgebiets.
Parallel dazu wurde auf das Vorkommen von (planungs-) relevanten Arten aller Artengruppen geachtet.
5.2.2
Arten im Untersuchungsgebiet
Fachinformationssystem „Geschützte Arten in Nordrhein-Westfalen"
Das Plangebiet befindet sich im Bereich des Messtischblattes 4018 „Lage“, Quadrant
1. Für dieses Messtischblatt wurde im Fachinformationssystem „Geschützte Arten in
Nordrhein-Westfalen“ (FIS) eine Abfrage der planungsrelevanten Arten für die im Untersuchungsgebiet anzutreffenden unmittelbar und mittelbar betroffenen Lebensraumtypen durchgeführt (LANUV 2016B).
Für das Messtischblatt 4018 „Lage“, Quadrant 1, werden vom FIS für die im Bereich
des Plangebietes und der Umgebung vorkommenden Lebensräume insgesamt 32 Arten als planungsrelevant genannt. Unter den Tierarten sind sechs Säugetierarten, 25
Vogelarten und eine Amphibienart. Planungsrelevante Pflanzenarten werden nicht aufgeführt.
Landschaftsinformationssammlung „Linfos"
Die Landschaftsinformationssammlung des Landes Nordrhein-Westfalen (Linfos) weist
für das Untersuchungsgebiet keine Vorkommen artenschutzrechtlich relevanter Arten
aus (LANUV 2016A).
Schutzgebiete und naturschutzfachlich wertvolle Flächen
Landschaftsschutzgebiete
Das Untersuchungsgebiet liegt in dem Landschaftsschutzgebiet „Bielefelder Osning mit
Teutoburger Wald und Osning Vorbergen sowie Ravensberger Hügelland“ (LSG-39170011) (KREIS LIPPE 2001).
Weitere Schutzgebiete oder naturschutzfachlich wertvolle Flächen werden im Untersuchungsgebiet nicht ausgewiesen.
14
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
5.3
5.3.1
Konfliktanalyse
Häufige und verbreitete Vogelarten
Entsprechend dem geltenden Recht unterliegen alle europäischen Vogelarten den Artenschutzbestimmungen des § 44 Abs. 1 BNatSchG. Damit ist auch die vorhabensspezifische Erfüllung der Verbotstatbestände gegenüber häufigen und verbreiteten Vogelarten (s. g. „Allerweltsarten“ wie Amsel, Buchfink und Kohlmeise) zu prüfen. Bei den
häufigen und ungefährdeten Arten kann im Regelfall davon ausgegangen werden,
dass wegen ihrer Anpassungsfähigkeit und des günstigen Erhaltungszustandes bei
vorhabensbedingten Beeinträchtigungen nicht gegen die Zugriffsverbote verstoßen
wird. „Im Regelfall kann bei diesen Arten davon ausgegangen werden, dass nicht gegen die Verbote des § 44 Abs. 1 BNatSchG verstoßen wird" (MUNLV 2010).
Das Vorhaben entspricht dem Regelfall, so dass von einer vertiefenden Betrachtung
dieser Arten abgesehen werden kann.
5.3.2
Planungsrelevante Arten
Infolge der Habitatansprüche der Arten, der im Untersuchungsgebiet vorkommenden
Biotopstrukturen und der dargestellten Wirkfaktoren kann ein potenzielles Vorkommen
bzw. eine potenzielle vorhabensbedingte Betroffenheit für einige der im Rahmen der
Datenrecherche ermittelten Arten im Vorfeld ausgeschlossen werden. Da Nahrungsflächen nicht zu den Schutzobjekten des § 44 Abs. 1 BNatSchG gehören, ist eine artenschutzrechtlich relevante Betroffenheit für Arten, welche das Untersuchungsgebiet als
nicht essenzielles Nahrungshabitat nutzen, nicht gegeben.
In der folgenden Tabelle werden die im Rahmen der Datenrecherche ermittelten Arten
dargestellt und eine Voreinschätzung einer möglichen Betroffenheit durch das Vorhaben vorgenommen (Stufe I).
15
16
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
Tab. 2
Vorprüfung des Artenspektrums im Untersuchungsraum
Erläuterungen: Datenquelle: FIS = Fachinformationssystem, Status: A. v. = Art vorhanden, B = sicher brütend
Art
Säugetiere
Breitflügelfledermaus
Großer Abendsegler
Quelle/ Habitatansprüche (BAUER et al. 2005,
Status DIETZ et al. 2007, HACHTEL et al. 2011)
FIS/
A. v.
FIS/
A. v.
Lebensraum und Jagdgebiet
Siedlungs- und siedlungsnaher Bereich. Jagt in offener und halboffener Landschaft über Grünflächen mit
randlichen Gehölzstrukturen, Waldrändern oder Gewässern.
Wochenstuben / Sommerquartier
Spaltenverstecke und Hohlräume an und in Gebäuden / selten Baumhöhlen, Nistkästen.
Winterquartier
Spaltenverstecke und Hohlräume an und in Gebäuden, Bäumen, Felsen, Stollen, Höhlen.
Lebensraum und Jagdgebiet
Laubwälder, Habitate mit hohem Baumanteil, offene
Lebensräume. Jagt in großen Höhen über Wasserflächen, Waldgebieten, Agrarflächen und beleuchteten
Plätzen im Siedlungsbereich.
Wochenstuben / Sommerquartier
Baumhöhlen, selten in Fledermauskästen.
Winterquartier
Große Baumhöhlen, Spaltenquartiere in Gebäuden,
Felsen, Brücken.
Einschätzung des
Vorkommens im UG
Einschätzung der
Betroffenheit
ASP
erforderlich
Untersuchungsgebiet
stellt geeigneten Lebensraum dar.
Keine Betroffenheit
Nein
Keine Betroffenheit
Nein
Das Plangebiet stellt ein
potentielles Teilhabitat
(nicht essentielles Nahrungshabitat) dar.
Untersuchungsgebiet
stellt geeigneten Lebensraum dar.
Das Plangebiet stellt ein
potentielles Teilhabitat
(nicht essentielles Nahrungshabitat) dar.
17
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
Fortsetzung Tab. 2
Art
Kleiner Abendsegler
Rauhautfledermaus
Quelle/
Status
FIS/
A. v.
FIS/
A. v.
Habitatansprüche (BAUER et al. 2005,
DIETZ et al. 2007, HACHTEL et al. 2011)
Lebensraum und Jagdgebiet
Typische Waldfledermaus, insbesondere von Laubwäldern, Bevorzugung von Wäldern mit hohem Altholzbestand, seltener in Streuobstwiesen und Parkanlagen. Jagt in Wäldern und deren Randstrukturen.
Wochenstuben / Sommerquartier
Baumhöhlen, Bevorzugung natürlich entstandener
Baumhöhlen, vereinzelt Dachräume und Gebäude.
Winterquartier
Baumhöhlen, aber auch Gebäude.
Lebensraum und Jagdgebiet
In strukturreichen Landschaften mit einem hohen
Wald- und Gewässeranteil (Laub- und Kiefernwälder,
Auwaldgebiete). Jagt an Waldrändern, Gewässerufern, Feuchtgebieten in Wäldern.
Wochenstuben / Sommerquartier
Wochenstuben in NO-Deutschland / Spaltenverstecke
an Bäumen, Baumhöhlen, Fledermauskästen, waldnahe Gebäudequartiere.
Winterquartier
Außerhalb von NRW.
Einschätzung des
Vorkommens im UG
Untersuchungsgebiet
stellt geeigneten Lebensraum dar.
Einschätzung der
Betroffenheit
Keine Betroffenheit
ASP
erforderlich
Nein
Keine Betroffenheit
Nein
Das Plangebiet stellt ein
potentielles Teilhabitat
(nicht essentielles Nahrungshabitat) dar.
Untersuchungsgebiet
stellt keinen geeigneten
Lebensraum dar.
18
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
Fortsetzung Tab. 2
Art
Wasserfledermaus
Quelle/
Status
FIS/
A. v.
Zwergfledermaus FIS/
A. v.
Habitatansprüche (BAUER et al. 2005,
DIETZ et al. 2007, HACHTEL et al. 2011)
Lebensraum und Jagdgebiet
Strukturreiche Landschaften mit einem hohen Gewässer- und Waldanteil. Jagt an offenen Wasserflächen an stehenden und langsam fließenden Gewässern, bevorzugt Ufergehölze, seltener Wälder, Waldlichtungen und Wiesen.
Wochenstuben / Sommerquartier
Baumhöhlen, seltener Spaltenquartiere und Nistkästen / auch Baumquartiere, Bachverrohrungen, Tunnel,
Stollen.
Winterquartier
Höhlen, Stollen, Brunnen, Eiskeller.
Lebensraum und Jagdgebiet
Strukturreiche Landschaften in Siedlungsbereichen;
jagt an Gewässern, Kleingehölzen, aufgelockerten
Laub- und Mischwäldern, parkartigen Gehölzbeständen im Siedlungsbereich.
Wochenstuben / Sommerquartier
Spaltenverstecke an und in Gebäuden, seltener
Baumquartiere und Nistkästen.
Winterquartier
Oberirdische Spaltenverstecke in und an Gebäuden,
natürliche Felsspalten, unterirdische Verstecke.
Einschätzung des
Vorkommens im UG
Untersuchungsgebiet
stellt keinen geeigneten
Lebensraum dar.
Einschätzung der
Betroffenheit
Keine Betroffenheit
ASP
erforderlich
Nein
Untersuchungsgebiet
stellt geeigneten Lebensraum dar.
Keine Betroffenheit
Nein
Das Plangebiet stellt ein
potentielles Teilhabitat
(nicht essentielles Nahrungshabitat) dar.
19
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
Fortsetzung Tab. 2
Art
Quelle/ Habitatansprüche (BAUER et al. 2005,
Status DIETZ et al. 2007, HACHTEL et al. 2011)
Vögel
Baumpieper
FIS/B
Eisvogel
FIS/B
Feldlerche
FIS/B
Lebensraum
Offenes bis halboffenes Gelände mit höheren Gehölzen als Singwarte und einer strukturreichen Krautschicht. Geeignet sind sonnige Waldränder, Lichtungen, Kahlschläge, junge Aufforstungen und lichte
Wälder. Besiedelt werden auch Heide- und Moorgebiete sowie Grünländer und Brachen mit einzeln stehenden Bäumen, Hecken und Feldgehölzen.
Bruthabitat
Nest am Boden unter Grasbulten oder Büschen.
Lebensraum
Fließ- und Stillgewässer mit Abbruchkanten und Steilufern.
Bruthabitat
An vegetationsfreien Steilwänden aus Lehm oder
Sand.
Lebensraum
Reichstrukturiertes Ackerland, extensiv genutzte
Grünländer und Brachen sowie größere Heidegebiete.
Bruthabitat
Nest in Bereichen mit kurzer lückiger Vegetation in einer Bodenmulde.
Einschätzung des
Vorkommens im UG
Einschätzung der
Betroffenheit
ASP
erforderlich
Untersuchungsgebiet
stellt keinen geeigneten
Lebensraum dar.
Keine Betroffenheit
Nein
Untersuchungsgebiet
stellt keinen geeigneten
Lebensraum dar.
Keine Betroffenheit
Nein
Untersuchungsgebiet
stellt geeigneten Lebensraum dar.
Störung
Ja
Das Plangebiet stellt
keinen geeigneten Lebensraum dar.
20
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
Fortsetzung Tab. 2
Art
Feldsperling
Gartenrotschwanz
Grauspecht
Quelle/ Habitatansprüche (BAUER et al. 2005,
Status DIETZ et al. 2007, HACHTEL et al. 2011)
Lebensraum
FIS/B
Offene bis halboffene Landschaften mit dichter Krautschicht, z.B. Riede, extensiv oder nicht genutzte Wiesen sowie lichte Gehölzbestände.
Bruthabitat
Bodennahes Nest in höherer Vegetation, z.B. extensiv oder nicht genutzte Wiesen sowie lichte Gehölzbestände.
Lebensraum
FIS/B
Reich strukturierte Dorflandschaften mit alten Obstwiesen und -weiden sowie in Feldgehölzen, Alleen,
Auengehölzen und lichten, alten Mischwäldern, Randbereiche von größeren Heidelandschaften und sandige Kiefernwälder. Nahrungssuche auf schütterer
Bodenvegetation.
Bruthabitat
In Halbhöhlen in 2–3 m Höhe über dem Boden, z.B. in
alten Obstbäumen oder Kopfweiden.
Lebensraum
FIS/B
Reich gegliederte Landschaft mit offenen Flächen,
aber auch in ausgedehnten, nicht zu stark geschlossenen Laub- und Mischwäldern (Parkanlagen, Alleen,
Friedhöfe, Gärten, Streuobstwiesen, Feldgehölze, Auwälder).
Bruthabitat
Bruthöhle entweder selbst gebaut in weichholzigen
Stämmen oder Aststellen oder Nutzung fremder
Baumhöhlen in Gehölzgruppen oder Wäldern.
Einschätzung des
Vorkommens im UG
Untersuchungsgebiet
stellt keinen geeigneten
Lebensraum dar.
Einschätzung der
Betroffenheit
Keine Betroffenheit
ASP
erforderlich
Nein
Untersuchungsgebiet
stellt geeigneten Lebensraum dar.
Keine Betroffenheit
Nein
Keine Betroffenheit
Nein
Das Plangebiet stellt ein
potentielles Teilhabitat
(nicht essentielles Nahrungshabitat) dar.
Untersuchungsgebiet
stellt keinen geeigneten
Lebensraum dar.
21
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
Fortsetzung Tab. 2
Art
Habicht
Kiebitz
Kleinspecht
Quelle/ Habitatansprüche (BAUER et al. 2005,
Status DIETZ et al. 2007, HACHTEL et al. 2011)
Lebensraum
FIS/B
Kulturlandschaften mit einem Wechsel von geschlossenen Waldgebieten, Waldinseln und Feldgehölzen.
Bruthabitat
In Wäldern mit altem Baumbestand, vorzugsweise mit
freier Anflugmöglichkeit durch Schneisen. Horst in hohen Bäumen (z.B. Lärchen, Fichten, Kiefern, Rotbuchen).
Lebensraum
FIS/B
Charaktervogel der offenen Grünlandgebiete. Feuchte, extensiv genutzte Wiesen und Weiden, seit einigen
Jahren verstärkt auf Ackerland.
Bruthabitat
Nest am Boden in offenen und kurzen Vegetationsstrukturen.
FIS/B
Einschätzung des
Vorkommens im UG
Untersuchungsgebiet
stellt geeigneten Teillebensraum dar.
Das Plangebiet stellt
Teil eines potentiellen
nicht essentiellen Nahrungshabitats dar.
Untersuchungsgebiet
stellt geeigneten Lebensraum dar.
Einschätzung der
Betroffenheit
Keine Betroffenheit
ASP
erforderlich
Nein
Störung
Ja
Das Plangebiet stellt ein
potentielles Teilhabitat
(nicht essentielles Nahrungshabitat) dar.
Lebensraum
Untersuchungsgebiet
Keine Betroffenheit
Parkartige oder lichte Laub- und Mischwälder, Weich- stellt keinen geeigneten
und Hartholzauen sowie feuchte Erlen- und HainbuLebensraum dar.
chenwälder mit einem hohen Alt- und Totholzanteil.
Im Siedlungsbereich auch in strukturreichen Parkanlagen, alten Villen- und Hausgärten sowie in Obstgärten
mit altem Baumbestand.
Bruthabitat
Nisthöhle in totem oder morschem Holz, bevorzugt in
Weichhölzern (v.a. Pappeln, Weiden).
Nein
22
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
Fortsetzung Tab. 2
Art
Kuckuck
Mäusebussard
Mehlschwalbe
Quelle/ Habitatansprüche (BAUER et al. 2005,
Status DIETZ et al. 2007, HACHTEL et al. 2011)
Lebensraum
FIS/B
Bevorzugt in Parklandschaften, Heide- und Moorgebieten oder lichten Wäldern. Ist auch an Siedlungsrändern und Industriebrachen anzutreffen.
Bruthabitat
Nester bestimmter Singvogelarten z.B. Teich- und
Sumpfrohrsänger, Bachstelze, Neuntöter, Heckenbraunelle, Rotkehlchen.
Lebensraum
FIS/B
Alle Lebensräume der Kulturlandschaften, sofern
geeignete Baumbestände als Brutplatz vorhanden
sind. Jagdgebiete sind Offenlandbereiche in der Umgebung des Horstes.
Bruthabitat
Horst bevorzugt in Randbereichen von Waldgebieten,
Feldgehölzen sowie Baumgruppen und Einzelbäumen.
Lebensraum
FIS/B
In menschlichen Siedlungsbereichen. Nahrungsflächen liegen an insektenreichen Gewässern und offenen Agrarlandschaften in der Nähe der Brutplätze.
Bruthabitat
Koloniebrüter an frei stehenden, großen, mehrstöckigen Einzelgebäuden in Dörfern und Städten.
Einschätzung des
Vorkommens im UG
Untersuchungsgebiet
stellt geeigneten Lebensraum dar.
Einschätzung der
Betroffenheit
Keine Betroffenheit
Das Plangebiet stellt ein
potentielles Teilhabitat
(nicht essentielles Nahrungshabitat) dar.
Untersuchungsgebiet
Keine Betroffenheit
stellt geeigneten Lebensraum dar.
ASP
erforderlich
Nein
Nein
Das Plangebiet stellt
Teil eines potentiellen
nicht essentiellen Nahrungshabitats dar.
Kein Vorkommen im
Untersuchungsgebiet.
Keine Betroffenheit
Nein
23
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
Fortsetzung Tab. 2
Art
Nachtigall
Rauchschwalbe
Rebhuhn
Quelle/ Habitatansprüche (BAUER et al. 2005,
Status DIETZ et al. 2007, HACHTEL et al. 2011)
Lebensraum
FIS/B
Kulturlandschaften mit Nähe zu Gebüsch- oder Gehölzstrukturen. Auf dem Durchzug und nach der Brutzeit auch in offeneren Landschaften.
Bruthabitat
In der Kraut-, (seltener in der) Strauchschicht unterholzreicher Laub- und Mischwälder. In Feldgehölzen,
Hecken, Gebüschen, Park- und Gartenanlagen niederschlagsarmer Gebiete.
Lebensraum
FIS/B
Extensiv genutzt, bäuerliche Kulturlandschaften. Fehlt
in typischen Großstadtlandschaften.
Bruthabitat
Nester aus Lehm und Pflanzenteilen in Gebäuden mit
Einflugmöglichkeiten (z.B. Viehställe, Scheunen, Hofgebäude).
Lebensraum
FIS/B
Offene Ackerlandschaften, Weiden, Heiden, Hecken,
Büsche, Staudenfluren, Feld- und Wegraine sowie
Brachflächen.
Bruthabitat
Feldraine, Weg- und Grabenränder, Hecken, Gehölzund Waldränder, zum Teil in Heuhaufen.
Einschätzung des
Vorkommens im UG
Untersuchungsgebiet
stellt geeigneten Lebensraum dar.
Einschätzung der
Betroffenheit
Keine Betroffenheit
ASP
erforderlich
Nein
Untersuchungsgebiet
stellt keinen geeigneten
Lebensraum dar.
Keine Betroffenheit
Nein
Untersuchungsgebiet
stellt geeigneten Lebensraum dar.
Keine Betroffenheit
Nein
Das Plangebiet stellt
keinen geeigneten Lebensraum dar.
Das Plangebiet stellt ein
potentielles Teilhabitat
(nicht essentielles Nahrungshabitat) dar.
24
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
Fortsetzung Tab. 2
Art
Rotmilan
Quelle/ Habitatansprüche (BAUER et al. 2005,
Status DIETZ et al. 2007, HACHTEL et al. 2011)
Lebensraum
FIS/B
Reich gegliederte Landschaft mit Wald, nicht an Gewässer gebunden. Jagt auf freien Flächen.
Bruthabitat
In lichten Altholzbeständen, mitunter Feldgehölzen,
Baumreihen, Alleen. Schlafplätze in Gehölzen.
Schleiereule
FIS/B
Schwarzspecht
FIS/B
Lebensraum
Kulturfolger in halboffenen Landschaften, in engem
Kontakt zu menschlichen Siedlungsbereichen. Jagdgebiete sind Viehweiden, Wiesen und Äcker, Randbereiche von Wegen, Straßen, Gräben sowie Brachen.
Bruthabitat
Störungsarme, dunkle, geräumige Nischen in Gebäuden, die einen freien An- und Abflug gewähren (z.B.
Dachböden, Scheunen, Taubenschläge, Kirchtürme).
Gebäude in Einzellagen, Dörfern und Kleinstädten.
Lebensraum
Alte ausgedehnte Waldgebiete (v.a. alte Buchenwälder mit Fichten- bzw. Kiefernbeständen), Feldgehölze.
Wichtig ist ein hoher Anteil an Totholz und vermodernden Baumstümpfen.
Bruthabitat
Höhlen an glattrindigen, astfreien Stämmen mit freiem
Anflug und einem Durchmesser von mind. 35 cm (v.a.
Buchen und Kiefern).
Einschätzung des
Vorkommens im UG
Untersuchungsgebiet
stellt geeigneten Lebensraum dar.
Das Plangebiet stellt
Teil eines potentiellen
nicht essentiellen Nahrungshabitats dar.
Untersuchungsgebiet
stellt keinen geeigneten
Lebensraum dar.
Untersuchungsgebiet
stellt geeigneten Lebensraum dar.
Das Plangebiet stellt
keinen geeigneten Lebensraum dar.
Einschätzung der
Betroffenheit
Keine Betroffenheit
ASP
erforderlich
Nein
Keine Betroffenheit
Nein
Keine Betroffenheit
Nein
25
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
Fortsetzung Tab. 2
Art
Sperber
Turmfalke
Waldkauz
Quelle/ Habitatansprüche (BAUER et al. 2005,
Status DIETZ et al. 2007, HACHTEL et al. 2011)
Lebensraum
FIS/B
Abwechslungsreiche, gehölzreiche Kulturlandschaften. Halboffene Parklandschaften mit kleinen Waldinseln, Feldgehölzen und Gebüschen. Reine Laubwälder werden kaum besiedelt. Im Siedlungsbereich in
mit Fichten bestandenen Parkanlagen und Friedhöfen.
Bruthabitat
Nest bevorzugt in Fichten mit ausreichender Deckung
und freier Anflugmöglichkeit. Nest meist nahe am
Stamm oder auf starken horizontalen Ästen.
Lebensraum
FIS/B
Offene Kulturlandschaften, oft in der Nähe menschlicher Siedlungen. Nahrungssuche in Biotopen mit
niedriger Vegetation wie Dauergrünland, Äckern und
Brachen.
Bruthabitat
Brutplätze in Felsnischen und Halbhöhlen an natürlichen Felswänden, Steinbrüchen oder Gebäuden
(Hochhäuser, Scheunen, Ruinen, Brücken).
Lebensraum
FIS/B
Reich strukturierte Kulturlandschaften mit einem guten Nahrungsangebot. Lichte und lückige Altholzbestände in Laub- und Mischwäldern, Parkanlagen, Gärten oder Friedhöfen mit gutem Angebot an Höhlen.
Bruthabitat
Baumhöhlen, Nisthilfen.
Einschätzung des
Vorkommens im UG
Untersuchungsgebiet
stellt keinen geeigneten
Lebensraum dar.
Einschätzung der
Betroffenheit
Keine Betroffenheit
ASP
erforderlich
Nein
Untersuchungsgebiet
stellt geeigneten Lebensraum dar.
Keine Betroffenheit
Nein
Keine Betroffenheit
Nein
Das Plangebiet stellt
Teil eines potentiellen
nicht essentiellen Nahrungshabitats dar.
Untersuchungsgebiet
stellt geeigneten Lebensraum dar.
Das Plangebiet stellt ein
potentielles Teilhabitat
(nicht essentielles Nahrungshabitat) dar.
26
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
Fortsetzung Tab. 2
Art
Waldlaubsänger
Waldohreule
Waldschnepfe
Quelle/ Habitatansprüche (BAUER et al. 2005,
Status DIETZ et al. 2007, HACHTEL et al. 2011)
Lebensraum
FIS/B
Nicht zu dichte, aber während der Brutzeit schattige
Wälder mit wenig krautiger Vegetation. Hoch- oder
Niederwald mit geschlossenem Kronendach.
Bruthabitat
Nest an unterholzfreien Waldstellen, meist unmittelbar
auf dem Boden, oft in Vertiefungen, im dürren Laub,
unter altem Gras oder zwischen Baumwurzeln. Sehr
selten Hochnester.
Lebensraum
FIS/B
Halboffene Parklandschaften mit kleinen Feldgehölzen, Baumgruppen und Waldrändern. Im Siedlungsbereich in Parks- und Grünanlagen sowie an Siedlungsrändern. Nahrungshabitate sind strukturreiche
Offenlandbereiche und größere Waldlichtungen.
Bruthabitat
Nistplätze sind alte Nester von anderen Vogelarten
(v.a. Rabenkrähe, Elster, Mäusebussard, Ringeltaube).
Lebensraum
FIS/B
Nicht zu dichte Wälder mit Einflugmöglichkeiten und
einer Kraut- sowie Strauchschicht. Reich gegliederte,
vorzugsweise ausgedehnte Hochwälder mit weicher
Humusschicht, bevorzugt Laub- und Laubmischwälder, aber auch in reinen Nadelwäldern.
Bruthabitat
Flache Nestmulde am Boden meist am Rande eines
geschlossenen Baumbestandes, z.B. an Wegschneisen, Gräben und anderen Stellen.
Einschätzung des
Vorkommens im UG
Untersuchungsgebiet
stellt geeigneten Lebensraum dar.
Einschätzung der
Betroffenheit
Keine Betroffenheit
ASP
erforderlich
Nein
Keine Betroffenheit
Nein
Keine Betroffenheit
Nein
Das Plangebiet stellt
keinen geeigneten Lebensraum dar.
Untersuchungsgebiet
stellt geeigneten Lebensraum dar.
Das Plangebiet stellt
Teil eines potentiellen
nicht essentiellen Nahrungshabitats dar.
Untersuchungsgebiet
stellt keinen geeigneten
Lebensraum dar.
27
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
Fortsetzung Tab. 2
Art
Wespenbussard
Amphibien
Kammmolch
Quelle/ Habitatansprüche (BAUER et al. 2005,
Status DIETZ et al. 2007, HACHTEL et al. 2011)
Lebensraum
FIS/B
Reich strukturierte, halboffene Landschaften mit alten
Baumbeständen. Die Nahrungsgebiete liegen überwiegend an Waldrändern und Säumen, in offenen
Grünlandbereichen (Wiesen und Weiden), aber auch
innerhalb geschlossener Waldgebiete auf Lichtungen.
Bruthabitat
Horst auf Laubbäumen in einer Höhe von 15-20 m.
Alte Horste von anderen Greifvögeln werden gerne
genutzt.
Einschätzung des
Vorkommens im UG
Untersuchungsgebiet
stellt geeigneten Lebensraum dar.
Lebensraum
Typische Offenlandart. Niederungslandschaften von
Fluss- und Bachauen, Kies-, Sand-, Tonabgrabungen
in Flussauen, Steinbrüche, ausgeprägte Ufer-/ Unterwasservegetation, geringe Beschattung, fischfrei.
Landlebensräume: feuchte Laub- und Mischwälder,
Gebüsche/ Hecken/ Gärten in Laichgewässernähe.
Untersuchungsgebiet
stellt geeigneten Lebensraum dar.
FIS/
A. v.
Einschätzung der
Betroffenheit
Keine Betroffenheit
ASP
erforderlich
Nein
Keine Betroffenheit
Nein
Das Plangebiet stellt
Teil eines potentiellen
nicht essentiellen Nahrungshabitats dar.
Das Plangebiet stellt
keinen geeigneten Lebensraum dar.
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
Zusammenfassende Betrachtung der nicht konfliktträchtigen Arten
Fledermausarten
Für die wald- und gebäudebewohnenden Arten Breitflügelfledermaus, Großer
Abendsegler, Kleiner Abendsegler und Zwergfledermaus stellt die Vorhabensfläche
Teil eines potenziellen Nahrungshabitates dar. Da Gebäude und Höhlenbäume im
Vorhabensbereich fehlen ist eine Eignung der Vorhabensfläche als Fortpflanzungsund Ruhestätte auszuschließen.
Vogelarten
Die avifaunistische Kartierung und die Lebensraumtypen im Untersuchungsgebiet lassen nicht auf ein Vorkommen der Arten Baumpieper, Eisvogel, Feldsperling, Grauspecht, Kleinspecht, Rauchschwalbe, Schleiereule, Sperber und Waldschnepfe
schließen. Der Wald im Osten des Untersuchungsgebiets stellt einen geeigneten Lebensraum für die waldbewohnenden Arten Nachtigall, Waldlaubsänger und
Schwarzspecht dar. An den Gebäuden im Süden des Untersuchungsgebietes wurden
keine Mehlschwalbennester festgestellt, weshalb ein Vorkommen dieser Art ausgeschlossen werden kann.
Für die Arten Gartenrotschwanz, Habicht, Kuckuck, Mäusebussard, Rebhuhn,
Rotmilan, Turmfalke, Waldkauz, Waldohreule und Wespenbussard stellt das Plangebiet ein potentielles Nahrungs(teil)habitat dar. Aufgrund der Vielzahl ähnlicher Strukturen im Untersuchungsgebiet werden die potentiellen Nahrungs(teil)habitate im Plangebiet als nicht essentiell angesehen. Eine artenschutzrechtliche Betroffenheit wird
daher auch für diese Arten ausgeschlossen.
Amphibien
Das vorhandene Stillgewässer sowie die gewässernahen Waldbereiche und Gärten im
Untersuchungsgebiet sind für das Vorkommen des Kammmolches geeignet. Das
Plangebiet stellt aufgrund fehlender geeigneter Laichgewässer und Landlebensräume
keinen geeigneten Lebensraum dieser Art dar.
28
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
6.0 Stufe II - Vertiefende Prüfung der Verbotstatbestände
Im Rahmen der Vorprüfung konnten artenschutzrechtlich relevante Beeinträchtigungen
durch das Vorhaben für die folgende Art nicht ausgeschlossen werden:
Vogelarten
Feldlerche, Kiebitz
Vogelarten der Kulturlandschaften/ des Offenlandes
Feldlerche
Wirkungsspezifische Betroffenheiten
Feldlerchen sind Charaktervögel der Kulturlandschaft. Sie brüten vorwiegend im Bereich extensiv genutzter Felder und Wiesen, nutzten aber auch mehr oder weniger intensiv genutzte Flächen. Vertikale Strukturen wie z. B. Gebäude und Gehölze werden
dagegen weitläufig (min. 60 m) gemieden. Die Feldlerche brütet ein bis zwei Mal im
Jahr im Zeitraum von April bis Juni. Nach der ca. 14-tägigen Brut verbleiben die Jungvögel etwa weitere 14 Tage im Nest, bevor sie flügge werden. Als Nahrungsflächen
werden von Feldlerchen überwiegend Getreidefelder, Stoppelbrachen und Blühstreifen
aufgesucht.
Das Untersuchungsgebiet stellt auf Grund der überwiegenden Nutzung als Acker einen
geeigneten Lebensraum der Feldlerche (potenzielle Fortpflanzungs- und Ruhestätte,
Teil eines Nahrungshabitates) dar. Aufgrund der Vorbelastung des Plangebiets durch
die südlich angrenzende Wohnsiedlung bzw. den östlich angrenzenden Wald, eignet
sich die Fläche nur bedingt für die Feldlerche. Dennoch ist eine Störwirkung im Nahbereich des Plangebietes durch die Errichtung von Gebäuden und weiteren vertikalen
Strukturen anzunehmen. Der durch das Vorhaben entstehende Störbereich kommt
aufgrund der „Vorbelastungen“ durch die südliche Wohnsiedlung und den östlichen
Wald für die Feldlerche nur als potentielles Nahrungshabitat in Frage. Aufgrund der
Vielzahl ähnlicher Strukturen im Umfeld des Untersuchungsgebiets werden die potentiellen Nahrungshabitate im Störbereich als nicht essentiell angesehen. Eine Störung im
Sinne des § 44 Abs. 1 Nr. 2 BNatSchG ist daher auszuschließen. Beeinträchtigungen
gem. § 44 Abs. 1 Nr. 3 (Fortpflanzungs- und Ruhestätten) BNatSchG und gem. § 44
Abs. 1 Nr. 1 (Tötung und Verletzung) BNatSchG sind im Rahmen des Vorhabens nicht
zu erwarten. Ein Bedarf an Maßnahmen zur Vermeidung der Verbotstatbestände gem.
§ 44 Abs. 1 BNatSchG ist demnach nicht erforderlich.
29
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
Kiebitz
Wirkungsspezifische Betroffenheiten
Als Charaktervogel der offenen Grünlandgebiete bevorzugt der Kiebitz flache, baumarme, wenig strukturierte Flächen mit kurzwüchsiger Vegetation, wie feuchte Wiesenund Weidenkomplexe, aber auch Ackerland, Heideflächen oder Flugplätze. Der Kiebitz
brütet in Mitteleuropa im Zeitraum März - Juli in einer Bodenmulde. Die Küken schlüpfen nach vier Wochen und verbleiben bis zum flügge werden in der Nestumgebung. Ein
Abwandern in günstigere Aufzuchtgebiete ist speziell bei Bruten auf Ackerflächen häufig. Die Nahrungssuche findet auch getrennt von Neststandorten auf Äckern und im
Grünland der Umgebung statt. In NRW kommt der Kiebitz auch in den Monaten September - Dezember und Februar - April als Durchzügler vor. In dieser Zeit werden Offenlandstrukturen als Rastgebiete genutzt.
Das Untersuchungsgebiet stellt auf Grund der überwiegenden Nutzung als Acker einen
geeigneten Lebensraum des Kiebitzes (potenzielle Fortpflanzungs- und Ruhestätte,
Teil eines Nahrungshabitates) dar, wobei das Gebiet besonders als Rastgebiet für ziehende Tiere geeignet ist. Aufgrund der Vorbelastung des Plangebiets durch die südlich
angrenzende Wohnsiedlung bzw. den östlich angrenzenden Wald, eignet sich die Fläche nur bedingt für den Kiebitz. Dennoch ist eine Störwirkung im Nahbereich des Plangebietes durch die Errichtung von Gebäuden und weiteren vertikalen Strukturen anzunehmen. Der von Störwirkung betroffene Nahbereich des Plangebietes kommt für den
Kiebitz als potentielles Nahrungshabitat, speziell für rastende Tiere auf dem Vogelzug
in Frage. Aufgrund der Vielzahl ähnlicher Strukturen im Umfeld des Untersuchungsgebiets werden die potentiellen Nahrungshabitate in dem betroffenen Bereich als nicht
essentiell angesehen. Eine Störung im Sinne des § 44 Abs. 1 Nr. 2 BNatSchG ist daher auszuschließen. Beeinträchtigungen gem. § 44 Abs. 1 Nr. 3 (Fortpflanzungs- und
Ruhestätten) BNatSchG und gem. § 44 Abs. 1 Nr. 1 (Tötung und Verletzung)
BNatSchG sind im Rahmen des Vorhabens nicht zu erwarten. Ein Bedarf an Maßnahmen zur Vermeidung der Verbotstatbestände gem. § 44 Abs. 1 BNatSchG ist demnach
nicht erforderlich
30
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
7.0 Zusammenfassung
Die Mennonitengemeinde Bechterdissen e.V. in der Gemeinde Leopoldshöhe, Kreis
Lippe, plant den Bau einer Seniorenwohnanlage mit einer Spiel- und Freizeitfläche in
dem Ortsteil Bechterdissen zwischen „Im Schmeltebruch“ und „Milser Heide“. Das
Plangebiet umfasst die Flurstücke 703, 704 und 355 und liegt außerhalb eines rechtsverbindlichen Bebauungsplanes (KREIS LIPPE 2016).
Zur weitergehenden Bewertung der zu erwartenden vorhabensspezifischen Auswirkungen wurden das Plangebiet und die nähere Umgebung in die Lebensraumtypen:
„Laubwälder mittlerer Standorte“, „Fettwiesen und –weiden“, „Feucht- und Nasswiesen
und –weiden“, „Kleingehölze, Alleen, Bäume, Gebüsche, Hecken“, „Stillgewässer“,
„Fließgewässer“, „Äcker, Weinberge“, „Säume, Hochstaudenfluren“, „Gärten, Parkanlagen, Siedlungsbrachen“ und „Gebäude“ des Fachinformationssystems „Geschützte
Arten in Nordrhein-Westfalen“ (FIS) überführt. Es ergibt sich das Erfordernis der Betrachtung der artenschutzrechtlichen Belange gemäß Bundesnaturschutzgesetz
(BNatSchG).
Zunächst wurden die Wirkfaktoren des Vorhabens ermittelt. Anschließend sind die Lebensraumtypen im Untersuchungsgebiet erfasst und das Fachinformationssystem „Geschützte Arten in Nordrhein-Westfalen“ (FIS) sowie die Landschafts- und Informationssammlung des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NordrheinWestfalen (LINFOS) ausgewertet worden. Es erfolgte am 15. März 2016 eine Begehung
zur Untersuchung des Untersuchungsgebiets. Aufbauend auf diesen Datenquellen sind
im Zuge der Vorprüfung alle relevanten Arten untersucht worden.
Das Fachinformationssystem „Geschützte Arten in Nordrhein-Westfalen" (FIS) nennt
für das Messtischblatt 4018 „Lage“, Quadrant 1, für die im Untersuchungsgebiet vorkommenden Lebensräume insgesamt 32 Arten als planungsrelevant. Unter den Tierarten sind sechs Säugetierarten, 25 Vogelarten und eine Amphibienart. Planungsrelevante Pflanzenarten werden nicht benannt (LANUV 2016B). Die Landschaftsinformationssammlung des Landes Nordrhein-Westfalen (LINFOS ) weist für das Untersuchungsgebiet kein Vorkommen planungsrelevanter Arten aus (LANUV 2016A).
31
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
Als mögliche Konfliktarten wurden folgende Arten ermittelt:
Feldlerche, Kiebitz
Das Eintreten der Verbotstatbestände nach § 44 Abs. 1 Nr. 1 (Töten und Verletzen)
BNatSchG wird ausgeschlossen. Betroffenheiten gemäß § 44 Abs. 1 Nr. 2 (Störung)
werden nicht erwartet. Das Eintreten der Verbotstatbestände gemäß § 44 Abs. 1 Nr. 3
(Fortpflanzungs- und Ruhestätten) kann ausgeschlossen werden, da die ökologische
Funktion der Fortpflanzungs- und Ruhestätten durch vergleichbare Strukturen im Umfeld der Vorhabensfläche weiterhin erhalten bleibt.
Besonders geschützte Pflanzenarten kommen im Untersuchungsgebiet nicht vor.
Der Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche in Bechterdissen,
Gemeinde Leopoldshöhe, löst keine Verbotstatbestände gemäß § 44 Abs. 1 BNatSchG
aus.
Bielefeld, im März 2016
32
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
8.0 Quellenverzeichnis
BAUER, H.-G., BEZZEL, E., FRIEDLER, W. (2005): Das Kompendium der Vögle Mitteleuropas. – Ein umfassendes Handbuch zu Biologie, Gefährdung und Schutz. AULAVerlag, Wiebelsheim.
DIETZ, C., VON HELVERSEN, O., NILL, D. (2007): Handbuch der Fledermäuse Europas
und Nordafrikas. – Biologie, Kennzeichen, Gefährdung. Kosmos-Verlag, Stuttgart.
HACHTEL, M., SCHLÜPMANN, M., WEDDELING, K., THIESMEIER, B., GEIGER, A.,
WILLIGALLA, C. (2011): Handbuch der Amphibien und Reptilien Nordrhein-Westfalens. –
Band 1. Laurenti-Verlag, Bielefeld.
KREIS LIPPE (2001): Landschaftsplan Nr. 2, Leopoldhöhe/Oerlinghausen Nord. Stand:
11.12.2001, Detmold
KREIS LIPPE (2016): Geoportal. Kartenanzeige.
(WWW-Seite) http://geo.kreislippe.de/bplan-auskunft.html
Zugriff: 16.03.2016, 15:30 MEZ
LANUV (2016A): Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes
Nordrhein-Westfalen, @LINFOS – Landschaftsinformationssammlung, Düsseldorf
(WWW-Seite) http://www.gis6.nrw.de/osirisweb/ASC_Frame/portal.jsp
Zugriff: 10.03.2016, 09:30 MEZ.
LANUV (2016B): Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes
Nordrhein-Westfalen, Geschützte Arten in Nordrhein-Westfalen.
(WWW-Seite)
http://artenschutz.naturschutzinformationen.nrw.de/artenschutz/de/arten/blatt/liste/4018
1
Zugriff: 10.03.2016, 09:30:00 MEZ.
MUNLV (2010): Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Verwaltungsvorschrift zur Anwendung
der nationalen Vorschriften zur Umsetzung der Richtlinie 92/43/EWG (FFH-RL) und
2009/147/EG (V-RL) zum Artenschutz bei Planungs- oder Zulassungsverfahren (VVArtenschutz), Rd.Erl. d. MUNLV v. 13.04.2010, - III 4 – 616.06.01.17.
33
Bau einer Seniorenwohnanlage mit Spiel- und Freizeitfläche: Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag
MWME (2010): Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, Artenschutz in der Bauleitplanung und bei der baurechtlichen Zulassung von Vorhaben. Gemeinsame Handlungsempfehlung des Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr NRW und des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW vom
22.12.2010.
34