Daten
Kommune
Bad Münstereifel
Größe
114 kB
Datum
16.11.2017
Erstellt
09.11.17, 15:27
Aktualisiert
09.11.17, 15:27
Stichworte
Inhalt der Datei
Stadt Bad Münstereifel
Bad Münstereifel, den 16.10.2017
- Die Bürgermeisterin Az: 82-81-13
Nr. der Ratsdrucksache: 906-X
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Beratungsfolge
Termin
Betriebsausschuss "Forstbetrieb" der Stadt Bad Münstereifel
16.11.2017
Zur Beratung in öffentlicher Sitzung:
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Bezeichnung des Tagesordnungspunktes:
Urwaldparzelle
hier: Antrag der UWV-Fraktion vom 15.10.2017
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Berichterstatter/in: Herr Lott
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( ) Kosten €:
( )
Die Mittel stehen haushaltsrechtlich zur Verfügung
( ) ja / ( ) nein
( ) Nothaushalt / Übergangswirtschaft
( )
( ) Anlagen sind beigefügt
( )
( )
Die Mittel müssen über-/außerplanmäßig bereitgestellt werden.
Kostenstelle
Konto
________________ _____________
Folgekosten: ( ) ja / ( ) nein
_________________ € jährlich
Beschlussausführung bis ___________
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Ausgearbeitet:
Beteiligt:
Mitgezeichnet:
GBA
20.1
PR
AL
20
_________________
Bürgermeisterin
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An der Abstimmung hat/haben (wegen Befangenheit) nicht teilgenommen:
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( ) zurückgezogen
( ) vertagt
( ) von der Tagesordnung abgesetzt
( ) verwiesen in den _________________________________________________________
Abstimmungsergebnis:
BA Forst
( ) einstimmig
( ) Ja-Stimmen
( ) Nein-Stimmen ( ) Enthaltungen
Seite 2 von Ratsdrucksache 906-X
1. Sachverhalt:
Im Jahre 2000 wurde u. a. über die strategische Neuausrichtung des Forstbetriebes diskutiert
(Zielfindungsprozess).
Der thematische Einstieg in diesen Prozess resultierte zum Einen aus den erheblichen Orkanschäden der 90er Jahre und zum Anderen in einer Neuausrichtung der Waldbaustrategie für den
Stadtwald Bad Münstereifel. Die Stadt begann ihren eigenen Anspruch an den Stadtwald ökologisch zu steigern, indem erstmals nicht nur ökonomische-, ökologische- und gesellschaftliche Ziele konkretisiert und miteinander verzahnt wurden, sondern die ökologischen Ziele dauerhaft, modern und für die Region einzigartig in Urwaldparzellen festgelegt wurden.
Die naturnahe Waldbewirtschaftung war nicht nur festgelegt, sondern mit den Urwaldparzellen
bereits weiter entwickelt und als Alleinstellungsmerkmal fest definiert worden. Dies galt im Rahmen des deutschlandweiten Sinneswandels in der Waldbewirtschaftung als modern und fortschrittlich und führte schließlich zur Zertifizierung des gesamten Betriebes.
Mit der Ausweisung der Urwaldparzellen war zudem eine touristisch-umweltpädagogisch Erschließung im gesellschaftlichen Kontext angedacht. Weiter sollte die Waldbewirtschaftung im Stadtwald um die ökologischen Erkenntnisse aus den Urwaldparzellen ergänzt werden, um so u. a. eine
FFH-konforme Waldbewirtschaftung ableiten und einführen zu können.
Die biologische Bedeutung von Alt- und Totholz ist heute unbestritten und im Rahmen vieler Programme (Biodiversitätsstrategie) konkretisiert. Ein Betrieb wie der Forstbetrieb der Stadt Bad
Münstereifel hat sicherlich damals den richtigen Weg eingeschlagen, doch darf der ökonomische
Aspekt nicht ganz außer Acht gelassen werden, da auf 59% der Holzbodenfläche Restriktionen
aus Naturschutzauflagen bereits umgesetzt werden.
Mit Datum des Zuwendungsbescheides vom 11.12.2001 wurden 9 Urwaldparzellen im Stadtwald
durch eine Projektförderung mit 314.749,88 DM gefördert. Die Gesamtfläche beträgt 15,73 ha.
Zwar erfüllt der Stadtwald mit seiner naturnahen Waldbewirtschaftung schon weitestgehend die
Forderungen des Naturschutzes, jedoch sind für einige besonders geschützte Arten ganz spezielle
Biotopsicherungsmaßnahmen notwendig. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, Strukturen aus Altund Totholz zu erhalten und zu schaffen, die sich sehr günstig auf die besonders geschützten Arten wie u. a. Hohltaube, Schwarzstorch, Milan u. a., Mittelspecht u. a., Wildkatze und mehrere
Fledermausarten auswirkt.
Ausgesucht wurden 9 Waldflächen, auf denen schon damals unverfälschte und ursprüngliche
Waldbilder mit hohem Altholzvorrat und Lebensräume für die besonders geschützten Arten vorhanden waren. Insbesondere alters- und strukturdiverse Waldbestände standen im Focus der
Auswahl, in denen zukünftig jeder forstbetriebliche Einfluss unterbleibt. Nur hier werden sich daher
Metusaleme mit Großhöhen und Totholzstrukturen entwickeln können, aus denen wir Erkenntnisse für unser waldbauliches Handeln im Stadtwald ableiten können. Der gesamte Ablauf der Waldentwicklungsphasen soll hier unbeeinflusst ablaufen können. Neben den Strukturelementen „Naturnähe“ und „Altholzreichtum“ wurden weitere Standortsfaktoren berücksichtigt, die sich in den
repräsentativen Waldgesellschaften des Forstbetriebes wieder finden. Folgende Waldgesellschaften finden sich u. a. in den Urwaldparzellen wieder.
Erlenwald um Hangsickerquelle in Eichen/Buchen-Grundbestand auf trocken/warmen
Südhang
Hainsimsen-Buchenwald auf frischem Standort
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Perlgras-Buchenwald auf frischem bis mäßig frischem Standort
Eichenreicher-Hainsimsen-Buchenwald auf trockener Kuppenlage
Komplex aus felsüberlagerten, trockenem Hangwald bis frischem Buchenwald
Erkenntnisse aus unseren Urwaldparzellen
Die schon damals sehr repräsentativen, urwaldähnlichen Waldbestände haben sich bis heute (16
Jahre) ungestört weiterentwickelt. In vielen waldbaulichen Fachexkursionen konnten bereits Erkenntnisse aus der Urwaldforschung diskutiert werden, die bereits unser tägliches, naturnahes
Arbeiten im Stadtwald bestimmen. Unter anderem sind dies:
Naturverjüngung ersetzt bei schonender Lichtregulierung im Oberbestand die teure manuelle Pflanzung (Biologische Automation).
Konkurrenzprozesse zwischen den Baumarten führen zu feinastiger, wipfelschäftiger und
qualitativ hochwertiger Verjüngung, die Jahrzehnte unter den Mutterbäumen abwarten
kann (natürlicher Selektionsprozess).
Minikatastrophen (Blitzschlag, Baumumsturz) führen im Urwald zu Mosaikzyklus artigen
Dauerwaldstrukturen.
Dauerwaldstrukturen sind weitestgehend unempfindlich gegen Großkatastrophen.
Der Urwald mischt sich natürlich horizontal und vertikal mit einer Vielzahl an Begleitbaumarten.
Alle Waldentwicklungsphasen sind dauerhaft sehr eng miteinander verzahnt.
Durch die genaue Beachtung der Urwalddynamik im täglichen Betriebsablauf, konnten bis heute z.
B. die Wald-Begründungs- und Wald-Pflegekosten deutlich gesenkt werden. Plenterwaldartige
Strukturen, die unser Ziel in der Buche sind, werden dagegen zu steigenden Holzerlösen führen,
da die Grundflächenhaltung deutlich optimiert wird und die Zukunftsträger qualitativ hochwertiger
als ursprünglich aufwachsen. Hierzu bedarf es jedoch waldbauliches Fingerspitzengefühl, solides
Fachwissen und einen langen Atem.
Integration in den Betriebsablauf
a) Altholzkonzept im Buchen-FFH Gebiet
Der Forstbetrieb hat unter Berücksichtigung der Erkenntnisse aus den Urwaldparzellen, den gebietsspezifischen Aussagen der Forsteinrichtung sowie der langjährigen Erfahrungen vor Ort naturschutzfachliche Anforderungen an die Bewirtschaftung abgeleitet.
Im Rahmen eines Altholzkonzeptes wird die Bewirtschaftung im Buchen FFH-Gebiet Bad Münstereifeler Wald naturschutzorientiert, im Sinne einer Plenterwald-Bewirtschaftung umgestellt.
Folgende Stichpunkte werden hierzu u. a. genannt und im Vortrag kurz ausgeführt: Bewirtschaftung, Biotopbäume, Totholzanteil, Strukturen, Nutzung.
Das Altholzkonzept soll mit der kommenden Forsteinrichtung evaluiert werden.
b) Biotopbaumkonzept entsprechend RD 565X/Z1 vom 24.05.2017 derzeit in Umsetzung.
c) Touristisches Konzept Stadtwald derzeit in Entwicklung.
Die Urwaldparzelle Nr. 6 (Abt. 246A1, Haarscheid) soll in das touristische Konzept zur Entwicklung
des Stadtwaldes integriert werden.
2. Rechtliche Würdigung
Zuwendungsbescheid vom 11.12.2001
Waldbewertungsrichtlinie NRW
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3. Finanzielle Auswirkungen
4. Organisatorische und personelle Auswirkungen
5. Lösungsvorschlag und mögliche Alternativen und deren Auswirkungen
6. Auswirkungen auf den demographischen Wandel
7. Beschlussvorschlag:
Der Ausschuss begrüßt, dass die Erkenntnisse aus den Urwaldparzellen bei der täglichen Revierarbeit beachtet werden. Die Ausführungen werden zur Kenntnis genommen.