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Beschlussvorlage (Anlage 1 zur RD Nr. 825-X - Bodendenkmalblatt EU 329)

Daten

Kommune
Bad Münstereifel
Größe
203 kB
Datum
19.09.2017
Erstellt
07.09.17, 14:16
Aktualisiert
07.09.17, 14:16
Beschlussvorlage (Anlage 1 zur RD Nr. 825-X - Bodendenkmalblatt EU 329) Beschlussvorlage (Anlage 1 zur RD Nr. 825-X - Bodendenkmalblatt EU 329) Beschlussvorlage (Anlage 1 zur RD Nr. 825-X - Bodendenkmalblatt EU 329) Beschlussvorlage (Anlage 1 zur RD Nr. 825-X - Bodendenkmalblatt EU 329)

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Inhalt der Datei

Landschaftsverband Rheinland LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland Bodendenkmalblatt: EU 329 Ortsteil: Kirspenich Gemeinde: Bad Münstereifel Kreis: Euskirchen Reg.Bez.: Köln Lage, r/h 25.56 635 - 25.56 800 56.07 990-56.08 106 Bodendenkmai : Bergbau Zeitstellung : Mittelalter/Neuzeit Aktivitäts-Nr. : NW 2016/1083 Bearbeiter : U. Francke Datum: 24.08.2017 Kataster: (Gemarkung; Flur; Flurstück) Gem. Arloff, Flur 2, FISt. 8995, 910-920, 927-929. Eigentümer / Pächter: Die Eigentümer der genannten Flurstücke wurden vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland nicht ermittelt. Ist der Bund oder das Land Nordrhein-Westfalen als Eigentümer oder Nutzungsberechtigter betroffen, entscheidet über das Eintragungsverfahren anstelle der Unteren Denkmalbehörde die Bezirksregierung (§ 21 Abs. 4 DSchG NW i.V.m. § 4 DLV). Dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland ist darüber Meldung zu machen. Denkmalbeschreibung: Geologische und historische Grundlagen 2016 wurde im Zuge einer Sachverhaltsermittlung im Bereich des Bebauungsplanes Nr. 54 in Bad Münstereifel-Kirspenich durch die archäologische Fachfirma Goldschmidt Sondagen ange­ legt, bei denen im Nordwesten des Plangebietes zahlreiche, ca. 0,80 - 1,20 m im Durchmesser große, rundliche Verfärbungen aufgedeckt wurden, die als Bergbauschächteeschächte interpre­ tiert wurden. Das Plangebiet liegt im nordöstlichen Zipfel der Sötenicher Eifelkalkmulde. Laut geologischer Karten liegen hier im Untergrund die oberen Nohner Schichten und die Ahrdorfer Schichten, deren Karbonatgestein eisenreich ist. Grundsätzlich entstanden aus dem eisenreichen Karbo­ natgestein durch Verwitterung und Sedimentation Brauneisen-, Eisenmangan- und Roteisenla­ gerstätten. Die flözartigen Einlagerungen im Grenzbereich von Ton- und Schluffsteinen zu den Kalksteinablagerungen sind zumeist von geringer Mächtigkeit (0,5 bis 5 m Mächtigkeit) und auch von geringer Qualität (unter 20%). Sie sind aber dort, wo sie an Hängen ausstreichen, leicht zu erreichen und waren daher auch das Ziel des Abbaus und der Nutzung seit vorrömi­ scher Zeit. 2 Es gibt generell für die Elfelkalkmulden direkte oder indirekte Hinweise auf vorrömische, römi­ sche und mittelalterlich-frühneuzeitliche Nutzung dieser Eisenverwitterungsstätten wie z.B. in Kall-Sötenich.Nördlich des Geländes gibt es zahlreiche Schmelzplätze mit Ofenresten (OA 0000/1083, OA 0000/1084, OA 0000/1089) sowie Schlackenhalden (OA 0000/1085), die auf Bergbautätigkeit hier im Umfeld schließen lassen. Außerdem ist ein Ton-, Kalk und Sandstein­ abbau belegt. Außerdem liegt in der Nähe der Alte Burgberg (BD EU 006), in dessen Umfeld Eisenerzbergbau und Eisenverarbeitung von der Eisenzeit bis zum Mittelalter betrieben wurde. In einer Urkunde von 1863 bevollmächtigt Otto Napoleon Maximilian Hubert Freiherr von Loé, Gutsbesitzer zu Mheer (Niederlande) den auf Burg zu Klein-Büllesheim wohnenden Pächter Anton Inhoffen, sein „in der Gemeinde Arloff zum Teil auch in der Gemeinde Iversheim sämt­ lich in der Bürgermeisterei gelegennes Gut Arloffer Burg nebst allen An- und Zubehör insbe­ sondere auch nebst der zugehörigen Arloffer Mühle und der auf dem Kirspenicher Berge in der Gemeinde Arloff befindlichen Eisenstein Concession „Josephine" ... zu verpachten, zu verwalten oder zu verkaufen. In einer weiteren Textpassage wird beschrieben, dass um 1830 die Eisenstein-Bergwerks-Konzession Josephine dem Freiherrn von Boeselager zu Bonn gehörte. Hier wird auch die Lage des Bergwerksgebietes beschrieben: Das 11577 Quadrat-Lachter (1 Lachter etwa 2 m) große Grubenfeld grenzt im Norden gegen den Königlichen Wald Hardt. Im Osten begrenzt ein Hohlweg, der die Grenze zwischen der Gemeinde Kirchheim und Arloff bestimmt, das Grubenfeld. Im Süden begrenzt der Weg von Kirspenich nach Kirchheim vom Dorf Kirspenich bis zum Hohlweg das Berkwerksgebiet und im Westen der Weg von Kirspenich nach Stotzheim. Diese Beschreibung der Topografie der Grube Josefine deckt sich mit der Lage des Bodendenkmals. Mit dieser historischen Quelle ist somit nachgewiesen, dass zumindest seit Mitte des 19. Jahrhunderts hier nördlich von Kirspenich Eisenstein abgebaut wurde. .. 'm y A fe«:** « t í # * -nv .y .v - ^ . ■/ s •^ » i i t j E l í h . e n í t v i1 w v.. ii « / TSJk i • i'# « / ft1-««» ^ >e f t c M i -\ V " v Á : i M ■/>s Ausschnitt aus der Uraufnahme von 1845 mit Darstellung der Lage des Bodendenkmals und den oben beschriebenen Wegeführungen 3 Als potentielle Eisenquelle kommt im Plangebiet bei Kirspenich vor allem die oberen Nohner Schichten in Frage, die in allen Eifelkalkmulden bekannt für einen eisenführenden Horizont in den sog. Hundsdell-Kalksteinen. Dieses Hundsdell-Eisen kann einen relativ hohen Eisengehalt aufweisen und wurde daher bevorzugt abgebaut, ist aber geringmächtig (Meyer 1988, 84). In der Regel wurde das Eisen in sog. Reifenschächten geborgen. Die Schächte hatten oben etwa einen Durchmesser von 1,4 Metern und wurden mit reifenartig gebogenen Eichenstäm­ men an den Rändern abgestützt. Es wurde bis auf das Eisenlager gegraben, von wenigen Me­ tern bis zu 40 Metern. Die absolute Tiefe wurde durch den Grundwasserspiegel vorgegeben. Beim Erreichen des Eisenlagers grub man sich seitwärts „kavernenartig" in die Lagerstätte hin­ ein. Die Reifenschächte des Kaller Reviers waren in der Regel zur besseren Wetterführung als Doppelschachtanlage ausgeführt. Über dem Schacht wurden hölzerne Anlagen für die Haspel errichtet, mit der man das Gestein an die Oberfläche verbrachte. In einer zeitgenössischen Quelle von 1896 zur Eifeier Eisenindustrie wird davon berichtet, dass der im bäuerlichen Nebenerwerb betriebene Schachtabbau intensiv und relativ unreguliert be­ trieben wurde, so dass über einer Lagerstätte ein Schacht an den anderen stieß (Virmond 1896, nach Kley und Brunemann 1995). Diese Beschreibung könnte sehr gut auf die Befunde im Plangebiet treffen (Auszüge aus dem Arbeitsbericht von Prof. Dr. Renate Gerlach, LVR-Amt für Bodenenkmalpflege im Rheinland). Archäologische Situation und Befunderwartunq: Bereits eine Begehung durch das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege (PR 2016/0023 und PR 2016/0024) erbrachte neben vorgeschichtlichen Feuersteinartefakten, einem eisenzeitlich oder römischen Basaltsteinbruchstück sowie römisch bis frühmittelalterlicher Keramik auch Eisen­ schlacken, die in Zusammenhang zur Metallgewinnung und -Verarbeitung zu sehen sind. Im Zuge der daraufhin durchgeführten Sondagen durch die Fa. Goldschmidt (NW 2016/1083) wurde im Westen des Piangebietes direkt unter dem Humus etwa 200 nahezu kreisrunde Strukturen mit einem Durchmesser zwischen 0,80 und 1,20 m dokumentiert. In wenigen Fäl­ len betrug der Durchmesser 2,50 m. Die Befunde wurden in der Regel nur im 1. Planum aufgenommen, da hier keine Unterkelle­ rung geplant wird. In den tiefergehenden Untersuchungen im Bereich der Kanaltrasse, die bis zu 3 m tief ausgeschachtet wurde, wurden die Unterkanten der Schächte nicht erreicht, so dass bislang ihre Tiefe der Schächte nicht bekannt ist. Die Anlage eines exemplarischen Profils ergab, dass es sich bei diesen runden Befunden um Schächte handelt, deren Unterkante innerhalb der Baueingriffstiefe nicht erfasst werden konn­ te. Die Schächte waren mit unterschiedlichen Gesteinsmaterialien verfüllt. Das Spektrum reicht von homogenen Lehm über heterogene lehmige Verfüllungen unterschiedlicher Farbe bis hin zu Verfüllungen bestehend aus verworfenem Ton und anderen verlagerten tertiärzeitlichen Abla­ gerungen, Toneisenstein, Eisenerz, Schlacke, Kalk- und Sandsteinbruchstücken verschiedener Größe und Kies. Farblich variieren die Befunde zwischen rötlich-braun, ockerfarben, grau­ braun bis nahezu weiß. Die gefundenen Toneisensteine und Eisenerze weisen auf eine Bergbautätigkeit hier hin und die Schlackereste auf eine nahegelegene Verhüttung. In einem kleinen Bereich der geplanten Kanaltrasse wurde ein 2. Planum etwas tiefer angelegt. Hier zeigte sich eine komplexe Situation mit sich schneidenden Befunden, die auf mindestens eine vierphasige Bergbautätigkeit schließen lässt. Aufgrund fehlender datierender Funde kön­ nen bislang keine konkreten Aussagen zum Alter der Schächte gemacht werden, doch ist auf­ 4 grund der o.a. historischen Erwähnung der Grube Josephine davon auszugehen, dass sie ins 19. Jahrhundert datiert werden können. Aber aufgrund der sich überschneidenden Befunde ist nicht auszuschließen, dass hier bereits ab dem Spätmittelalter Brauneisen abgebaut wurde. Die innerhalb des Bodendenkmals oberflächig (1. Planum) freigelegten zahlreichen Bergbau­ schächte weisen neben einer intensiven bergbaulichen Nutzung des Geländes auf eine mehrphasige Bergbautätigkeit hin, die Einblicke in die eher ländlich geprägte Bergbautechnik ermöglichen. Darüber hinaus ist damit zu rechnen, dass sich im Untergrund die sog. Kavernen erhalten haben, die weitere technische Hinweise liefern. Innerhalb der Schächte/Kavernen werden sich Fundmaterialien wie Keramik, Werkzeuge usw. erhalten haben, die eine exaktere Datierung ermöglichen. Denkmalrechtliche Begründung: In ihrer Gesamtheit stellen diese im Boden erhaltenen Bergbaurelikte im Sinne des Denkmal­ schutzgesetzes NRW Bodendenkmäler dar, denn sie dokumentieren das wirtschaftliche Leben in einer ländlich geprägten Landschaft aus. Die Bergbaurelikte in Kirspenich sind darüber hin­ aus bedeutend für die Geschichte der wirtschaftlichen Entwicklung in der Eifel, sie informieren aber auch über die Arbeits- und Produktionstechniken dieses bäuerlichen Industriezweiges. Die freigelegten Bergbaurelikte Bad Münstereife-Kirspenich enthalten nach den bisherigen Er­ kenntnissen eine Fülle von wissenschaftlich auszuwertendem Material. Hier lässt sich nicht al­ lein die Entwicklung der Bergbautechnik über viele Jahrhunderte hinweg nachvollziehen, son­ dern es besteht auch die Möglichkeit, das Siedlungswesen und die sozialen Strukturen der bergbautreibenden Bevölkerung während des Mittelalters und der frühen Neuzeit zu erfor­ schen. Sie dokumentieren darüber hinaus eindrucksvoll politische, wirtschaftliche und kulturelle Ver­ hältnisse und sind ein unverzichtbares Zeugnis der Menschheitsgeschichte. Es sind wichtige landesgeschichtliche Bodenurkunden, denn ihre Erforschung dient der Ergänzung und Präzisie­ rung archivalischer Überlieferung und historischer Zeugnisse. Schutzbereich Der Schutzbereich umfasst eine durch die Sachverhaltsermittlung ermittelte Fläche von etwa 160 x 70 m (9523 m2), in der die etwa 200 Bergbauschächte festgestellt wurden. Literatur: Hammler, U (1987): Erze; in: Geologischer Dienst NRW (Hrsg.): Erläuterungen zur Geologi­ schen Karte 1:100.000 Blatt Bonn, C 5506, S. 20-24; Krefeld. Kley, N. und Brunemann, H.G. (1995). Auf der Such nach Eisenstein - Spuren Kaller Bergleu­ te.; in: Festschrift 100 Jahre Eifelverein Ortsgruppe Kall 1895-1995. Meyer, W. (1988): Geologie der Eifel - 2. Auflage, Schweizerbart, Stuttgart.