Daten
Kommune
Bad Münstereifel
Größe
203 kB
Datum
19.09.2017
Erstellt
07.09.17, 14:16
Aktualisiert
07.09.17, 14:16
Stichworte
Inhalt der Datei
Landschaftsverband Rheinland
LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland
Bodendenkmalblatt: EU 329
Ortsteil: Kirspenich
Gemeinde:
Bad Münstereifel
Kreis:
Euskirchen
Reg.Bez.:
Köln
Lage, r/h
25.56 635 - 25.56 800
56.07 990-56.08 106
Bodendenkmai
: Bergbau
Zeitstellung
: Mittelalter/Neuzeit
Aktivitäts-Nr.
: NW 2016/1083
Bearbeiter
: U. Francke
Datum: 24.08.2017
Kataster: (Gemarkung; Flur; Flurstück)
Gem. Arloff, Flur 2, FISt. 8995, 910-920, 927-929.
Eigentümer / Pächter:
Die Eigentümer der genannten Flurstücke wurden vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im
Rheinland nicht ermittelt. Ist der Bund oder das Land Nordrhein-Westfalen als Eigentümer oder
Nutzungsberechtigter betroffen, entscheidet über das Eintragungsverfahren anstelle der
Unteren Denkmalbehörde die Bezirksregierung (§ 21 Abs. 4 DSchG NW i.V.m. § 4 DLV). Dem
LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland ist darüber Meldung zu machen.
Denkmalbeschreibung:
Geologische und historische Grundlagen
2016 wurde im Zuge einer Sachverhaltsermittlung im Bereich des Bebauungsplanes Nr. 54 in
Bad Münstereifel-Kirspenich durch die archäologische Fachfirma Goldschmidt Sondagen ange
legt, bei denen im Nordwesten des Plangebietes zahlreiche, ca. 0,80 - 1,20 m im Durchmesser
große, rundliche Verfärbungen aufgedeckt wurden, die als Bergbauschächteeschächte interpre
tiert wurden.
Das Plangebiet liegt im nordöstlichen Zipfel der Sötenicher Eifelkalkmulde. Laut geologischer
Karten liegen hier im Untergrund die oberen Nohner Schichten und die Ahrdorfer Schichten,
deren Karbonatgestein eisenreich ist. Grundsätzlich entstanden aus dem eisenreichen Karbo
natgestein durch Verwitterung und Sedimentation Brauneisen-, Eisenmangan- und Roteisenla
gerstätten. Die flözartigen Einlagerungen im Grenzbereich von Ton- und Schluffsteinen zu den
Kalksteinablagerungen sind zumeist von geringer Mächtigkeit (0,5 bis 5 m Mächtigkeit) und
auch von geringer Qualität (unter 20%). Sie sind aber dort, wo sie an Hängen ausstreichen,
leicht zu erreichen und waren daher auch das Ziel des Abbaus und der Nutzung seit vorrömi
scher Zeit.
2
Es gibt generell für die Elfelkalkmulden direkte oder indirekte Hinweise auf vorrömische, römi
sche und mittelalterlich-frühneuzeitliche Nutzung dieser Eisenverwitterungsstätten wie z.B. in
Kall-Sötenich.Nördlich des Geländes gibt es zahlreiche Schmelzplätze mit Ofenresten (OA
0000/1083, OA 0000/1084, OA 0000/1089) sowie Schlackenhalden (OA 0000/1085), die auf
Bergbautätigkeit hier im Umfeld schließen lassen. Außerdem ist ein Ton-, Kalk und Sandstein
abbau belegt. Außerdem liegt in der Nähe der Alte Burgberg (BD EU 006), in dessen Umfeld
Eisenerzbergbau und Eisenverarbeitung von der Eisenzeit bis zum Mittelalter betrieben wurde.
In einer Urkunde von 1863 bevollmächtigt Otto Napoleon Maximilian Hubert Freiherr von Loé,
Gutsbesitzer zu Mheer (Niederlande) den auf Burg zu Klein-Büllesheim wohnenden Pächter
Anton Inhoffen, sein „in der Gemeinde Arloff zum Teil auch in der Gemeinde Iversheim sämt
lich in der Bürgermeisterei gelegennes Gut Arloffer Burg nebst allen An- und Zubehör insbe
sondere auch nebst der zugehörigen Arloffer Mühle und der auf dem Kirspenicher Berge in der
Gemeinde Arloff befindlichen Eisenstein Concession „Josephine" ... zu verpachten, zu verwalten
oder zu verkaufen. In einer weiteren Textpassage wird beschrieben, dass um 1830 die Eisenstein-Bergwerks-Konzession Josephine dem Freiherrn von Boeselager zu Bonn gehörte. Hier
wird auch die Lage des Bergwerksgebietes beschrieben: Das 11577 Quadrat-Lachter (1 Lachter
etwa 2 m) große Grubenfeld grenzt im Norden gegen den Königlichen Wald Hardt.
Im Osten begrenzt ein Hohlweg, der die Grenze zwischen der Gemeinde Kirchheim und Arloff
bestimmt, das Grubenfeld. Im Süden begrenzt der Weg von Kirspenich nach Kirchheim vom
Dorf Kirspenich bis zum Hohlweg das Berkwerksgebiet und im Westen der Weg von Kirspenich
nach Stotzheim. Diese Beschreibung der Topografie der Grube Josefine deckt sich mit der Lage
des Bodendenkmals. Mit dieser historischen Quelle ist somit nachgewiesen, dass zumindest
seit Mitte des 19. Jahrhunderts hier nördlich von Kirspenich Eisenstein abgebaut wurde.
..
'm y
A
fe«:** « t í # *
-nv .y .v
-
^
.
■/ s
•^ » i i t j E l í h . e n í t v i1
w
v.. ii « /
TSJk i
•
i'#
«
/
ft1-««»
^
>e f t c M i
-\
V
" v
Á
:
i M
■/>s
Ausschnitt aus der Uraufnahme von 1845 mit Darstellung der Lage des Bodendenkmals und
den oben beschriebenen Wegeführungen
3
Als potentielle Eisenquelle kommt im Plangebiet bei Kirspenich vor allem die oberen Nohner
Schichten in Frage, die in allen Eifelkalkmulden bekannt für einen eisenführenden Horizont in
den sog. Hundsdell-Kalksteinen. Dieses Hundsdell-Eisen kann einen relativ hohen Eisengehalt
aufweisen und wurde daher bevorzugt abgebaut, ist aber geringmächtig (Meyer 1988, 84).
In der Regel wurde das Eisen in sog. Reifenschächten geborgen. Die Schächte hatten oben
etwa einen Durchmesser von 1,4 Metern und wurden mit reifenartig gebogenen Eichenstäm
men an den Rändern abgestützt. Es wurde bis auf das Eisenlager gegraben, von wenigen Me
tern bis zu 40 Metern. Die absolute Tiefe wurde durch den Grundwasserspiegel vorgegeben.
Beim Erreichen des Eisenlagers grub man sich seitwärts „kavernenartig" in die Lagerstätte hin
ein. Die Reifenschächte des Kaller Reviers waren in der Regel zur besseren Wetterführung als
Doppelschachtanlage ausgeführt. Über dem Schacht wurden hölzerne Anlagen für die Haspel
errichtet, mit der man das Gestein an die Oberfläche verbrachte.
In einer zeitgenössischen Quelle von 1896 zur Eifeier Eisenindustrie wird davon berichtet, dass
der im bäuerlichen Nebenerwerb betriebene Schachtabbau intensiv und relativ unreguliert be
trieben wurde, so dass über einer Lagerstätte ein Schacht an den anderen stieß (Virmond
1896, nach Kley und Brunemann 1995). Diese Beschreibung könnte sehr gut auf die Befunde
im Plangebiet treffen (Auszüge aus dem Arbeitsbericht von Prof. Dr. Renate Gerlach, LVR-Amt
für Bodenenkmalpflege im Rheinland).
Archäologische Situation und Befunderwartunq:
Bereits eine Begehung durch das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege (PR 2016/0023 und PR
2016/0024) erbrachte neben vorgeschichtlichen Feuersteinartefakten, einem eisenzeitlich oder
römischen Basaltsteinbruchstück sowie römisch bis frühmittelalterlicher Keramik auch Eisen
schlacken, die in Zusammenhang zur Metallgewinnung und -Verarbeitung zu sehen sind.
Im Zuge der daraufhin durchgeführten Sondagen durch die Fa. Goldschmidt (NW 2016/1083)
wurde im Westen des Piangebietes direkt unter dem Humus etwa 200 nahezu kreisrunde
Strukturen mit einem Durchmesser zwischen 0,80 und 1,20 m dokumentiert. In wenigen Fäl
len betrug der Durchmesser 2,50 m.
Die Befunde wurden in der Regel nur im 1. Planum aufgenommen, da hier keine Unterkelle
rung geplant wird. In den tiefergehenden Untersuchungen im Bereich der Kanaltrasse, die bis
zu 3 m tief ausgeschachtet wurde, wurden die Unterkanten der Schächte nicht erreicht, so
dass bislang ihre Tiefe der Schächte nicht bekannt ist.
Die Anlage eines exemplarischen Profils ergab, dass es sich bei diesen runden Befunden um
Schächte handelt, deren Unterkante innerhalb der Baueingriffstiefe nicht erfasst werden konn
te. Die Schächte waren mit unterschiedlichen Gesteinsmaterialien verfüllt. Das Spektrum reicht
von homogenen Lehm über heterogene lehmige Verfüllungen unterschiedlicher Farbe bis hin zu
Verfüllungen bestehend aus verworfenem Ton und anderen verlagerten tertiärzeitlichen Abla
gerungen, Toneisenstein, Eisenerz, Schlacke, Kalk- und Sandsteinbruchstücken verschiedener
Größe und Kies. Farblich variieren die Befunde zwischen rötlich-braun, ockerfarben, grau
braun bis nahezu weiß.
Die gefundenen Toneisensteine und Eisenerze weisen auf eine Bergbautätigkeit hier hin und
die Schlackereste auf eine nahegelegene Verhüttung.
In einem kleinen Bereich der geplanten Kanaltrasse wurde ein 2. Planum etwas tiefer angelegt.
Hier zeigte sich eine komplexe Situation mit sich schneidenden Befunden, die auf mindestens
eine vierphasige Bergbautätigkeit schließen lässt. Aufgrund fehlender datierender Funde kön
nen bislang keine konkreten Aussagen zum Alter der Schächte gemacht werden, doch ist auf
4
grund der o.a. historischen Erwähnung der Grube Josephine davon auszugehen, dass sie ins
19. Jahrhundert datiert werden können. Aber aufgrund der sich überschneidenden Befunde ist
nicht auszuschließen, dass hier bereits ab dem Spätmittelalter Brauneisen abgebaut wurde.
Die innerhalb des Bodendenkmals oberflächig (1. Planum) freigelegten zahlreichen Bergbau
schächte weisen neben einer intensiven bergbaulichen Nutzung des Geländes auf eine
mehrphasige Bergbautätigkeit hin, die Einblicke in die eher ländlich geprägte Bergbautechnik
ermöglichen. Darüber hinaus ist damit zu rechnen, dass sich im Untergrund die sog. Kavernen
erhalten haben, die weitere technische Hinweise liefern. Innerhalb der Schächte/Kavernen
werden sich Fundmaterialien wie Keramik, Werkzeuge usw. erhalten haben, die eine exaktere
Datierung ermöglichen.
Denkmalrechtliche Begründung:
In ihrer Gesamtheit stellen diese im Boden erhaltenen Bergbaurelikte im Sinne des Denkmal
schutzgesetzes NRW Bodendenkmäler dar, denn sie dokumentieren das wirtschaftliche Leben
in einer ländlich geprägten Landschaft aus. Die Bergbaurelikte in Kirspenich sind darüber hin
aus bedeutend für die Geschichte der wirtschaftlichen Entwicklung in der Eifel, sie informieren
aber auch über die Arbeits- und Produktionstechniken dieses bäuerlichen Industriezweiges.
Die freigelegten Bergbaurelikte Bad Münstereife-Kirspenich enthalten nach den bisherigen Er
kenntnissen eine Fülle von wissenschaftlich auszuwertendem Material. Hier lässt sich nicht al
lein die Entwicklung der Bergbautechnik über viele Jahrhunderte hinweg nachvollziehen, son
dern es besteht auch die Möglichkeit, das Siedlungswesen und die sozialen Strukturen der
bergbautreibenden Bevölkerung während des Mittelalters und der frühen Neuzeit zu erfor
schen.
Sie dokumentieren darüber hinaus eindrucksvoll politische, wirtschaftliche und kulturelle Ver
hältnisse und sind ein unverzichtbares Zeugnis der Menschheitsgeschichte. Es sind wichtige
landesgeschichtliche Bodenurkunden, denn ihre Erforschung dient der Ergänzung und Präzisie
rung archivalischer Überlieferung und historischer Zeugnisse.
Schutzbereich
Der Schutzbereich umfasst eine durch die Sachverhaltsermittlung ermittelte Fläche von etwa
160 x 70 m (9523 m2), in der die etwa 200 Bergbauschächte festgestellt wurden.
Literatur:
Hammler, U (1987): Erze; in: Geologischer Dienst NRW (Hrsg.): Erläuterungen zur Geologi
schen Karte 1:100.000 Blatt Bonn, C 5506, S. 20-24; Krefeld.
Kley, N. und Brunemann, H.G. (1995). Auf der Such nach Eisenstein - Spuren Kaller Bergleu
te.; in: Festschrift 100 Jahre Eifelverein Ortsgruppe Kall 1895-1995.
Meyer, W. (1988): Geologie der Eifel - 2. Auflage, Schweizerbart, Stuttgart.