Daten
Kommune
Langerwehe
Größe
3,9 MB
Datum
17.02.2016
Erstellt
05.02.16, 18:07
Aktualisiert
05.02.16, 18:07
Stichworte
Inhalt der Datei
LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland·
LVR-Amt für Bodendenkmalpflege Im Rheinland
Endenlcher Straße 133
·
53115 Bonn
Datum und Zeichen bitte stets angeben
26.10.2015
Gemeinde Langerwehe
-Untere Denkmalbehörde
Schönthaler Straße
4
52379 Langerwehe
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·
Gernelr1da U::n g 1r(vehe
982.333-43/20- DN 208
Wegener
Tel
0228 9834-182
Fax
0221 8284-0365
Wolfgang.Wegener@lvr.de
Schutz und Pflege von Bodendenkmälern, Fortführung der Denkmalliste,
hier: Antrag auf Eintragung eines Bodendenkmals in die Liste der ortsfesten Boden
denkmäler, Bodendenkmal DN 208, Deckungsgraben, Schützengraben
Sehr geehrte Damen und Herren,
unter Bezug auf § 3 Abs. 2 DSchG NW stellt das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege
im Rheinland hiermit den Antrag, das in dem beigefügten Denkmalblatt beschriebene Bodendenkmal DN 208, Deckungsgraben, Schützengraben in die Liste der orts
festen Bodendenkmäler der Gemeinde Langerwehe einzutragen. Das Bodendenk
malblatt ist Bestandteil dieses Antrages.
Das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland erstellt als Dienstleistung für
die Untere Denkmalbehörde Bodendenkmalblätter, wenn die Voraussetzung zur Ein
tragung in die Denkmalliste als Bodendenkmal festgestellt sind ( § 2 Abs. 1 und 5
DSchG NW). Das Denkmalblatt enthält alle für das jeweils beschriebene Boden
denkmal wichtigen Daten. Sie entsprechen dem Stand zum Zeitpunkt der Erhebung
und stehen auch den Denkmaleigentümern zur Einsicht offen. Das Fachamt hat
Zugriff auf das Liegenschaftskataster. Die Abgr· enzung und Ermittlung der betroffe
nen Flur und Flurstücke wurde auf der Grundlage dieser Liegenschaftskarten vorge
nommen.
Das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege ini Rheinland bittet, den Empfang des Antra
ges mi len zugehörigen Denkmalblättern auf dem beigefügten Formblatt zu bestä
tigen.
·
Mit
Im
Anlagen:
Bodendenkmalblatt DN 208
Empfangsbestätigung
Wir freuen uns über Ihre Hinweise zur Verbesserung unserer Arbeit. Sie erreichen uns unter der
Telefonnummer
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0221 809-2255
oder senden Sie uns eine E-Mail an Anrequnqen@lvr.de
Besucheranschrift: 53115 Bonn, Endenlcher Straße 129, 129a und 133
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IBAN: DE 95 3701 0050 0000 564501, BIC: PBNKDEFF370
Landschaftsverband Rheinland
LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland
Bodendenkmalblatt: ON 208
Gemeinde:
Langerwehe
Kreis:
Düren
Kennziffer:
358 032
Reg.Bez.:
Köln
Lage, r/h
25.27 958 - 25.28 346
56.26 424 - 56.27 766
Bodendenkmal
Deckungsgraben, Schützengraben
Zeitstellung
1944/45
Ortsarchiv-Nr.
0715 011
Bearbeiter
W. Wegener
Ortsteil:
Meroder Wald
DGK 5: 25.26/57.26; 25.28/56.26
TK 25: 5204
Datum: 28.08.2015
Kataster: (Gemarkung; Flur; Flurstück)
- Merode;
Schlich-D'horn;
12;
4*, 5*, .
2·f
2*, 7*, 26*, 28*.
Die Flurstücke* sind in Teilbereichen betroffen.
Eigentümer / Pächter:
Die Eigentümer der genannten Flurstücke wurden vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im
Rheinland nicht ermittelt. Ist der. Bund oder das Land Nordrhein-Westfalen als Eigentümer oder
Nutzungsberechtigter betroffen, entscheidet über d9s Eintragungsverfahren anstelle der
Unteren Denkmalbehörde die Bezirksregierung (§ 21 Abs. 4 DSchG NW i.V. m. § 4 DLV). Dem
LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland ist darüber Meldung zu machen.
Denkmalbeschreibung:
Zu den zahlreiche Kriegsrelikten aus den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs im Meroder
Wald gehören auch die Deckungs- und Laufgräben sowie einzelne Feldunterstände westlich
bzw. südwestlich von Haus Hardt. Dabei handelt es sich vor allem um für die deutschen Trup
pen bereits im September/Oktober 1944 angelegte Deckungs- und Schützengraben. Dieses
Grabensystem erstreckte sich durch die Waldgebiete der Nordosteifel auf einer Länge von fast
7,5 km von Merode bis südwestlich von Gey. Das System war nicht durchgängig ausgebaut, in
nassen, sumpfigen Gebieten errichtete man keine Gräben, auch sind in Teilabschnitte aufgrund
des schnellen Herannahens der amerikanischen Streitkräfte die Arbeiten eingestellt worden.
Für den Ausbau wurden Zwangsarbeiter, der Volkssturm und Jugendliche der Hitlerjugend ein
gesetzt. Erhalten haben sich mehrere Abschnitte in den Kommunen Langerwehe und
Hürtgenwald ( DN 207, DN 209, DN 221).
2
Archäologische Situation und Befunderwartung:
500 m östlich des Rotsiefens beginnt ein neuer Abschnitt der Verteidigungslinie zwischen Me
rode und Gey. Sie erstreckt sich auf 1,7 km über die Landstraße Gürzenich - Schevenhütte
hinaus bis zum Fischbach. In der Flur Schlicher Oberbusch existiert zwischen einer
Vernässungstelle und einem Wirtschaftsweg auf einer Stecke von 170 m ein älterer Wall (Abb.
1). Es handelt sich um ein Waldrelikt aus dem 19. oder der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Dieser Wall ist ca. 0,6 m hoch und an der Basis 2 m breit. Auf der Kuppe des Walles sind ein
zelne Schützenlöcher in den Wall gegraben.
Abb. 1
Alter Damm als Deckungsschutz benutzt.
Östlich des Waldweges beginnt dann wieder ein Deckungsgraben. Er zeigt die normale Zick
zack-Struktur mit nach Westen aufgeworfenem niedrigem Wall, der als Brustwehr diente. Die
se Struktur diente vor allem als Splitterschutz bzw. Gewehrfeuer von der Seite. Die erhaltenen
Gräben haben eine Breite von 1,8 m und eine Tiefe von ca. 05 - 0,7 m, sie sind leicht erodiert
bzw. mit Laub kleineren Ästen bedeckt. Die Sohlbreite war mit 1,3 m in den Richtlinien für den
Stellungsbau vorgesehen. Der Graben erstreckt sich weiter in östliche Richtung und biegt nach
ca. 35 m nach Süden um. Auf einer Strecke von 660 m bis zur Landstraße, westlich von Haus
Hardt, ist er gut erhalten, mit zahlreichen Stichgräben und Schützenlöchern. Im Bereich vom
Hardter Busch sind die Feldbefestigungen als Senken und verschliffene Gräben gut erhalten,
auch wenn die Ränder stark erodiert und die Grabensohlen mit Humusmateria.1 angefüllt sind.
Direkt westlich von Haus Hardt befindet sich ein alter Steinbruch mit einem Aufschüttungsbe
reich. Der Westhang dieses Steinbruchs wurde zur Anlage des Deckungsweges genutzt. Unter
halb und nahe an der Landstraße befinden sich einzeln größere Gruben, die als Feldunterstän
de bzw. als MG-Stände zur Sicherung der Straße angesprochen werden können. In dem fol-
3
genden Abschnitt von der Landstraße bis zum Schwarenbroicher Bach sind 'keine Deckungs
gräben im Gelände zu erkennen.
Abb. 2
Deckungsgraben mit Stichgraben und Schützenloch.
Erst südlich des Baches sind auf einer Strecke von :230 m weitere Deckungsgräben zu erken
nen. Auch sind der Zick-Zack-Verlauf und einzelne Stichgräben und Schützenlöcher an der
Westseite vorhanden. In dem folgenden Teilstück bis zum Wirtschaftsweg sind die Kriegsrelikte
durch Waldrodungsmaßnahmen und Neuanpflanzungen im Herzogenhau zerstört und an der
Oberfläche nicht mehr zu erkennen.
Abb. 3
Stichgraben mit doppeltem Schützenloch.
4
An dem folgenden Waldweg, der bereits 1944/45 existierte, befindet sich an der Südseite eine
Feldbefestigung aus einem ehemaligen MG-Stand direkt am Weg und einem wenige Meter da
hinter liegenden Unterstand. Beide Relikte sind als Gruben gut zu erkennen. Der Feldunter
stand hat einen Durchmesser von ca. 8 m und eine Tiefe von fast 2 m. An den Seiten, beson
ders an der West- und Ostseite, ist die Erde zu einem Wall aufgeschüttet. 80 m südlich vom
Wirtschaftsweg befindet sich eine weitere ausgebaute Feldstellung. Sie besteht aus mehreren,
ineinander übergehende Gruben, die als mindestens drei Feldunterstände anzusprechen sind
(Abb. 4). Auch hier finden sich an den Randbereichen zu Wällen aufgeschüttetes Erd- und
Steinmaterial. An der Westseite dieser Stellungen verläuft der Deckungsgraben. Auch hier sind
die Gräben gut erhalten und mit zahlreichen Stichgräben und Schützenlöchern versehen (Abb.
2). An einzelnen Stellen konnten V-förmige, zu zwei Seiten ausgerichtete Schützenlöcher kar
tiert werden (Abb. 3). Die Deckungsgräben erstecken sich noch südlich der Feldstellung auf
1 20 m bis zur Niederung des Fischbaches (Abb. 5). Die Deckungsgräben und die Feldstellun
gen sind auf den Reliefkarten von GeoBasis NRW gl!t zu erkennen (Abb. 6).
Historiscne Gmnctlagen
Im zweiten Weltkrieg begann nach der Landung der Alliierten Truppen in der Normandie ab
Anfang September 1944 an der deutschen Reichsgrenze eine Aktivierung des Westwalles und
ein beschleunigter Ausbau von Feldstellungen als Grenzbefestigung. Zuständig für diesen Aus
bau waren die Gauleiter in ihren Gebieten im Zusammenhang mit den Parteiorganisationen in
den Kreisen und Gemeinden. Im September und in den folgenden Monaten wurden umfangrei
che Feldbefestigungen, u.a. auch die Stellung im Meroder Wald, durch die deutsche Wehr
macht, aber auch durch Volkssturm, Zwangsarbeiter und Hitlerjugend errichtet, wie ein Au..:
genzeuge berichtete.
Abb. 4
Feldunterstände im Bereich Herzogenhau.
Im September 1944 erreichten die alliierten Streitkräfte zwischen Aachen und Roetgen erst
mals die deutsche Reichsgrenze. In wenigen Tagen war die Vorstellung Aachen des Westwalls
5
überwunden und amerikanische Truppen standen südlich von Stolberg. Neben dem Einschluss
von Aachen war ein weiteres Ziel der amerikanischen Streitkräfte über Schevenhütte und den
Wenauer Forst weiter nach Düren bis an die Rur vorzurücken. Aufgrund des deutschen Wider
standes im Hürtgenwald richteten sich die Kämpfe zunächst aber auf den Todtenbruch,
Vossenack und Hürtgen.
Abb. 5
System von Deckungsgräben.
Erst mit der „Operation Queen" und deren Vorbereitung durch die 9. Und 1. US-Armee liefen
seit Anfang November 1944. Der südliche Abschnitt dieser Operation mit dem nördliche Eifel
rand und dem Hürtgenwald war Teil des rechten Flügels und unterstand der 1. US-Armee mit
dem 26. Inf. Regiment. Als Angriffstermin stand der 16. 1 1 . 1944 fest, der von schweren Luft
angriffen auf Jülich, Düren und die Gemeinden rund um Hürtgen und Gey begleitet wurde. Der
Angriff am Südflügel führte über die Linie Gressenich-Wenau-Merode. Im südlich anschließen
den Gebiet kämpften Einheiten der 4. US-Inf. Division mit dem 8. Inf. Regiment von
Schevenhütte über das Kloster Schwarzenbroich in Richtung Haus Hardt. Auf deutscher Seite
standen Einheiten der 275. Inf. Division und ab dem 20. November 1 944 die 344. Inf. Division
mit dem 1057. Regiment gegenüber.
Denkmalrechtliche Begründung:
Die Deckungs- und Schützengraben, sowie weitere Kriegsrelikte im Bereich westlich von Haus
Hardt gehören zu den Denkmälern aus unserer unmittelbaren Vergangenheit und sind wichtige
Bodenurkunden und Zeugnisse der Zeitgeschichte. Sie sind bedeutend für die Geschichte der
Militärtechnik im 20. Jahrhundert, denn sie markieren einen wesentlichen Teil der Geschichte
des Zweiten Weltkriegs, als vom September bis November 1944 die amerikanischen Truppen
mit der Operation „Queen" den Angriff auf Westdeutschland, den Rhein und das Ruhrgebiet
begannen.
Auch markieren sie einen Punkt der Deutschen Geschichte, die geprägt ist von der Zeit des
Unrechtregimes des Nationalsozialismus und der vollständigen Zerstörung großer Teile
6
Deutschlands. Vor allem die Ortschaften am Nordrand der Eifel und im Kreis Düren wie Lan
gerwehe, Hürtgenwald und Düren waren durch die Kriegsereignisse fast vollständig zerstört.
Da mit dem Ausbau der Anlagen auch große soziale und wirtschaftliche Veränderungen einher
gingen, sind die erhaltenen Feldstellungen auch bedeutend für die Geschichte der Menschen
und ihrer Arbeitsverhältnisse in den Kriegsjahren. Am Schutz und Erhalt des Bodendenkmals
„Deckungsgraben, Schützengraben" besteht aus wissenschaftlich-militärgeschichtlichen, regio
nalgeschichtlichen und sozialgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse nach § 2
DSchG NW.
Abb. 6
Deckungsgräben und Feldunterständen in der Reliefkarte. Punkte markieren
Messpunkte für die Abgrenzung des Schutzbereiches. (© Geobasis NRW)
Schutzbereich
Der Schutzbereich umfasst den Bereich der Deckungs- und Schützengräben sowie der
Felddunterstände westlich von Haus Hardt und im Bereich Flurbezeichnung Herzogenau.
Literatur/Quellen:
W. Fleischer, Feldbefestigungen des deutschen Heeres · 1939 - 1 945, o. J.
W. Hoppe/W. Wegener, Archäologische Kriegsrelikte im Rheinland. In: J. Kunow ( Hrsg.), Füh
rer zu archäologischen Denkmälern im Rheinland 5 (Essen 201 4), S. 2 1 2 - 228.
W. Trees, Hölle im Hürtgenwald, 1 5. Auflage, Aachen, 2008.
W. Wegener; Schlachtfelder des 2. Weltkrieges, eine neue Herausforderung an die Boden
denkmalpflege, in: Archäologie im Rheinland 2007, 2008, S. 178 - 181.
W. Wegener, Weltkriegsrelikte - Hinterlassenschaften des Ersten und Zweiten Weltkriegs, in:
25 Jahre Archäologie im Rheinland, 201 1, S. 427- 430.
Internet: www. wikipedia.de, Stichwort: Schlacht im Hürtgenwald
7
Abb. 7
Kampfgebiete im Raum Merode und Gey im November/Dezember 1944.
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