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Mitteilungsvorlage (Bodendenkmal DN207)

Daten

Kommune
Langerwehe
Größe
3,1 MB
Datum
17.02.2016
Erstellt
05.02.16, 18:07
Aktualisiert
05.02.16, 18:07

Inhalt der Datei

LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland Qualität für Menschen LVR-Amt für Bodendenkmalpflege Im Rheinland Endenlcher Straße 133 • 53115 Bonn Datum und Zeichen bitte stets angeben / 26.10.2015 ,l Gemeinde Langerwehe -Untere Denkmalbehörde­ Schönthaler Straße 982.333-43/20- DN 207 4 52379 Langerwehe rG-:•·lie.·1�:;:-L ng. erw .v1:1, i• - ...a "" �" .,.„ Wegener Tel 0228 9834-182 Fax 0221 8284-0365 Wolfgang.Wegener@lvr.de Schutz und Pflege von Bodendenkmälern, Fortführung der Denkmalliste, hier: Antrag auf Eintragung eines Bodendenkmals in die Liste der ortsfesten Boden­ denkmäler, Bodendenkmal DN 207, Deckungsgraben, Schützengraben Sehr geehrte Damen und Herren, unter Bezug auf§ 3 Abs. 2 DSchG NW stellt das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland hiermit den Antrag, das in dem beigefügten Denkmalblatt beschriebe­ ne Bodendenkmal DN 207, Deckungsgraben, Schützengraben in die Liste der orts­ festen Bodendenkmäler der Gemeinde Langerwehe einzutragen. Das Bodendenk­ malblatt ist Bestandteil dieses Antrages. Das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland erstellt als Dienstleistung für die Untere Denkmalbehörde Bodendenkmalblätter, wenn die Voraussetzung zur Ein­ tragung in die Denkmalliste als Bodendenkmal festgestellt sind (§ 2 Abs. 1 und 5 DSchG NW). Das Denkmalblatt enthält alle für das jeweils beschriebene Boden­ denkmal wichtigen Daten. Sie entsprechen dem Stand zum Zeitpunkt der Erhebung und stehen auch den Denkmaleigentümern zur Einsicht offen. Das Fachamt hat Zugriff auf das Liegenschaftskataster. Die Abgrenzung und Ermittlung der betroffe­ nen Flur und Flurstücke wurde auf der Gründlage dieser Liegenschaftskarten vorge­ nommen. Das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland bittet, den Empfang des Antra­ ges mit den zugehörigen Denkmalblättern auf dem beigefügten Formblatt zu bestä­ tigen. Mit freul'.ldlichen Grüßen Im Auft iag Anlagen: Bodendenkmalblatt DN 207 Ern pfangsbestätigung Wir freuen uns über Ihre Hinweise zur Verbesserung unserer Arbeit. Sie erreichen uns unter der Telefonnummer "' 0 0 "' .,.; 9 ... 0221 809-2255 oder senden Sie uns eine E-Mail an Anrequnqen@lvr.de Besucheranschrift: 53115 Bonn, Endenlcher Straße 129, 129a und 133 Zahlungen nur an den LVR, Finanzbuchhaltung DB-Hauptbahnhof Bonn, Straßenbahnhaltestelle Bonn-Hauptbahnhof 50663 Köln, auf efnes der nachstehenden Konten Bushaltestelle Karlstraße, Linien 608, 609, 610, 611, 800, 843, 845 USt-IdNr.: DE 122 656 988, Steuer-Nr.: 214/5811/0027 Landesbank Hessen-Thüringen, Kto 60 061 (BLZ 300 500 00) 0 0 IBAN: DE 84 3005 0000 0000 060061, BIC: WELADEDD Cl) °' IBAN: DE 95 3701 0050 0000 564501, BIC: PBNKDEFF370 ..:, Postbank Niederlassung Köln, Kto 564 501 (BLZ 370 100 50) Landschaftsverband Rheinland LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland DN 207 Bodendenkmalblatt: Gemeinde: Langerwehe Kreis: Düren Kennziffer: 358 032 Reg.Bez.: Köln Lage, r/h 25.26 263 - 25.27 615 56.28 098 - 56.28 511 Bodendenkmal Deckungsgraben, Schützengraben Zeitstellung 1944/45 Ortsteil: Merode DGK 5: 25.26/56.28 TK 25: 5204 - - --- --- ---- Ortsarchiv-Nr. 0715 011 Bearbeiter W. Wegener Datum: 28.08.2015 Kataster: (Gemarkung; Flur; Flurstück) Merode; 8·' 22. Das Flurstück ist in Teilbereichen betroffen. Eigentümer / Pächter: Die Eigentümer der genannten Flurstücke wurden vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland nicht ermittelt. Ist der Bund oder das Land Nordrhein-Westfalen als Eigentümer oder Nutzungsberechtigter betroffen, entscheidet über das Eintragungsverfahren anstelle der Unteren Denkmalbehörde die Bezirksregierung (§ 2 1 Abs. 4 DSchG NW i.V.m. § 4 DLV). Dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland ist darüber Meldung zu machen. Denkmalbeschreibung: Im Meroder Wald, zwischen Schloss Merode und der Laufenburg, befinden sich in der Land­ schaft zwischen der Meroder Steingracht und dem Sandkaulsiefen zahlreiche Relikte aus den letzten Monaten des Zweit�n Weltkriegs. Dabei handelt es sich vor allem um einen für die deutschen Truppen bereits im September/Oktober 1944 angelegten Deckungs- und Schützen- . graben ( Abb. 1). Dieses Grabensystem erstreckte sich durch die Waldgebiete der Nordosteifel auf einer Länge von fast 7,5 km von Merode bis südwestlich von Gey. Das System war nicht durchgängig ausgebaut, in nassen, sumpfigen Gebieten errichtete man keine Gräben, auch sind in Teilabschnitte aufgrund des schnellen Herannahens der amerikanischen Streitkräfte die Arbeiten eingestellt worden. Für den Ausbau wurden Zwangsarbeiter, der Volkssturm und Ju­ gendliche der Hitlerjugend eingesetzt. Erhalten haben sich mehrere Abschnitte in den Kommu­ nen Langerwehe und Hürtgenwald ( DN 208, DN 209, DN 221). 2 Archäologische Situation und Befunderwartung: Das Deckungsgrabensystem beginnt unmittelbar südöstlich vom Kreuzungspunk . t Erbsweg, Laufenburger und Meroder Steingracht (Höhe 254,4) im zum Sandkaulsiefen hin abfallenden Hang. Der Deckungsgraben verläuft zunächst auf einer Strecke von 80 m in südöstlicher Rich­ tung und biegt dann nach Osten um. Er zeigt die normale Zick-Zack-Struktur mit nach Westen aufgeworfenem niedrigem Wall, der als Brustwehr diente. Diese Struktur diente von allem als Splitterschutz bzw. Gewehrfeuer von den Seiten. Die erhaltenen Gräben haben eine Breite von 1,8 m und eine Tiefe von ca. 0,5 - 0,7 m, sie sind leicht erodiert bzw. mit Laub und kleineren Ästen bedeckt ( Abb. 2). In dem Gelände, mit nur geringer Humusüberdeckung und der anste­ henden Grauwacke, war es sehr schwierig die Gräben tief in den Untergrund einzugraben, so­ dass davon auszugehen ist, dass es sich um Deckungsgräben für kniende Schützen gehandelt hat. Die Sohlbreite war mit 1,3 m in den Richtlinien für den Stellungsbau vorgesehen. Abb. 1 Deckungsgräben im Wald südwestlich von Merode. Der Graben zieht sich dann um eine kleine Anhöhe mit einem alten Steinbruch herum. In die­ sem Bereich gehen einzelne Stichgräben nach Südwesten ab, an dessen Ende sich Schützenlö­ cher befinden. Diese Struktur von Deckgraben, Stichgraben und Schützenloch zieht sich weiter nach Osten hin bis zu einem Wirtschaftsweg. Im Bereich. dieses Weges ist die Feldstellung ge­ . stört. Hinzu kommen zahlreiche Störungen, die durch eine unsachgemäße Handhabung von Traktoren und Waldmaschinen verursacht wurden. Deutlich sind die Fahrspuren der Geräte zu erkennen. Dadurch wurden die Ränder der Deckungsgräben teilweise eingedrückt, die Graben­ sohle verschüttet. Dieser Bereich verläuft bis zum Marienweg. Östlich vom Marienweg Wurde der Wald gerodet, sodass die Strukturen der Feldbefestigung auch hier durch diese Maßnahme in großen Bereichen gestört sind. Trotzdem lässt sich der Deckungsraben bis zum Sandkaulsiefen und in dem angrenZ:enden Gelände verfolgen. In dem folgenden Waldabschnitt stehen alte Fichten, sodass hier der Deckungsraben bis zum Forellen­ bach gut erhalten ist. 3 Abb. 2. Erodierter Stichgraben und Schützenloch. Südlich vom Forellenbach bis zum Pfadsweg hat man in der feuchten Niederung bis zum Weg keinen Graben ausgehoben. Erst auf der gegenüber liegenden Wegesseite beginnt dann wieder der Deckungsgraben mit einzelne Stichgräben und Schützennischen bzw. Schützenlöchern. Auf einer Strecke von ca. 160 m verläuft er dann gut erhalten in einem lichten, älteren Fichtenbe­ stand bis zum Waidweg ,,Allee". Auf der Ostseite erstreckt sich der Deckungsgraben nach Nor­ den, parallel zum Waldweg und biegt dann nach 35 m in östliche Richtung ab. Nach weiteren 155 m wird die Niederung des Rotsiefens erreicht. Auch in diesem Abschnitt sind die Feldstel­ lungen im Hochwald gut erhalten. Deutlich zeigen sich Graben, Stichgräben und Schützen­ ischen. Zwischen dem Erbsweg und dem Rotsiefen erstreckt sich der Deckungsgraben auf einer Länge von 1,6 km. Historische Grundlagen Im Zweiten Weltkrieg begann nach der Landung der Alliierten Truppen in der Normandie ab Anfang September 1 944 an der deutschen Reichsgrenze eine Aktivierung des Westwalles und ein beschleunigter Ausbau von Feldstellungen als Grenzbefestigung. Zuständig für diesen Aus­ bau waren die Gauleiter in ihren Gebieten im Zusammenhang mit den Parteiorganisationen in q en Kreisen und Gemeinden. Im September und in den folgenden Monaten wurden umfangrei­ che Feldbefestigungen, u.a. auch die Waldstellung im Hürtgenwald, durch die deutsche Wehr­ macht, aber auch durch Volkssturm und Zwangsarbeiter errichtet. Im September 1944 erreichten die alliierten Streitkräfte zwischen Aachen und Roetgen erst­ mals die deutsche Reichsgrenze. In wenigen Tagen war die Vorstellung Aachen des Westwalls überwunden und amerikanische Truppen standen südlich von Stolberg. Neben dem Einschluss von Aachen war ein weiteres Ziel der amerikanischen Streitkräfte über Schevenhütte und den Wenauer Forst weiter nach Düren bis an die Rur vorzurücken. Aufgrund des deutschen Wider­ standes im Hürtgenwald richteten sich die Kämpfe zunächst aber auf den Todtenbruch, Vossenack und Hürtgen. 4 Abb. 3 Graberisystem nördlich vom Soldatenfriedhof. Mit der „Operation Queen" und deren Vorbereitung durch die 9. und 1. US-Armee begannen seit Anfang November 1944 die Vorbereitungen eines Angriffs auf die Rur. Der südliche Ab­ schnitt dieser Operation, mit dem nördliche Eifelrand und dem Hürtgenwald, war Teil des rech­ ten Flügels und unterstand der 1. US-Armee mit dem 26. Inf. Regiment. Als Angriffstermin stand der 16.11.44 fest, der von schweren Luftangriffen auf Jülich, Düren und die Gemeinden rund um Hürtgen und Gey begleitet wurde. Abb. 4 Deckungsgräben südlich der Meroder Steingracht auf der Reliefkarte, (© Geobasis NRW) 5 Der Angriff führte über die Linie Gressenich-Wenau-Merode, dass das 26. US-Inf. Regiment ' Ende November 44 erreichte. Es kam zu schweren Kämpfen mit deutschen Fallschirmjäger­ truppen, sodass der Ort erst am 11.12.44 endgültig von den US-Streitkräften eingenommen werden konnte. Denkmalrechtliche Begründung: Die Deckungs- und Schützengräben sowie weitere Kriegsrelikte im Bereich westlich von Mero­ de gehören zu den Denkmälern aus unserer unmittelbaren Vergangenheit und sind wichtige Bodenurkunden und Zeugnisse der Zeitgeschichte. Sie sind bedeutend für die Geschichte der Militärtechnik im 20. Jahrhundert, denn sie markieren einen wesentlichen Teil der Geschichte des Zweiten Weltkriegs, als vom September bis November 1944 die amerikanischen Truppen mit der Operation „Queen" den Angriff auf Westdeutschland, den Rhein und das Ruhrgebiet begannen. Auch markieren sie einen Punkt der Deutschen Geschichte, der geprägt ist von der ---Zeit-des-Unrechtregimes-des-Nationalsozialismus-und-der-vollständigen-Zerstörung-großer-Teile---­ Deutschlands. Vor allem die Ortschaften am Nordrand der Eifel und im Kreis Düren wie Langerwehe, Hürtgenwald und Düren waren durch die Kriegsereignisse fast vollständig zerstört. Da mit dem Ausbau der Anlagen auch große soziale und wirtschaftliche Veränderungen einhergingen, sind die erhaltenen Feldstellungen auch bedeutend für die Geschichte der Menschen und ihrer Arbeitsverhältnisse in den Kriegsjahren. Am Schutz und Erhalt des Bodendenkmals - „Deckungsgraben, Schützengraben" besteht aus wissenschaftlich-militärgeschichtlichen, regio­ nalgeschichtlichen und sozialgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse nach § 2 DSchG NW. Abb. 5 Kampfgebiete im Raum Merode und Gey im November/Dezember 1944. 6 Schutzbereich Der Schutzbereich umfasst den Bereich der Deckungs- und Schützengräben. Literatur/Quellen: W. Fleischer, Feldbefestigungen des deutschen Heeres 1939 - 1945, o. J. W. Hoppe/W. Wegener, Archäologische Kriegsrelikte im Rheinland. In: J. Kunow (Hrsg.), Füh­ rer zu archäologischen Denkmälern im Rheinland 5 (Essen 2014), S. 212 - 228. W. Trees, Hölle im Hürtgenwald, 15. Auflage, Aachen, 2008. W. Wegener; Schlachtfelder des 2. Weltkrieges, eine neue Herausforderung an die Boden­ denkmalpflege, in: Archäologie im Rheinland 2007, 2008, S. 178 - 181. W. Wegener, Weltkriegsrelikte - Hinterlassenschaften des Ersten und zweiten Weltkriegs, in: 25-Janre Ärcnäol09ie-f rr1 Rnernlana �2-0Tr;- s-: ·427=43-o-. - ---- Internet: www.wikipedia.de, Stichwort: Schlacht im Hürtgenwald