Daten
Kommune
Langerwehe
Größe
486 kB
Datum
07.02.2018
Erstellt
29.01.18, 14:41
Aktualisiert
29.01.18, 14:41
Stichworte
Inhalt der Datei
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN KREUZHERRENSTR.6 52379 LANGERWEHE
Bündnis 90/DIE GRÜNEN
Fraktion im Rat der Gemeinde Langerwehe
Barbara Andrä
Stellv. Fraktionsvorsitzende
Herrn Bürgermeister
Heinrich Göbbels
Schönthaler Str. 4
52379 Langerwehe
Kreuzherrenstr. 6
52379 Langerwehe
Telefon: 02423 914115
Mobil: 0178 9696468
Mail: barbara.andrae1@gmail.com
Langerwehe, den 24.01.2018
Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
die Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN bittet folgenden Antrag auf die Tagesordnung der nächsten
Sitzung des Ausschusses für Kultur, Naherholung und Umweltangelegenheiten zu setzen:
Kein Einsatz des krebsverdächtigen und biodiversitätsschädlichen/vernichtenden Herbizidwirkstoffs Glyphosat auf Flächen der Gemeinde
Langerwehe
Der Ausschuss für Kultur, Naherholung und Umweltangelegenheiten fasst folgenden Beschluss:
1. Die Gemeinde Langerwehe verzichtet bei allen Flächen unter ihrer Bewirtschaftung auf den
Einsatz von Herbiziden mit dem Wirkstoff Glyphosat. Ausnahmegenehmigungen für die
Anwendung solcher Mittel auf Nichtkulturflächen werden ab sofort nicht mehr bei den
Landesbehörden beantragt.
2. Private Unternehmen, die Aufträge von der Gemeinde Langerwehe zur Pflege von Grün-,
Sport- und Verkehrsflächen erhalten, werden entsprechend auf einen Glyphosatverzicht
vertraglich verpflichtet. Bei laufenden Verträgen wird auf eine freiwillige Einigung hingewirkt.
3. Beim Abschluss neuer Pachtverträge für gemeindliche landwirtschaftliche Flächen und bei der
Verlängerung von Pachtverträgen wird eine Klausel eingefügt, mit der sich der Pächter zum
vollständigen Verzicht auf den Einsatz von glyphosathaltigen Mitteln auf diesen Flächen
verpflichtet. Diese Vorgabe wird auch bei Verträgen umgesetzt, die eine automatische
Verlängerung für den Fall vorsehen, dass keine Kündigung erfolgt.
4. Gemeindliche Einrichtungen, die Informations- und Beratungsleistungen im Zusammenhang
mit privater Gartenpflege erbringen, weisen nachdrücklich auf das geltende Verbot der
Anwendung glyphosathaltiger Mittel auf befestigten Flächen hin und vermitteln den Zugang zu
Informationsquellen hinsichtlich einer pestizidfreien Pflege von Haus- und Kleingärten.
5. Unter Beteiligung des Bauamtes wird für alle kommunalen Grün- und Verkehrsraumflächen
ein angepasstes Planungs- und Pflegekonzept erstellt, das eine Bewirtschaftung ohne
Glyphosat und weitestgehend ohne andere Pestizide ermöglicht. Dafür soll auf die
Erfahrungen anderer Kommunen sowie sonstige Expertise (u.a. aus Umweltverbänden) zur
Umsetzung einer pestizidfreien Grünflächenpflege zurückgegriffen werden.
Begründung:
Mehr als 1 Million Menschen haben 2016/17 die Europäische Bürgerinitiative gegen Glyphosat
unterschrieben, darunter überproportional viele Deutsche. Trotzdem hat
Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt Ende November 2017 im Alleingang die Zustimmung
zu einer 5-jährigen Genehmigungserneuerung erteilt und damit eine EU-Mehrheit hergestellt. Kaum
jemand rechnet derzeit mit einer weiteren Genehmigungserneuerung. Deshalb ist es jetzt an der Zeit,
den Ausstieg einzuleiten.
Zum Hintergrund: Die Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat
Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ eingestuft. Diese Einstufung bestätigt
frühere Hinweise auf eine gesundheitsschädigende Wirkung. 1 Die zuständigen Behörden relativieren
diese Hinweise allerdings bisher zu einem „wahrscheinlich nicht krebserregend“. Zudem sind
glyphosathaltige Herbizide laut Umweltbundesamt entscheidend mitverantwortlich für den
dramatischen Verlust an biologischer Vielfalt in der Agrarlandschaft. Rückstände sind bei Menschen
und Tieren sowie in Böden, Gewässern und zahlreichen Lebensmitteln nachweisbar.
Einige Bundesländer (Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Hessen) haben in
Reaktion auf die IARC-Einstufung Erlasse gegen die Erteilung von Ausnahmegenehmigungen für
Glyphosatanwendungen auf Nichtkulturland (u.a. im kommunalen Bereich) erlassen. Thüringen setzt
sich im Bundesrat für bundesweite Anwendungsbeschränkungen auch in der Landwirtschaft ein. 2
Bereits 2013 hat sich der Bundesrat für ein Verbot glyphosathaltiger Herbizide für den Haus- und
Kleingartenbereich ausgesprochen.3 Zudem haben die meisten Bau- und Gartenmarktunternehmen
wie toom, OBI und Bauhaus Glyphosatprodukte aus ihren Sortimenten gestrichen.
Laut Aussage von Frau Mielke wird in der Gemeinde Langerwehe bereits jetzt auf den Einsatz von
Glyphosat verzichtet. Die Gemeinde Langerwehe möchte mit diesem Beschluss gemäß dem
Vorsorgeprinzip ihrer Mitverantwortung für den Gesundheitsschutz ihrer Bürgerinnen und Bürger und
dem Schutz der Umwelt gerecht werden und auch für die Zukunft dafür sorgen, dass auf den Einsatz
von glyphosathaltigen Herbiziden verzichtet wird. Dass und wie es geht, zeigen bereits 90 andere
„pestizidfreie Kommunen“ in Deutschland. 4
Mit freundlichen Grüßen
_________________________
(Stellv. Fraktionssprecherin)
1
Vgl.
http://www.pan-germany.org/download/Glyphosat-Broschuere_2014.pdf,
S.
21
ff.;
http://www.pangermany.org/deu/~news-1438.html; http://www.pan-germany.org/deu/~news-1417.html
2
http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/politik/detail/-/specific/Thueringen-bringt-Initiative-zu-Glyphosat-Reduzierung-inBundesrat-ein-1313424718
3
Siehe http://www.bundesrat.de/SharedDocs/drucksachen/2013/0701-0800/704-13(B).pdf?__blob=publicationFile&v=3 .
4
https://www.bund.net/umweltgifte/pestizide/pestizidfreie-kommune/