Daten
Kommune
Bad Münstereifel
Größe
63 kB
Datum
27.09.2016
Erstellt
30.09.16, 13:15
Aktualisiert
30.09.16, 13:15
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Inhalt der Datei
Haushaltsrede zur Einbringung des Haushalts 2017
von Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian
am 27. September 2016
Sehr geehrte Damen und Herren Stadtverordnete,
sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
sehr geehrte Vertreter der Presse,
sehr geehrte Damen und Herren,
von dem, was wir noch nicht wissen, können wir am meisten lernen.
Sich immer wieder mit denselben Dingen zu beschäftigen und auf dieselben
Berater zu setzen, ist angenehm und einfach, erweitert aber nicht den
Horizont.
In diesem Sinne, meine Damen und Herren, möchte ich Sie ermutigen, offen zu
sein für Neues. Eine neue Idee, neue Pläne, andere Herangehensweisen oder
einen anderen Politikstil.
Gehen Sie gemeinsam mit mir an der ein oder anderen Stelle dieses Risiko ein,
ohne dass Weiterentwicklung nun einmal nicht zu haben ist.
Wir schreiten in der Haushaltsicherung voran. Der eingeschlagene
Konsolidierungskurs ist beständig und führt uns weiterhin zu einem
ausgeglichenen Haushalt im Jahr 2022. Unser Defizit im Ergebnisplan 2017
beträgt ca. 3,9 Mio Euro.
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Dank Ihrer Weitsicht und Ihrer permanenten Beratung, ist es uns gemeinsam
mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung gelungen, zur
Einhaltung der Haushaltssicherung keine weiteren Steuererhöhungen zu
implementieren.
Die anstehenden Steuererhöhungen sind allesamt bereits 2013 im Rahmen des
Haushaltssicherungskonzeptes für die Haushaltsjahre 2019 und 2022
beschlossen und es kommt nicht zu zusätzlichen Erhöhungen.
Die Erhöhung der Grundsteuern A und B im nächsten Jahr sind einzig und allein
der bereits 2013 beschlossenen Gebühren zur Gewässerunterhaltung
geschuldet, die gemäß eines Ratsbeschlusses in diesem Jahr durch
Steuererhöhungen im Jahr 2017 erwirkt werden sollen. Das heißt die
Gewässerunterhaltung wird nicht durch Gebühren erhoben, sondern wird
durch Steuererhöhungen vereinnahmt. Dies haben wir gemeinsam
beschlossen. Demnach beläuft sich die Grundsteuer A auf 420 v.H. und die
Grundsteuer B auf 585 v. H. Die Gewerbesteuer bleibt mit 480 v.H.
unverändert.
Die bereits im Jahr 2013 verabschiedeten Steuererhöhungen in den Jahren
2019 und 2022 werden wir sorgfältig Haushaltsjahr für Haushaltsjahr auf die
Notwendigkeit der Umsetzung prüfen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren von Rat und Verwaltung, sehr geehrte
Gäste, wir alle sitzen in einem Boot – Bürger, Rat und Verwaltung - und
müssen in dieselbe Richtung rudern. Deshalb richte ich an dieser Stelle meinen
ausdrücklichen Dank an Sie alle, die mit Ausdauer und Engagement bei den
Beratungen in den politischen Gremien und in der Verwaltung, aber auch durch
bürgerschaftliches Engagement hierzu beigetragen haben.
2
In den letzten Jahren waren eine strenge Sparpolitik und moderate
Steuererhöhungen vorrangiges Ziel um einen Haushaltsausgleich 2022 zu
erhalten. Die Kommunalaufsicht wird darauf achten, dass wir den
Haushaltsausgleich nicht aus den Augen verlieren. Bund und Land sind neben
uns weitere wesentliche Akteure bei der Beeinflussung der Haushaltspolitik.
Schlüsselzuweisungen, Zensusergebnis, höhere Personalaufwendungen durch
Tarif- und Besoldungserhöhungen, sowie die unsichere finanzielle Situation bei
der Unterbringung und Integration von Flüchtlingen sind an dieser Stelle
beispielhaft zu nennen.
In NRW erhalten die Kommunen im Vergleich zu den anderen Bundesländern
unterdurchschnittliche Finanzzuweisungen. Dies führt zu einer hohen
Steuerlast für Arbeitnehmer und hat beispielsweise zu geringe Investitionen in
Infrastrukturmaßnahmen und in Bildung zu Folge.
Gute Stadtentwicklung erfordert eben eine gut gefüllte Stadtkasse – oder
zumindest ein gutes Konzept, damit Projekte priorisiert und Finanzen
gesteuert werden können.
Wir haben eine zunehmend besser funktionierende Stadt.
Das Outlet beziehungsweise der Einzelhandel übertrifft alle Erwartungen und
wird endlich von einem gut organisierten Stadtmarketing unterstützt.
Unser dreigliedriges Schulsystem funktioniert – sogar mit drei Gymnasien.
Kunst- und Kulturschaffende sind so engagiert wie lange zuvor nicht.
Als staatlich anerkanntes Kneipp-Heilbad halten wir ein wichtiges
Alleinstellungsmerkmal im Standortwettbewerb, welches wir uns nicht nehmen
lassen sollten. Die Lehre von Pfarrer Kneipp passt in ihrer modernen
Interpretation, im Sinne der Prävention, perfekt in unsere heutige Zeit.
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Wir halten einen Wirtschafts- und Erholungswald vor, der seinesgleichen sucht.
Denken sie nur an das Äsungsflächenkonzept, die Biotopbaumaktion oder die
Pflege unsere Wirtschafts-, Rad- und Wanderwege.
Der Mix aus all diesem zieht Jahr für Jahr Millionen Gäste in unsere Stadt.
Investoren und Betreiber von Hotels werden zunehmend auf uns aufmerksam.
Es ergeben sich Chancen unsere unschönen Fleckchen im Stadtgebiet endlich
mal zu eliminieren. Stichwort „Parkhotel“.
Wir haben die Flüchtlingskrise gemeistert – auch dank bürgerschaftlichem
Engagement.
Dem Jahrhundertregen haben wir getrotzt durch Investitionen in den
Hochwasserschutz, die auch weiterhin von Nöten sein werden. Hier ist auch
interkommunale Zusammenarbeit gefordert.
Städtebauförderung, Breitbandförderung und die Förderung von kommunalen
Investitionen haben uns geholfen, unsere Stadt und deren Attraktivität
nachhaltig zu steigern.
Der Beitritt in die Nordeifel Tourismus Gesellschaft zur Stärkung unserer
touristischer Vermarktung ist gut und richtig und gilt es weiter zu intensivieren.
Den bevorstehenden Wiedereintritt in den Kindergartenkonsens haben wir
finanziell im vorliegenden Entwurf untermauert. Auch ein Zeichen unserer
Solidarität den Kommunen im Kreis gegenüber aber auch gegenüber unseren
Kindern.
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Wir müssen einsteigen in die Diskussion der Regionalplanung und uns bei der
Landesentwicklungsplanung deutlich positionieren, damit wir uns als ländliche
Region mit unseren Flächenvorhalten weiter behaupten können. Hierzu bedarf
es neben einem Flächenmonitoring auch der Aufstellung eines
Stadtentwicklungskonzeptes, dessen Beauftragung Sie uns gerade durch Ihre
Beschlussfassung bewilligt haben. Durch ableitbare Handlungskonzepte für
Wohnbereiche, für Erholungsgebiete, Kurgebiete oder Gewerbegebiete werden
wir notwendige Potentiale erschließen und unrentable Flächen umwidmen
können. Gleichzeitig sind sie Grundvoraussetzung zur Erlangung vieler
Fördermittel.
Klimaschutz wird in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle spielen,
deshalb erbitte ich Ihre Zustimmung bei der Fortschreibung unseres
Klimaschutzkonzeptes zur Erlangung eines geförderten Klimaschutzmanagers.
Auch regenerative Energien und Einsparpotentiale werden sich uns dadurch
erschließen – und das muss nicht zwingend Windenergie sein. Die Installation
von E-Bike Stationen gehört ebenso dazu, wie beispielsweise
Photovoltaikanlagen. Auch die Investition in die Energie Nordeifel halte ich für
einen guten Weg, am Energiemarkt wirtschaftlich zu partizipieren und darauf
Einfluss zu nehmen.
Lassen Sie uns in die Leader-Förderkulisse einsteigen und uns Barrierefreiheit
auf die Fahne schreiben. Mit der Arbeitsgruppe in diesem Bereich ist der erste
Schritt getan, es bieten sich weitere attraktive Förderkulissen.
Tue Gutes und rede darüber!
In diesem Zusammenhang werden wir unsere Homepage verbessern und uns
gleichzeitig dem e-government widmen. Gemeinsam mit dem
Stadtmarketingverein werden wir das Thema freies W-Lan angehen. Aber auch
5
die zweite Runde des Leaderprojektes Eifel Vital hilft uns bei der online
Vermarktung unserer Gesundheitsangebote und somit auch unserer
Kurangebote weiter.
Ich verstehe mich als Bürgermeisterin, als Vermittlerin zwischen den Fraktionen
und politischen Meinungen, als Leiterin des Dienstleistungsunternehmens
Stadtverwaltung, als Netzwerkerin zwischen den verschiedenen Institutionen
aber in erster Linie auch als Ideengeberin. Zielführende Gespräche mit den
anderen Kommunen, Verbänden, dem Kreis oder der Bezirksregierung sind mir
persönlich ein Anliegen. Geben Sie meinen Mitarbeitern und mir die Chance,
diesen eingeschlagenen Weg weiter zu beschreiten und unterstützen Sie
unsere gemeinsam erarbeitet Organisationsstruktur!
Wir, die Mitglieder des Rates der Stadt Bad Münstereifel, müssen daher jetzt
richtungsweisende Entscheidungen treffen!
Dazu gehört auch: Mehr Demokratie wagen!
Ich sorge mich um die Spielregeln der Demokratie, wenn
Menschen uns einreden wollen, dass das Grundgesetz keine Rechtskraft
hat und die BRD nur eine Firma ist,
Menschen anstatt unserem Recht religiöse Gesetze anwenden möchten
Menschen mit absurden Thesen unsere Grundrechte und Grundwerte
verbal und nonverbal bekämpfen.
Ein besonderes Verbreitungsgebiet dieser Menschen, auch in unserer Stadt,
sind die sozialen Netzwerke.
6
Wir müssen in unserer Stadt die Bürgerbeteiligung weiter stärken, auch wenn
sich bereits erste Erfolge einstellen. An dieser Stelle gilt mein Lob ausdrücklich
unserer Lokalpresse der es im letzten Jahr wie ich finde sehr gut gelungen ist,
objektive Berichterstattung über unsere Arbeit zu leisten.
Wir haben im zurückliegenden Jahr bewiesen, dass wir gemeinschaftlich alle
Problemstellungen besser gemeistert haben als zerstrittene Stadträte. Eines
unserer gemeinsamen Ziele muss es nun sein, am 22. November 2016 einen
Haushalt 2017 zu beschließen, der genehmigungsfähig und nachhaltig ist.
Es ist nicht auszuschließen, dass es über die Veränderungslisten zu
Verschlechterungen im Haushalt 2017 kommen kann. Stichwort
Brandschutzbedarfsplan. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe für eine
funktionierende Feuerwehr im Sinne unserer Bürgerinnen und Bürger zu
sorgen. An dieser Stelle gilt der Freiwilligen Feuerwehr mein besonderer Dank,
verbunden mit der Bitte, weiter engagiert im Team an diesem Ziel zu arbeiten.
Verbesserungen des Haushalts ergeben sich möglicherweise durch
Förderprogramme, wie z. Beispiel „Gute Schule 2020“, wo zum Ende dieser
Woche planbare Zahlen angekündigt sind. Seitens der Kämmerei werden
entsprechende Veränderungen zeitnah über Veränderungslisten mitgeteilt, so
dass diese in die Haushaltsberatung einfließen können.
Sehr herzlich möchte ich daher zum Schluss meiner Rede unserem Kämmerer
Hans Orth danken, der gemeinsam mit Herrn Ley und dem Team der
Finanzbuchhaltung sowie den Kolleginnen und Kollegen innerhalb der
Fachämter diesen Haushaltsentwurf in den letzten Monaten aufgestellt haben!
Herzlichen Dank dafür!
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Uns, liebe Ratskolleginnen und Ratskollegen, wünsche ich in den nächsten
Wochen eine gute und konstruktive Haushaltsberatung sowie die eine oder
andere Verbesserung bei den externen Faktoren, die unseren Haushalt Jahr für
Jahr erheblich in Schwankungen bringen!
Die Bürgerinnen und Bürger bitte ich ausdrücklich, uns bei der Ausübung dieser
Aufgabe zu unterstützen und uns als ihre gewählten Vertreter zu stärken.
Parteienstreit darf bei der Erreichung unseres gemeinsamen Zieles auch
weiterhin keine Rolle spielen.
Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
- Es gilt das gesprochene Wort –
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