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Beschlusstext (Auswirkungen der Hitze- und Dürrewelle auf den Kommunalwald)

Daten

Kommune
Nettersheim
Größe
196 kB
Datum
11.09.2018
Erstellt
19.09.18, 11:03
Aktualisiert
19.09.18, 11:03
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Inhalt der Datei

Beschluss aus der 13. Sitzung des Ausschusses für Forst- und Landwirtschaft der Gemeinde Nettersheim (X. Legislaturperiode) am Dienstag, 11.09.2018 im Holzkompetenzzentrum in Nettersheim. Punkt 3: Auswirkungen der Hitze- und Dürrewelle auf den Kommunalwald - Vorlage 991 /X.L. - Der Bürgermeister weist darauf hin, dass nachfolgend Forstamtsrat Schmieder anhand einer Präsentation in die Thematik einführen werde. Er habe sich in einer gemeinsamen Bereisung am vergangenen Freitag mit Herrn Schmieder die Auswirkungen der Hitze- und Dürrewelle angesehen und die Entwicklung stelle sich derzeit alles andere als gut dar. Das Thema sei auch Gegenstand der Beratungen bei einer Veranstaltung des Kommunalen Waldbesitzerverbandes in Münster in der vergangenen Woche gewesen. Anhand einer Powerpoint-Präsentation erläutert Herr Schmieder sehr ausführlich die Auswirkungen der Witterungsbedingungen der letzten Wochen und Monate auf den Kommunalwald. Wie in ganz Deutschland sei es auch hier zu Stehendbefall durch Borkenkäfer gekommen und es sei zu befürchten, dass mit einer massiven Vermehrung der Tiere zu rechnen ist. Man müsse alles daran setzen, das befallene Holz bis Ende Oktober aus dem Wald und möglichst direkt zu den Sägewerken bzw. zur holzverarbeitenden Industrie zu bringen. Sollte dies nicht gelingen, sei eine Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln leider unerlässlich. Auf Nachfrage des Vorsitzenden teilt Herr Schmieder mit, dass im Forstbetrieb drei Mitarbeiter für eine solche Behandlung ausgebildet seien. Die Vorgaben des Pflanzenschutzamtes seien hierbei zu beachten. In Bereichen in der Nähe von Gewässern und in ausgewiesenen Wasserschutzzonen dürfe nicht gespritzt werden. Auch müssten Rücksprachen mit Imkereien im Sinne des Bienenschutzes getroffen werden. Während der Behandlung werde das Gebiet abgesperrt, so dass für Menschen keine Gefährdung bestehe. Wichtig sei jetzt, so viel Holz wie möglich aus dem Wald zu holen. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sei letztes Mittel, aber ein richtiger Schritt, auch im Sinne benachbarter Wälder. Ziel müsse sein, die Zahl der in die Überwinterung gehenden Käfer weitestgehend zu minimieren. Ausschussmitglied Mayer teilt mit, dass sich seines Erachtens die Holzwirtschaft in Anbetracht des sich ändernden Klimas anpassen und ggf. auf andere Holzarten, die nicht so anfällig seien wie die Fichte, umstellen müsse. Herr Schmieder erklärt diesbezüglich, dass die Fichte allerdings auch ein wichtiger Wirtschaftsbaum sei, aber man sich mit dieser Thematik sicherlich zukünftig verstärkt befassen müsse. Bürgermeister Pracht teilt mit, dass seitens des Ministeriums derzeit Überprüfungen stattfänden inwiefern ggf. Entschädigungszahlungen für die Forstwirtschaft angestrebt werden könnten. Nach Vorlage von verlässlichen Daten und Zahlen entscheide letztendlich der Bund in welcher Form eine Schadensregulierung möglich sei. Entscheidend sei jetzt, das Holz möglichst schnell aus dem Wald zu bringen, wobei sicherlich unvermeidbar sei, dass teilweise auch Kahlflächen entstünden. Da davon auszugehen sei, dass die Sägewerke mit den Holzmengen schnell überfüllt sein würden, sei eine zügige Lieferung wichtig. Sollte es nicht gelingen, das Holz in Gänze abzutransportieren, sei eine Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln unter dem PEFCSiegel möglich und unerlässlich. Forstamtsleiter Böltz bestätigt, dass der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln sicherlich immer die letzte Möglichkeit darstelle, oft aber unvermeidlich sei. Ein Waldumbau sei langfristig richtig, es müsse mehr Mischung her, man dürfe nicht nur auf eine Baumart setzen. Der südliche Bereich des Gemeindewaldes sei für die Fichte in Ordnung, der nördliche Bereich wohl auf Dauer zu trocken. Hinsichtlich einer möglichen Entschädigungszahlung über Bund bzw. Land habe er nicht allzu viel Hoffnung. Wahrscheinlich werde es eher auf eine langfristige Förderung zukünftiger Maßnahmen hinauslaufen. Auf Nachfrage von Ausschussmitglied List teilt Herr Böltz mit, dass auch Privatwaldbesitzer im Rahmen der Forstbetriebsgemeinschaft Nettersheim unterstützt würden. Die Käferschäden würden auch hier langsam sichtbar. Bundesweit sei ein massiver Käferbefall zu verzeichnen, wie zuletzt in den Jahren 1947/48. Damals habe man aber nicht über die technischen Möglichkeiten verfügt, wie dies heute der Fall sei. Ursächlich sei vor allem die massive Trockenheit in den letzten Monaten. Bei einem Befall würden die Bäume im Normalfall mit einer verstärkten Harzausschüttung reagieren. Hierzu seien die Fichten aufgrund des derzeitigen Wasserhaushaltes aber nicht in der Lage. Forstamtsrat Schmieder informiert auf Nachfrage des Vorsitzenden, dass selbst unter dem FSC-Siegel zwischenzeitlich eine Behandlung von Borkenkäferholz mit Pflanzenschutzmitteln bei solchen Schadenslagen freigegeben sei. Herr Böltz bestätigt dies und ergänzt, dass behandeltes Holz aus einem FSC-Wald allerdings dann nicht mehr unter das FSC-Siegel falle. Aktuell könne ein Pflanzenschutzmitteleinsatz noch helfen, da es noch weiße Larven im Holz gebe, die auf diese Weise beseitigt werden könnten. Es würden ausschließlich lagernde Hölzer behandelt, keine Bestände. Nach Ende Oktober mache eine Behandlung keinen Sinn mehr und sei dann erst wieder im Frühjahr möglich. Der Bürgermeister schlägt vor, die besprochenen Maßnahmen in Beschlussvorschlag mit aufzunehmen und diesen somit wie folgt zu ergänzen: Niederschrift der Sitzung des Ausschusses für Forst- und Landwirtschaft vom 11.09.2018 den Seite 2       Die befallenen Bäume sind umgehend auszuzeichnen; auf den Einschlag frischer Bäume ist zu verzichten. Das Schadholz ist so schnell wie möglich zu entfernen. Mit den hierzu notwendigen Arbeiten ist mittels motormanueller Aufarbeitung und durch Harvester im Rahmen „auf dem Stockverkauf“ umgehend zu beginnen. Um eine Weiterentwicklung der Larven, bzw. eine Überwinterung der Käfer im Boden zu verhindern, sind bis Ende September bzw. witterungsbedingt bis Ende Oktober 2018 möglichst viele befallene Bäume entsprechend zu entnehmen. Das aufgearbeitete Holz ist anhand der sich derzeit täglich verändernden Marktsituation der jeweiligen Sortimente maximal gewinnbringend zu vermarkten. Als Ultima Ratio sind gelagerte Holzstämme (Holzpolter) mit Pflanzenschutzmitteln zu behandeln. Alternative, organisatorische und/oder technische Maßnahmen (z.B. Hacken von Holz) haben Vorrang. Hierzu besteht Einvernehmen. Ausschussmitglied Schmitz weist auf die Privatwaldbesitzer hin und schlägt vor, im Gemeindeblatt ggf. einen Hinweis auf die Problematik zu veröffentlichen. Forstamtsleiter Böltz erklärt, dass auch die Privatwaldbesitzer entsprechend sensibilisiert seien. Am morgigen Tag finde zudem ein Pressetermin zum Thema statt, so dass der Sachverhalt auch in der Presse aufgegriffen werde. Der Bürgermeister bittet Herrn Böltz, im Nachgang des Termins eine entsprechende Pressemeldung zur Verfügung zu stellen, die im Gemeindeblatt zur weiteren Information veröffentlicht werden könnte. (Die Präsentation von Herrn Schmieder ist der Niederschrift als Anlage beigefügt.) Beschlussempfehlung: 1) Der Rat nimmt die Ausführungen zu den Auswirkungen der Hitze und Dürrewelle auf den Kommunalwald zur Kenntnis. 2) Er beschließt, dass der Fichtenholzeinschlag bis auf Weiteres eingestellt wird. 3) Er beauftragt die Verwaltung, im möglichen Rahmen, die Empfehlungen des Waldschutzes zur aktuellen Borkenkäfersituation, im Gemeindewald anzuwenden und umzusetzen. 4) Weiterhin wird folgende Vorgehensweise bei der Beseitigung des durch den Borkenkäfer befallenen Schadholzes vereinbart: a. Die befallenen Bäume sind umgehend auszuzeichnen; auf den Einschlag Niederschrift der Sitzung des Ausschusses für Forst- und Landwirtschaft vom 11.09.2018 Seite 3 b. c. d. e. f. frischer Bäume ist zu verzichten. Das Schadholz ist so schnell wie möglich zu entfernen. Mit den hierzu notwendigen Arbeiten ist mittels motormanueller Aufarbeitung und durch Harvester im Rahmen „auf dem Stockverkauf“ umgehend zu beginnen. Um eine Weiterentwicklung der Larven, bzw. eine Überwinterung der Käfer im Boden zu verhindern, sind bis Ende September bzw. witterungsbedingt bis Ende Oktober 2018 möglichst viele befallene Bäume entsprechend zu entnehmen. Das aufgearbeitete Holz ist anhand der sich derzeit täglich verändernden Marktsituation der jeweiligen Sortimente maximal gewinnbringend zu vermarkten. Als Ultima Ratio sind gelagerte Holzstämme (Holzpolter) mit Pflanzenschutzmitteln zu behandeln. Alternative, organisatorische und/oder technische Maßnahmen (z.B. Hacken von Holz) haben Vorrang. Abstimmungsergebnis: einstimmig ja Niederschrift der Sitzung des Ausschusses für Forst- und Landwirtschaft vom 11.09.2018 Seite 4