Daten
Kommune
Krefeld
Größe
1,9 MB
Erstellt
16.07.18, 14:02
Aktualisiert
25.01.19, 04:28
Stichworte
Inhalt der Datei
Stadt Krefeld, Fachbereich Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung
Kommunaler
Kinder- und Jugendförderplan
der Stadt Krefeld
2015 - 2020
- E N T W U R F -
Impressum
Stadt Krefeld
Fachbereich Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung
Von der Leyen Platz 1
47798 Krefeld
Information:
Norbert Axnick
Christiane Wirth
02151-863270 norbert.axnick@krefeld.de
02151-863450 christiane.wirth@krefeld.de
Der vorliegende Kommunale Kinder- und Jugendförderplan wurde vom
2
Jugendhilfeausschuss in seiner Sitzung am ………………… beschlossen.
- Inhalt -
Vorbemerkung ……………………………………………………………………………………………. 6
Teil A Kinder- und Jugendarbeit ……………………………………………………………….. 7
1.
1.1
1.2
1.3
Jugendverbandsarbeit ……………………………………………………………………….. 7
Förderstrukturen und Fördermodalitäten ……………………………………… 7
Finanzielle Rahmenbedingungen ………………………………………………….. 8
Perspektive …………………………………………………………………………………….. 8
2.
Offene Kinder- und Jugendarbeit ………………………………………………………. 9
2.1
Allgemeine Entwicklungen ………………………………………………………………… 9
2.2 Krefelder Rahmenbedingungen und Standards ………………………………. 11
2.2.1
Leitlinien zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit ……………………….. 11
2.2.2
Planungs- und Wirksamkeitsdialog ……………………………………………. 11
2.2.3
Leistungsstruktur ……………………………………………………………………….. 12
2.2.4
Personal ………………………………………………………………………………………. 19
2.2.5
Fachlichkeit …………………………………………………………………………………. 20
2.2.6
Erreichungsquoten ……………………………………………………………………… 20
2.2.7
Umfang und Lage der Angebote …………………………………………………. 20
2.2.8
Fachlich-pädagogische Angebotsstunden …………………………………. 21
2.2.9
Gebäude und Raumprogramm ……………………………………………………. 21
2.3 Förderstrukturen und Fördermodalitäten …………………………………………. 21
2.3.1
Leistungsvereinbarung ………………………………………………………………… 21
2.4
Finanzielle Rahmenbedingungen ……………………………………………………… 22
2.5 Einrichtungsbezogene IST-Situation ………………………………………………… 23
2.5.1
Einrichtungen, Träger und Personal …………………………………………… 23
2.5.2
Vernetzung ………………………………………………………………………………….. 24
2.5.3
Professionalität und Ehrenamtlichkeit ………………………………………. 24
2.5.4
Stammbesucher/innen ………………………………………………………………. 25
2.5.5
Leistungsspektrum …………………………………………………………………….. 26
2.5.6
Kooperation und Schnittstellenarbeit ……………………………………….. 27
3
2.5.7
2.5.8
Gebäude ……………………………………………………………………………………… 27
Spielmobil „Aktion Mobifant“ ……………………………………………………. 28
2.6 Sozialraumprofile ……………………………………………………………………………… 29
2.6.1
Sozialraumindikatoren ………………………………………………………………..30
2.6.2
Strukturelle und fachliche Einschätzungen im Kontext
der Planungsräume …………………………………………………………………….. 32
2.7
Bezirksjugendarbeit …………………………………………………………………………. 51
2.8 Handlungsbedarfe aus fachlicher Sicht …………………………………………….. 51
2.8.1
Kooperation mit Schule …………………………………………………………….…. 51
2.8.2
Dialog mit Eltern / Familien ……………………………………………………….… 53
2.8.3
Außerschulische Jugendbildung ………………………………………………….. 53
2.8.4
Interkulturelle / Internationale Jugendarbeit ………………………………. 54
2.8.5
Partizipation …………………………………………………………………………………. 55
2.8.6
Spezielle sozialpädagogische Angebote ……………………………………… 55
2.8.7
Mobile Angebote …………………………………………………………………………… 56
2.8.8
Qualifizierung und Weiterbildung ………………………………………………… 56
2.8.9
Unterstützung ehrenamtlicher Arbeit …………………………………………… 57
2.9 Strukturelle Handlungsbedarfe ………………………………………………………….. 57
2.9.1
Personal in den Einrichtungen ……………………………………………………… 57
2.9.2
Einrichtungsbezogene Sachaufwendungen …………………………………. 58
2.9.3
Gebäudeinstandhaltung ………………………………………………………………… 58
2.9.4
Personal in der Bezirksjugendarbeit ……………………………………………… 59
2.10 Zusammenfassung der Handlungsbedarfe ………………………………………… 59
2.11 Schwerpunkte und Perspektiven für 2015 bis 2020 …………………………. 63
Literatur …………………………………………………………………………………………………………. 64
Teil B Kinder- und Jugendschutz …………………………………………………………………… 65
1.
Aufgaben und Rahmenbedingungen …………………………………………………. 65
2.
Handlungsfelder …………………………………………………………………………………. 68
3.
Finanzielle Rahmenbedingungen ………………………………………………………. 68
4.
4.1
4.2
4.3
Fachliche Entwicklungen ……………………………………………………………………. 69
Sucht ……………………………………………………………………………………………… 70
Gewalt ……………………………………………………………………………………………. 71
Medien …………………………………………………………………………………………… 72
4
4.4
4.5
4.6
4.7
Ideologie ………………………………………………………………………………………… 73
Konsum ………………………………………………………………………………………….. 75
Sexualität ………………………………………………………………………………………. 76
Gesundheit ……………………………………………………………………………………. 77
5.
Dialog mit Eltern / Familien ………………………………………………………………… 78
6.
Schwerpunkte und Perspektiven für 2015 bis 2020 …………………………. 79
Teil C Jugendsozialarbeit ……………………………………………………………………………… 80
1.
Aufgaben und Ziele ……………………………………………………………………………. 80
2.
Qualitätsstandards ……………………………………………………………………………..81
3.
3.1
3.2
3.3
3.4
3.5
3.6
3.7
Angebote der Jugendsozialarbeit ………………………………………………………. 83
Schulbezogene Jugendsozialarbeit an Krefelder Schulen ………….. 84
Jugendberufsagentur (ZIP) …………………………………………………………… 84
Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“ ……………………. 85
Neustart ……………………………………………………………………………………….. 85
Casemanagement für Jugendliche und junge Erwachsene
unter 25 Jahren …………………………………………………………………………….. 86
Jugend in Arbeit Plus ……………………………………………………………………. 86
Jugendwerkstatt Fichtenhain ………………………………………………………. 86
4.
4.1
Personelle und finanzielle Rahmenbedingungen ……………………………… 86
Finanzielle Rahmenbedingungen der freien Träger …………………….. 87
5.
Schwerpunkte und Perspektiven 2015 bis 2020 ……………………………….88
5.1
Bezirkliche Ausrichtung der Kommunalen ZFB …………………………….88
5.2
Fortführung der schulbezogenen Jugendsozialarbeit ………………….88
5.3
Jugendberufsagentur (ZIP) …………………………………………………………… 89
5.4
Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“ ……………………. 90
5.5
Sozialraumorientierte Projekte ……………………………………………………. 90
5.5.1
Jugend Stärken im Quartier ……………………………………………………. 90
5.5.2
Hardenberg im Perspektivwechsel ………………………………………… 91
5.5.3
Neuzugewanderte / junge Flüchtlinge …………………………………… 91
Teil D Anteil der Förderbereiche am Gesamtbudget der Jugendhilfe …………… 93
5
Vorbemerkung
Laut § 15 Abs. 4, Drittes Ausführungsgesetz zum KJHG NRW, ist der örtliche Träger der öffentlichen Jugendhilfe verpflichtet, auf der Grundlage der kommunalen Jugendhilfeplanung,
einen Förderplan zu erstellen, der für jeweils eine Wahlperiode der Vertretungskörperschaft
festgeschrieben wird.
Der bisherige Förderplan wurde vom Jugendhilfeausschuss am 16.06.2010 für den Zeitraum
2010 bis einschließlich 2014 beschlossen. Da sich die Legislaturperiode diesmal, aufgrund
der früher stattgefundenen Kommunalwahl, um ein Jahr verlängert, und die nächste Kommunalwahl erst im Jahr 2020 stattfindet, erweitert sich der Zeitrahmen für den aktuellen
Kommunalen Kinder- und Jugendförderplan entsprechend. Der neue Förderplan erstreckt
sich somit über die Jahre 2015 bis einschließlich 2020.
Um eine kommunal abgestimmte Fortschreibung des Kommunalen Kinder- und Jugendförderplanes zu gewährleisten, wurden sowohl die jeweils involvierten Fachorganisationen und
Träger als auch die politischen Mandatsträger/innen in einen gemeinsamen Dialog eingebunden. Dieser Dialog fand, differenziert nach den jeweiligen Teilbereichen, in Form von
Workshops statt:
• Workshop „Kinder- und Jugendarbeit“: 07.02.2105
Im Vorfeld fand dazu am 03.02.2015 eine erweiterte Trägerkonferenz zur Offenen
Kinder- und Jugendarbeit statt.
• Workshop „Kinder- und Jugendschutz“ am 30.01.2015
• Workshop „Jugendsozialarbeit“ am 06.02.2015
Die aus den Workshops resultierenden Einschätzungen basieren im Wesentlichen auf
- der Auswertung vorhandener Daten und aktueller Informationen,
- einer Reflexion und Beurteilung der jeweiligen Gesamtsituation,
- der fachlichen Einschätzung hinsichtlich sozialräumlicher, zielgruppen6
bzw. themenbezogener Entwicklungen.
Der aktuelle Förderplan 2015 - 2020 ist eine Fortschreibung des bisherigen Förder- planes
und löst diesen ab. Um weiterhin ein vollständiges und transparentes Gesamt- bild zu erhalten und um häufige Querverweise zum bisherigen Förderplan zu vermeiden, wurde teilweise
die Darstellung von nach wie vor gültigen Rahmenbedingungen und inhaltlichen Ausrichtungen aus dem bisher bestehenden Förderplan (in redaktionell überarbeiteter Form) übernommen.
Damit verbundene Kosten und deren Finanzierbarkeit aus dem städtischen Haushalt
werden jeweils erst zum konkreten Entscheidungszeitpunkt bewertet. Alle finan- ziellen
Auswirkungen bedürfen noch der Erörterungen im Rahmen der Etatberatungen im Rat der
Stadt Krefeld und stehen unter dem Vorbehalt der jährlichen Mittelbereit- stellung durch
den Rat der Stadt Krefeld sowie gegebenenfalls auch unter dem Vorbehalt möglicher
Auflagen seitens der Kommunalaufsicht des Landes NRW.
Teil A
Kinder- und Jugendarbeit
„Jungen Menschen sind die zur Förderung ihrer Entwicklung erforderlichen Angebote der
Jugendarbeit zur Verfügung zu stellen. Sie sollen an den Interessen junger Menschen anknüpfen und von ihnen mitbestimmt und mit gestaltet werden, sie zur Selbstbestimmung
befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und zu sozialem Engagement anregen
und hinführen“ (§ 11 Abs. 1, SGB VIII).
Die Kinder- und Jugendarbeit soll „….durch geeignete Angebote die individuelle, soziale und
kulturelle Entwicklung junger Menschen unter Berücksichtigung ihrer Interessen und Bedürfnisse fördern. Sie soll dazu beitragen, Kindern und Jugendlichen die Fähigkeit zu solidarischem Miteinander, zu selbst bestimmter Lebensführung, zu ökologischem Bewusstsein und
zu nachhaltigem umweltbewusstem Handeln zu vermitteln. Darüber hinaus soll sie zu eigenverantwortlichem Handeln, zu gesellschaftlicher Mitwirkung, zu demokratischer Teilhabe,
zur Auseinandersetzung mit friedlichen Mitteln und zu Toleranz gegenüber verschiedenen
Weltanschauungen, Kulturen und Lebensformen befähigen“ (§ 2 Abs. 1, Drittes Ausführungsgesetzes zum KJHG NRW).
1.
Jugendverbandsarbeit
„Die eigenverantwortliche Tätigkeit der Jugendverbände und Jugendgruppen ist unter Wahrung ihres satzungsgemäßen Eigenlebens nach Maßgabe des § 74 SGB VIII zu fördern“ (§ 12
Abs. 1, SGB VIII).
„In Jugendverbänden und Jugendgruppen wird Jugendarbeit von jungen Menschen selbst
organisiert, gemeinschaftlich gestaltet und mitverantwortet. Ihre Arbeit ist auf Dauer ange7
legt und in der Regel auf die eigenen Mitglieder ausgerichtet, sie kann sich aber auch an junge Menschen wenden, die nicht Mitglieder sind. Durch Jugendverbände und ihre Zusammenschlüsse werden Anliegen und Interessen junger Menschen zum Ausdruck gebracht und
vertreten“ (§ 12 Abs. 2, SGB VIII).
Jugendverbände leisten einen wesentlichen Beitrag zur Erziehung und Bildung junger Menschen. Sie sind mit ihren pädagogischen Angeboten in den Altersbezügen der Kinder und
Jugendlichen verortet und bieten ihnen in vielfältiger Weise u.a. Möglichkeiten der Selbstorganisation, des konkreten Mitgestaltens und Mitwirkens, der Beratung und Unterstützung in
besonderen Alltagsfragen. Ihre Stärken liegen vor allem in ihren unterschiedlichen Wertorientierungen, für die sich junge Menschen freiwillig entscheiden können. Schwerpunkt der
Jugendverbandsarbeit sind vor allem die politische und soziale Jugendbildung, die Partizipation, die Kinder- und Jugenderholung und das ehrenamtliche Engagement. Hinzu kommen, je
nach Verbandsprofil, z.B. Angebote im Zusammenwirken mit Schule, Angebote im Bereich
der Prävention und der interkulturellen Jugendarbeit (vgl. Ausführungen im Landesjugendplan).
Jugendverbandsarbeit und Offene Kinder- und Jugendarbeit stehen dabei als zwei, sich ergänzende, Angebotssäulen für Kinder und jugendliche nebeneinander.
1.1
Förderstrukturen und Fördermodalitäten
Finanziell unterstützt die Stadt Krefeld die Arbeit der Jugendverbände (wie auch Gruppen,
die nicht als Verband organisiert sind und z.B. Ferienfreizeiten durchführen) auf der Grundlage und nach den Richtlinien des städtischen Jugendförderplans. Eine Anpassung bzw. Aktualisierung der Förderkriterien / Fördermodalitäten erfolgte letztmalig im Jahr 2011. Die einzelnen Förderpositionen lauten wie folgt:
- Kinder- und Jugendfreizeiten
- Örtliche Ferienveranstaltungen
- Außerschulische Jugendbildung
- Material für Kinder- und Jugendarbeit
- Qualifizierung ehrenamtlicher Kräfte
- Um- und Neubau, Inneneinrichtung und Instandsetzung
Der vollständige Text ist den „Richtlinien zur Förderung der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus Mitteln der Stadt Krefeld“ zu entnehmen.
1.2
Finanzielle Rahmenbedingungen
Im Zuge der Haushaltskonsolidierung wurden die Mittel für den städtischen Jugendförderplan ab 2014 von 34.900,--EUR auf 9.900,--EUR ab 2015 reduziert.
Demgegenüber betrug das Antragsvolumen im Jahr 2014 insgesamt 58.541,--EUR, davon
47.747,--EUR für Kinder- und Jugendfreizeiten. De facto flossen 26.615,--EUR in die Förderung der Ferienfreizeiten freier Träger, Verbände und sonstigen Gruppen, an denen insgesamt 1107 Kinder (zum Teil aus finanziell stark benachteiligten Familien) teilnahmen.
1.3
Perspektive
8
Der Krefelder Jugendring, als Dachorganisation der Krefelder Jugendverbände, löste sich,
nach einer relativ kurzen Revitalisierungsphase, im Jahr 2011 ersatzlos auf. Das noch im bisherigen Kommunalen Kinder- und Jugendförderplan formulierte Ziel, über einen gemeinsamen, kontinuierlichen Dialog die (für die Kinder- und Jugendarbeit im Allgemeinen und für
die Jugendverbandsarbeit im Speziellen) relevanten Themen und Inhalte zu definieren und in
eine zielführende Arbeit und in ein klares Profil einmünden zu lassen, konnte daher nicht in
dem gewünschten Maß eingelöst werden.
Ende 2014 haben sich mehrere Jugendverbände, analog zur Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände, zusammengeschlossen, um sich gemeinschaftlich zu vertreten. Ziel ist es,
diesen begonnenen Prozess zu verstetigen und alle Jugendverbände in die Arbeitsgemeinschaft zu integrieren. Dazu bedarf es einer intensiven Begleitung und Unterstützung seitens
der Bezirksjugendarbeit, die als Fachberatungsstelle auch den Schulungs- und Beratungsbedarf der Jugendverbände sicherstellt.
2.
2.1
Offene Kinder- und Jugendarbeit
Allgemeine Entwicklung
Konzeptionelle Debatten hinsichtlich der Aufgaben, des Selbstverständnisses, der Entwicklung und Zukunftsfähigkeit prägen die Offene Kinder- und Jugendarbeit seit jeher. Dies zeugt
einerseits von einem ausgeprägten Bewusstsein, im Kontext gesellschaftlicher, sozioökonomischer und (jugend)politischer Zusammenhänge, das eigene Arbeitsfeld immer wieder kritisch zu reflektieren, um lebensweltorientierte, wirkungsvolle und nachhaltige Angebote zu
ermöglichen. Andererseits sollten diese Diskurse aber auch nicht in eine rein reaktive Haltung gegenüber aktueller jugendhilfe- und bildungspolitischer Strömungen münden. Es
würde an dieser Stelle allerdings zu weit führen, die Diskussionen um die Perspektive der
Offenen Kinder- und Jugendarbeit in aller Ausführlichkeit zu behandeln, daher können nur
einige Kernaspekte exemplarisch aufgegriffen und hervorgehoben werden.
Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben und Rahmenbedingungen ist die Offene Kinder- und
Jugendarbeit erfreulicherweise nicht in der Situation, sich ständig neu legitimieren und erfinden zu müssen. Die Frage ist allerdings, wie kompetent und glaubwürdig sie sich selbst
darstellt und wie ernsthaft und wertschätzend sie von der Öffentlichkeit und Politik wahrge9
nommen wird. Stand der Begriff „Jugend“ in der sozialen Modernisierungsphase der Bundesrepublik noch als Synonym für Aufbruch, Veränderung, Wertewandel und Flexibilisierung,
lässt sich seit den 1990er Jahren eine Verschiebung der öffentlichen Aufmerksamkeit beobachten (vgl. Münchmeier, 2014). In Folge veränderter Lebensbedingungen als auch verschärfter sozialer Problemlagen, richtete sich das politische Interesse und der Jugendhilfefokus zunehmend auf Themen wie zum Beispiel „Frühe Hilfen“, „Kinderbetreuung“, „Kindeswohlgefährdung“, „Bildung“, „Synchronisation des Übergangs von Schule und Beruf“.
Eine Engführung der Jugendpolitik auf eine Krisen- und Krisenbewältigungspolitik wird der
Lebensphase Jugend jedoch in keiner Weise gerecht. Daher wurde und wird das Thema „Eigenständige Jugendpolitik“ auch von Seiten der Bundesregierung, von den Fraktionen im
Deutschen Bundestag und im Bereich der politischen Parteien wieder verstärkt diskutiert
(vgl. BMFSFJ – 14. Kinder- und Jugendbericht, S. 415).
Insofern bedarf es einer klaren jugendhilfepolitischen Positionierung zur Offenen
Kinder- und Jugendarbeit sowie kommunalpolitisch abgestimmten, „Rollenklärung“ innerhalb der verschiedenen Arbeitsfelder und Systeme.
Offene Kinder- und Jugendarbeit selbst muss sich in diesen Prozess aktiv einbringen und seine Aufgaben und Potentiale eindeutig artikulieren. Sie muss sich, wie andere Arbeitsfelder
auch, den Herausforderungen stellen, die mit Fehlentwicklungen und sozialen Problemlagen
einhergehen. Offene Kinder- und Jugendarbeit ist keine Enklave freien Aufwachsens und
kein Refugium außerhalb gesellschaftlicher Realitäten. Gleichwohl bietet sie aber einen Erfahrungs- und Gestaltungsort, in dem junge Menschen freiwillig agieren und dabei Anregung
und Unterstützung erhalten. Die Ziele und Inhalte orientieren sich sowohl an den konkreten
Lebenswelten wie auch individuellen Entwicklungen junger Menschen und sind somit weder
unbestimmt noch beliebig. Im Sinne einer ganzheitlich orientierten Persönlichkeitsbildung,
ist Offene Kinder- und Jugendarbeit daher ein ergänzendes Sozialisationsfeld neben Familie,
Schule, Berufsausbildung und Medienwelt. Dabei zeichnet sie sich durch einen, gesetzlich
definierten, eigenständigen Auftrag (§ 11 SGB VIII und § 15 Abs. 1 Drittes Ausführungsgesetz
KJHG NW) sowie durch eine spezifische pädagogische Fachlichkeit aus. Diese Fachlichkeit
baut im Wesentlichen auf Motivation, Ermutigung, soziale Verantwortung, ganzheitliches
Lernen und Engagement.
Bei aller gebotenen Netzwerkarbeit (vgl Pkt. 2.5.6) erscheint aber vor dem Hintergrund eine
fachliche Abgrenzung zu anderen Bereichen immer dann sinnvoll und notwendig, wenn es
darum geht, die spezifischen Stärken und Kompetenzen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu verdeutlichen und Instrumentalisierungstendenzen vorzubeugen. Allerdings
setzen die (im Vergleich zu anderen pädagogischen Arbeitsfeldern) sehr knapp bemessenen
personellen und finanziellen Ressourcen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit enge Grenzen. So betrug zum Beispiel in den vergangenen Jahren der prozentuale Anteil der Ausgaben
für die Offene Kinder- und Jugendarbeit
in Krefeld, gemessen am Gesamtvolumen der Jugendhilfe, lediglich 3,8 %. Dieser
Anteil verringert sich, im Rahmen der Haushaltskonsolidierung, auf 2,5 % in 2015
(s. Teil „D“).
Solche Rahmenbedingungen konterkarieren letztendlich die Erfordernisse und Herausforderungen in der praktischen Arbeit mit jungen Menschen. Daher setzt sich die bundesweite
Arbeitsgemeinschaft der Kinder- und Jugendhilfe in einem Positionspapier auch dafür ein, die „…bisherige appellative Aussage des § 79 Abs.2 Satz 2
SGB VIII “…in eine konkrete Gewährleistungsverpflichtung der Kommunen umzu10
wandeln“ (AGJ 2011, S. 2).
Auch die propagierte Offenheit von Offener Kinder- und Jugendarbeit erfährt dadurch Einschränkungen. Offenheit bedeutet nicht nur eine Offenheit zum Beispiel gegenüber verschiedenen Personen, Gruppen, Religionen oder Weltanschauungen, sondern auch Zuwendung zu kinder- und jugendrelevanten Themen. Dies setzt jedoch die Möglichkeit für eine
intensive Auseinandersetzung zum Beispiel in Form von Gruppenarbeit oder Projekten voraus, was allerdings in Einrichtungen mit nur einer hauptberuflichen Fachkraft nur bedingt
umzusetzen ist (siehe auch Pkt. 2.5.1und 2.9.1).
Wenn Offene Kinder- und Jugendarbeit seinem gesetzlichen Auftrag im vollen Umfang gerecht werden soll, bedarf es zunächst eines deutlichen Bekenntnisses seitens der Politik und
innerhalb der Jugendhilfe. Darüber hinaus gilt es, die fachlichen Standards qualitativ weiter
zu entwickeln und strukturelle Schwächen und Defizite abzubauen. Dazu zählt auch eine
stärkere Professionalisierung sowie ein selbstbewusst reklamiertes, pädagogisches Selbstverständnis und Engagement hinsichtlich der Mitarbeiter/innen in den Einrichtungen (vgl.
Scherr / Sturzenhecker, 2014, S. 370).
Dagegen besitzt das Arbeitsfeld der Offenen Kinder- und Jugendarbeit für die Ausbildung an
den Hochschulen / Fachhochschulen leider oftmals nur eine marginale Bedeutung (vgl. Thole, 2005, S. 196). Gerade sie sollten nicht dazu beitragen, Offene Kinder- und Jugendarbeit
als randständigen Ort für junge Menschen mit Benachteiligungen zu charakterisieren (vgl.
Scherr / Sturzenhecker, a.a.O., S. 374), sondern differenzierte und reflektierte Grundlagen
sowie zur Handlung befähigende Kompetenzen vermitteln.
Offene Kinder- und Jugendarbeit muss sich in dem Zusammenhang selbst wieder als interessantes Einstiegsfeld für neue Fachkräfte präsentieren (vgl. Deinet / Müller 2013, S. 21). Dazu
trägt in Krefeld der Fachbereich Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung mit einer praxisnahen Qualifizierung maßgeblich bei. Dies geschieht sowohl durch den Einsatz von Berufseinsteigern/innen sowie Studierenden im Praxissemester als auch in Form einer engen Kooperation mit der Hochschule Niederrhein, Fachbereich Sozialwesen.
2.2
Krefelder Rahmenbedingungen und Standards
2.2.1 Leitlinien zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit
- Nach dem SGB VIII (§ 11) und dem Dritten Ausführungsgesetz KJHG NW (§ 15 Abs. 1),
hat die Offene Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) einen eigenständigen gesetzlichen
Auftrag im Kontext der Jugendhilfe.
- OKJA ist ein unentbehrlicher, infrastruktureller Bestandteil eines Gemeinwesens
und beteiligt sich aktiv an der Lebensweltgestaltung junger Menschen.
- OKJA unterstützt und fördert das gesunde Aufwachsen, die Persönlichkeitsbildung
sowie ein solidarisches und verantwortungsvolles Miteinander und trägt damit zur
Sozialisation von jungen Menschen bei.
- OKJA muss offen und unvoreingenommen sein für unterschiedliche Personen und
Gruppierungen sowie auf aktuelle Geschehnisse bzw. Themen offen und offensiv
eingehen.
- Die OKJA fördert das Miteinander zwischen Menschen mit und ohne Behinderung.
11
- OKJA ist eingebunden in plurale Strukturen. Unterschiedliche Kooperations- und
Vernetzungsformen sind daher wesentlicher Bestandteil der Arbeit.
- Aufgaben, Ziele, Methoden, Standards und Bedarfslagen von OKJA müssen
kontinuierlich überprüft und fortgeschrieben werden.
- OKJA muss planvoll und transparent sowie in ihrer Aussage verbindlich und
aussagekräftig sein.
- OKJA muss sich z.B. im Rahmen von Ziel- und Leistungsvereinbarungen, Planungsund Wirksamkeitsdialogen, Evaluation und Qualitätsentwicklung an ihren Ergebnissen „messen“ lassen.
- OKJA soll sowohl mit dazu beitragen, die Funktion von Familie zu stärken als auch
die Vereinbarkeit von beruflicher Arbeit und Familie zu unterstützen.
- OKJA muss sich den gesellschaftlichen Entwicklungen und den daraus resultierenden Herausforderungen stellen.
2.2.2 Planungs- und Wirksamkeitsdialog
Die plurale Trägerlandschaft hat in Krefeld bereits sehr früh dazu geführt, die Offene Kinderund Jugendarbeit auf der Basis eines Planungs- und Wirksamkeitsdialogs, im Sinne der Qualitätsentwicklung, neu zu strukturieren. Der 2002 landesweit verbindlich eingeführte Wirksamkeitsdialog wird in Krefeld bereits seit 1999 (und seit 2002 auf der Basis von Leistungsvereinbarungen), im Konsens mit den freien Trägern, als Planungs- und Wirksamkeitsdialog
(im Weiteren P&W-Dialog genannt) durchgeführt. Zu den Kernelementen des P&W-Dialogs
in Krefeld zählen z.B. folgende Aspekte:
• Abschluss von Leistungsvereinbarungen
• Erstellung von Sozialraumprofilen und Einschätzung von Bedarfen
• Formulierung und Gewährleistung fachlicher Standards
• Dokumentation der Arbeit in Form eines Berichtswesens (retrospektiv)
• Dokumentation der Arbeit in Form einer Jahresplanung (prospektiv)
• Realisierung von regelmäßigen Planungs- und Wirksamkeitsgesprächen
• Durchführung von ergänzenden Fachberatungen
• Dokumentation und Reflexion des P&W-Dialogs auf gesamtstädtischer Ebene
Von den derzeit bestehenden 19 Einrichtungen mit hauptberuflichem Personal nehmen 18
Einrichtungen am P&W-Dialog teil. Mit einer Einrichtung (Spielmobil „Aktion Mobifant“) besteht eine Sonderregelung, die jährliche Planungsabsprachen beinhaltet.
Hinsichtlich weiterer und näherer Ausführungen zum P&W-Dialog in Krefeld wird auf folgende
JHA-Vorlagen, respektive Beschlüsse, und Veröffentlichungen verwiesen:
• Vereinbarung über Leistungsentgelte und Qualitätsanforderungen in der Jugendhilfe
(JHA-Vorlage 6180/99)
• Jugendhilfeplanung Offene Kinder- und Jugendarbeit, Teil 1 (JHA-Vorlage 6691/99,
Anlage 1842/99)
• Jugendhilfeplanung Offene Kinder- und Jugendarbeit, Teil 2 (JHA-Vorlage 1160/00)
• Stadt Krefeld: „Planungs- und Wirksamkeitsdialog in Krefeld“, 2004 (Eigendruck)
• Landesjugendamt Rheinland (Hrsg.): „Kommunaler Wirksamkeitsdialog in Krefeld –
12
•
•
•
•
Eine fachpolitische Momentaufnahme aus Sicht der Offenen Kinder- und Jugendarbeit“, Jugendhilfe-Report 2/2005
Auswertung Planungs- und Wirksamkeitsdialog 2002/2003 (JHA-Vorlage 5283/04)
Auswertung Planungs- und Wirksamkeitsdialog 2004/2005 (JHA-Vorlage 1640/06)
Auswertung Planungs- und Wirksamkeitsdialog 2006/2007 (JHA-Vorlage 3635/08)
Auswertung Planungs- und Wirksamkeitsdialog 2012
(JHA-Vorlage 4793/13)
2.2.3 Leistungsstruktur
Die Leistungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit werden in Krefeld wie folgt unterschieden:
• Angebote im Bereich Sport, Spiel, Geselligkeit
• Außerschulische Jugendbildung
• Ferienprogramme
• Beratungsangebote / Individuelle Unterstützung
• Geschlechtergerechtigkeit und sexuelle Vielfalt
• Angebote im Bereich der Partizipation
• Förderung ehrenamtlicher Arbeit
• Schulbezogene Angebote
• Familienbezogene Angebote
• Interkulturelle Angebote / Internationale Arbeit
• Spiel- und erlebnispädagogische Angebote
• Arbeitsweltbezogene Angebote
• Spezielle sozialpädagogische Angebote
• Gemeinwesenbezogene Angebote
Diese Differenzierung bringt in vollem Umfang auch die Schwerpunkte für die Kinder- und
Jugendarbeit zum Ausdruck, die in § 10 des Dritten Ausführungsgesetzes zum KJHG NRW
expliziert benannt werden.
Da einzelne Projekte, Veranstaltungen etc. nicht immer eindeutig bzw. nicht nur „eindimensional“ den oben genannten Leistungsarten zugeordnet werden können, wird bei der Beurteilung die primäre Zielintention bzw. der überwiegende konzeptionelle Charakter des jeweiligen Einzelangebotes zugrunde gelegt.
Als Querschnittsaufgabe bzw. „Inneres Prinzip“ werden, über die rein angebotsorientierte
Ausrichtung hinaus, Geschlechtergerechtigkeit, Partizipation, Interkulturalität,
Vielfalt und Inklusion verstanden.
► Leistungsart „Sport, Spiel, Geselligkeit“
Dieser Angebotsbereich ist häufig der Zugang, über den Kinder und Jugendliche den ersten
Kontakt mit der Einrichtung aufnehmen. Er prägt das Erscheinungsbild der Einrichtung und
ist mitentscheidend dafür, wie die Angebote der Einrichtung insgesamt wahrgenommen und
angenommen werden. Es gilt daher (sowohl über die handelnden Personen als auch über
geeignete Settings) immer wieder Situationen zu schaffen, die einen leichten Zugang ermöglichen und den Aufenthalt „attraktiv“ machen. Insofern hat diese Leistungsart auch eine hohe Animations- und Motivationsfunktion.
13
„Sport, Spiel und Geselligkeit“ soll in pädagogischer Abgrenzung zu Freizeitangeboten kommerzieller Anbieter z. B.
- eine angenehme und anregende Atmosphäre schaffen,
- Beziehungsaufbau ermöglichen sowie Beziehungsgestaltung unterstützen,
- eine rege Kommunikationskultur und –vielfalt vermitteln,
- Beziehungsqualitäten wie Verbundenheit und freundschaftliches Beisammensein
fördern,
- zu selbstorganisierten Aktivitäten anregen und deren Umsetzung unterstützen,
- eine „Brücke“ zu weitergehenden Aktivitäten herstellen,
- professionelle Unterstützung in persönlichen Fragen anbieten.
In dem Zusammenhang sollen junge Menschen auch lernen Grenzen zu respektieren, Nähe
und Distanz zu tarieren und gegebenenfalls Unterschiedlichkeiten auszuhalten oder Probleme und Konflikte im Alltagsleben konstruktiv zu lösen.
Für die konkrete pädagogische Arbeit bedeutet dies unter anderem folgendes:
- Klare Präsenz und aktive Beziehungsgestaltung
- Hohe Sensibilität und Aufmerksamkeit
- Offensives Zugehen
- Ausgeprägte kommunikative Kompetenz
Praxis- / Themenbeispiele
Offener Treff für Kinder und Jugendliche, Jugendcafé, Teenietreff, Spielkreise, Schülercafé,
thematische Aktionsnachmittage, Ausflüge, Ausstellungen, Tanz, Karaoke, Zeugnisparty, diverse Sportangebote und Turniere, Fußballliga der Jugendeinrichtungen, Kickerliga, Billard,
Disco, Fitnessangebote, Klettergarten, Nachtevents, Karnevalsumzug, Trödelmarkt, Musikveranstaltungen, Entenrennen, Spielplatzfest, Weihnachtsfeier etc.
► Leistungsart „Außerschulische Jugendbildung“
Außerschulische Jugendbildung besitzt (als non-formaler Bildungsort) einen eigenständigen
Bildungsauftrag neben der Schule (als formaler Bildungsort), mit eigenen spezifischen Prinzipien und Methoden hinsichtlich der Anregung und Vermittlung von Bildungsinhalten und
Bildungsprozessen. Sie basiert auf Maximen wie z. B. Freiwilligkeit und Lebensweltbezug,
und setzt an den individuellen Voraussetzungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten an. Sie ist dabei kompetenz- bzw. ressourcenorientiert und verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz im Sinne
der Persönlichkeits(aus)bildung.
- Politische und soziale Bildung (Beteiligung an und Mitgestaltung von politischen
Prozessen, Fähigkeit zur kritischen Beurteilung politischer Vorgänge entwickeln,
Förderung sozialer Kompetenzen, Entwicklung von gesellschaftlicher Mitverantwortung und sozialem Engagement...)
- Interkulturelle Bildung (Förderung des kulturübergreifenden Zusammenlebens)
- Kulturelle Bildung (Aktive Teilnahme am kulturellen Leben und Entwicklung eigener
kreativer Ausdrucksformen)
- Ökologische Bildung (Reflektierte Auseinandersetzung mit Natur- und Umwelt)
- Gesundheitliche Bildung (Gesunder Umgang mit dem eigenen Körper)
- Medienkompetenz (Kritische, sinnvolle und konstruktive Nutzung von Medien)
- Technische Bildung (Zusammenhänge erkennen und Anwendungen umsetzen)
- Lebenspraktische Bildung (Förderung der Eigenständigkeit, Vermittlung von
Schlüsselqualifikationen...)
14
Praxis- / Themenbeispiele
„U16-Wahl“, „U18-Wahl“, Jugendbeirat, Wohnumfelderkundung und -gestaltung, „Zeitreise“, „KinderExpo“, „Kinderrechte“, Theater, Filmprojekt, Tanzworkshop,
Literaturwerkstatt, Kreativatelier, Musik, Zirkus,bildnerisches Gestalten, Schwarzlichtprojekt, Textilgestaltung, „Mode und Kostüme“, Comics, Umweltlabor, Erlebnisgarten, Aquarienpflege, „Gesund und fit“, „Mit allen Sinnen leben“, „Rauchfreie Zone“, „Liebe – damals
und heute“, „Gesunde Ernährung“, Redaktionsarbeit für die Internetplattform „Junges Krefeld“, „Spieletester“, „Internetführerschein“, „Umgang mit sozialen Netzwerken“, Internetcafe, Foto-, Film- und Musikbearbeitung, Seifenkistenbau, Sicherungsschein „Top Rope“, Fahrradwerkstatt, Raumgestaltung, „Bewegte Maschinen“, „Windvögel“, „Selbst kochen und backen“, „Ladies- and Gentlemenabend“, „Nettikette für Anfänger“, Sparclub, „Umgang mit Taschengeld“
► Leistungsart „Ferienprogramme“
Ferienprogramme umfassen örtliche oder außerörtliche Maßnahmen, die im Wesentlichen
drei Aspekte beinhalten: Erholung vom Alltag / Aktive Freizeitgestaltung /
Soziales Lernen.
Ferienprogramme sollen die Elemente Erholung und Entspannung sowie Erlebnis und Abenteuer in einem ausgewogenen Verhältnis enthalten. Sie sollen anregend wirken, neugierig
machen, neue Sichtweisen ermöglichen und sich vom passiven „Angebotskonsum“ abgrenzen. Es soll der Aufenthalt und die Erholung in der Natur ermöglicht werden oder der Aufenthalt an Orten, die neue und nicht alltägliche Erfahrungen beinhalten. Dies kann z.B. auch
eine thematische Gestaltung von Ferienprogrammen ermöglichen. Besonders außerörtliche
Ferienfreizeiten werden in der Regel sehr intensiv erlebt, bedingt durch das Erleben von
Gemeinschaft, die Übernahme von Verantwortung für sich und Andere über einen längeren
Zeitraum.
(Anmerkung: Die Ferienganztagsbetreung ist, vor dem Hintergrund „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, der Leistungsart „Familienbezogene Angebote“ zugeordnet)
Praxis- / Themenbeispiele
„Spiel ohne Ranzen“, „Urlaub im Süden“, Tages- und Wochenendausflüge, mehrwöchige Ferienfreizeiten, Ferienspiele, „Ferientreff“
► Leistungsart „Beratungsangebote / Individuelle Unterstützung“
Innerhalb der Offenen Kinder- und Jugendarbeit werden die Mitarbeiter/innen täglich mit
persönlichen Erfahrungen der Kinder und Jugendlichen konfrontiert. Im alltäglichen Umgang
miteinander erzählen Kinder und Jugendliche auch über ihre eigenen Sorgen, Bedürfnisse,
Schwierigkeiten oder Probleme (z.B. familiäre Konflikte, Krisen in Schule und Ausbildung,
Liebeskummer etc.). Es ist daher ein Beziehungsrahmen gegeben der einen professionellen
sowie qualifizierten Umgang und eine angemessene und individuelle Unterstützung erfordert. Die Unterstützung kann zustande kommen, indem die Kinder bzw. Jugendlichen ihre
Anliegen selbst artikulieren oder indem Mitarbeiter/innen aufgrund eigener Beobachtungen
und Erfahrungen ein Unterstützungsangebot machen.
Dies kann und soll aber z.B. nicht die Arbeit einer Beratungsstelle ersetzen. Gemeint ist hier
vielmehr ein Setting, für das sich Zeit genommen werden muss, um z.B.
- in einer vertrauensvollen und ruhigen Atmosphäre, in dem sich das Kind bzw. der
Jugendliche öffnen kann, über die Anliegen zu sprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen oder (in einem weiteren Schritt)
- konkrete Hilfestellungen zu geben, bei der Umsetzung einzelner Handlungs- bzw.
15
Lösungsschritte. Dies schließt Informationen über weitergehende Hilfe- und Beratungsangebote mit ein.
Beratung und individuelle Unterstützung meint in diesem Kontext daher nicht
- das kurze Gespräch beim „Kickerspiel“ (in dem durchaus auch manche individuel
len Problemlösungen en passant aufgezeigt werden können) oder
- die „Beziehungsarbeit“ schlechthin (wenngleich die Ausprägung der „Beziehungsarbeit“ hierbei eine wesentliche Rolle spielt).
Praxis- / Themenbeispiele
Kinder und Jugendliche in Konfliktsituationen (Freundeskreis, Familie, Schule, Ausbildung);
Beratungsgespräche mit Eltern(teilen); Begleitung von jungen Menschen, die Sozialstunden
leisten (in Kooperation mit der Jugendgerichtshilfe)
► Leistungsart „Geschlechtergerechtigkeit und sexuelle Vielfalt“
Das in § 1 (1) SGB VIII postulierte Recht junger Menschen auf Förderung ihrer Entwicklung
und auf Erziehung zu einer eigenen verantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit gilt unabhängig von geschlechtlicher Identität und sexueller Orientierung. Es erfährt im §
9 SGB VIII eine geschlechterbezogene Ausprägung, die in § 4 des Dritten Ausführungsgesetztes zum KJHG NW bekräftigt und ergänzt wird. Danach sind die geschlechtsspezifischen
Belange von Mädchen und Jungen zu berücksichtigen, Benachteiligungen abzubauen, Rollenstereotype zu überwinden sowie Gleichberechtigung und Akzeptanz zu fördern.
Praxis- / Themenbeispiele
Selbstsicherheitstraining, „Jungenträume“, „Schönheitsideale“, Tanz, Kreativangebote, Mädchencafe, WenDo-Training, Mädchentag / Jungentag, Mädchen-/ Jungentreff,
Kochen mit Jungen, Wochenendfahrten mit Mädchen, Jungencamp, „Väter & Söhne“, „Girlsnight“
► Leistungsart „Partizipation“
Partizipation bedeutet, Kindern und Jugendlichen Handlungsfelder anzubieten, in denen sie
Selbstorganisations- und Mitbestimmungsmöglichkeiten ausprobieren können, aber auch
lernen, wie sie auf gesellschaftliche Entwicklungen und Planungen, die ihre eigene momentane Situation oder ihre Zukunft betreffen, Einfluss nehmen können. In diesem Sinne gehören alle Angebote zur Partizipation, die Jugendliche (oder Kinder) für sich selbst und/oder
andere Gleichaltrige aus eigenem Interesse heraus anregen, verantwortlich
(mit)organisieren und (mit)durchführen. Vor dem Hintergrund sind folgende Aspekte zu berücksichtigen:
- Partizipation ist ein Lernprozess, in dem Beziehungsarbeit und die Persönlichkeitsbildung eine maßgebliche Rolle spielen. Die Kinder und Jugendlichen sollen durch
die Mitwirkung zur Beteiligung befähigt werden. Dieser Lernprozess ist keine Einbahnstraße, denn auch die beteiligten Erwachsenen müssen z. B. lernen, die Sichtweise und Interessen der Kinder und Jugendlichen ernst zu nehmen.
- Der Prozess der Beteiligung muss für die Kinder und Jugendlichen nachvollziehbar
und überschaubar sein. Die Beteiligung sollte sich auf konkrete Maßnahmen beziehen, eine praktische, direkte bzw. unmittelbare Beteiligung ermöglichen und zeitnahe Ergebnisse liefern.
- Der Entwicklungsstand der Kinder und Jugendlichen muss berücksichtigt werden
und die organisatorische Abwicklung zielgruppengerecht sein.
- Die Partizipationsprojekte müssen für Kinder bzw. Jugendliche relevant sein.
16
Praxis- / Themenbeispiele
U-16 und U18-Wahl, Jugendversammlung, Kinder-Team, Jugendbeiratswahl, Teamsitzung Helferteam, Besucherversammlung, Ökumenischer Jugendausschuss,
Jugendvertreter Kuratorium, Renovierungswoche, Gemeindefest, Vollversammlung, Ideenkasten, Erarbeiten von Hausregeln, Meinungsrunden, Projekt „Giganten und Gnome“, Teamspieltreff, Jugendsprecherwahl
► Leistungsart „Förderung ehrenamtlicher Arbeit“
Analog zu den Angeboten im Bereich der Partizipation ist die Ermöglichung, Begleitung und
Qualifizierung ehrenamtlichen Engagements eine der klassischen Grundleistungen in der
Offenen Kinder- und Jugendarbeit.
In Abgrenzung zur Partizipation, wird an dieser Stelle ehrenamtliche Arbeit verstanden als
eine Aktivität/Tätigkeit, die nicht primär den eigenen Interessen dient, sondern im Sinne des
Gemeinwohls für eine andere Alters- bzw. Zielgruppe erbracht wird.
Dabei kann ehrenamtliche Arbeit (ebenso wie Partizipation) auch das Ergebnis oder eine
pragmatische Ausprägung von politischer und sozialer Bildungsarbeit sein.
Praxis- / Themenbeispiele
„72 Stunden Aktion“, Ehrenamtlerfrühstück, Präventionsschulung, Mitarbeiterkreis, JuleicaGrundkurs, Konfliktmanagement, Beratung & Begleitung, Jugendförderpreis,
Übernachtungswochenende, „Ehrenamtler-Danke-Party“, Teamschulung und Anleitungsgespräche
► Leistungsart „Schulbezogene Angebote“
Mit dem Terminus „Schulbezogene Angebote“ sind schulzeitintegrierte Angebote gemeint.
Das heißt, alle Angebote, die in die Schul- bzw. Unterrichtszeit fallen oder zumindest einen
Teil davon beanspruchen, sind als solche zu werten. Mit unterschiedlichen methodischen
Ansätzen sollen lebensweltbezogene Angebote gestaltet und damit eine weitere Öffnung
des „Schullebens“ und des Schulunterrichts unterstützt werden. Dies schließt selbstverständlich weitergehende bzw. andere Kooperationsformen, auch außerhalb der Schul- bzw. Unterrichtszeit, nicht aus. Diese Angebote können dann gegebenenfalls auch einem anderen (außerschulischen) Angebotsbereich zugeordnet werden. Je nach Situation, Aufgabenstellung
und Zielsetzung ist
in dem Zusammenhang auch eine enge Kooperation mit der Sozialarbeit an Schulen
zu berücksichtigen (vgl. Teil „C“ des Förderplanes).
Praxis- / Themenbeispiele
Lernhilfen, Konzentrationstraining, Social Media, Schülercafe, Aktion Teamgeist,
Karaoke AG, Schulpatenschaft, Klassentrainings, Pausenhofaktionen, Werkprojekte,
Info-Besuche, Teilnahme an Schulfesten, Spielecafé
► Leistungsart „Familienbezogene Angebote“
Die familiären Lebensformen haben sich z. B. durch Pluralisierungs- und Individualisierungsprozesse, wirtschaftliche und sozioökonomische Entwicklungen, demographische Veränderungen, Erwerbstätigkeit, Zunahme von Einelternfamilien, neue Rollenbilder und Lebensentwürfe zunehmend ausdifferenziert. Öffentliche Verantwortung für das Aufwachsen von
jungen Menschen bedeutet in dem Zusammenhang, dass die Familien eine soziale Infrastruktur vorfinden, die sowohl ihren Bedürfnissen und Interessen als auch ihrem spezifischen
Förderungs- und Unterstützungsbedarf entsprechen. Familienbezogene Angebote sind die-
17
ser Aufgabe besonders verpflichtet bzw. stellen diese Aufgabe durch entsprechende Strukturen oder Inhalte in den Mittelpunkt. Dies umfasst Angebote, durch die unter anderem
- Mütter und Väter ihre Aufgaben in der Familie und die Erwerbstätigkeit besser mit
einander vereinbaren können,
- Kontakte in der Familie und im sozialen Umfeld erhalten und gepflegt werden
können,
- der Kontakt zwischen Eltern und Kindern gefördert und unterstützt sowie elterliche
Erziehungskompetenz gestärkt wird,
- Begegnungs- und Erfahrungsräume mit Eltern(teilen) entstehen. Gemeint sind Angebote, die Eltern aktivieren und in die Arbeit mit einbeziehen oder diese durch regelmäßige, verbindliche und qualifizierte Betreuungsangebote für ihre Kinder entlasten und unterstützen.
Praxis- / Themenbeispiele
Ferienganztagsbetreuung, Familienfrühstück am Sonntag, Sprachcafé, Elterncafé, MütterTöchter-Mittag, Elterngespräche, „Perfektes Elterndinner“, Eltern-Kind-Backen, Familienfreizeit, Familienausflüge, Familientag, Kindergeburtstage, Werken mit Eltern
► Leistungsart „Interkulturelle / Internationale Arbeit“
Kulturelle Vielfalt ist längst zu einem integralen Bestandteil unserer alltäglichen Lebensrealität geworden. So sehr dies jedoch auf die „Kulturelle (bzw. ethnische) Vielfalt“ zutrifft, so
wenig selbstverständlich offenbart sich demgegenüber oftmals das zwischenmenschliche
Verhalten. Zu sehr noch prägen z. B. Fremdheit, Abgrenzungen, stereotype Bilder, Exotismus
und fehlende Dialogbereitschaft das gemeinsame Zusammenleben. Die bloße Präsenz kultureller und ethnischer Vielfalt reicht daher (als reduzierte Beschreibung einer multikulturellen
Gesellschaft) für den Begründungszusammenhang interkultureller bzw. internationaler Arbeit nicht aus. Es geht um Menschen mit unterschiedlichem (rechtlichen) Status, Erfahrungshintergrund, Geschlecht, Alter, mit unterschiedlicher Bildung und Glaubenszugehörigkeit,
mit unterschiedlichen Sorgen, Erwartungen und Einstellungen. Es gibt in diesem Sinne keine
kulturelle Homogenität. Auch die deutsche Mehrheitsbevölkerung ist keine homogene
Gruppe. Insofern scheint auch die pauschale Heranziehung sogenannter „kultureller Werte“
(zumindest da, wo sie aus einer „Nationalkultur“ heraus begründet werden) wenig tragfähig.
Für das gemeinsame Zusammenleben sind alle verantwortlich! Die jeweiligen Normen und
Werte müssen daher, auf Grundlage der Menschenrechte und der Verfassung, in einem dialogischen Prozess transparent gemacht und vermittelt werden. Damit ist die „Interkulturelle/
Internationale Arbeit“ eng verflochten mit den Aufgaben im Rahmen der politischen und
sozialen Bildung (siehe Leistungsart
„Außerschulische Jugendbildung“).
Praxis- / Themenbeispiele
„KinderExpo“, Fest ohne Grenzen, Stadtteilkulturfest, Weltkindertag, Austausch mit Jugendlichen aus anderen Ländern / Internationale Begegnungen, „Afrikaprojekt“, „Begegnung mit
dem Morgenland“, „Textile Weltreise“, „Geschichte des Pfefferhandels“
► Leistungsart „Spiel- und erlebnispädagogische Angebote“
Die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen, insbesondere in den Städten, lässt häufig nur
noch eingeschränkte, funktionalisierte bzw. legitimierte Spiel-, Erfahrungs- und Erlebnisräume zu. Mit den „Spiel- und erlebnispädagogischen Angeboten“ sollen entsprechende Aktivitäten und Arrangements ermöglicht bzw. geschaffen werden, die sowohl außerhalb als auch
18
innerhalb der jeweiligen Einrichtung durchgeführt werden können. Diese Angebote sind vornehmlich gruppenbezogene Angebote. Sie sollen jungen Menschen z. B. „ungewöhnliche“,
„außergewöhnliche“ oder herausfordernde Erlebnisse „außerhalb des Alltags“ in bzw. mit
der Gruppe vermitteln. Sie können dabei für den Einzelnen auch ein Lernen „an der Grenze“
darstellen, um eine Weiterentwicklung zu ermöglichen oder zu beschleunigen. Hierbei geht
es nicht um den „Kick“. Eine gute Reflexion und Rückbindung an die Alltags- und Lebenswelt
ist daher eine Notwendigkeit und wichtige Voraussetzung.
Praxis- / Themenbeispiele
Thematische Spielaktionen, Großgruppenspiele, Kletterparcour, Hochseilgarten,
Paddelfreizeit, Seifenkistenrennen, Slackline, Einradfahren, Jonglage, Aktiv-Ausflüge,
Schwimmen, Heuhotel, Abenteuertage, Nachtwanderung, Reiterhof
► Leistungsart „Arbeitsweltbezogene Angebote“
Berufliche Integration geht einher mit Identitätsbildung und ökonomischer Selbstverantwortung, sie schafft soziale Anbindungen und hat strukturierende Funktion. Für eine Reihe junger Menschen ist der Weg dorthin jedoch brüchig (geworden) und von einem reibungslosen
Übergang von der Schule in die Berufs- und Arbeitswelt kann nicht immer die Rede sein. Offene Kinder- und Jugendarbeit als freiwilliger, kommunikativer und interaktiver Ort eröffnet
informelle Zugänge. Auf der Grundlage von Vertrauen, des gegenseitigen Kennens und des
offenen Gesprächs können vorhandene Barrieren abgebaut bzw. Verständnis oder Einsichten aufgebaut werden; begleitet von der Intention
- die Eigenmotivation der Jugendlichen zu stabilisieren bzw. zu entwickeln,
- Erfolgserlebnisse zu vermitteln und Selbstbewusstsein zu stärken,
- Kenntnisse und Fähigkeiten zu trainieren,
- Perspektiven aufzuzeigen.
Dies erfordert planvolle und sachkundige Unterstützungsangebote und geht weit über eine
„situative Beratung“ hinaus. Die Angebote sollen primär als Gruppenangebote erfolgen (Bei
Einzelhilfe: Zuordnung zur Leistungsart „Beratungsangebote / Individuelle Unterstützung“)
und in enger Kooperation bzw. Absprache mit anderen spezialisierten Diensten stattfinden
(z.B. Kommunale Zentralstelle für Beschäftigungsförderung).
Praxis- / Themenbeispiele
Berufsorientierung / Berufswegeplanung, Bewerbungshilfen, Bewerbungstraining,
Informations- und Beratungsangebote vor Ort, Werksführung, Internetrecherche, SAS, Bot
Busklasse, Schulabgängerseminare, Sozialpraktikum, Unterstützung bei der Suche nach Ausbildungs- und Praktikantenstellen
► Leistungsart „Spezielle sozialpädagogische Angebote“
Bei den „Speziellen sozialpädagogischen Angeboten“ handelt es sich um spezifizierte zielgruppenbezogene und problemorientierte Angebote innerhalb des Sozialraumes oder der
Einrichtung. Die entsprechenden Angebote können sowohl reaktiv (als Folge aktueller Ereignisse) als auch präventiv ausgerichtet sein. Die Arbeit erfolgt hierbei in Gruppen mit gleichen
oder ähnlichen Problem- oder Konfliktlagen. Einige Kernziele lauten z. B.:
- Eigenes Verhalten reflektieren
- Positive Potentiale erkennen und entwickeln
- Gemeinschaft herstellen, Kontakte aufbauen, wiederherstellen oder intensivieren
- Verhaltensalternativen aufzeigen
- Wertorientierung vermitteln
- Zusammenhänge transparent machen
19
- Grenzen setzen
Dadurch sollen, über eine enge Beziehungsarbeit, reflexive Methoden und intensive Motivationsarbeit, die Kinder bzw. Jugendlichen für ein konstruktives und konfliktarmes Zusammenleben gewonnen werden.
Praxis- / Themenbeispiele
Gewaltpräventation, Entspannungsangebote, Snoezelenraum, Aufsuchende Arbeit, Drogenpräventation, WenDo-Training, Raufen nach Regeln, „Ich schicke meine Wut auf Reisen“,
Kreativgruppen für spezielle Zielgruppen, Soziale Trainings, Deeskalationsübungen, Kommunikationstrainings
► Leistungsart „Gemeinwesenbezogene Angebote“
Offene Kinder- und Jugendarbeit ist, als Teil der sozialen Infrastruktur, eingebettet in ein
mehr oder weniger pulsierendes Gemeinwesen (Sozialraum, Stadtteil, Nachbarschaft etc.).
Wenn Offene Kinder- und Jugendarbeit für sich auch den Anspruch erhebt in sozialräumlichen Dimensionen zu denken und zu handeln, dann bedeutet das gleichsam auch, sich zum
Gemeinwesen hin zu öffnen, sich innerhalb des Gemeinwesens zu engagieren und sich z. B.
für positive Lebensbedingungen junger Menschen einzusetzen. Offene Kinder- und Jugendarbeit soll einen aktiven, lebendigen und gestaltenden Bestandteil innerhalb des Gemeinwesens verkörpern.
Hierzu gehört auch eine gute Nachbarschaft zu den vor Ort lebenden Menschen herzustellen, zu festigen oder weiter zu entwickeln. Im Einzelnen bedeutet dies z.B.
- bürgerschaftliche Beteiligungsformen und Formen der Selbstorganisation zu initiieren bzw. zu begleiten,
- Elemente der Gemeinwesenarbeit zu nutzen,
- soziale Netzwerkarbeit zu praktizieren,
- die eigene Leistungsfähigkeit zu dokumentieren und
- Arbeitsinhalte und Arbeitsweisen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit zu verdeutlichen.
Praxis- / Themenbeispiele
Bereitstellung von Räumlichkeiten, Teilnahme an Stadtteil-, Schul- und Kirchenfesten, Bereitstellung von Spielmaterialien und Mobiliar, Seniorencafé, Stadtteilcafé,
Neujahrstreffen, Initiierung von Stadtteilaktivitäten, Charity-Veranstaltungen,
generationsübergreifende Angebote, Austausch mit Bürgervereinen, Sportvereinen etc., Bürgerversammlungen
2.2.4 Personal
• Um eine professionelle Arbeit leisten zu können, müssen Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit mit grundsätzlich 2 hauptberuflichen pädagogischen
Vollzeitkräften ausgestattet sein.
• Unter Zugrundelegung aller Kräfte (einschließlich nebenamtlicher und ehrenamtlicher Kräfte) ist eine geschlechtsparitätische Besetzung vorzusehen.
• Die Fachkräfte müssen über angemessene persönliche, soziale und fachliche
Kompetenzen verfügen. Sie müssen unter anderem über eine ausgeprägte
Kommunikations- und Motivationskompetenz verfügen, Arbeitsabläufe zielorientiert, kreativ und effizient gestalten sowie initiativ und reflektiert handeln können.
• Als Fachkräfte sind Sozialpädagogen/innen bzw. Sozialarbeiter/innen einzusetzen
oder Personen mit mindestens gleichwertiger Hochschulausbildung und ausrei20
chendem Erfahrungshintergrund.
• Die Voraussetzungen für die Teilnahme z.B. an Praxis- / Fachberatungen sowie regelmäßigen Fortbildungen müssen vorhanden sein.
2.2.5 Fachlichkeit
• Die innerhalb der Leistungsstruktur genannten Angebote sind (auf der Grundlage
aktueller Bedarfseinschätzungen sowie bestehender träger- bzw. einrichtungsbezogener Konzepte) inhaltlich-thematisch sowie zielgruppenorientiert zu konkretisieren. Dies schließt gegebenenfalls eine erforderliche Schwerpunktsetzung bzw.
Akzentuierung mit ein.
• Träger- bzw. einrichtungsbezogene Konzepte sind regelmäßig fortzuschreiben.
• Die Arbeit muss verbindlich, verlässlich und transparent gestaltet sowie auf Kontinuität und Nachhaltigkeit ausgerichtet sein.
• Die grundsätzliche methodische Ausrichtung der Arbeit soll ein Spektrum unterschiedlicher Ansätze, und damit eine Vielfalt von potentiellen Möglichkeiten, widerspiegeln (z.B. Projektarbeit, Gruppenarbeit, offene Formen, Diskurse, aufsuchende
bzw. mobile Arbeit). Die jeweiligen Methoden sind im Kontext der angestrebten
Ziele auszuwählen.
• Die Arbeit ist sozialraumorientiert zu entwickeln. Dies setzt auch eine aktive Teilnahme am „öffentlichen Leben“ im Stadtteil voraus.
• Eine kooperative Zusammenarbeit mit anderen Trägern, Einrichtungen und Gruppierungen ist zu gewährleisten.
• Es wird eine aktive und konstruktiv-gestaltende Mitarbeit bei Fachkonferenzen, Arbeitsgemeinschaften etc. erwartet.
• Die Realisierung von Evaluation und Qualitätsentwicklung ist sicherzustellen
(u.a. im Rahmen des Planungs- und Wirksamkeitsdialogs, Berichtswesens ...).
2.2.6 Erreichungsquoten
Mit den Erreichungsquoten wird eine quantitative Aussage darüber getroffen, wie viel junge
Menschen in den Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (als Stammbesucher/innen) erreicht werden sollen. Die prozentualen Werte gelten zunächst als „Basisquoten“ und orientieren sich, unter Berücksichtigung des sozialräumlichen Gesamtindex, am
Durchschnitt der Stadt Krefeld, bzw. an den Abweichungen (Durchschnitt Stadt Krefeld =
100):
5% (niedriger Wert) = < 75
10% (mittlerer Wert) = 75 - 125
15% (hoher Wert)
= >125
Die abschließende Festlegung der Erreichungsquote erfolgt unter Beachtung der sozialen
Milieus, der absoluten Zahlen und einer qualitativen Einschätzung.
Dabei können sich gegebenenfalls auch Abweichungen von der Basisquote ergeben.
Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn in einem einwohnerstarken Planungsraum mit hohem Wert (15%) die absolute Zahl der zu erreichenden Kinder und Jugendlichen so hoch wäre, dass eine Einrichtung mit nur einer Planstelle sowohl den qualitativen als auch quantitativen Anforderungen und Erwartungen nicht gerecht werden könnte.
21
2.2.7 Umfang und Lage der Angebote
• Der zeitliche Umfang der jeweiligen einzelnen Angebote ist im Rahmen der Planungsgespräche, unter Berücksichtigung der Situation im Planungsraum, separat
und einrichtungsbezogen zu definieren.
• Der Umfang der Öffnungszeit beträgt
- bei Einrichtungen mit einer hauptberuflichen Vollzeitkraft mindestens 25 Stunden
pro Woche.
- Die Öffnungszeit erhöht sich mit jeder weiteren hauptberuflichen Vollzeitkraft um
jeweils 5 Stunden.
In Abhängigkeit von der tatsächlichen Angebotssituation, kann sich die Öffnungszeit um den Anteil entsprechender Angebotsstunden verringern (z.B. für einrichtungsextern durchgeführte Angebote)
• Die Lage der Öffnungszeiten muss sich grundsätzlich an den Lebenslagen und Bedürfnissen der jungen Menschen ausrichten und ist für die jeweiligen Einrichtungen
separat zu definieren.
• Im Interesse der Kinder und Jugendlichen sollten Einrichtungen grundsätzlich ganzjährig geöffnet sein. Ohne Einschränkung öffentlicher Fördermittel können jedoch
Einrichtungen in folgendem zeitlichen Umfang schließen:
- Bei einer hauptberuflichen Vollzeitstelle = maximal 11 Wochen pro Jahr
- Bei 1,5 hauptberuflichen Vollzeitstellen = maximal 8 Wochen pro Jahr
- Ab zwei hauptberuflichen Vollzeitstellen = maximal 4 Wochen pro Jahr
2.2.8 Fachlich-pädagogische Angebotsstunden
Der Gesamtumfang der fachlich-pädagogischen Angebotsstunden (Arbeitsstunden
„am Kind bzw. Jugendlichen“) beträgt pro Jahr
- bei Leitungskräften sowie bei Einrichtungen mit nur einer hauptberuflichen
Vollzeitkraft mindestens 1.028 Stunden (bzw. 1.000 Stunden bei Anrechnung
von Klausurtagen für die Jahresplanung)
- bei allen übrigen hauptberuflichen Vollzeitkräften mindestens 1.266 Stunden
(bzw. 1.200 Stunden bei Anrechnung von Klausurtagen für die Jahresplanung)
2.2.9 Gebäude und Raumprogramm
• Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit müssen als solche öffentlich
gut erkennbar sein.
• Ausreichende, geeignete und ansprechende bzw. einladende Räume sind vorzusehen. Hierzu gehören auch Außenflächen bzw. Freiflächen mit offenem Treffpunktcharakter.
• Ein barrierefreier Zugang ist sicherzustellen.
• Für eine angemessene, kinder- bzw. jugendgerechte Ausstattung ist zu sorgen.
2.3
Förderstrukturen und Fördermodalitäten
22
2.3.1 Leistungsvereinbarung
Im Sinne einer kontinuierlichen Qualitätsentwicklung beinhalten die bestehenden Leistungsvereinbarungen im Wesentlichen folgende Prämissen:
- Die Offene Kinder- und Jugendarbeit orientiert sich, neben der gesetzlichen Rahmung, an
den vom Jugendhilfeausschuss beschlossenen Grundsätzen und fachlichen Standards.
- Die Trägervertreter/innen und Fachkräfte der Einrichtungen nehmen am Planungs- und
Wirksamkeitsdialog verbindlich teil.
- Die Arbeit wird in Form eines fortzuschreibenden Berichtswesens reflektiert und dokumentiert (retrospektiv).
- Die Schwerpunkte der Jahrsplanung werden im gemeinsamen Dialog erörtert und vereinbart (prospektiv).
- Die Evaluation der Arbeit orientiert sich sowohl an qualitativen als auch quantitativen
Merkmalen.
Mit allen Einrichtungen in freier Trägerschaft (mit hauptberuflichem Personal) wurden mit
den jeweiligen Trägern Leistungsvereinbarungen abgeschlossen.
Für das Spielmobil „Aktion Mobifant“ besteht ein Fördervertrag seit 1998 und ein
Übernahmevertrag seit 2005 (Überleitung auf einen anderen Träger).
Mit Ausnahme von 4 Trägern, die bislang eine Festbetragsfinanzierung erhalten, kommt bei
allen anderen Leistungsvereinbarungen sowohl eine prozentuale Anteilsförderung als auch
eine Pauschalförderung zum Tragen. Trägervereine erhalten eine anteilige Personalkostenerstattung in Höhe von grundsätzlich 90 % der tatsächlichen Kosten, unter Berücksichtigung
des Tarifvertrages im Öffentlichen Dienst plus einer festgelegten Pauschale für pädagogische
Sachkosten, Honorarkosten, gebäudespezifische Aufwendungen und Verwaltungskosten. Für
die konfessionellen Träger wird eine anteilige Personalkostenerstattung in Höhe von grundsätzlich 80 % gewährt, plus einer Pauschale für die genannten Aufwendungen.
2.4
Finanzielle Rahmenbedingungen
Erträge
Aufwendungen
Abzügl. Aufwendungen
für die Jugendverbandsarbeit
Summe Aufwendungen
Ergebnis
Erträge ./.
Summe
Aufwendungen
2015
EUR
404.585
2016
EUR
405.076
2017
EUR
406.449
2018
EUR
408.250
2019
EUR
412.323
2020
EUR
416.436
2.567.382
9.900
2.594.736
9.900
2.600.340
9.900
2.610.538
9.900
2.636.643
9.900
2.663.010
9.900
2.557.482
2.584.836
2.590.440
2.600.638
2.626.743
2.653.110
-2.152.897
-2.179.760
-2.183.991
-2.192.388
-2.626.743
-2.236.674
23
Basis für die o.a. Darstellung ist der Haushaltsplanentwurf 2015 (Planungszeitraum bis 2018).
Für die Berechnung der Jahreswerte 2019 ff wurde eine kalkulatorische Steigerung von 1%
auf den Vorjahreswert zugrunde gelegt.
Ob angemeldete und begründete Veränderungswünsche im Rahmen der Etatberatungen
Berücksichtigung finden, kann erst nach Verabschiedung des Haushaltes 2015 durch den Rat
beurteilt werden. Ferner können, in Abhängigkeit von der Erstellung eines Haushaltssicherungskonzeptes, Veränderungen für die Folgejahre derzeit nicht prognostiziert werden.
2.5
Einrichtungsbezogene IST-Situation
2.5.1 Einrichtungen, Träger und Personal
In Krefeld bestehen insgesamt 19 Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit mit
hauptberuflichen sozialpädagogischen Fachkräften (inklusive Spielmobil „Aktion Mobifant“):
- 2 Einrichtungen in städtischer Trägerschaft
- 6 Einrichtungen in katholischer Trägerschaft
- 4 Einrichtungen in evangelischer Trägerschaft
- 7 Einrichtungen in sonstiger freier Trägerschaft
Insgesamt 10 Einrichtungen verfügen über maximal eine Planstelle (7 Vollzeitstellen und 3
Teilzeitstellen).
In neun Einrichtungen sind mehr als eine Planstelle vorhanden.
Träger
Einrichtungen
Bezirke
städt. kath.
evgl.
sonstige
BI Rund um St. Josef
West
●
Villa K.
West
●
Forstwaldstraße
West
Schicksbaum
West
Marienburg
Nord
JZ am Wasserturm
Hüls
Spiedie
Mitte
Friedenskirche
Mitte
Café Oje
Mitte
Spielmobil Mobifant
Mitte
Freizeitzentrum Süd
Süd
Canapee
Süd
Planstellen
hauptber.
päd. Fachkräfte
1,5
2 (ab
2015)
1
3
○
1,5
2
●
1
2
●
1
1
●
1,5
2
0,8
1
●
2
3
▼
1
1
2
2
1
2
●
■
x
●
3
1
JZ Fischeln
Fischeln
●
2
2
Stahlnetz
Fischeln
●
1
1
3
4
OT Herbertzstraße
Oppum Linn
x
24
Casablanca
Oppum Linn
Kagawa
Oppum Linn
Funzel
Ost
Jojo
Summe
■
0,7
1
■
0,5
1
■
2
3
●
1
1
7
26,5
36
Uerdingen
2
6
4
Legende
● Freie Träger mit Leistungsvereinbarung seit 2002
■ Freie Träger, für die ab 2007 eine Leistungsvereinbarung abgeschlossen wurde
▼ Freie Träger mit Fördervertrag seit 1998 und Übernahmevertrag seit 2005
○ Freie Träger mit Leistungsvereinbarung ab 2013
Neben den Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit bestehen in Krefeld zwei
Jugendkunstschulen, die jugendkulturelle Bildungsarbeit leisten (Träger:
Werkhaus e.V. und Bürgerinitiative „Rund um St. Josef“).
Eine in NRW einmalige Besonderheit besteht hierbei insofern, als dass beide Träger an ihrem
jeweiligen Standort, auch gleichzeitig Träger einer Einrichtung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit sind. Daraus ergibt sich eine Reihe von sowohl sozialräumlichen als auch inhaltlichen Schnittstellen.
Perspektivisch gesehen, besteht allerdings noch ein Diskussions- und Klärungsbedarf hinsichtlich der weiteren konzeptionellen Ausrichtung und finanziellen Ausgestaltung der Arbeit.
2.5.2 Vernetzung
Die Arbeitsgemeinschaft „Jugendarbeit“ (gemäß § 78 SGB VIII) bildet eine der
Grundlagen für ein abgestimmtes Handeln zwischen den Trägern und besteht aus den zwei
Einzelgremien „Trägerkonferenz“ und „Fachgruppe“. An der Trägerkonferenz nehmen, neben den Vertretern/innen des Fachbereiches Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung, die
(im Sinne der Dienst- und Fachaufsicht) beauftragten Vertreter/innen der freien Träger teil.
In der Trägerkonferenz werden vornehmlich strategische Fragen im Kontext Qualitätsentwicklung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit behandelt. Die Fachgruppe setzt sich aus den
hauptberuflichen, sozialpädagogischen Fachkräften der freien Träger sowie Vertretern/innen
des Fachbereiches Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung zusammen.
Die Fachgruppe hat inhaltlich-gestaltende bzw. fachlich-operative Aufgaben. Arbeitsentwürfe der Fachgruppe fließen als Vorschläge in die Trägerkonferenz ein.
Darüber hinaus existieren eine katholische Arbeitsgemeinschaft der Offenen Kinder- und
Jugendarbeit („AGOJA“) sowie ein Zusammenschluss der evangelischen Einrichtungen als Arbeitsgemeinschaft, unter Einbeziehung des Synodalen Jugendreferates des
Evangelischen Kirchenkreises Krefeld-Viersen.
2.5.3 Professionalität und Ehrenamtlichkeit
Im Workshop des bisherigen Kommunalen Kinder- und Jugendförderplanes
einigte man sich darauf, dieses Thema in der jetzigen Legislaturperiode aufzugreifen und zu
behandeln. Dies gewinnt insofern an Bedeutung, als dass von den 19 vorhandenen Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Krefeld (s. Pkt. 2.5.1) sich 17 in freier Trä-
25
gerschaft befinden. Darunter sind 10 konfessionelle Träger und 7 eingetragene Vereine mit
der Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe.
Die handelnden Personen leisten mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit und ihrem bürgerschaftlichem Engagement eine sehr wertvolle Arbeit innerhalb der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Gemessen an der Funktion und hohen Verantwortung (insbesondere bei den eingetragenen Vereinen, die ausschließlich mit ehrenamtlichen Vorständen arbeiten) bedarf es aber
einer angemessenen und kompetenten Begleitung und Unterstützung. Daher wird im Zuge
des Anerkennungsfahrens als freier Träger unter anderem auch die Zugehörigkeit zu einem
Dachverband erwartet. Dies ersetzt jedoch nicht den praxisbezogenen Dialog im Alltag und
in Bezug auf z.B. dienstliche, fachliche und organisatorische Obliegenheiten.
2.5.4 Stammbesucher/innen
Für die Definition der Stammbesucher/innen von Jugendeinrichtungen werden folgende
Indikatoren zu Grunde gelegt:
- Häufigkeit der Besuche,
- Kenntnis von Name und Anschrift,
- Kenntnis der näheren Lebenssituation.
Anzahl der Stammbesucher/innen im Jahresvergleich
2004
2007
2011
2012
06 – 09 Jahre
936
787
631
693
10 – 14 Jahre
1.376
1.010
1.078
1.097
14 – 18 Jahre
1.096
819
712
717
19 – 26 Jahre
478
383
285
328
Summe
3.886
2.999
2.706
2.835
2013
696
1.020
680
368
2.764
Der Anteil der Mädchen bewegte sich im Durchschnitt bei 46 %.
Der Gesamtschwerpunkt liegt bei der Altersgruppe der 6 – 18 jährigen. Daher wurde die Erreichungsquote im Verhältnis zur altersgleichen Einwohnerzahl errechnet.
Anteil der Stammbesucher/innen
2004
2007
2011
06 – 18 Jahre (Gesamtstadt)
29.950 29.570 26.740
06 – 18 Jahre (Stammbes.)
3.408
2.616
2.421
Erreichungsquote
11,4%
8,8%
9,1%
2012
26.226
2.507
9,6%
2013
25.819
2.396
9,3%
Nach einem etwas deutlicheren Rückgang im Jahr 2007, hat sich die Erreichungsquote in den
letzten Jahren stabilisiert.
Da die Elternarbeit inzwischen ebenfalls ein fester Bestandteil der pädagogischen Arbeit in
mehreren Einrichtungen geworden ist, wird seit 2008 daher auch im Berichtswesen die
Anzahl der Eltern erfasst, die regelmäßig an Angeboten der Einrichtungen teilnehmen. Die
Entwicklung zeigt dabei eine deutlich zunehmende Tendenz.
26
2008
187
Eltern als Stammbesucher/innen
2010
2011
2012
149
190
237
2013
347
2.5.5 Leistungsspektrum
► Prozentuale Verteilung der Leistungsarten im Jahresvergleich
Leistungsarten
2004
2007
2012
2013
1 Sport, Spiel, Geselligkeit
2 Außerschulische Jugendbildung
3 Ferienprogramme
Beratung / Individuelle Unterstüt4
zung
Geschlechtergerechtigkeit und se5
xuelle Vielfalt
6 Angebot Partizipation
7 Förderung ehrenamtlicher Arbeit
8 Schulbezogene Angebote
9 Familienbezogene Angebote
Interkulturelle / Internationale Ar10
beit
Spielpäd. und erlebnispäd. Angebo11
te
12 Arbeitsweltbezogene Angebote
13 Spez. sozialpäd. Angebote
Gemeinwesenbezogene
14
Angebote
46,1%
15,5%
1,6%
41,6%
15,6%
2,6%
40,6%
17,5%
3,8%
34,7%
13,2%
10,0%
1,7%
2,9%
2,6%
1,7%
6,9%
5,4%
6,2%
5,1%
5,8%
2,9%
2,3%
6,1%
4,7%
3,0%
1,9%
6,7%
4,9%
2,8%
1,9%
5,1%
4,0%
2,5%
1,7%
12,8%
5,2%
6,5%
3,1%
2,6%
2,5%
2,6%
2,5%
2,0%
1,4%
1,1%
3,6%
1,3%
1,2%
5,5%
1,0%
3,4%
0,9%
1,6%
2,3%
5,3%
100 %
100 %
100 %
100 %
Deutliche Veränderungen (größer als 2 %) zeigen sich gegenüber 2013 innerhalb
des Gesamtspektrums bei nachfolgenden Leistungsarten:
27
Sport, Spiel, Geselligkeit
Außerschulische Jugendbildung
Ferienprogramme
Familienbezogene Angebote
Interkulturelle / Intern. Arbeit
Spez. sozialpäd. Angebote
Gemeinwesenbez. Angebote
Vergleich zu 2004
- 11,4 %
- 2,3 %
+ 8,4 %
+ 6,7 %
- 2,6 %
+ 2,3 %
+ 4,4 %
Vergleich zu 2012
- 5,9 %
- 4,3 %
+ 6,2 %
+ 7,7 %
- 0,5 %
- 2,1 %
+ 3,0 %
Umverteilungen betreffen stets mehrere Leistungsarten. Das heißt, wenn ein Zuwachs (bzw.
eine Abnahme) bei einer oder mehreren Leistungsarten erfolgt, ergibt sich folgerichtig auch
eine Veränderung bei anderen Leistungsarten.
Die fachlichen und inhaltlichen Schwerpunkte sind in Abhängigkeit von den jeweiligen Einrichtungen und Sozialräumen zu sehen und werden im Planungs- und Wirksamkeitsdialog
jährlich neu abgestimmt.
► Summe der fachlich pädagogischen Angebotsstunden bei den hauptberuflichen
Fachkräften im Jahresvergleich
Fachl. päd. Angebotsstunden
SOLL gem. Leistungsvereinbarungen
2004
2007
2012
2013
25.100
25.100
26.300 *
26.600 **
IST
29.469
29.370
30.961
29.745
Differenz SOLL - IST
+ 4.369
+ 4.270
+ 4.661
+ 3.145
* plus 2 x 0,5 Stellen („SpieDie“ und BI „Rund um St. Josef“)
** plus 1,5 Stellen Schicksbaum (jedoch nur anteilig, da nicht ganzjährig besetzt) sowie unter Berücksichtigung von längeren Personalvakanzen in den Jugendeinrichtungen Forstwaldstraße und
Thielenstraße
Wie die Tabelle zeigt, lagen die tatsächlich geleisteten Angebotsstunden in den Einrichtungen bisher immer über den Mindesterwartungen. Die Differenz verringerte sich in 2013,
nachdem insgesamt 2,5 Planstellen innerhalb der vergangenen Legislaturperiode neu geschaffen wurden.
2.5.6 Kooperation und Schnittstellenarbeit
Die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, Trägern und Einrichtungen gehört mit zu
einem der elementaren Bestandteile von Offener Kinder- und Jugendarbeit.
Schnittstellen ergeben sich besonders zu den Arbeitsfeldern gemäß der §§ 12, 13 und 14
SGB VIII sowie in der Umsetzung des § 8 a SGB VIII (Schutzauftrag der Jugendhilfe) und des §
72 a SGB VIII (Tätigkeitsausschluss einschlägig vorbestrafter Personen).
28
Weiterhin sind die Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit innerhalb ihrer Arbeit und des Sozialraumes vielfältig vernetzt und kooperieren mit unterschiedlichsten Organisationen, Trägern und Personen (z.B. mit anderen Jugendeinrichtungen, mit verschiedenen
Abteilungen des Fachbereichs Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung, mit Schulen, Bürgervereinen etc.).
Ergänzt wird diese Zusammenarbeit durch „Runde Tische“ innerhalb der jeweiligen Jugendamtsbezirke. Diese Gremien setzen sich aus Vertretern/innen der einzelnen Fachabteilungen
des Fachbereiches zusammen und gewährleisten einen ortsnahen, fachspezifischen und abteilungsübergreifenden Austausch.
2.5.7 Gebäude
Nachfolgend aufgeführte Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit befinden sich
im städtischen Eigentum:
- „Villa K.“
- JZ am Wasserturm
- Freizeitzentrum Süd
- Herbertzstraße
- „SpieDie“
- BI Rund um St. Josef
- JZ Fischeln
- Marienburg
- Schicksbaum
Nach Feststellung des Fachbereiches „Zentrales Gebäudemanagement / Gebäudeinstandhaltung“ besteht ein größerer Sanierungsbedarf bzw. Instandhaltungsstau bei
7 von 9 Einrichtungen. Die derzeitige Kostenschätzung umfasst dabei eine Größenordnung
von insgesamt 1.906.000,--EUR (Stand: Oktober 2014).
Einrichtung
„Villa K.“
JZ am Wasserturm
Freizeitzentrum Süd
Herbertzstraße
„SpieDie“
BI Rund um St. Josef
JZ Fischeln
Marienburg
Schicksbaum
Summe
Kostenschätzung
658.000,--EUR
85.000.--EUR
615.000,--EUR
282.000,--EUR
10.000.--EUR
(Weitere Sanierungsbedarfe
werden noch ermittelt)
236.000,--EUR
20.000,--EUR
Wird noch ermittelt
------1.906.000,--EUR
2.5.8 Spielmobil „Aktion Mobifant“
Das Aufgabenfeld der „Aktion Mobifant“ hat sich seit der Trägerübergabe im Jahre 1998
stark gewandelt und einige Erweiterungen erfahren. Über die ursprüngliche Arbeit als Spielmobil hinaus, bietet die „Aktion Mobifant“ mittlerweile ein breites Spek29
trum an Leistungen (zum Teil gemeinsam mit „KRETA“, der kreativen Etage im Trägerwerk
für kirchliche Jugendarbeit der Region Krefeld im Bistum Aachen e. V.).
• Spielewochen und Spielaktionen in Sozialräumen mit einer erlebnis- und
angebotsarmen Infrastruktur
• Spielpädagogische Beratung und Spieleverleih
• Spielpädagogische Qualifizierung / Schulung von Multiplikatoren
• Elternarbeit (z.B.„Elterntisch“ / parallel zu Spielewochen und Spielaktionen;
Eltern-Kind-Seminare; spielpädagogische Elternberatung)
• Themenorientierte Realisierung von Ausstellungen und Sonderprojekten wie z.B.
„Abraham-Haus“ (Religion), „Pipette“ (Chemie), „Der Trick mit der Physik“ (Physik),
„Wo tut’s weh?“ (Gesundheit), „Der Rhein und sein Gold“ (Kultur), „Die Weltreise
einer Fleece-Weste“ (Globalisierung)
• Betreuung und handwerkliche Einbindung von Jugendlichen mit problematischem
Hintergrund (z.B. aus Fördermaßnahmen der Jugendsozialarbeit oder Jugendgerichtshilfe)
• Logistische Abwicklung (z.B. Transporte, Unterstützung von Veranstaltungen
Dritter)
• Herstellung und Reparatur von Spielgeräten
2.6
Sozialraumprofile
Der in § 2 Ziffer 2.1 SGB VIII als Jugendhilfeleistung ausgewiesene und in § 11 SGB VIII beschriebene Bereich der (Kinder- und) Jugendarbeit erfährt dort keine Einschränkung auf näher bestimmte Zielgruppen oder Defizite. Offene Kinder- und Jugendarbeit richtet sich somit
grundsätzlich an alle Kinder und Jugendlichen.
Daraus ergibt sich, dass die Offene Kinder- und Jugendarbeit nicht a priori auf Randgruppen
und Benachteiligte ausgerichtet ist. Insofern gibt es auch grundsätzlich keinen Grund Sozialräume auszuschließen, die nach klassischem Verständnis keine sozialen Belastungsfaktoren
aufweisen. Sehr wohl sollte aber gerade die Offene Kinder- und Jugendarbeit ihre Stärken in
den Dienst der Kinder und Jugendlichen stellen, die Angebote am dringendsten nachfragen
und/oder benötigen. Bei der Konzipierung von Angeboten muss sie daher die Lebenslagen
der Kinder und Jugendlichen in ihrem Einzugsbereich mit berücksichtigen.
Die nachfolgenden Sozialraumprofile sollen daher mit dazu beitragen, den strukturellen Bedarf an Offener Kinder- und Jugendarbeit in den jeweiligen Sozial- bzw. Planungsräumen zu
erhellen. Die Sozialräume sind als Planungsräume ausgewiesen, die im Sinne von „Einzugsbereichen“ und unter Berücksichtigung „natürlicher Grenzen“ definiert wurden. Die jeweiligen
Sozialraumprofile ergeben sich aus der Gegenüberstellung und Bewertung der Sozialraumindikatoren mit den gebildeten Durchschnittswerten für die Gesamtstadt.
30
Einschätzung von strukturellen Handlungsbedarfen *
im Planungsraum
bzw. Sozialraum
Übersicht
Planungsräume,
Einrichtungen &
Erreichungsquoten
Sozialraumindikatoren
Zielgruppen- und /
oder themenspezifische
Hervorhebungen
Rubriken, Umsetzungsoptionen und Zeitrahmen
Für die einrichtungsbezogene Einschätzung im Kontext der Planungsräume wurden folgende
Rubriken zugrunde gelegt:
• Bezirke
• Planungsräume
• Bewertung der Planungsräume
• Basis- und Erreichungsquoten
• Handlungsbedarfe aus fachlicher Sicht
• Umsetzungsoptionen
• Zeitrahmen
Erläuterung zur Rubrik „Umsetzungsoptionen“
1 Umschichtung vorhandener Ressourcen
beim Träger bzw. im Planungsraum
2 Optimierung der Netzwerkarbeit und
Schaffung von Synergien
3 Einsatz zusätzlicher Ressourcen seitens
der Träger bzw. Akquisition zusätzlicher
Ressourcen über Dritte
4 Umschichtung öffentlicher Mittel
5 Einsatz zusätzlicher öffentlicher Mittel
Erläuterung zur Rubrik „Zeitrahmen“
Kurzfristig = Zeitraum < 2 Jahre
Mittelfristig = Zeitraum < 5 Jahre
Langfristig = Zeitraum > 5 Jahre
2.6.1 Sozialraumindikatoren
Indikatoren
Anteil der 6 – 18 jährigen an
Kontext
Offene Kinder- und Jugendarbeit als Teil der sozialen Infra31
der Wohnbevölkerung
struktur richtet sich grundsätzlich an alle jungen Menschen
(der § 11 SGB VIII beinhaltet keine Einschränkung auf bestimmte Zielgruppen oder Problemlagen).
Haushalte mit 3 oder mehr
Kindern
Der Indikator geht davon aus, dass in der heutigen Zeit eine
solche Familienkonstellation eine besondere
Herausforderung und Belastung bedeuten kann.
Geschwister als Ressource und Herausforderung, gegebenenfalls geteilte bzw. begrenzte zeitliche Ressource der Eltern
und/oder gegebenenfalls der wirtschaftlichen Ressourcen. Im
Zusammenhang mit Ein-Eltern-Familien stellt dies eine besondere Herausforderung und Belastung dar.
Wohnumfeld
Sozialräumliche und infrastrukturelle Situation vor Ort (z.B.
Freiflächen, Spielflächen, Bewegungsmöglichkeiten).
Kinder mit nur einem
Erwachsenen im Haushalt
(Alleinerziehende)
Veränderung / Auflösung / Neuordnung familiärer Strukturen
und damit verbundener schwieriger Sozialisationsbedingungen und Begleiterscheinungen.
SGB II Empfänger
Ökonomische Deprivation als gesellschaftliche AusGrenzungserfahrung (in Deutschland derzeit einer der Indikatoren für einen schlechteren Zugang zu erfolgreichen Bildungsabschlüssen).
Anteil alleinerziehende SGB
II Empfänger
Je nach wirtschaftlicher Situation der Ein-Eltern-Familien ist
die Inanspruchnahme von freizugänglichen und kostenfreien
bzw. kostengünstigen Freizeit- und Bildungsmöglichkeiten
unterschiedlich stark. Je schwächer die wirtschaftliche Situation, um so eher sind diese Familien auf entsprechende Angebote angewiesen.
32
2.6.2 Strukturelle und fachliche Einschätzungen im Kontext der Planungsräume
(Alle Daten = Stand 31.12.2013)
Bezirk: 1. West
Planungsraum: 1.1 Westliche Innenstadt
Bewertung des Planungsraumes
Im Planungsraum leben 836 Kinder im Alter von 6 – 18 Jahren, dazu
zählen die Sozialräume Stadtgarten und das Josefviertel.
Der Anteil der Alleinerziehenden wie der Empfänger von SGB II liegt
deutlich über dem Durchschnitt der Gesamtstadt. Der Anteil der Alleinerziehenden SGB II – Empfänger/innen liegt über dem Durchschnitt.
Im Josefviertel gibt es kaum Frei-, Grün- und Spielflächen. Im Bereich
Stadtgarten gibt es die gleichnamige Freifläche sowie in relativer
33
Nähe, den Kaiser-Wilhelm-Park.
Im Josefviertel wachsen die Kinder in einem hohen Anteil der Familien zweisprachig auf.
Erreichungsquote
15 % von 836 = 125 Kinder und Jugendliche im Alter von
6 – 18 Jahren sowie weitere Kinder und Jugendliche aus der angrenzenden Innenstadt, deren Sozialdaten deutlich über dem städtischen
Durchschnitt liegen.
Handlungsbedarf
aus fachlicher Sicht
Der Internationale Bund hatte die Leistungsvereinbarung für die „Villa K“ zunächst zum 31.12.2014 gekündigt, dann aber wieder zurückgezogen. In die Leistungsvereinbarung tritt, nach internen Umstrukturierungen beim Träger, die „Internationaler Bund West gGmbH“
ein. Die Personalstellen wurden in dem Zusammenhang auf 2 pädagogische Vollzeitstellen verringert. Diese Situation geht einher mit
einer konzeptionellen Neuorientierung, die im weiteren Verlauf mit
dem Träger abgestimmt wird.
Der Handlungsbedarf aus dem letzten Kinder- und Jugendförderplan,
die Personalsituation in der BI „Rund um St. Josef“ um eine Vollzeitstelle zu erweitern, wurde nur mit einer zusätzlichen halben Stelle
umgesetzt. Eine weitere halbe Stelle wäre daher sinnvoll.
In Ergänzung zu den Angeboten der Einrichtungen sollten im Planungsraum vermehrt mobile Angebote stattfinden (z.B. durch
„Mobifant“)
Umsetzungsoption
und Zeitrahmen
2 und 3 : kurzfristig
5
: kurzfristig
34
Bezirk: 1. West
Planungsraum 1.2 Benrad/Baackeshof
Bewertung des Planungsraumes
Im Planungsraum leben 1.496 Kinder im Alter von 6 – 18 Jahren. Der
Planungsraum stellt sich als sehr heterogen strukturiert dar, d.h.:
Tackheide, Lindental, Baackeshof, Hammerschmidtplatz und Gatherhof.
Tackheide, Lindental und Hammerschmidtplatz sind Sozialräume mit
geringen sozialen Belastungsfaktoren. In Tackheide liegt der Anteil
der Alleinerziehenden und der SGB II Empfänger/innen unter dem
städtischen Durchschnitt. In Lindental liegt der Anteil der der SGB II
Empfänger/ innen und der Alleinerziehenden im SGB II – Bezug unter
dem städtischen Durchschnitt.
Am Hammerschmidtplatz liegt der Anteil der Familien mit 3 und
mehr Kindern unter dem Durchschnitt.
Gatherhof ist dagegen ein Sozialraum mit hohen sozialen Belastungsfaktoren. Das Wohnumfeld ist geprägt durch Mehrfamilienblocks
und rudimentärer Infrastruktur. In Gatherhof liegt der Anteil der Familien mit 3 und mehr Kindern und der SGB II Empfänger/innen
deutlich über, der Alleinerziehenden im SBG II - Bezug über dem
städtischen Durchschnitt.
Erreichungsquote
10 % von 1185 (Tackheide, Lindental, Baackeshof, Hammerschmidtplatz) = 119 sowie 15 % von 311 (Gatherhof) = 47.
Insgesamt = 166
Handlungsbedarf
aus fachlicher Sicht
In der Jugendeinrichtung der Erlöserkirche ist nach einer längeren
Schließungszeit die Offene Kinder- und Jugendarbeit August 2014
wieder aufgenommen worden.
Die Jugendeinrichtung ist mit einer Vollzeitstelle ausgestattet und
sollte zukünftig um mindestens eine weitere halbe Stelle ergänzt
werden, um in „Spitzenzeiten“ eine Doppelbesetzung und einen
durchgängigen Jahresbetrieb zu ermöglichen. Die Einrichtung sollte
gut vernetzt mit den umliegenden Schulen, Jugendeinrichtungen und
Jugendverbänden zusammen arbeiten (Lindentalschule, St. MichaelSchule, Jugend- und Begegnungsstätte Schicksbaum, Jugendverband
SJD – Die Falken,).
Die derzeitigen Ressourcen von SJD – Die Falken und St. Norbertus
sollten erhalten bleiben. St. Norbertus verfügt über sehr gute räumliche Möglichkeiten und eine verlässliche ehrenamtliche Arbeit vor
Ort. Zudem ist der Standort insbesondere durch die Nähe zur westlichen Innenstadt attraktiv. Die derzeit geleistet Arbeit wäre mit dem
Einsatz einer pädagogischen Fachkraft durchaus noch ausbaufähig.
Umsetzungsoption
und Zeitrahmen
2 und 3 : kurzfristig
5
: mittelfristig
35
Bezirk: 1. West
Planungsraum: 1.3 Kempener Feld/ Bückerfeldstraße plus Dieselstraße / Bezirk Nord)
Bewertung des Planungsraumes
Im Planungsraum leben 1.151 Kinder im Alter von 6 – 18 Jahren.
Das Kempener Feld ist ein Sozialraum mit geringen sozialen Belastungsfaktoren.
Die Bückerfeldstraße wie auch die Dieselstraße mit ihren Hochhaussiedlungen sind Sozialräume mit hohen sozialen Belastungsfaktoren
und schlechter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.
Im Sozialraum Bückerfeldstraße liegt der Anteil der Alleinerziehenden, der SGB II Empfänger/innen und der Alleinerziehenden im SBG II
– Bezug deutlich über, die Haushalte mit drei und mehr Kindern unter dem städtischen Durchschnitt.
Im Sozialraum Dieselstraße liegt der Anteil der Haushalte mit drei
und mehr Kindern, der Alleinerziehenden und der Alleinerziehenden
im SBG II – Bezug deutlich über dem städtischen Durchschnitt.
Im Sozialraum Dieselstraße wachsen die Kinder in vielen Familien
zweisprachig auf.
Erreichungsquote
10 % von 665 (Kempener Feld) = 67 sowie 15 % von 486
(Bückerfeldstraße, Dieselstraße) = 73. Insgesamt = 140
Handlungsbedarf
aus fachlicher Sicht
Bedingt durch die Sozialstruktur in den Sozialräumen
Bückerfeldstraße und Dieselstraße wäre die Errichtung einer Offenen
Einrichtung der Kinder- und Jugendarbeit mit zwei hauptberuflichen
Kräften und angemessenen Sachmitteln erforderlich. Dieser Bedarf
wurde bereits in früheren Jahren mehrfach benannt. Die Umsetzung
scheiterte jedoch an fehlenden Räumlichkeiten.
Der „Mitmach-Bauernhof für Kinder Mallewupp e.V.“ ist mit seinem
Konzept und seiner Arbeit eine wertvolle Bereicherung, sowohl innerhalb des Sozialraumes als auch kommunal. Er kann aufgrund seiner begrenzten personellen, finanziellen und räumlichen Möglichkeiten jedoch nur eine begrenzte Zielgruppe ansprechen (Kinder jüngeren Alters). Mit der Bereitstellung zusätzlicher Ressourcen könnte
man an den vorhandenen Strukturen und der guten Arbeit des Vereins anknüpfen und somit zumindest teilweise den Bedarf an Offener
Kinder- und Jugendarbeit decken.
Aufgrund aktueller vereinsinterner Umstrukturierungen, bleibt allerdings zunächst die weitere Entwicklung abzuwarten.
Umsetzungsoption
und Zeitrahmen
Parallel dazu sollte noch einmal die Möglichkeit einer Nutzung auf
dem ehemaligen Kasernengelände an der Kempener Allee geprüft
werden.
3 und 5 : kurzfristig
36
Bezirk: 1. West
Planungsraum: 1.4 Schicksbaum
Bewertung des Planungsraumes
Im Planungsraum Schicksbaum leben 828 Kinder im Alter von 6 – 18
Jahren.
Schicksbaum ist ein Neubaugebiet mit hohem Anteil an kinderreichen Familien. Daher liegt der Anteil der Familien mit 3 und mehr
Kindern deutlich über dem Durchschnitt der Gesamtstadt. Der Anteil
der Alleinerziehenden liegt unter dem Durchschnitt.
In Schicksbaum wachsen die Kinder in vielen Familien zweisprachig
auf.
Erreichungsquote
15 % von 828 = 124 Kinder und Jugendliche im Alter von
6 – 18 Jahren
Handlungsbedarf
aus fachlicher Sicht
Das neue „Jugend- und Begegnungszentrum Schicksbaum“ wurde im
Oktober 2013 eröffnet und ist mit 1,5 Personalstellen ausgestattet.
Die Einrichtung wird sehr gut frequentiert von vielen unterschiedlichen Gruppen besucht. Sehr häufig werden allerdings die Grenzen
der räumlichen sowie personellen Ressourcen erreicht. Eine Aufstockung um eine weitere halbe Stelle wäre insofern sinnvoll. Des weiteren sollten die Räumlichkeiten durch einen Anbau, um einen weiteren Gruppenraum ergänzt werden. Eine Kooperation mit berufsbildenden Trägern in Form von Maßnahmen bzw. Projekten wäre
hierbei denkbar.
Umsetzungsoption
und Zeitrahmen
3 und 5 : kurzfristig
37
Bezirk: 1. West
Planungsraum: 1.5 Forstwald
Bewertung des Planungsraumes
Im Planungsraum leben 368 Kinder im Alter von 6 – 18 Jahren.
Der Planungsraum liegt in „grüner“ Stadtrandlage, mit vorwiegender
Einfamilienhaus-Bebauung ohne soziale Belastungsfaktoren.
Der Anteil der Haushalte mit 3 und mehr Kindern sowie der Alleinerziehenden liegt unter dem städtischen Durchschnitt. Der Anteil der
SGB II Empfänger/innen (inklusive der Alleinerziehenden im SBG II –
Bezug) liegt deutlich unter dem städtischen Durchschnitt.
Erreichungsquote
5 % von 368 = 18 Kinder und Jugendliche im Alter von
6 – 18 Jahren
Handlungsbedarf
aus fachlicher Sicht
Es besteht kein Handlungsbedarf zur Errichtung einer einrichtungsbezogenen Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Es können Ressourcen
in angrenzenden Sozialräumen oder regionale Angebote bzw. die
verbandliche Jugendarbeit genutzt werden.
Unter Berücksichtigung der sozialen und demographischen Situation
im Planungsraum besteht aus fachlicher Sicht kein vordringlicher
Handlungsbedarf (vgl. Pkt. 2.6)
Umsetzungsoption
und Zeitrahmen
--
38
Bezirk: Nord
Planungsraum: 2.1 Alt-Inrath
Bewertung des Planungsraumes
Im Planungsraum Alt-Inrath leben 813 Kinder im Alter von
6 – 18 Jahren.
Der Anteil der Alleinerziehenden und der SGB II Empfänger/ innen
liegt deutlich über, der Alleinerziehenden im SBG II – Bezug über
dem städtischem Durchschnitt.
Erreichungsquote
15 % von 813 = 122 Kinder und Jugendliche im Alter von
6 – 18 Jahren
Handlungsbedarf
aus fachlicher Sicht
Die Arbeit der Jugendeinrichtung „Marienburg“ wird unter räumlich
sehr begrenzten Ressourcen durchgeführt.
Die Jugendeinrichtung ist mit einer Vollzeitstelle ausgestattet und
sollte kurzfristig um mindestens eine weitere halbe Stelle ergänzt
werden.
Aufgrund der räumlichen Einschränkung, könnte damit die Arbeit, in
Abstimmung mit dem Träger, durch einen eigenen mobilen Ansatz
ergänzt werden.
Hinsichtlich der Außenfläche und der Mauerabgrenzung zum Neubaugebiet, wäre eine Maueröffnung wünschenswert, um den stark
„eingegrenzten“ Charakter etwas aufzuheben.
Umsetzungsoption
und Zeitrahmen
5 : kurzfristig
39
40
Bezirk: 2. Nord
Planungsraum: 2.2 Dyklage und Kliedbruch
Bewertung des Planungsraumes
Im Planungsraum Dyklage und Kliedbruch leben 1.063 Kinder im Alter von 6 – 18 Jahren.
Die Fläche ist weitläufig und durchgrünt und größtenteils mit Einfamilienhäusern bebaut. Es ist ein sozial gering belasteter Planungsraum.
Der Anteil der Alleinerziehenden, der Alleinerziehenden im SBG II –
Bezug und der SGB II Empfänger/innen liegt unter dem städtischen
Durchschnitt.
Erreichungsquote
10 % von 1.063 = 106 Kinder und Jugendliche im Alter von
6 – 18 Jahren
Handlungsbedarf
aus fachlicher Sicht
Es besteht kein Handlungsbedarf zur Errichtung einer einrichtungsbezogenen Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Es können Ressourcen
in angrenzenden Sozialräumen oder regionale Angebote bzw. die
verbandliche Jugendarbeit genutzt werden.
Unter Berücksichtigung der sozialen und demographischen Situation
im Planungsraum besteht aus fachlicher Sicht kein vordringlicher
Handlungsbedarf (vgl. Pkt. 2.6)
Umsetzungsoption
und Zeitrahmen
--
41
Bezirk: 3. Hüls
Planungsraum: 3.1 Hüls/ Hülser Berg
Bewertung des Planungsraumes
Im Planungsraum Hüls und Hülser Berg leben 1.877 Kinder im Alter
von 6 – 18 Jahren.
Neben dem kompakten und gewachsenen Ortskern sind verschiedene neue Wohngebiete entstanden. Insgesamt handelt es sich um
einen großflächigen, sozial gering belasteten Planungsraum.
Im Hülser Ortskern liegt der Anteil der Haushalte mit 3 und mehr
Kindern, der SGB II Empfänger/innen sowie der Alleinerziehenden im
SBG II – Bezug unter dem Durchschnitt der Gesamtstadt.
In Hüls-West liegen die Anteile der Alleinerziehenden, der SGB II
Empfänger/innen sowie der Alleinerziehenden im SGB II – Bezug
ebenfalls unter dem städtischen Durchschnitt.
In Hüls-Ost liegt der Anteil der Alleinerziehenden und der Alleinerziehenden im SBG II unter, während der Anteil der SGB II Empfänger/innen deutlich über dem Durchschnitt liegt.
Erreichungsquote
10 % von 1.877 = 188 Kinder und Jugendliche im Alter von
6 – 18 Jahren
Handlungsbedarf
aus fachlicher Sicht
Die Besucher/innen der Jugendeinrichtung Cäcilienstraße haben in
der Regel keine Anbindung an die ansonsten gut frequentierten Angebote der Kirchen und Sportvereine in Hüls.
Der überwiegende Teil der Kinder die die Einrichtung besuchen, gehen zur Hauptschule bzw. Förderschule.
Die Jugendeinrichtung ist mit einer Vollzeitstelle ausgestattet. Aufgrund der Besucherstruktur und hohen Besucherzahlen, sollte diese
Stelle um eine weitere Vollzeitstelle ergänzt werden.
Umsetzungsoption
und Zeitrahmen
2, 3 und 5 : kurzfristig
42
Bezirk: 4. Mitte
Planungsraum: 4.1 Innenstadt
Bewertung des Planungsraumes
Erreichungsquote
Handlungsbedarf
aus fachlicher Sicht
Im Planungsraum leben 3.233 Kinder im Alter von 6 – 18 Jahren.
Die gesamte Innenstadt besteht aus Sozialräumen mit hohen sozialen Belastungsfaktoren. Die Innenstadt hat wenig
Grün-, Frei- und Spielflächen.
In der Innenstadt liegt der Anteil der SGB II Empfänger/innen deutlich über
dem Durchschnitt der Gesamtstadt. Der Anteil der Alleinerziehenden im
SBG II – Bezug liegt in der Innenstadt über, im Sozialraum Bleichpfad deutlich über dem Durchschnitt.
In den Sozialräumen Vier Wälle, Drießendorf, Bleichpfad/ Wiedstraße und
Stephanplatz liegt der Anteil der Haushalte mit Alleinerziehenden deutlich
über bzw. am Karlsplatz/ Neusser Straße und dem Hardenbergviertel über
dem städtischen Durchschnitt. Der Anteil der Familien mit drei und mehr
Kindern liegt in Drießendorf und am Stephanplatz unter dem städtischen
Durchschnitt.
In der Innenstadt (Hardenbergviertel, Vier Wälle, Karlsplatz,
Neußerstraße und Bleichpfad) wachsen die Kinder in einem sehr hohen
Anteil der Familien zweisprachig auf.
15 % von 3233 = 485 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 – 18
Jahren
Die Bedarfslage in der gesamten Innenstadt (und zum Teil in den angrenzenden Sozialräumen) ist außerordentlich hoch.
Der Handlungsbedarf aus dem letzten Kinder- und Jugendförderplan, die
Personalsituation im „SpieDie“ um eine Vollzeitstelle zu erweitern, wurde
nur mit einer zusätzlichen halben Stelle umgesetzt. Die nach wie vor äußerst schwierigen Ausgangslagen bei vielen Besucher / innen und deren
Familien erfordern eine intensive Arbeit sowie ein hohes Maß an Kontinuität und Verbindlichkeit. Bedingt durch die Kombination von öffentlichem
Spielplatz und Freifläche der Jugendeinrichtung auf dem gleichen Gelände,
hat das „SpieDie“ zudem einen extrem hohen Zulauf. Um den Anforderungen gerecht werden zu können, bedarf es der Aufstockung um eine weitere
halbe Stelle.
Die Jugendeinrichtung der Friedenskirche ist mit einer Fachkraftstelle und
einem Stellenanteil von 77% ausgestattet und sollte eine zusätzliche Vollzeitstelle erhalten, um in „Spitzenzeiten“ eine Doppelbesetzung und einen
durchgängigen Jahresbetrieb zu ermöglichen. Darüber hinaus könnte damit
eine anzustrebende Verzahnung mit dem „Kulturpunkt“ der Friedenskirche
ermöglicht werden.
Die Beratungsstelle „together Krefeld“, bietet einen städtischen und überregionalen Treffpunkt vor allem für Lesben und Schwule. Ein Erhalt der
Einrichtung nach dem Auslaufen der bestehenden Landesförderung (Ende
2016) sollte angestrebt werden, da ansonsten eine professionelle und
kompetente Begleitung und Unterstützung der genannten Zielgruppe entfallen würde. Mit der Beratungsstelle wurden zudem Gespräche geführt,
die eine intensivere Kooperation mit den Jugendeinrichtungen zum Ziel
hatte.
Das „Cafe Oje“ deckt mit 2 Vollzeitstellen den Bedarf im Sozialraum Bleich-
43
Umsetzungsoption
und Zeitrahmen
pfad ab.
2, 3 und 5 : mittelfristig
5 (SpieDie) : kurzfristig
44
Bezirk: 4. Mitte
Planungsraum: 4.2 Bismarckviertel
Bewertung des Planungsraumes
Im Planungsraum leben 477 Kinder im Alter von 6 – 18 Jahren.
Es handelt es sich um einen relativ kleinen Planungsraum mit höherwertigem Wohnraum. Er liegt in der Nähe des Stadtzentrums, mit
guter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und daher guter
Erreichbarkeit von Infrastruktur außerhalb des Planungsraums.
Die Anteile der Haushalte mit 3 und mehr Kindern, der SGB II Empfänger/innen sowie der Alleinerziehenden im SBG II – Bezug liegen
unter dem städtischen Durchschnitt.
Erreichungsquote
5 % von 477 = 24 Kinder und Jugendliche im Alter von
6 – 18 Jahren
Handlungsbedarf
aus fachlicher Sicht
Es besteht kein Handlungsbedarf zur Errichtung einer einrichtungsbezogenen Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Es können Ressourcen
in angrenzenden Sozialräumen oder regionale Angebote bzw. die
verbandliche Jugendarbeit genutzt werden.
Unter Berücksichtigung der sozialen und demographischen Situation
im Planungsraum besteht aus fachlicher Sicht kein vordringlicher
Handlungsbedarf (vgl. Pkt. 2.6)
Umsetzungsoption
und Zeitrahmen
--
45
Bezirk: 5. Süd
Planungsraum: 5.1 Südbezirk
Bewertung des Planungsraumes
Im Planungsraum leben 1.968 Kinder im Alter von 6 – 18 Jahren.
Der Südbezirk teilt sich in Lehmheide und Dießem. Das Gelände am
Freizeitzentrum Süd (Dießem) dient ebenso wie das Freigelände an
der „Alte Gladbacher Straße“ (Lehmheide) der Naherholung.
Dießem ist ein Sozialraum mit mittleren sozialen Belastungsfaktoren.
Der Anteil der Empfänger von SGB II liegt über dem Durchschnitt,
ebenso der Anteil der Alleinerziehenden im
SBG II – Bezug.
Bei Lehmheide handelt es sich um einen Sozialraum mit hohen sozialen Belastungsfaktoren. Die Anteile der Familien mit drei und mehr
Kindern, wie der Empfänger von SGB II liegen deutlich über dem gesamtstädtischen Durchschnitt. Der Anteil der Alleinerziehenden im
SBG II – Bezug liegt über dem Durchschnitt.
Im Südbezirk wachsen die Kinder in einem sehr hohen Anteil der Familien zweisprachig auf.
Erreichungsquote
15 % von 1543 (Lehmheide) = 231 sowie 10 % von 425
(Dießem) = 43. Insgesamt = 274
Handlungsbedarf
aus fachlicher Sicht
Das Freizeitzentrum Süd stellt unter anderem mit der Multifunktionshalle und dem weitläufigen Außengelände, neben den Veranstaltungen und Angeboten für den Sozialraum, viele kommunale Bezüge
her. Die Planstellensituation ist ausreichend.
Entsprechend des Rahmenkonzeptes, wird die Offene Kinder- und
Jugendarbeit des katholischen Kirchengemeindeverbunds Krefeld Süd als eine Einheit mit zwei Dependancen verstanden (Einrichtung
„Canapee“ und „Spielbox“ Alte Gladbacher Straße). Die Einrichtung
„Canapee“ verfügt über eine Vollzeit-Planstelle. Die Kirchengemeinde bringt seit 2004 aus Bistumsmitteln zusätzlich eine sozialpädagogische Fachkraft mit 300 Angebotsstunden mit ein. Damit wird die
bisher geleistete Arbeit an zwei Standorten seit 2014 noch enger
verzahnt. Bereits im vorangegangenen Förderplan wurde eine zusätzliche Vollzeitstelle angeregt. Der Sozialraum Lehmheide mit seinen sozialen Problemlagen erfordert eine Aufstockung des Fachpersonals. Diesem Bedarf trug das Bistum mit der Eigenfinanzierung der
vorgenannten Kraft (mit 300 Stunden) bereits Rechnung. Ergänzt
werden sollte dieser Ansatz mit einer kommunal finanzierten Aufstockung (um 70 %) auf eine Vollzeitstelle.
Neben der personellen Aufstockung wäre auch die Installation einer
Sanitäranlage sinnvoll.
Umsetzungsoption
und Zeitrahmen
1, 2, 3, und 5 : kurzfristig
46
Bezirk: 6. Fischeln
Planungsraum: 6.1 Stahldorf
Bewertung des Planungsraumes
Im Planungsraum leben 659 Kinder im Alter von 6 – 18 Jahren.
Stahldorf ist ein Sozialraum mit mittleren sozialen Belastungsfaktoren. Die Anteile der Familien mit 3 und mehr Kindern liegen deutlich
über dem Durchschnitt der Gesamtstadt, der Alleinerziehenden im
SBG II – Bezug über dem Durchschnitt.
In Stahldorf wachsen die Kinder in einem hohen Anteil der Familien
zweisprachig auf.
Erreichungsquote
15 % von 659 = 99 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 – 18 Jahren
Handlungsbedarf
aus fachlicher Sicht
Die Jugendeinrichtung „Stahlnetz“ ist seit 2005 in einem Mietobjekt
der Wohnstätte an der Oberschlesienstraße untergebracht. Der
Mietvertrag mit der Wohnstätte läuft zunächst bis Oktober 2017. Die
Fa. Outokumpu übernimmt bis dahin einen Teil der Mietkosten.
Durch die Erhöhung der Kaltmiete und dem Anstieg der Nebenkosten, ist nach Angaben des Trägers im Planungs- und Wirksamkeitsdialog die Pauschale für die gebäudespezifischen Kosten nicht auskömmlich. Es entsteht dem Träger jährlich ein Defizit.
Die Jugendeinrichtung ist mit einer Fachkraftstelle in Vollzeit ausgestattet. Eine Aufstockung um mindestens eine weitere Stelle wäre
sinnvoll, um eine Doppelbesetzung und einen durchgängigen Jahresbetrieb zu ermöglichen.
Umsetzungsoption
und Zeitrahmen
2 und 5 : mittelfristig
3
: kurzfristig
47
Bezirk: 6. Fischeln
Planungsraum: 6.2 Fischeln/Königshof
Bewertung des Planungsraumes
Im Planungsraum leben 2.322 Kinder im Alter von 6 – 18 Jahren.
Der Planungsraum Fischeln/Königshof ist ein relativ großer Vorort
mit gewachsener Sozialstruktur, der sich sukzessive durch verschiedene Neubaugebiete erweitert.
Königshof, Niederbruch, Fischeln-Ost und Fischeln-West sind gering
belastete Sozialräume.
In Königshof liegen die Anteile der Familien mit 3 oder mehr Kindern
und der SGB II Empfänger/innen unter dem städtischen Durchschnitt.
In Niederbruch liegen die Anteile der Alleinerziehenden und der
Empfänger von SGB II sowie der Alleinerziehenden im SGB II - bezug
unter dem Durchschnitt.
In Fischeln-Ost liegen die Anteile der Empfänger von SGB II sowie der
Alleinerziehenden im SGB II - Bezug unter dem Durchschnitt. In Fischeln-West liegen die Anteile der Alleinerziehenden und der Empfänger von SGB II deutlich unter dem Durchschnitt.
Die sozialen Belastungsfaktoren im statistischen Bezirk Grevenbroicher Straße / Erkelenzer Straße liegen im städtischen Durchschnitt.
Erreichungsquote
10 % von 2.322 = 232 Kinder und Jugendliche im Alter von
6 – 18 Jahren
Handlungsbedarf
aus fachlicher Sicht
Der Bedarf an Offener Kinder- und Jugendarbeit kann durch das Jugendzentrum Fischeln mit den vorhandenen Ressourcen abgedeckt
werden. Die Einrichtung führt auch ein eigenes mobiles Angebot
durch, im Bereich Grevenbroicher Straße und verschiedener Neubaugebiete.
In unmittelbarer Nähe zur Jugendeinrichtung gibt es drei Schulformen, mit denen in der Vergangenheit punktuell kooperiert wurde.
Diese Kooperation sollte weiter ausgebaut werden (gegebenenfalls
unter Berücksichtigung zusätzlicher Honorarkräfte).
Umsetzungsoption
und Zeitrahmen
2, 3 : kurzfristig
48
Bezirk: 7. Oppum/ Linn
Planungsraum: 7.1 Linn
Bewertung des Planungsraumes
Im Planungsraum leben 690 Kinder im Alter von 6 – 18 Jahren.
Neben dem historischen Ortskern, besteht Linn aus mehreren kleinen Wohnvierteln mit Siedlungscharakter sowie größeren Gewerbeflächen.
Die sozialen Belastungsfaktoren liegen im städtischen Durchschnitt.
Erreichungsquote
10 % von 690 = 69 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 – 18 Jahren
Handlungsbedarf
aus fachlicher Sicht
Der Förderverein Offene Jugendarbeit Linn e.V. nahm 2009 seine
Arbeit auf und hat in der vergangenen Legislatur einige mobile Angebote durchgeführt. Trotz intensiver Suche und vorübergehender
Zwischenlösungen konnten keine geeigneten Räumlichkeiten für
Offene Kinder- und Jugendarbeit gefunden werden. Seitdem ist der
Verein die einzige Anlaufstelle für Kinder und jugendliche in Linn. Im
Verein engagieren sich ausschließlich Ehrenamtliche.
Sinnvoll wäre eine stärkere Kooperation mit den örtlichen Sportvereinen und mobilen Anbietern (z.B. „Mobifant“ und / oder Sportparkmobil des Sportclubs Bayer 05 Uerdingen e.V.). Dies erfordert
eine stärkere Unterstützung und Koordinierung als bisher.
Umsetzungsoption
und Zeitrahmen
2 und 3 : kurzfristig
49
Bezirk: 7. Oppum/ Linn
Planungsraum: 7.2 Glockenspitz/ Oppum Süd und 7.3 Oppum-Bahnhof
Bewertung des Planungsraumes
Im Planungsraum leben 1.747 Kinder im Alter von 6 – 18 Jahren. Oppum ist
weitläufig sowie durch die Bahntrasse und die Untergath getrennt und
umfasst die Sozialräume Oppum-Bahnhof, Herbertzstraße, Oppum-Süd und
Glockenspitz. Die Sozialstruktur ist in Oppum relativ heterogen.
Oppum-Süd und Glockenspitz sind Sozialräume mit geringen sozialen Belastungsfaktoren. Im statistischen Bezirk Glockenspitz liegen die Anteile der
Familien mit drei und mehr Kindern und der SGB II Empfänger/innen unter
dem städtischen Durchschnitt. In Oppum-Süd liegen die Anteile der Alleinerziehen-den, der Alleinerziehenden im SBG II – Bezug, der SGB II Empfänger/innen und der Haushalte mit 3 und mehr Kindern unter dem Durchschnitt.
Oppum-Bahnhof ist ein Sozialraum mit mittleren sozialen Belastungsfaktoren, in dem die die Sozialraumindikatoren im städtischen Durchschnitt liegen.
Die Herbertzstraße ist ein Sozialraum mit hohen sozialen Belastungsfaktoren. Die Anteile der Familien mit drei und mehr Kindern liegen deutlich
über, der Alleinerziehenden unter dem Durchschnitt. In vielen Familien
wachsen die Kinder zweisprachig auf. Nach dem Abriss von Wohneinheiten
auf der Herbertzstraße und durch die geplante Neubebauung wird sich das
Bild künftig verändern (bisher ist aber noch unklar wie). Die bisher in den
Wohnblocks lebenden Bewohner/innen sind zum Teil innerhalb des Sozialraumes bzw. in andere Stadtteile umgezogen.
Erreichungsquote
15 % von 1.747 = 262
Handlungsbedarf
aus fachlicher Sicht
Die Jugendeinrichtung Herbertzstraße besuchen auch zahlreiche junge
Menschen aus anderen Sozialräumen. Dies sind z.B. Personen die zuvor im
Bereich Herbertzstraße gewohnt haben oder auch junge Bewohner aus den
Flüchtlingsunterkünften Siemesdyk (Planungsraum Fischeln). Die Einrichtung spricht neben den 6 – 18 Jährigen auch junge Volljährige bis einschließlich 26 Jahre sowie Eltern an. Eine Besonderheit der Einrichtung
besteht im sehr engen Kontakt zwischen den Mitarbeitern/innen der Einrichtung und Bewohnern. Die Einrichtung kooperiert zudem sehr eng mit
der benachbarten Bodelschwingh-Förderschule.
Durch die enge Verzahnung der Jugendeinrichtungen „Casablanca“ und
„Kagawa“ (auch auf Trägerebene) sind weiterhin innerhalb des Planungsraumes eine Vielzahl von Synergien geschaffen worden.
Die vorhandenen Jugendeinrichtungen decken strukturell den Bedarf für
den gesamten Planungsraum.
Umsetzungsoption
und Zeitrahmen
3 : kurzfristig
50
Bezirk: 8. Ost
Planungsraum: 8.1 Traar/ Verberg/ Bockum
Bewertung des Planungsraumes
Im Planungsraum leben 3.364 Kinder im Alter von 6 – 18 Jahren.
Die Planungsräume Traar und Verberg sind bevorzugte Wohngebiete
in Stadtrandlage mit vielen Grünflächen.
In Traar liegen die Anteile der Haushalte mit 3 und mehr Kindern
sowie der Alleinerziehenden unter, der SGB II Empfänger/ innen und
der Alleinerziehenden im SBG II – bezug deutlich unter gesamtstädtischen Durchschnitt.
In Verberg liegen die Anteile der Alleinerziehenden, der SGB II Empfänger/innen und der Alleinerziehenden im SBG II – Bezug unter dem
Durchschnitt.
Bockum ist ein weitläufiges, innerstädtisches Wohngebiet und ein
Sozialraum mit geringer sozialer Belastung, guter Anbindung an den
öffentlichen Nahverkehr und guter Infrastruktur.
In Bockum-Ost und Bockum-West liegen die Anteile der Haushalte
mit 3 und mehr Kindern unter, der SGB II Empfänger/innen und der
Alleinerziehenden im SBG II – Bezug deutlich unter dem städtischem
Durchschnitt.
In Bockum-Süd liegen der Anteil der Alleinerziehenden und der Alleinerziehenden im SBG II – Bezug unter, der Anteil der SGB II Empfänger/innen deutlich unter dem Durchschnitt.
Erreichungsquote
10 % von 2.289 (Bockum) = 229 sowie 5 % von 1.075 (Traar,
Verberg) = 54. Insgesamt = 283
Handlungsbedarf
aus fachlicher Sicht
Es besteht kein Handlungsbedarf für eine einrichtungsbezogene Offene Kinder- und Jugendarbeit. Allerdings sollten mobile Angebote
berücksichtigt werden (z.B. „Mobifant“ oder „Sportparkmobil“ des
Sportclubs Bayer 05 Uerdingen e.V.).
Darüber hinaus können Ressourcen in angrenzenden Sozialräumen
oder regionale Angebote bzw. die verbandliche Jugendarbeit genutzt
werden.
Umsetzungsoption
und Zeitrahmen
--
51
Bezirk: 8. Ost
Planungsraum: 8.2 Gartenstadt/ Elfrath
Bewertung des Planungsraumes
Im Planungsraum leben 738 Kinder im Alter von 6 – 18 Jahren.
Die Bereiche Gartenstadt und Elfrath sind durch eine vierspurige
Straßentrasse voneinander getrennt.
Gartenstadt ist ein Sozialraum mit mittleren sozialen Belastungsfaktoren. Dort liegen der Anteil der Alleinerziehenden über und der
Haushalte mit 3 und mehr Kindern unter dem Durchschnitt der Gesamtstadt.
Elfrath ist ein Sozialraum mit geringen sozialen Belastungsfaktoren.
Der Anteil der SGB II Empfänger/innen liegt unter dem Durchschnitt.
Erreichungsquote
15 % von 738 = 111 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 – 18 Jahren (plus Besucher/innen aus dem angrenzenden Planungsraum 8.1)
Handlungsbedarf
aus fachlicher Sicht
Offene Kinder- und Jugendarbeit wird im Planungsraum von der Einrichtung „Funzel“ mit angemessenen personellen Ressourcen angeboten. Allerdings weist der Träger in einem Schreiben vom
16.01.2015 ausdrücklich darauf hin, dass er eine alleinige Finanzierung der stetig steigenden Kosten für die „Funzel“ nicht mehr übernehmen kann. Da der Träger nur eine Festbetragsfinanzierung erhält,
strebt er eine Gleichbehandlung zu anderen Trägern an, die im Rahmen der Leistungsvereinbarung eine prozentuale Anteilsförderung
plus Pauschalförderung erhalten (vgl. Pkt. 2.3.1).
Durch die Einrichtung werden, mit zusätzlichen finanziellen Mitteln
der Bezirksvertretung, punktuell auch eigene mobile Angebote in
Elfrath durchgeführt („Kinder-Funzel“).
Die Einrichtung hat über den Planungsraum hinaus auch regionale
Bedeutung, insbesondere bei Veranstaltungen im Musikbereich.
Durch die Zusammenarbeit mit der Bodelschwingh-Förderschule
werden Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene auch aus anderen
Sozialräumen angesprochen.
Umsetzungsoption
und Zeitrahmen
3 : kurzfristig
52
Bezirk: 9. Uerdingen
Planungsraum: 9.1 Uerdingen
Bewertung des Planungsraumes
Im Planungsraum leben 1.922 Kinder im Alter von 6 – 18 Jahren.
Uerdingen ist ein relativ großer Planungsraum mit mittleren sozialen
Belastungsfaktoren.
In Uerdingen-Stadtpark liegen die Anteile der Haushalte mit 3 und
mehr Kindern über, der SGB II Empfänger/innen unter dem Durchschnitt der Gesamtstadt.
In Uerdingen-Markt liegt der Anteil der Haushalte mit 3 und mehr
Kindern unter dem Durchschnitt.
In Uerdingen-Nord liegen die Indikatoren im Durchschnitt.
Erreichungsquote
10 % von 1.922 = 192 Kinder und Jugendliche im Alter von
6 – 18 Jahren
Handlungsbedarf
aus fachlicher Sicht
Die Jugendeinrichtung „Jojo“ ist mit einer Planstelle in Vollzeit ausgestattet. Eine personelle Erweiterung um eine weitere Vollzeitstelle,
wäre sinnvoll eine Doppelbesetzung und einen durchgängigen Jahresbetrieb zu ermöglichen. Seit 2006 finanziert das Bistum Aachen
eine 25 % Stelle, um mehr Kontinuität in der Einrichtung zu ermöglichen und ebenso punktuell die Chance der paritätischen Besetzung
herzustellen.
Für eine Aufstockung spricht ebenfalls die Größe des Planungsraumes und die absolute Zahl von Kindern und Jugendlichen, die im Planungsraum leben.
Zudem liegt die Von-Ketteler-Hauptschule (zukünftig die Gesamtschule Uerdingen) in unmittelbarer Nähe zur Einrichtung, mit der in
der Vergangenheit bereits punktuell kooperiert wurde. Diese Kooperation sollte weiter ausgebaut werden, erfordert allerdings zusätzliche Kapazitäten.
Umsetzungsoption
und Zeitrahmen
2 und 3 : kurzfristig
5
: mittelfristig
53
54
Bezirk: 9. Uerdingen
Planungsraum: 9.2 Gellep-Stratum
Bewertung des Planungsraumes
Im Planungsraum leben 267 Kinder im Alter von 6 – 18 Jahren.
Der Planungsraum liegt in Stadtrandlage und weist keine sozialen
Belastungsfaktoren auf.
Die Anteile der Alleinerziehenden und der Alleinerziehenden im SBG
II – Bezug liegen unter, der Anteil der SGB II Empfänger/ innen deutlich unter dem städtischen Durchschnitt.
Erreichungsquote
5 % von 267 = 13 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 – 18 Jahren
Handlungsbedarf
aus fachlicher Sicht
Es besteht kein Handlungsbedarf zur Errichtung einer Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Es können Ressourcen in angrenzenden Sozialräumen oder regionale Angebote bzw. die verbandliche Jugendarbeit genutzt werden.
Der ehemalige „Juki-Treff“ hat seine Arbeit eingestellt. Die Mobilraumanlage auf dem Schulhof der alten Schule wurde zum Sportplatz
in Linn versetzt.
Unter Berücksichtigung der sozialen und demographischen Situation
im Planungsraum besteht aus fachlicher Sicht kein vordringlicher
Handlungsbedarf (vgl. Pkt. 2.6)
Umsetzungsoption
und Zeitrahmen
--
55
2.7
Bezirksjugendarbeit
In der Bezirksjugendarbeit sind derzeit 3 hauptamtliche Fachkräfte tätig (zwei Vollzeitstellen
und eine Teilzeitstelle mit 29,5 Wochenstunden).
Das Aufgabenspektrum, die fachlichen Standards, das Anforderungsprofil wie auch öffentliche Erwartungshaltungen haben sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht, insbesondere bedingt durch:
• einen erweiterten und intensiveren Planungs-, Berichts-, Organisations- und
Evaluationsaufwand im Kontext der Qualitätsentwicklung (z.B. Planungs- und
Wirksamkeitsdialoge),
• gestiegene Kooperationsbedarfe (z.B. mit Schulen, im Rahmen von Veranstaltungen und innerhalb der Bezirke),
• erhöhte Fachberatungsbedarfe (auch im Kontext ehrenamtlicher Arbeit),
• Unterstützung der Jugendverbände
• die Begleitung des Jugendbeirates,
• die Organisation der Ferienganztagsbetreuungen,
• den Aufbau und die Pflege internationaler Zusammenarbeit / Projekte,
• Durchführung von kommunal relevanten, aber auch überregional beachteten,
Maßnahmen, Veranstaltungen und Projekten z.B. im Rahmen der sozialen und
kulturellen Bildung (für die zum Teil zusätzliche Landesmittel, Sponsorenmittel
oder sonstige Drittmittel akquiriert werden).
Die Bezirksjugendarbeit in Krefeld hat somit nicht nur eine reine Fachberatungsfunktion.
Darüber hinaus nimmt sie auch weitreichende planerische, organisatorische sowie koordinierende Aufgaben wahr und initiiert themen- wie auch zielgruppenorientierte Impulsveranstaltungen.
2.8
Handlungsbedarfe aus fachspezifischer Sicht
2.8.1 Kooperation mit Schule
Spätestens mit der Diskussion um kommunale Bildungslandschaften erlebte auch die Deutung und Interpretation des Bildungsbegriffes an sich eine neue Renaissance. Der erste Bericht über Bildung in Deutschland geht in dem Zusammenhang von der Leitidee „Bildung im
Lebenslauf“ aus und schließt damit, neben der formalen Bildung, auch die non-formale und
informelle Bildung explizit mit ein (vgl. Konsortium Bildungsberichterstattung 2006, S. 2).
Bildungslandschaft bedeutet daher nicht nur eine formale Vernetzung von Institutionen,
sondern es geht um die sinnvolle und nachhaltige Verknüpfung dieser formalen, nonformalen und informellen Bildungsinhalte und Bildungsprozesse.
Die Notwendigkeit einer solchen Verknüpfung und engeren Kooperation zeigt sich ebenso an
der Entwicklung der Trägerlandschaft im Bereich der schulischen Ganztagsangebote, in die
eine Vielzahl von Trägern der freien Jugendhilfe eingebunden sind (zu denen mittlerweile
auch einige, ehemals reine Schulfördervereine, gehören).
Dies erfordert von Seiten der Jugendhilfe eine intensivere Begleitung und Unterstützung im
Rahmen der Fachaufsicht (vgl. § 79 Abs. 1 SGB VIII: „Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe
haben für die Erfüllung der Aufgaben nach diesem Buch die Gesamtverantwortung, einschließlich der Planungsverantwortung“).
56
Zu berücksichtigen ist weiterhin der § 8 a SGB VIII (Schutzauftrag der Jugendhilfe) sowie der
§ 72 a SGB VIII (Tätigkeitsausschluss einschlägig vorbestrafter Personen).
Mit Blick auf den Ausbau von Ganztagsangeboten im Bereich der Sekundarstufe I und den
Altersgruppen die hierbei angesprochen werden, sollte es eine stärkere Abstimmung zwischen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit und Schule geben. Die Altersgruppe in der Sekundarstufe I korreliert sehr stark mit der überwiegenden Altersgruppe bei den Stammbesuchern/innen in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, im Alter von 10 – 14 Jahren. Es liegt
daher nahe, gerade für diese Altersgruppe abgestimmte Konzepte im Rahmen der nonformalen und informellen Bildung zu entwickeln.
Wie sehr sich die Bildungs- und Erziehungsziele von Kinder- und Jugendarbeit (damit auch
der Offenen Kinder- und Jugendarbeit) und Schule dabei ähneln verdeutlicht die nachfolgende Gegenüberstellung.
§ 1 Abs. 1, SGB VIII (KJHG)
Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit.
§ 1 Abs. 1 Schulgesetz NRW
Jeder junge Mensch hat ohne Rücksicht auf seine wirtschaftliche
Lage und Herkunft und sein Geschlecht ein Recht auf schulische
Bildung, Erziehung und individuelle Förderung.
§ 11 Abs. 1, SGB VIII (KJHG)
Jungen Menschen sind die zur Förderung ihrer Entwicklung erforderlichen Angebote der Jugendarbeit zur Verfügung zu stellen. Sie
sollen an den Interessen junger Menschen anknüpfen und von
ihnen mitbestimmt und mit gestaltet werden, sie zur Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung
und zu sozialem Engagement anregen und hinführen.
§ 2 Abs. 2 Schulgesetz NRW
Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor der Würde des Menschen und
Bereitschaft zum sozialen Handeln zu wecken, ist vornehmstes Ziel
der Erziehung. Die Jugend soll erzogen werden im Geist der
Menschlichkeit, der Demokratie und der Freiheit, zur Duldsamkeit
und zur Achtung vor der Überzeugung des anderen, zur Verantwortung für Tiere und die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen,
in Liebe zu Volk und Heimat, zur Völkergemeinschaft und zur
Friedensgesinnung.
§ 2 Abs. 1, Drittes Ausführungsgesetz z. KJHG NRW
Die Kinder- und Jugendarbeit soll durch geeignete Angebote die
individuelle, soziale und kulturelle Entwicklung junger Menschen
unter Berücksichtigung ihrer Interessen und Bedürfnisse fördern.
Sie soll dazu beitragen, Kindern und Jugendlichen die Fähigkeit zu
solidarischem Miteinander, zu selbst bestimmter Lebensführung,
zu ökologischem Bewusstsein und zu nachhaltigem umweltbewusstem Handeln zu vermitteln. Darüber hinaus soll sie zu eigenverantwortlichem Handeln, zu gesellschaftlicher Mitwirkung, zu
demokratischer Teilhabe, zur Auseinandersetzung mit friedlichen
Mitteln und zu Toleranz gegenüber verschiedenen Weltanschauungen, Kulturen und Lebensformen befähigen.
§ 2 Abs. 4 Schulgesetz NRW
Die Schule vermittelt die zur Erfüllung ihres Bildungs- und Erziehungsauftrags erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten
und Werthaltungen und berücksichtigt dabei die individuellen
Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler. Sie fördert die
Entfaltung der Person, die Selbstständigkeit ihrer Entscheidungen
und Handlungen und das Verantwortungsbewusstsein für das
Gemeinwohl, die Natur und die Umwelt. Schülerinnen und Schüler
werden befähigt, verantwortlich am sozialen, gesellschaftlichen,
wirtschaftlichen, beruflichen, kulturellen und politischen Leben
teilzunehmen und ihr eigenes Leben zu gestalten.
In 2013 kooperierten 13 Jugendeinrichtungen mit insgesamt 28 Schulen: 9 Grundschulen, 5
Hauptschulen, 2 Realschulen, 3 Gymnasien, 3 Gesamtschulen, 4 Förderschulen und 2 Berufskollegs. Die Angebotsformen umfassten dabei z.B. Trainings / soziale Gruppenarbeit, Seminare, Projekte und Freizeitangebote.
Nachfolgend wird verdeutlicht, auf welchen Ebenen und in welchen Bereichen der Kooperation zwischen Offener Kinder- und Jugendarbeit und Schule noch Gestaltungsmöglichkeiten
gesehen werden.
• Strukturelle Voraussetzungen vor Ort schaffen
Um eine nur von engagierten Einzelpersonen abhängige Kooperation zu vermeiden, bedarf
es eines strategischen Austausches zwischen den Organisationen auf „Augenhöhe“. Dazu
gehören z.B. regelmäßige Treffen auf Entscheidungsebene, in denen die Form der Zusammenarbeit erörtert, vereinbart und reflektiert wird (inkl. Absprachen hinsichtlich der Zusammenarbeit und Fortbildung multiprofessioneller Teams).
• Inhaltliche Schnittstellen klären
57
Wo die gemeinsamen Schnittstellen liegen, ergibt sich schon aus den Bildungs- und Erziehungszielen laut SGB VIII / KJHG, Drittes Ausführungsgesetz zum KJHG NRW und Schulgesetz
NRW (vgl. Gegenüberstellung). Ausgangspunkt für eine Klärung wäre gegebenenfalls zunächst ein Austausch über favorisierte, auf bisherigen Einschätzungen und Erfahrungen der
beteiligten Kooperationspartner beruhende, Schwerpunkte und Akzente.
• Gemeinsam pädagogische Konzepte entwickeln
Dies betrifft sowohl schulzeitintegrierte als auch außerschulische Angebote. Voraussetzung
ist eine konkrete Bedarfsermittlung (Förderbedarfe) auf der Basis analytischer und diagnostischer Bewertungen (subjekt-, themen- und gegebenenfalls sozialraumorientiert) sowie pädagogisch motivierter Handlungserfordernisse.
• Verbindlichkeiten herstellen
Der Abschluss von gemeinsamen Vereinbarungen wird noch zu wenig genutzt. Es sollte daher angestrebt werden, dieses Instrument stärker zu kommunizieren mit dem Ziel, es als
Grundlage für eine konstruktive, effektive und effiziente Kooperation zu nutzen.
2.8.2 Dialog mit Eltern / Familien
„Für die Chancen von Kindern und Jugendlichen in Deutschland ist es zentral, mit welchem
finanziellen, sozialen und kulturellen Kapital ihre Familien ausgestattet sind. Bedeutsam ist
also, welche Bildungserfahrungen die erwachsenen Familienmitglieder gemacht haben, welche Zugänge sie zum Arbeitsmarkt sie besitzen, über welche Handlungsalternativen sie in
ihrem Erziehungshandeln verfügen, aber auch welche Strategien sie etwa in der innerfamiliären Konfliktlösung anwenden. All diese Aspekte tragen dazu bei, dass Kinder und Jugendliche mit höchst unterschiedlichen Voraussetzungen heranwachsen“ (BMFSFJ, a.a.O., S. 40).
Daher spielen vor allem Familien „…als informelle Bildungswelten von Anfang an eine tragende Rolle für die Bildungsbiografie. Sie eröffnen Kindern nicht nur den Zugang zu formalen
und non-formalen Bildungsangeboten … sondern sind selbst wichtige Bildungsakteure“ (Nationaler
Bildungsbericht 2012, S. 86).
Sowohl die Jugendeinrichtungen als auch die mobilen Angebote z.B. der Spielaktion „Mobifant“ (vgl. Pkt. 2.8.7) stellen einen geeigneten Ort dar, um mit Eltern in Kontakt zu kommen,
denn „…insbesondere niedrigschwellige und wertschätzende Zugänge sind für Mütter und
Väter von zentraler Bedeutung“ (vgl. BMFSFJ, a.a.O., S. 402). Die Bereitschaft und Akzeptanz
solcher Angebote zeigt sich in der Entwicklung der Besucherzahlen (vgl. 2.5.4). Vor dem Hintergrund sollte die Offene Kinder- und Jugendarbeit den Dialog mit Eltern / Familien weiterführen und ausbauen.
2.8.3 Außerschulische Jugendbildung
In den Jugendeinrichtungen wird eine Vielzahl an außerschulischen Jugendbildungsangeboten durchgeführt und weist nach wie vor die zweithöchsten Angebotsstunden auf
(vgl. Pkt. 2.5.5). Nach einem leichten Anstieg bis zum Jahr 2012, sank der prozentuale Anteil
jedoch 2013 um 4,3 %. Dieser Entwicklung sollte entgegengewirkt werden.
Eine differenzierte Auswertung der Angebote im Jahr 2012 kam zu folgendem Ergebnis:
46,1 % = Kulturelle Bildung
21,3 % = Lebenspraktische Bildung
58
10,0 % = Medienkompetenz
9,4 % = Naturkundliche bzw. technische Bildung
8,8 % = Politische und soziale Bildung
3,1 % = Interkulturelle Bildung
1,3 % = Gesundheitliche Bildung
Nahezu die Hälfte aller Angebote fand im Bereich der kulturellen Bildung statt. Insbesondere
den Bereichen „Politische und soziale Bildung“, „Interkulturelle Bildung“ und
„Gesundheitliche Bildung“ sollte eine höhere Aufmerksamkeit gewidmet werden
2.8.4 Interkulturelle / Internationale Jugendarbeit
Interkulturelle und internationale Jugendarbeit soll laut § 5 Drittes Ausführungsgesetz zum
KJHG NRW „…in ihrer inhaltlichen Ausrichtung den fachlichen und gesellschaftlichen Ansprüchen einer auf Toleranz, gegenseitiger Achtung, Demokratie und Gewaltfreiheit orientierten
Erziehung und Bildung entsprechen“. Das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen
und Jugend formuliert in dem Zusammenhang z.B. folgende Eckpunkte: „Entwicklungen in
der Zusammenarbeit im Rahmen der Europäischen Union, aber auch die Veränderungen als
Folge der immer weiter fortschreitenden Globalisierung erfordern eine regelmäßige Überprüfung und Neugestaltung der internationalen Jugendpolitik. Zentrale Ziele sind der Ausbau
der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Kinder- und Jugendarbeit, eine größere
Kohärenz in der gesamten internationalen Jugendzusammenarbeit und eine stärkere Nutzung internationaler Erfahrungen und Impulse für die Weiterentwicklung der nationalen Jugendarbeit“. Empirische Untersuchungen verdeutlichen zudem, „…dass die Teilnahme an
internationalen Jugendbegegnungen bei der deutlichen Mehrzahl der Teilnehmer/innen
nachhaltige, auch nach vielen Jahren noch spürbare positive Wirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung zeigen – verbunden mit einer deutlichen Steigerung des Selbstbewusstseins, der sozialen und interkulturellen sowie der Fremdsprachenkompetenzen“ (BMFSFJ
2013, a.a.O., S. 324).
Mit einer internationalen Begegnung im Jahr 2011, die von der Bezirksjugendarbeit initiiert,
organisiert und durchgeführt wurde und an der Jugendgruppen aus 4 verschiedenen
Ländern teilnahmen, wurde die Basis für weitergehende und regelmäßige Kontakte gelegt.
Seitdem entwickelten sich z.B., in Kooperation zwischen den Jugendeinrichtungen
Freizeitzentrum Süd, Herbertzstraße und „Cafe Ojé“, bereits mehrere gemeinsame Projekte
mit Jugendlichen aus Poznan / Polen. Darüber hinaus konnte der Kontakt zu den
Partnerstädten Venlo / Niederlande und Leicester / England intensiviert sowie ein neuer
Kontakt zur Partnerstadt in Kayseri / Türkei hergestellt werden. Die Jugendeinrichtung „Villa
K.“ führte zudem bis 2013 regelmäßige Begegnungen mit Jugendlichen aus Russland durch.
So sehr sich die interkulturelle / internationale Arbeit im Bereich der internationalen
Begegnungen punktuell verbesserte, ging sie insgesamt betrachtet jedoch innerhalb der
Leistungsarten und im Vergleich zu den Vorjahren kontinuierlich zurück (um
3,9 % gegenüber 2007, vgl. Pkt. 2.5.5). Dies ist darauf zurückzuführen, dass diese
Leistungsart von mehreren Einrichtungen mittlerweile als „Inneres Prinzip“ angese- hen wird
(vgl. Pkt. 2.2.3). Angesichts aktueller Geschehnisse und Diskussionen (z.B. Terrorismus,
Flüchtlingsdebatte, fremdenfeindliche, rechtspopulistische oder antiislamistische
Strömungen), sollten aber gezielte und thematisch ausgerichtete Angebote innerhalb dieser
Leistungsart (respektive politische und soziale Bildung) forciert werden.
59
In dem Zusammenhang erarbeitet die Abt. Jugend (Bezirksjugendarbeit) ein Konzept für die
Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus Flüchtlings- und Asylbewerberfamilien in Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit.
2.8.5 Partizipation
Partizipation wird in der Praxis häufig in der Form von regelmäßigen, strukturierten
Mitsprachemöglichkeiten gelebt (z.B. Hausversammlungen, Mitarbeit in Gremien oder
Mitarbeit in Arbeits- bzw. Helferteams). Ein stärkeres Augenmerk sollte in den Einrichtungen
aber ebenso auf die Initiierung und Unterstützung von selbstorgani- sierten Angeboten
gelegt werden. „Um Partizipation im Alltag von Offener Kinder- und Jugendarbeit zu einem
selbstverständlichen und ernsthaften Bestandteil werden zu lassen, müssen die Fachkräfte
ihre eigenen demokratischen Entscheidungs- strukturen überprüfen“ (BMFSFJ 2012, S. 41).
Hierbei ist besonders wichtig, die Entscheidungsspielräume zu klären (wie viel „Macht“ soll
tatsächlich abgeben werden?) und klare Absprachen zu treffen, um ein möglichst breites
Spektrum an Gestaltung und Mitgestaltung zu gewährleisten.
Eine positive Entwicklung gibt es bei der Beteiligung der Jugendeinrichtungen beim
Jugendbeirat. Über ein Drittel der Anfang 2012 gewählten Mitglieder des Jugend- beirates
waren Gewählte aus Jugendeinrichtungen.
Seit Juli 2012 wird der Jugendbeirat zudem von der Abteilung Jugend (Bezirks- jugendarbeit)
pädagogisch begleitet und fachlich unterstützt. In weiteren Klausur- tagen mit dem
Jugendbeirat soll die Funktion und Verantwortung der Mitglieder noch einmal ausführlich
behandelt, jugendpolitisch relevante bzw. jugendspezifische Themen konkretisiert sowie
Handlungsoptionen ausgelotet werden. Hierzu gehört auch die Verbesserung des direkten
Austausches von Seiten des Jugendbeirates mit Besuchern/innen von Jugendeinrichtungen.
2.8.6 Spezielle sozialpädagogische Angebote
In den vergangenen Jahren ist der eigentliche Bedarf an speziellen, zielgruppen- bezogenen
und oftmals intervenierenden Angeboten innerhalb der Einrichtungen, aufgrund stärkerer
Problemlagen bei den Kindern und Jugendlichen, de facto gestiegen. Innerhalb der
prozentualen Verteilung der Leistungsarten kommt dies allerdings nicht deutlich zum
Ausdruck (s. Pkt. 2.5.5). Der Rückgang um 2,1 % gegenüber dem Jahr 2012 verdeutlicht
daher eher ein personelles Defizit. Die speziellen sozialpädagogischen Angebote erfordern
eine große persönliche Erfahrung und hohe Kompetenz, eine intensivere Beziehungs- und
Motivationsarbeit und eine noch stärkere Hinwendung zur Arbeit in kleineren Gruppen.
Diese Voraussetzungen sind jedoch nicht in allen Jugendeinrichtungen gleich vorhanden (vgl.
Pkt. 2.9.1).
Aufgrund der deutlichen Fokussierung auf Problem- und Konfliktlagen (im Gegensatz zu allen
anderen Leistungsarten) besteht bei diesen Angeboten die zentrale Heraus- forderung darin,
eine Symbiose zwischen intervenierender Konfliktlösung einerseits und der reflektierten
Vermittlung individueller Verhaltensalternativen und sozialer Verantwortung andererseits
herzustellen.
60
2.8.7 Mobile Angebote
Die Mobile Offene Kinder- und Jugendarbeit versteht sich als eine Angebotsform, bei der die
Zugangsmöglichkeiten und Erreichbarkeiten den Möglichkeiten der Zielgruppen entsprechen
und ohne Vorbedingungen bzw. Vorleistungen in Anspruch genommen werden können. Sie
wirkt entweder von stationären Orten Offener Kinder- und Jugendarbeit im jeweiligen Sozialraum aus (wie z.B. Spielmobil des Jugendzentrums Fischeln) oder stellt sich als eigenständiges pädagogisches Angebot im Kontext der Offenen Kinder- und Jugendarbeit dar (wie z.B.
„Mobifant“ des Trägerwerkes e.V. oder „Sportparkmobil“ des Sportclubs Bayer e.V.).
Die Mobile Offene Kinder- und Jugendarbeit richtet sich vorrangig an Personen, die ihren
Lebensmittelpunkt im sozialen Nahraum haben und aufgrund der örtlichen Bedingungen an
den bestehenden Angeboten, vor allem an denen der Offenen Jugendeinrichtungen, nicht
oder nur bedingt teilhaben können.
Die „Spielaktion Mobifant“ bietet in Krefeld das umfangreichste mobile Angebotsspektrum
(vgl. Pkt. 2.5.8). Mit dem Spielmobil werden jährlich 30 Spielewochen, an wechselnden Orten innerhalb Krefelds, für die 6 bis 14-jährigen durchgeführt. Die jeweiligen Orte werden in
jährlichen Planungsgesprächen, gemeinsam mit der Bezirksjugendarbeit, festgelegt. Durch
diese Arbeit erhalten Kinder in ihrem wohnortnahen Umfeld, ergänzende Impulse in Form
verschiedener Spielangebote. Das soziale Miteinander im Sozialraum wird aktiviert sowie die
Aufenthaltsqualität und das soziale Miteinander werden verbessert. Vor dem Hintergrund
wäre auch die finanzielle Förderung einer beständigen „Winterspielaktion“, für die Dauer
von 6 bis 10 Wochen, durchaus sinnvoll.
Da sich an den Spielorten von Mobifant häufig auch Eltern mit eigenen Anliegen aufhalten,
wurde an einigen ausgewählten Standorten die Begleitung durch ein „Elterncafé“ erprobt
(und aus städtischen Projektmitteln finanziert, die derzeit aber nicht mehr zur Verfügung
stehen). Die dabei gemachten Erfahrungen waren durchweg erfreulich, da dieses niederschwellige Beratungsangebot von den Eltern sehr positiv aufgenommen wurde. Insofern
sollte eine Finanzierung des „Elterncafés“ verstetigt werden.
Einhergehen müsste damit ein abgestimmtes Gesamtkonzept, dass alle angesprochenen
Leistungen berücksichtigt, sowie weiterhin eine Modifizierung und ersatzweise Ablösung des
bestehenden Vertrages durch Abschluss einer Leistungsvereinbarung.
Der Aufbau einer mobilen Arbeit für Jugendliche könnte die bisherige Arbeit sinnvoll ergänzen (zum Beispiel in Form sportlicher Aktivitäten), um auch die nicht einrich- tungsorientierte, ältere Zielgruppe besser zu erreichen. Dabei würde sich sowohl eine Kooperation mit
dem „Sportparkmobil“ oder auch mit anderen Sportvereinen anbieten.
2.8.8
Qualifizierung und Weiterbildung
61
Das umfangreiche Leistungsspektrum der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (s. Pkt. 2.2.3)
verdeutlicht ein ebenso hohes Spektrum an persönlichen und fachlichen Kompetenzen, über
die das pädagogische Personal verfügen sollte bzw. muss. Dies erfordert einerseits eine sorgfältige Auswahl bei der Einstellung von Kräften. Andererseits muss sowohl von Seiten der
Träger die Möglichkeit zur Qualifizierung und Weiterbildung gegeben als auch die eigene
Bereitschaft der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorhanden sein.
Dafür gilt es unter anderem die Motivation zur Bildungsaktivität zu stärken, den Zugang zu
Weiterbildung zu erleichtern und die kommunalen Angebote der Weiterbildung zu erweitern. Hierzu kann z.B. die Bezirksjugendarbeit mit Angeboten, die auf spezifische Bedarfslagen innerhalb der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Krefeld ausgerichtet sind, beitragen
(was allerdings entsprechende Ressourcen voraussetzt, vgl. Pkt. 2.9.4).
Neben der erweiterten fachlichen Wissensaneignung zählt aber auch die Fähigkeit, sich eine
eigene Offenheit, Zugewandtheit und Neugier gegenüber anderen Menschen zu erhalten
und sich mit aktuellen Themen inhaltlich auseinanderzusetzen.
2.8.9 Unterstützung Ehrenamtlicher Arbeit
Für die vor Ort arbeitenden Träger bzw. ehrenamtlichen Vorstände ist eine professionelle
Begleitung und Unterstützung ihres Engagements unentbehrlich. In § 73 SGB VIII heißt es
dazu: „In der Jugendhilfe ehrenamtlich tätige Personen sollen bei ihrer Tätigkeit angeleitet,
beraten und unterstützt werden.“ Dies gewinnt um so mehr an Bedeutung, wenn man den §
75 SGB VIII (Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe) heranzieht, in dem unter anderem auch eine fachliche Kompetenz erwartet wird.
Die Unterstützung kann sich z.B. auf organisationsinterne Strukturen, fachliche Entwicklungsprozesse, Leitungsaufgaben oder Qualifizierungsmaßnahmen beziehen.
Das erfordert eine stärkere professionelle Unterstützung im Alltag und gleichermaßen einen
Austausch zwischen den verschiedenen Trägern untereinander. Ein solcher Austausch könnte gegebenenfalls auch in Strukturen einmünden, die eine, deutlicher auf Effizienz und Effektivität ausgerichtete, Kooperation beflügeln.
2.9
Strukturelle Handlungsbedarfe
2.9.1 Personal in den Einrichtungen
Die Frage nach dem strukturellen Bedarf, und damit verbundenen personellen Ressourcen,
stellt nach wie vor ein immer wieder diskutiertes Problem dar. Rechtsgültige Standards für
„Gruppen- oder „Betreuungsgrößen“, so wie sie in anderen Bereichen existieren, gibt es
nicht. Da die Offene Kinder- und Jugendarbeit, im Gegensatz zu Schule, auf dem Prinzip der
Freiwilligkeit beruht und es, im Gegensatz zu Tageseinrichtungen für Kinder, keinen Rechtsanspruch auf Offene Kinder- und Jugendarbeit gibt (wenngleich sie doch eine verpflichtende
Aufgabe darstellt), unterliegt die Beantwortung der Bedarfsfrage daher auch immer der Gefahr von nicht objektivierbaren „Aushandlungsprozessen“.
Mit der Ausdifferenzierung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit wie auch mit der Qualitätsentwicklung im Rahmen des Planungs- und Wirksamkeitsdialogs wurden allerdings, einhergehend mit den gesetzlichen Grundlagen, qualitative Standards gesetzt. Damit war auch
62
die Intention verbunden, Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit nicht ausschließlich als Orte für Freizeitaktivitäten zu verstehen, sondern ebenso als Orte der Persönlichkeits(aus)bildung, mit allen dazugehörigen Facetten (siehe auch Ausführungen zur Leistungsstruktur unter Pkt. 2.2.3). Die Wirksamkeit der Offenen Kinder- und Jugendarbeit wird
somit, wie in anderen Bereichen auch, unter anderem vom „Betreuungsverhältnis“ und der
Beziehungsqualität geprägt.
Darüber hinaus ist das Potential an Kindern und Jugendlichen mit Benachteiligungen und
schwierigen Lebensbedingungen in mehreren Planungsräumen und Einrichtungen gestiegen
und somit auch der Bedarf an lebensweltorientierten und an den individuellen Lebenslagen
orientierten Gruppen- und Projektangeboten.
In Einrichtungen mit nur einer sozialpädagogischen Fachkraft sind die Zielsetzungen und
fachlichen Anforderungen aber nur bedingt oder nur zu Lasten spezifischer Gruppen- oder
Projektarbeit zu realisieren (dies gilt insbesondere in Planungsräumen mit einer hohen Jugendeinwohnerzahl). Weiterhin müssen bei einer solchen Konstellation z.B. ebenso folgende
Aspekte und Auswirkungen berücksichtigt werden:
- Keine angemessene pädagogische Begleitung bei hohen Besucherzahlen
- Keine Möglichkeit von Parallelangeboten
- Eingeschränkte Handlungsmöglichkeiten in Konfliktsituationen
- Verringerte Öffnungszeiten und erhöhte Schließungszeiten
- Keine Urlaubs- bzw. Krankheitsvertretung
Insofern besteht ein dringender Handlungsbedarf, den personellen Standard anzuheben und
alle Einrichtungen mit grundsätzlich zwei pädagogischen Vollzeitkräften auszustatten (vgl.
Pkt. 2.2.4). Auf die Erfordernis, die Einrichtungen personell besser auszustatten, wurde auch
schon in den bisherigen Förderplänen hingewiesen).
2.9.2 Einrichtungsbezogene Sachaufwendungen
Seit dem Jahr 2002 blieben die Pauschalen für die pädagogischen Sachaufwendungen, gebäudespezifischen Kosten und Verwaltungsaufwendungen in den jeweiligen Leistungsvereinbarungen unverändert. Die gestiegene Kostenentwicklung innerhalb der vergangenen 13
Jahre hat daher die Träger der Jugendeinrichtungen an ihre Kapazitätsgrenzen gebracht,
insbesondere im Bereich der gebäudespezifischen Kosten. Insofern sollte eine Anpassung
der Pauschalen an das aktuelle Kostenniveau erfolgen. Dabei sollte gleichermaßen auch eine
Angleichung der Leistungsvereinbarung bei den Trägern erfolgen, die bislang keine prozentuale Anteilsfinanzierung, plus Pauschale, erhalten (vgl. Pkt. 2.3.1 sowie 2.6.2 - Planungsraum 8.2).
Hinsichtlich der pädagogischen Sachaufwendungen wäre eine Wiedereinführung der städtischen Projektmittel sinnvoll. Die Gewährung sollte allerdings nur unter der Voraussetzung
geschehen, dass diese Mittel als Trägeranteil für die Akquise zusätzlicher Drittmittel verwendet werden.
2.9.3 Gebäudeinstandhaltung
Die Kostenschätzung für Sanierung und Instandhaltung der Jugendeinrichtungen hat sich
gegenüber der Zahl aus dem letzten Kommunalen Kinder- und Jugendförderplan mehr als
63
verdoppelt. Wurden die Kosten in 2009 noch mit 925.000,--EUR veranschlagt, lagen sie in
2014 bei 1.906.000,--EUR (s. Pkt. 2.5.7). Hierbei ist zu berücksichtigen, dass einige Sanierungs- und Instandhaltungsvorhaben, aufgrund fehlender Mittel, bereits seit vielen Jahren
immer wieder zurückgestellt werden mussten.
Darüber hinaus sind behindertengerechte Zugänge zu berücksichtigen.
Vor dem Hintergrund sollte eine Prioritätenliste, mit einer aktualisierten Kostenkalkulation,
erstellt werden, die nach baulichen Maßstäben und Dringlichkeit, die erforderlichen Maßnahmen definiert. Eine sukzessive und zeitnahe Umsetzung der Maßnahmen wäre wünschenswert, nicht zuletzt um weitere Verteuerungen in Folge allgemeiner Kostensteigerungen zu vermeiden.
2.9.4 Personal in der Bezirksjugendarbeit
Hinsichtlich der Bezirksjugendarbeit hat das Arbeitsvolumen eine Intensität und ein Ausmaß
angenommen (vgl. Pkt. 2.7), welches die persönliche Belastungsgrenze der Mitarbeiter/innen erreicht hat.
Für die Sicherung der bisher erreichten Standards und für eine fundierte und qualifizierte
Weiterentwicklung im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit insgesamt, bedarf es einer angemessenen Personalausstattung innerhalb der Bezirksjugendarbeit.
Dieser Bedarf ergibt sich insbesondere auch aufgrund eines erhöhten Zeitaufwandes für die
qualifizierte Wahrnehmung der Aufgaben im Kontext von Schule (vgl. Pkt. 2.8.1) und eines
erhöhten Zeitaufwandes für den Jugendbeirat.
2.10 Zusammenfassung der Handlungsbedarfe
Um eine Übersicht darüber zu erhalten, welche Handlungsbedarfe nach wie vor bestehen
bzw. neu entstanden sind und welche Bedarfe in der vergangenen Legislaturperiode realisiert werden konnten, folgt auf die nachfolgenden aktuellen Darstellungen (grau hinterlegt)
jeweils eine Darstellung der formulierten Bedarfe aus dem letzten Kommunalen Kinder- und
Jugendförderplan, plus Anmerkungen zur Umsetzung.
64
Fachlich-inhaltliche Handlungsbedarfe (aktuell)
• Ausbau der Kooperationsqualität zwischen Jugendarbeit und Schule im Bereich
der Sekundarstufe I (siehe hierzu auch Konzeptentwurf des Fachbereichs
Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung zum Thema: „Kooperation Offene
Kinder- und Jugendarbeit und Schule“, Stand Februar 2014)
• Weiterentwicklung des Dialogs mit Eltern / Familien
• Intensivierung der außerschulischen Jugendbildung (insbesondere in den
Bereichen „Politische und soziale Bildung“, „Interkulturelle Bildung“ und
„Gesundheitliche Bildung“.
• Stärkere thematische Ausrichtung der „Interkulturellen / Internationalen Arbeit“
• Qualifizierung der Angebote im Bereich der Partizipation
• Ressourcen- und Kompetenzerweiterung im Bereich der „Speziellen sozialpädagogischen Angebote“.
• Einrichtung einer beständigen „Winterspielaktion“ und Verstetigung eines
„Elterncafés bei „Mobifant“.
• Aufbau einer mobilen Arbeit für Jugendliche.
• Motivation zur Bildungsaktivität stärken, den Zugang zu Weiterbildung erleichtern
und kommunale Angebote der Weiterbildung erweitern.
• Ausbau von unterstützenden Strukturen im Kontext von Professionalität und
Ehrenamtlichkeit
• Klärung des bezirksjugendpflegerischen Aufgabenspektrums und damit
verbundener personeller Ressourcen
• Konzepterstellung für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus Flüchtlingsund Asylbewerberfamilien in Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit.
Fachlich-inhaltliche Handlungsbedarfe (vergangene Legislaturperiode)
• Ausbau von unterstützenden Strukturen im Kontext Professionalität und Ehrenamtlichkeit (Befindet sich nach wie vor im Prozess)
• Aktualisierung / Modifizierung des städtischen Jugendförderplans
65
•
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•
•
•
•
•
(Die städtischen Mittel wurden gekürzt)
Fortschreibung des Qualitätsprozesses im Rahmen des Planungs- und Wirksamkeitsdialoges und Einbindung in den Qualitätsverbund auf Landesebene
(Der Qualitätsverbund auf Landesebene wurde vom Ministerium zurückgestellt)
Klärung des bezirksjugendpflegerischen Aufgabenspektrums und damit verbundener personeller Ressourcen (Konnte in dem Zeitraum, aufgrund neuer Entwicklungen nicht abschließend behandelt werden)
Weiterführung und Ausbau der Kooperation zwischen Jugendarbeit und Schule
(Es wurde ein Konzept hierzu erarbeitet)
Weiterführung und Intensivierung der Angebote im Bereich der außerschulischen
Bildung und interkulturellen Arbeit (Befindet sich nach wie vor im Prozess)
Qualifizierung der Angebote im Bereich der Partizipation und Ergänzung der Leistungsvereinbarung mit den Einrichtungsträgern hinsichtlich der Wahlen zum Jugendbeirat der Stadt Krefeld (Es erfolgte eine organisatorische Anbindung des
Jugendbeirates an die Abteilung Jugend des Fachbereiches 51)
Kommunal orientierte Konzepterstellung und Aufgabenklärung für das Spielmobil
„Aktion Mobifant“ (in Verbindung mit „KRETA“) im Rahmen einer Leistungsvereinbarung (Wurde zurückgestellt)
Weitere Klärung hinsichtlich der konzeptionellen Ausrichtung und finanziellen Ausgestaltung der Jugendkunstschulen (Wurde von den Trägern zurückgestellt)
Gesamtstädtisch
Jugendverbände
Städtischer Förderplan
„Spielaktion Mobifant“
(in Verbindung mit
„KRETA“)
„Spielaktion Mobifant“
Aufwendungen
Gebäudeinstandhaltung
Planungsraum
1.1 Westliche Innenstadt
1.2 Benrad / Baackeshof
1.3 Kempener Feld etc.
1.4 Schicksbaum
Strukturelle Handlungsbedarfe (aktuell)
Bedarfseinschätzung
Weiterentwicklung der Arbeitsgemeinschaft
s. Pkt. 1.2
Ablösung des bestehenden Vertrages durch
Abschluss einer Leistungsvereinbarung
Finanzielle Förderung
- eines „Elterncafés“ und
- einer „Winterspielaktion“
Angleichung der Leistungsvereinbarungen
und der Pauschalen
Sukzessive Umsetzung der erforderlichen
baulichen Maßnahmen
Bedarfseinschätzung
0,5 Stelle in der BI „Rund um St. Josef“
0,5 Stelle (Jugendeinrichtung der Erlöserkirche)
- Ressourcen für den „Mitmach-Bauernhof für Kinder Mallewupp e.V.“ (bei
geeigneter Vereinsstruktur und Zielsetzung)
- Prüfung einer Nutzung auf dem ehemaligen Kasernengelände
0,5 Stelle und zusätzlicher Gruppenraum
Zeitrahmen
Kurzfristig
Kurzfristig
Kurzfristig
Kurzfristig
Mittelfristig
Kurzfristig
Zeitrahmen
Mittelfristig
Mittelfristig
Kurzfristig
Kurzfristig
Kurzfristig
66
2.1 Alt-Inrath
3.1 Hüls / Hüser Berg
4.1 Innenstadt
5.1 Südbezirk
6.1 Stahldorf
6.2 Fischeln / Königshof
9.1 Uerdingen
Bezirksjugendarbeit
(Jugend- und Begegnungszentrum
Schicksbaum)
0,5 Stelle in der „Marienburg“
1.0 Stelle (Einrichtung Cäcilienstraße)
- 0,5 Stelle („SpieDie“)
- 1.0 Stelle (Friedenskirche)
- Erhalt der Beratungsstelle „Together
Krefeld“
0,7 Stelle und Installation einer Sanitäranlage an der Alte Gladbacher Straße
0,5 Stelle („Stahlnetz“)
Einsatz zusätzlicher Honorarkräfte
(Jugendzentrum Fischeln)
1.0 Stelle („Jojo“)
Klärung des bezirksjugendpflegerischen Aufgabenspektrums und damit verbun- dener
personeller Ressourcen
kurzfristig
Kurzfristig
Kurzfristig
Mittelfristig
Kurzfristig
Kurzfristig
Mittelfristig
Kurzfristig
Mittelfristig
Kurzfristig
Strukturelle Handlungsbedarfe (vergangene Legislaturperiode)
Planungsraum
Bedarfseinschätzung
Zeitrahmen
1.1 Westliche
1,0 Stelle plus Sachkosten
Kurzfristig
Innenstadt
Träger: BI „Rund um St. Josef“
1.3 Kempener Feld 1,0 Stelle plus Sachkosten
Mittelfristig
(u. Dieselstr.)
Träger: NN
1.4 Schicksbaum
1,5 Stellen plus Sachkosten (und InvestitiKurzfristig
onskosten), Träger: NN
2.1 Alt-Inrath
Sachkosten / „Marienburg“
Mittelfristig
3.1 Hüls
1,0 Stelle plus Sachkosten für Verband OfMittelfristig
fene Jugendarbeit Hüls e.V.
4.1 Innenstadt
1,0 Stelle plus Sachkosten
Kurzfristig
Träger: Werkhaus e.V. („SpieDie“) sowie
Aufstockung der vorhandenen Stelle in der
Jugendeinrichtung der Friedenskirche um 9
Wochenstunden
5.1 Südbezirk
0,5 Stelle / Alte Gladbacher Straße
Kurzfristig
6.1 Stahldorf
Sachkosten / Einrichtung „Stahlnetz“
Kurzfristig
7.1 Linn
Sachkosten / Träger: Förderverein
Offene Jugendarbeit Linn e.V.
8.1 Traar / Verberg 0,5 Stelle plus Sachkosten
Mittelfristig
/ Bockum
Träger: NN
8.2 Gartenstadt /
Sachkosten (inkl. Angleichung an LeistungsKurzfristig
Elfrath
vereinbarungen anderer Träger)
Umsetzung
0,5 Stelle
nein
ja
nein
nein
„SpieDie“
0,5 Stelle
Friedensk.
nein
nein
nein
nein
nein
bedingt
(über BV)
67
9.1 Uerdingen
2.11
Träger: Evang. Kirchengem. („Funzel“)
1,0 Stelle plus Sachkosten
Träger: Verein Offene Jugendarbeit
Uerdingen e.V.
Langfristig
nein
Schwerpunkte und Perspektiven für 2015 bis 2020
Die nachfolgenden Schwerpunkte und Prioritäten spiegeln die Ergebnisse aus dem gemeinsamen Workshop vom 07.02.2015 mit politischen Mandatsträgern und freien Trägern wider.
Für die Umsetzung stehen im Haushaltsplan 2015 keine Haushaltsmittel zur Verfügung.
Zeitraum
2015 / 2016
Schwerpunkte / Prioritäten
- Anhebung des städtischen Jugendförderplanes um
25.000,--EUR für Kinder- und Jugendfreizeiten.
- Bereitstellung von Mitteln für die Projektförderung der Offenen
Kinder- und Jugendarbeit in Höhe von 30.000,--EUR (unter der
Voraussetzung, dass diese Mittel als Trägeranteil für die
Akquise zusätzlicher Drittmittel verwendet werden).
Ab 2017
1. Bestandserhaltung der Offenen Kinder- und Jugendarbeit
Gleichstellung der Leistungsvereinbarungen (Umwandlung
der Festbetragsfinanzierung in prozentuale Anteilsfinanzierung (Kosten = ca. 90.000,--EUR) sowie Angleichung
68
der Sachkostenpauschalen an die Kostensteigerungen
(Kosten = ca. 60.000,--EUR)
2. Erhalt der Beratungsstelle „together Krefeld“
(Kosten = ca. 40.000,--EUR)
3. Ausbau innerhalb des Bestands Offener Kinder- und Jugendarbeit, mit Schwerpunkt Innenstadt und Lehmheide
4. Reflexive Aktualisierung der Planung nach 2 - 3 Jahren
Literatur
Arbeitsgemeinschaft der Kinder- und Jugendhilfe (2011): Kinder- und Jugendarbeit unter
Gestaltungsdruck. Zur Notwendigkeit, Angebote der Kinder- und Jugendarbeit zu
erhalten und weiter zu entwickeln. Positionspapier der AGJ
Autorengruppe Bildungsberichterstattung (Hrsg.): Bildung in Deutschland 2012. Ein
indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zur kulturellen Bildung im Lebenslauf.
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.) (2012): Qualitätsstandards für Beteiligung von Kindern- und Jugendlichen
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.) (2013): Bericht über
die Lebenssituation junger Menschen und die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe in
Deutschland. 14. Kinder- und Jugendbericht
Deinet, U.; Müller, K. (2013): Die Offene Kinder- und Jugendarbeit vor großen Herausforderungen. In: Deinet, U. (Hrsg.): Innovative Offene Jugendarbeit. Bausteine und
Perspektiven einer sozialräumlichen Offenen Kinder- und Jugendarbeit.
Konsortium Bildungsberichterstattung (2006): Bildung in Deutschland. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Bildung und Migration.
Münchmeier, R. (2014).: Was macht Kinder- und Jugendarbeit in Zukunft aus? Referat auf
der Jahrestagung der Jugendpfleger/innen in Bonn, 19.11.2014
Scherr, A., Sturzenhecker, B. (2014): Jugendarbeit verkehrt. Thesen gegen die Abwicklung
69
der Offenen Kinder- und Jugendarbeit durch ihre Fachkräfte. In: deutsche Jugend,
62.Jg., Heft 9,
Thole, W. u.a. (2005).: Professionalisierung und Studium. Die hochschulische Qualifikation
für die Kinder- und Jugendarbeit. Befunde und Reflexionen.
Teil B
1.
Kinder- und Jugendschutz
Aufgaben und Rahmenbedingungen
Laut § 14 des 3. Ausführungsgesetzes zum KJHG NRW umfasst der erzieherische Kinder- und
Jugendschutz „...den vorbeugenden Schutz junger Menschen vor gefährdenden Einflüssen,
Stoffen und Handlungen. Hierbei sollen die Träger der öffentlichen und freien Jugendhilfe
insbesondere mit den Schulen, der Polizei sowie den Ordnungsbehörden eng zusammenwirken. Sie sollen pädagogische Angebote entwickeln und notwendige Maßnahmen treffen, um
Kinder, Jugendliche und Erziehungsberechtigte über Gefahren und die damit verbundenen
Folgen rechtzeitig und in geeigneter Weise zu informieren und zu beraten. Hierzu gehört
auch die Fort- und Weiterbildung von haupt- und ehrenamtlich tätigen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern.“
70
Dabei geht es nicht nur um ein „Fernhalten“ junger Menschen von gefährdenden Einflüssen,
Stoffen und Haltungen sondern insbesondere auch um die Verwirklichung von Werten und
um die Entwicklung von Perspektiven in einem komplexen und dynamischen Umfeld mit z.B.
all seinen „Entstehungsgeschichten“, „Einzelbiografien“ als auch strukturellen und sozioökonomischen Rahmenbedingungen.
Hieraus resultieren in Krefeld unterschiedliche Handlungsfelder und Handlungs-ebenen mit
verschiedenen „Beratungs- und Sozialisationsleistungen“ in einer relativ ausdifferenzierten
Träger- und Organisationsstruktur. So sind neben dem Fachbereich Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung als Träger der öffentlichen Jugendhilfe eine Reihe weiterer Einrichtungen
und Organisationen, sowohl mittelbar als auch unmittel- bar, im Bereich des Kinder- und
Jugendschutzes tätig (vgl. hierzu auch JHA-Vorlage 5286/04 – Bestandserhebung im Kinderund Jugendschutz).
In Anbetracht der vielfältigen Aufgaben im Kinder- und Jugendschutz sowie angesichts der
Problemstellungen und Herausforderungen in den jeweiligen Handlungsfeldern, gilt es daher eine klar positionierte und werteorientierte Abstimmung / Kooperation zwischen den
verschiedenen Trägern und Einrichtungen herzustellen bzw. weiter zu entwickeln. Aber auch
unter dem Gesichtspunkt der Einwohnergröße Krefelds und der Anzahl der vorhandenen
Einrichtungen in Krefeld (z.B. Kindertageseinrichtungen, Schulen, Jugendeinrichtungen), sowie den damit verbundenen Potentialen und Handlungsmöglichkeiten, ist ein kontinuierlicher Dialog und abgestimmtes Vorgehen unerlässlich. Im Einzelnen bedeutet dies z.B.
- das Erkennen gemeinsamer Schnittstellen
- den Austausch gemeinsamer Werte und Ziele
- die Verankerung des Kinder- und Jugendschutzes als Querschnittsaufgabe,
- die Abstimmung und Vernetzung von Angeboten und Projekten,
- die Unterstützung und den Ausbau sinnvoller Strukturen,
- die Entwicklung neuer und innovativer Arbeitsansätze.
Vor dem Hintergrund arbeitet der Kinder- und Jugendschutz zum Beispiel mit folgenden Organisationen und Einrichtungen zusammen:
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AIDS-Beratung des Fachbereichs Gesundheit
ÄGGF – Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau
Beratungsstellen
Bündnis für Toleranz und Demokratie
Caritasverband Krefeld
Deutscher Kinderschutzbund
Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit
Ev. Beratungsstelle der Diakonie Krefeld & Viersen
Ev. Kirchenkreis Krefeld-Viersen
Fachbereich Gesundheit der Stadt Krefeld
Fachbereich Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung der Stadt Krefeld
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Familienbildungsstätten
Frauenberatungsstelle
Internationaler Bund
Kindertageseinrichtungen
Krankenkassen
Medienzentrum des Fachbereiches 40
Mediothek
Polizei Krefeld
Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft
Schuldnerberatung der Diakonie Krefeld & Viersen
Schulen
Sexualpädagogisches Netzwerk (Pro Familia, donum vitae, Diakonie Krefeld & Viersen, ÄGGF, AIDS-Hilfe Krefeld, AIDS Beratung der Stadt Krefeld, Katholische Kirche
Rat & Hilfe)
SKF – Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Krefeld
SKM – Katholischer Verein für soziale Dienste in Krefeld e.V.
Sozialpsychiatrischer Dienst des Fachbereiches Gesundheit
Sportvereine
„together“ Niederrhein
Verbraucherzentrale
Verein Klasse 2000
Innerhalb des Kinder- und Jugendschutzes werden grundsätzlich drei Ebenen unterschieden:
Gesetzlicher Kinder- und Jugendschutz
Diese Ebene umfasst den eher kontrollierend-eingreifenden Kinder- und Jugendschutz der in verschiedenen Gesetzen geregelt ist. Er richtet sich primär an
Erwachsene, Gewerbetreibende, Veranstalter und an Institutionen.
Leitziele für den gesetzlichen Kinder- und Jugendschutz
- Kinder und Jugendliche vor gefährdenden Einflüssen schützen
- Gefährdungen erkennen und ihnen wirksam begegnen
- Sicherstellung der Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen
- Informations- und Aufklärungsarbeit leisten
Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz
Junge Menschen sollen lernen, mögliche Gefährdungen selbst zu erkennen, sich
kritisch mit ihnen auseinanderzusetzen und sie allein oder zusammen mit anderen
zu bewältigen. Ebenso sollen sie Entscheidungsfähigkeit und Eigenverantwortlichkeit sowie Verantwortung gegenüber ihren Mitmenschen erlernen. Zu den Ziel –
gruppen zählen daher Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, aber auch Eltern
und Multiplikatoren/innen. Weiterhin soll die breite Öffentlichkeit für Aspekte
des Kinder- und Jugendschutzes sensibilisiert werden (allgemeine Öffentlichkeitsund Aufklärungsarbeit).
Leitziele für den erzieherischen Kinder- und Jugendschutz
- Junge Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung stärken und
72
-
unterstützen, sie zu Kritik- und Entscheidungsfähigkeit, Eigenverantwortlichkeit und zu Verantwortung gegenüber ihren Mitmenschen führen.
Eltern und Multiplikatoren in ihrem Handeln beraten, unterstützen und gegebenenfalls qualifizieren
Risiko- und Gefährdungssituationen thematisieren und
reflektieren
Werte vermitteln und sich hinsichtlich der Werte klar und
eindeutig positionieren
Perspektiven aufzeigen und nachhaltiges Handeln initiieren
und fördern
Struktureller Kinder- und Jugendschutz
Als struktureller Kinder- und Jugendschutz werden diejenigen Aktivitäten und
Maßnahmen der Jugendhilfe verstanden, die auf die Lebensbedingungen junger
Menschen einwirken und durch strukturelle Maßnahmen Gefährdungspotenzialen
entgegenwirken bzw. deren Entstehung verhindern.
Leitziel für den strukturellen Kinder- und Jugendschutz
- Einhaltung und Schaffung kinder- und jugendgerechter Lebensbedingungen
Innerhalb der Jugendhilfe, bzw. innerhalb des Fachbereichs Jugendhilfe und Beschäf- tigungsförderung, liegt der eindeutige Schwerpunkt auf der Ebene des erzieherischen Kinderund Jugendschutzes. Hierbei werden für die unterschiedlichen Zielgruppen (Kinder, Jugendliche, Eltern, Multiplikatoren/innen) und in verschiedenen Organisa- tionen und Einrichtungen
(Schulen, Kindertageseinrichtungen, Jugendeinrichtungen, Verbände/Vereine) präventive
Maßnahmen und Projekten realisiert. Um auch nach außen hin das spezifische Angebotsund Hilfespektrum des gesamten fachbereichsbezogenen Kinder- und Jugendschutzes anschaulich und transparent abbilden zu können, wurde eine differenzierte Übersicht sowohl
für Jugendliche und Eltern als auch für potentielle Kooperationspartner herausgegeben (Broschüre „Fördern – Schützen – Unterstützen, Kinder- und Jugendschutz in Krefeld“).
Der gesetzliche Kinder- und Jugendschutz wird im notwendigen Maße und vertret-baren
Umfang wahrgenommen. Dies ist nicht zuletzt der Personalsituation im Kinder- und Jugendschutz geschuldet.
Gemessen an den gesellschaftlichen Entwicklungen und den gestiegenen öffentlichen und
politischen Erwartungshaltungen müssen daher bei der derzeitigen Personalausstattung im
Kinder- und Jugendschutz des Fachbereichs (2 Vollzeitstellen) Prioritäten gesetzt werden.
2.
Handlungsfelder
73
Im Nachfolgenden werden insgesamt sieben Handlungsfelder benannt, in die sich der Kinder- und Jugendschutz in Krefeld inhaltlich gliedert. Hierzu wurden Handlungs- und Wirkungsziele definiert und gemeinsam mit Trägern der freien Jugendhilfe und anderen Organisationen in einer Arbeitsgemeinschaft „Kinder- und Jugendschutz“, gemäß § 78 SGB VIII, abgestimmt (vgl. JHA-Vorlage 1868/06 – Handlungs- und Wirkungsziele im Kinder- und Jugendschutz).
Sucht
Gewalt
Medien
Ideologie
Konsum
Sexualität
Gesundheit
3.
Substanzgebundene und nicht substanzgebundene Störungen,
legale und illegale Drogen, Magersucht, Spielsucht ...
Physische Gewalt, psychische Gewalt, sexuelle Gewalt,
Gewalt in und durch Medien, Gewalt in gesellschaftlichen
Zusammenhängen …
Internet, Computerspiele, Handy, Fernsehen, Printmedien …
Rechts- und Linksextremismus, Okkultismus, Sekten …
Schulden, Taschengeld, Werbung …
Körperbewusstsein, sexuelle Entwicklung, Empfängnisverhütung, AIDS-Prävention …
Gesundheitsbewusstsein, Körperakzeptanz, Ernährung …
Finanzielle Rahmenbedingungen
2015
EUR
Erträge
Aufwendungen
Ergebnis
Erträge ./.
Aufwendungen
2016
EUR
2017
EUR
2018
EUR
2019
EUR
2020
EUR
0
0
0
0
0
0
221.937
-221.937
227.480
-227.480
229.696
-229.696
232.196
-232.196
234.518
-234.518
236.863
-236.863
Basis für die o. a. Darstellung ist der Haushaltsplanentwurf 2015 (Planungszeitraum bis
2018). Für die Berechnung der Jahreswerte 2019 ff wurde eine kalkulatorische Steigerung
von 1% auf den Vorjahreswert zugrunde gelegt.
Ob angemeldete und begründete Veränderungswünsche im Rahmen der Etatberatungen
Berücksichtigung finden, kann erst nach Verabschiedung des Haushaltes 2015 durch den Rat
beurteilt werden. Ferner können, in Abhängigkeit von der Erstellung eines Haushaltssicherungskonzeptes, Veränderungen für die Folgejahre derzeit nicht prognostiziert werden.
Der prozentuale Anteil der Ausgaben für den Kinder- und Jugendschutz, gemessen am Gesamtvolumen der Jugendhilfe, betrug in den vergangenen Jahren 0,4 %. Dieser Anteil verringert sich in 2015 auf 0,3 % (s. Teil „D“).
4.
Fachliche Entwicklungen
74
Der Kinder- und Jugendschutz, als Querschnittsaufgabe, ist eingebunden in eine Viel- zahl
verschiedener Organisationsstrukturen und thematischer Arbeitszusammen- hänge. In dem
Kontext gilt es daher weiterhin sicher zu stellen beziehungsweise darauf hinzuwirken, dass
unter anderem
- die Aktivitäten aller im Kinder- und Jugendschutz engagierten Kräfte sinnvoll
miteinander abgestimmt,
- die Zugangsmöglichkeiten zu Beratungsangeboten und Hilfen (unter anderem für
Menschen mit Migrationshintergrund) erleichtert und
- die methodischen Potentiale genutzt werden.
Vor diesem Hintergrund wurde in der Vergangenheit von dem Fachbereich Jugendhilfe und
Beschäftigungsförderung eine Bestandserhebung im erzieherischen Kinder- und Jugendschutz durchgeführt. Diese diente dazu, eine genauere Übersicht über die Trägerlandschaft,
die Angebotsstrukturen und die Inhalte der Angebote im Bereich des erzieherischen Kinderund Jugendschutzes zu erhalten. Da seitdem bereits mehrere Jahre vergangen sind, plant der
Fachbereich Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung eine erneute bzw. aktuelle Erhebung.
Des Weiteren soll zukünftig die AG 78 wieder regelmäßig stattfinden.
Als Produkt im Fachbereich Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung (FB 51) stellt der Kinder- und Jugendschutz ein organisatorisch eigenes Arbeits- und Handlungsfeld dar, unter
anderem mit dem Ziel, orientierende, aktivierende, qualifizierende und (soweit erforderlich)
verändernde Impulse zu geben.
Im Nachfolgenden werden die einzelnen Handlungsfelder, jeweils mit Handlungszielen des
erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes sowie zielgruppenbezogenen Hand- lungsbeispielen / Handlungsoptionen, abgebildet. Sie umfassen sowohl bereits be- kannte Angebote als
auch Optionen, die als Impuls und Orientierung für die weiter- gehenden Diskussionen und
Abstimmungen in den zuständigen Arbeitsgruppen und politischen Gremien dienen. Die Ausführungen erheben daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
4.1
Sucht
Die Aufgaben im Rahmen der Suchtprävention werden grundsätzlich wie folgt wahrgenommen.
75
Träger
Zielgruppe *
Handlungsbezug
Koordinationsgremium
FB 51
03 bis 10 Jahre
Allgemeine Suchtprävention
Arbeitsgemeinschaft
- Jugendschutz -
10 Jahre und älter
Nicht substanzgebundene Störungen
Arbeitsgemeinschaft
- Jugendschutz -
10 Jahre und älter
Substanzgebundene
Störungen
Gesundheitskonferenz
- Untergruppe Sucht -
Caritasverband
* Die Arbeit mit Eltern und Multiplikatoren/innen ergibt sich aus den jeweiligen Handlungsbezügen
Die Gesamtkoordination der Aufgaben im Bereich der substanzgebundenen Störungen (legale und illegale Stoffe bzw. Drogen) obliegt dem Fachbereich Gesundheit. Hierzu gehört unter
anderem die Geschäftsführung der Gesundheitskonferenz (respektive Untergruppe Sucht)
und der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft (respektive Unter- gruppe Sucht). In dem Zusammenhang wird, ergänzend zum Kommunalen Kinder- und Jugendförderplan, auch auf
das Suchthilfekonzept der Stadt Krefeld hingewiesen.
Abweichend von der vorgenannten altersgemäßen Zuordnung, ist beim Thema „Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen“ auch der FB 51 bei den über
10-Jährigen aktiv. Dies geschieht zum Beispiel bei den Maßnahmen zu Karneval
sowie bei gemeinsamen Jugendschutzkontrollen mit der Polizei und dem Fachbereich Ordnung (gegebenenfalls plus nachgehender pädagogischer Intervention / Hilfen) im Rahmen
des gesetzlichen Kinder- und Jugendschutzes (vgl. JHA-Vorlage 3350/08).
Hierbei wird zudem auch immer über das Angebot der Beratungsstelle für Alkohol- und Dogenfragen seitens des Caritasverbandes informiert.
Im Rahmen der allgemeinen Suchtprävention wird sich der Kinder- und Jugendschutz im
Fachbereich Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung besonders den Kindertageseinrichtungen und Grundschulen zuwenden. Dies beinhaltet sowohl Projekte mit Kindern als auch
Angebote für Eltern und Fachberatungen bzw. Schulungen für Multiplikatoren/innen. Ein
Schwerpunkt der präventiven Arbeit wird hierbei auf dem übermäßigen Medienkonsum liegen.
Handlungsziele im erzieherischen Kinder- und Jugendschutz
• Information / Aufklärung / Beratung
• Individuelle Kompetenzstärkung im Bereich der Prävention
• Verhindern, dass Suchtstrukturen entstehen
• Nachhaltige Förderung des verantwortungsvollen und gesundheitsbewussten
Umgangs mit stofflichen Erzeugnissen und nichtstofflichen Einflüssen
76
Zielgruppenbezogene Handlungsbeispiele / Handlungsoptionen
Kinder /
Jugendliche
- Primärpräventive Angebote (z. B. in Kitas/Familienzentren, Schulen,
Kinderheimen und Jugendeinrichtungen)
- Projekte zum Thema Selbstwert und Selbstbewusstsein
- Kompetenztrainings
- Gefährdungsaufklärung für Jugendliche (insbesondere zu „alten“
und „neuen“ Drogen, Alkoholmissbrauch, Mediensucht, Glücksspiel)
- Beratungsarbeit
- Weiterführung von Anti-Alkohol-Kampagnen (z.B. „Schools out
Party“)
Eltern /
Multiplikatoren
- Elternarbeit in Kitas und Schulen (z.B. Programm „Eltern im
Gespräch“)
- Clearing- und Beratungsangebote für Angehörige und Betroffene
- Fachberatung und Fortbildungsangebote für Multiplikatoren/innen
- Fachberatung für Eltern
Gewerbetreibende /
Handel
- Aufsuchende Informationsarbeit und gegebenenfalls Belehrung
- Durchführung von Testkäufen mit Jugendlichen unter Einhaltung
definierter Kriterien
- Durchführung von Jugendschutzkontrollen
Öffentlichkeit
- Durchführung von Imagekampagnen unter Nutzung professioneller
Werbestrategien (Ausrichtung Jugendliche)
- Handreichungen (Broschüren, Flyer etc.) zu verschiedenen Facetten
von Sucht
- Internet- und Pressepräsenz
4.2 Gewalt
Gewaltdarstellungen und Gewaltanwendungen sind im Alltag allgegenwärtig und zeigen sich
in unterschiedlichsten Formen und Ausprägungen (z.B. physische, psychische und sexuelle
Gewalt, verbale Gewalt, Gewalt in Medien, Gewalt in gesellschaftlichen Zusammenhängen,
Ausländerfeindlichkeit, Diskriminierung, Homophobie). Eine der Herausforderungen in der
Arbeit mit jungen Menschen besteht darin, mit pädagogischen Maßnahmen auf die Phänomene zu reagieren. Eine Reduzierung des Themas allein auf Kinder- und Jugendgewalt würde
allerdings die Komplexität des Themas negieren. Die Komplexität resultiert dabei nicht nur
aus der Summierung von Sozialisationsinstanzen, medialer Einflüsse und struktureller Rahmenbedingungen, sondern insbesondere aus den bestehenden Norm- und Werteorientierungen.
Handlungsziele im erzieherischen Kinder- und Jugendschutz
• Zusammenhänge und Auswirkungen unterschiedlicher Formen von Gewalt transparent
machen und reflektieren
• Förderung von Empathie und Respekt
• Entwicklung von Frustrationstoleranz und Konfliktfähigkeit
77
• Initiierung von Maßnahmen und Projekten, die einen sozial akzeptierten Umgang
miteinander fördern
Zielgruppenbezogene Handlungsbeispiele / Handlungsoptionen
Kinder /
Jugendliche
- Werteorientierte Präventionsarbeit in Kitas, Schulen, Jugendeinrichtungen und Vereinen/Verbänden
- Opferschutz und Selbstbehauptung
- Allgemeine Präventionsprojekte (z.B. sozial-kognitive Verhaltenstrainings, Empathietrainings)
- Projekt ,,Klasse(n)gemeinschaft“
- Deeskalations- und Zivilcouragetrainings
- Angebot „Es ist nicht (l)egal“ (in Schulen, Jugendeinrichtungen und
Vereinen/Verbänden)
Eltern /
Multiplikatoren
- Präventive Bildungsangebote und Erziehungsberatung für Eltern
- Gemeinsame Schnittstellen mit Schulen benennen und ggf.
gemeinsame Projekte und Maßnahmen entwickeln
- Abstimmung der Maßnahmen an Schulen, die im Rahmen des
Runderlasses zur Bekämpfung der Jugendkriminalität umgesetzt werden sollen
- Fortbildungsangebote, Arbeitshilfen und -methoden für Multiplikatoren/innen (z.B. in den Bereichen Konfliktmanagement, Aufstellung und Einhaltung von Verhaltensregeln, Förderung sozialer
Kompetenzen, Kooperation mit anderen Fachkräften …)
Gewerbetreibende /
Handel
- Indizierungen bei menschenverachtenden und gewaltverherrlichenden Veröffentlichungen
Öffentlichkeit
- Maßnahmen zur Ächtung von Gewalt
- Den Blick auf den strukturellen Kinder- und Jugendschutz schärfen
4.3 Medien
Jungen Menschen steht ein überaus großes Medienangebot zur Verfügung. Sie wachsen in
Familien auf, in denen eine Vollversorgung mit Handy (100%), Fernsehen (98%), Computer
und Laptop (99%) sowie Internetzugang (98%) besteht. Drei Viertel der jungen Menschen
zwischen 12 und 19 Jahren haben einen eigenen Rechner und
9 von 10 Jugendlichen (92%) können vom eigenen Zimmer aus online gehen. Zudem besitzt
mittlerweile fast jeder 12- bis 19-Jährige (97%) ein eigenes Mobiltelefon, wovon 88 % über
ein Smartphone mit Touchscreen und Internetzugang verfügen. Was die subjektive Bedeutung einzelner Medientätigkeiten anbelangt, so stehen das Internet und die Handynutzung
an vorderster Stelle, gefolgt von Fernsehen und dem Hören von MP3-Dateien und Radio.
Tageszeitung und Bücher lesen rangieren dabei eher im unteren Drittel der Aufzählung. Hinsichtlich der Differenzierung nach Mädchen und Jungen fällt auf, dass zum Beispiel das Bücher lesen bei Mädchen eine höhere Wichtigkeit besitzt als bei Jungen. Umgekehrt verhält
es sich dagegen bei den Computerspielen (vgl. „JIM“-Studie 2014 des Medienpädagogischen
78
Forschungsverbundes Südwest, Basisstudie zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger in
Deutschland).
Darüber hinaus besitzen drei von vier Familien Spielekonsolen. Es besitzt jedes zweite Kind
im Alter von 6 bis 13 Jahren eine eigene Spielekonsole oder ein eigenes Handy. Zudem hat
jedes dritte Kind einen eigenen Fernseher. Rund 79% der 6- bis 13-Jährigen schauen jeden
Tag oder fast jeden Tag fern. Da 57% der Kinder am wenigsten auf dieses Medium verzichten
können, nimmt das Fernsehen einen hohen Stellenwert ein und ist somit das dominante
Medium bei Kindern zwischen 6 und 13 Jahren
(vgl. ,,KIM“-Studie 2012 des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest, Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger in Deutschland).
Handlungsziele im erzieherischen Kinder- und Jugendschutz
• Positive Nutzungsmöglichkeiten verdeutlichen
• Kindern und Jugendlichen (sowie Eltern) ein Handlungsrepertoire an die Hand geben,
um z.B. mediale Erfahrungen zu reflektieren; Hintergründe, Strukturen, Absichten und
Wirkungen zu erkennen
• Einen sinnvollen Umgang mit den „neuen Medien“ fördern, auf Gefährdungspotentiale
hinweisen sowie Handlungsperspektiven aufzeigen
• Lesen fördern
Zielgruppenbezogene Handlungsbeispiele / Handlungsoptionen
Kinder /
Jugendliche
- Angebote in Kitas zum frühen Umgang mit Medien
- Projekte in Kooperation mit der Krefelder Mediothek
- Aufzeigen von computergestützten, kreativen Nutzungsmöglichkeiten in Schulen und Jugendeinrichtungen
- Angebote zur Sensibilisierung im Umgang mit persönlichen Daten
im Internet
- Veranstaltungen z.B. zu „Cyber-Mobbing“, „Übertragung von
jugendgefährdenden und diskriminierenden Inhalten per Handy“ …
- Leseförderung
Eltern /
Multiplikatoren
- Elternarbeit zu Themen wie Medienkonsum, Mediensozialisation
und Medienkompetenz
- „Selbsterfahrungsabende“ mit Eltern und Reflexion der persönlichen Haltung von Eltern zu diversen Medien
- Fortbildungsangebote, Arbeitshilfen und -methoden für Multiplikatoren/innen; Methodenkoffer
- Jugendschutzkontrollen
- Stärkung der freiwilligen Selbstkontrolle
- Indizierungen
Gewerbetreibende /
Handel
Öffentlichkeit
- Sensibilisierung von Bürgerinnen und Bürgern
4.4 Ideologie
79
Extremismus ist in unserer Gesellschaft keine Randerscheinung mehr und beginnt die Alltagskultur zu durchdringen. In manchen Städten, wie z. B. in Berlin, dominiert Rechtsextremismus bereits die Jugendmilieus relativ stark. Das Einstiegsalter in die rechtsextreme Szene
liegt bei 12-15 Jahren und der Einstieg erfolgt meist über die Musik von Nazibands.
Auch die religiös geprägten Handlungen haben in den letzten Jahren verstärkt zugenommen
(z.B. radikale Islamisten, Salafisten). Hinzu kommen die sogenannten Hooligans, die eine
enorme Gewaltbereitschaft aufweisen und organisierte Gewalthandlungen gegenüber Ausländern und Anderen (z. B. Polizei, rivalisierende Gruppen) gezielt ausüben. Nicht selten sind
Mitglieder der Hooligans auch in eine rechtsextreme Szene integriert (vgl. Bundeszentrale
für politische Bildung, 2014).
Heranwachsende entwickeln ihr Selbstbild unter anderem durch die Abgrenzung. Dies gilt
für Aussehen, Kleidung und Hobby ebenso wie für Gruppenzugehörigkeit, Religion und Weltanschauung. Um Kinder und Jugendliche vor dem Abrutschen in extreme Richtungen zu
schützen, ist es nötig, über Hintergründe aufzuklären und zum Nachdenken anzuregen. Es ist
wichtig, schon frühzeitig gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen Vorurteile zu reflektieren und somit auch die eigenen Haltungen zu überdenken.
Auch im Sport nehmen Integration und die Förderung des Gemeinschaftsgefühls einen hohen Stellenwert ein, wobei Vorurteilen und Diskriminierungen entgegengewirkt werden soll.
Eine intensivere Kooperation mit den Sportvereinen ist daher vorgesehen.
Handlungsziele im erzieherischen Kinder- und Jugendschutz
• Wertevermittlung auf Basis der im Grundgesetz verankerten Menschenrechte und der
UN-Kinderrechtskonvention
• Gefährdungen aufzeigen und reflektieren, die diesen Werten entgegen wirken
• Initiierung von Maßnahmen, um entsprechende Gefährdungen zu verhindern
Zielgruppenbezogene Handlungsbeispiele / Handlungsoptionen
Kinder /
Jugendliche
- Politische Bildungsangebote in Schulen und Jugendeinrichtungen
- Interkulturelle Projekte auf kommunaler und einrichtungsbezogener
Ebene
- Trainings zu „Argumente gegen Stammtischparolen“
- Aufklärungsarbeit zu (Werbe)Strategien von Sekten und extremistischen / fundamentalistischen Gruppierungen, respektive
Gefährdungen
- Projekte zum Thema „Zivilcourage“
- Beratungs- und Hilfeangebot für Jugendliche mit extremistischen /
fundamentalistischen Gruppenerfahrungen
Eltern /
Multiplikatoren
- Trainings zu „Argumente gegen Stammtischparolen“
- Aufklärungsarbeit zu (Werbe)Strategien von Sekten und extremistischen / fundamentalistischen Gruppierungen, respektive
Gefährdungen
- Beratungs- und Hilfeangebot für Eltern von Jugendlichen mit
extremistischen / fundamentalistischen Tendenzen
- Unterstützung zivilcouragierten Engagements
80
Gewerbetreibende /
Handel
Öffentlichkeit
- Indizierung von jugendgefährdenden Medien
- Öffentliche Wertediskussion und Ächtung menschenverachtender
Haltungen
- Wertschätzung zivilcouragierten Engagements
- Verhinderung von jugendgefährdenden Veranstaltungen
4.5 Konsum
Kinder und Jugendliche sind eine der interessantesten Zielgruppen für die Werbeindustrie,
mit Umsätzen in Milliardenhöhe. Demnach werden sie auch massiv und aggressiv von Unternehmen umworben und zum Kauf von Produkten gedrängt, die speziell für junge Zielgruppen entwickelt wurden. Dabei werden Angebote so gestaltet, dass Hemmschwellen gesenkt und finanzielle Fallen versteckt werden. Hinter einem ,,Gutschein“ steckt oft ein Abonnement, viele vermeintliche Angebote bergen versteckte Neben- und Folgekosten.
Kinder und Jugendliche müssen über entsprechende Strategien aufgeklärt werden, damit sie
diese Mechanismen durchschauen und z.B. Schuldenfallen umgehen können. Daher gilt es
z.B insbesondere kinder und Jugendliche zu unterstützen und aufzuklären sowie Eltern zu
sensibilisieren, damit diese ihre Kinder zu einem kritischen Konsum erziehen können.
Vor diesen Hintergründen wurde vom Kinder- und Jugendschutz des Fachbereichs unter anderem eine interaktive und mobile Ausstellung zum Thema ,,Konsum“ entworfen, die diese
Ziele verfolgt und von Schulen und anderen Organisationen ausgeliehen werden kann.
Neben diesem Angebot führen hierzu auch die Schuldnerberatung der Diakonie Krefeld &
Viersen / Arbeitskreis Schuldnerberatung, der SKM und SKF sowie die Verbraucherzentrale,
in Kooperation mit verschiedenen Organisationen und Einrichtungen (z.B. Kreditinstitute,
Unternehmen und Betriebe, Kitas, Schulen, Jugendeinrichtungen und dem Fachbereich Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung) eine Reihe von Beratungsangeboten und Projekten
durch.
Handlungsziele im erzieherischen Kinder- und Jugendschutz
• Verdeutlichung gesellschaftlicher sowie wirtschaftlicher Zusammenhänge
• Reflexion des eigenen Konsumverhaltens sowie konsumkritisches Bewusstsein und
konsumkritische Kompetenzen fördern
• Förderung der Finanzkompetenz und Verhinderung von „Konsumkarrieren“ bei jungen
Menschen (Schuldenfalle)
• Auseinandersetzung mit persönlichen Wertehaltungen im Kontext der eigenen Lebenssituation, gesellschaftlich vermittelter Werte und medialer Verlockungen (Werbung)
Zielgruppenbezogene Handlungsbeispiele / Handlungsoptionen
Kinder /
Jugendliche
- Finanz- und Kompetenzschulungen mit Einsatz lebenspraktischer
Bildungsmaterialien in Schulen und Einrichtungen der Jugendhilfe
- Qualifizierung von „Finanz-Scouts“
81
-
Projekt „Bank und Jugend im Dialog“
„Durchblick – Geldtraining für junge Menschen“
Projekte zur Reflexion des eigenen Konsumverhaltens
Projekt „Wunschvorstellungen – Vom Zusammenhang zwischen
Aussehen und Selbstwert / Selbstbewusstsein“
- Mobile Ausstellung ,,Konsum“
Eltern /
Multiplikatoren
- Elterngespräche zu Themen wie z.B. „Taschengeld“, „Jugendarbeitsschutz“ etc.
- Beratungs- und Unterstützungsangebote für Eltern
- Information für Multiplikatoren/innen über bestehende Projektan gebote und Kooperationsmöglichkeiten
- Veranstaltung für Eltern und Multiplikatoren/innen „Werbepsychologische Mechanismen und Wirkungen“
Gewerbetreibende /
Handel
- Kooperationsveranstaltungen und -projekte mit Kreditinstituten
und Unternehmen / Ausbildungsbetrieben
Öffentlichkeit
- Verbraucherrechte vermitteln
- Werte und „Normen“ konsumkritisch hinterfragen
4.6 Sexualität
Hinsichtlich der Anliegen und der Umsetzung von Zielen im Bereich Sexualität gibt es in Krefeld ein „Sexualpädagogisches Netzwerk“. Diesem Netzwerk gehören folgende Organisationen an: „pro familia“, „donum vitae“, Psychologische Beratungsstelle der Diakonie Krefeld &
Viersen, Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau,
AIDS-Hilfe Krefeld, AIDS-Beratung der Stadt Krefeld, sowie die Schwangerschaftsberatung.
Ziel des Netzwerkes ist es unter anderem, die Beratungs- und Unterstützungsangebote wie
auch Projekte, in den schulischen und außerschulischen Einrichtungen, sowohl für die präventive Arbeit als auch für Hilfen in Krisen, weiter zu entwickeln.
Handlungsziele im erzieherischen Kinder- und Jugendschutz
• Sexuelle Selbstbestimmung fördern
• Einen verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität vermitteln
• Persönliche Kompetenzen stärken
• Körperliche und seelische Gefahren aufzeigen
• Sexuelle Gewalt und sexuellen Missbrauch verhindern
Zielgruppenbezogene Handlungsbeispiele / Handlungsoptionen
Kinder /
Jugendliche
- Beratungs-, Unterstützungs- und Hilfeangebote bekannt machen
- Angebote zur Kompetenzentwicklung und sexuellen SelbstBestimmung, z.B. in Schulen und Jugendeinrichtungen
- Geschlechtsspezifische Arbeit und Arbeit mit Peergruppen
- Niedrigschwellige Angebote für „bildungsferne“ Jugendliche
- Angebote zu Themen wie z.B.: „Liebe, Freundschaft und Sexuali-
82
tät“, „Körperbewusstsein und Körperakzeptanz“, „Empfängnisverhütung“, „Grenzen achten“, „Verantwortung übernehmen“,
„Krankheiten und deren Vermeidung“ …)
- Aufklärungsarbeit bei Menschen mit besonderem Förderbedarf
Eltern /
Multiplikatoren
- Beratungs-, Unterstützungs- und Hilfeangebote bekannt machen
(sowohl mit Blick auf Eltern als auch Multiplikatoren/innen)
- Spezielle Angebote für Eltern mit Migrationshintergrund
- Beratungs- und Unterstützungsangebote bei sexuellen Übergriffen
und Mobbing
- Arbeitstagungen für Multiplikatoren/innen zur Sexualität und damit
verbundener Themen
Gewerbetreibende /
Handel
Öffentlichkeit
- Sicherstellung und Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen
- Kritische Auseinandersetzung zum Thema „Medien und Sexualität“
- Sexualität enttabuisieren und ansprechbar machen
4.7 Gesundheit
Gesundheitliche Störungen und gesundheitsgefährdende Verhaltensweisen im Kindes- und
Jugendalter haben in den letzten Jahren insgesamt zugenommen. Demnach haben sich die
Gesundheitsprobleme im Kindesalter gegenüber früheren Zeiten verändert. Somit standen
früher z.B. Mangelernährung oder Infektionskrankheiten im Vordergrund, wohingegen es
heute z.B. eher Defizite in der motorischen Entwicklung, Koordinationsstörungen, Konzentrationsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten sind. Dies führt nicht nur zu Beeinträchtigung
der Entwicklung im Kindesalter, sondern auch zu Gesundheitsrisiken für das Erwachsenenalter und hat damit weitreichende Auswirkungen. Themenfelder wie z.B. Ernährung, Bewegungsarmut, Übergewicht oder auch Schönheitsideale, spielen hierbei eine große Rolle.
Handlungsziele im erzieherischen Kinder- und Jugendschutz
• Die Sensibilität hinsichtlich des seelischen und körperlichen Befindens bei jungen
Menschen erhöhen, eigene Potentiale entdecken helfen und ein gesundheitsbewusstes
Handeln stärken
• Körper- und Gesundheitsbewusstsein frühzeitig entwickeln
• Gefährdungspotentiale und Gesundheitsrisiken aufzeigen
Zielgruppenbezogene Handlungsbeispiele / Handlungsoptionen
Kinder /
Jugendliche
- (Gesundheitsbewusste) Verpflegung in Kitas, Schulen und Jugendeinrichtungen
- Motivierende Projekte zur gesundheitlichen Aufklärung (z. B. Gesundheitstage, gemeinsame Aktionen mit der Krankenkasse)
- Qualitative und quantitative Erweiterung von Bewegungsangeboten
(respektive Erweiterung z.B von Belegungszeiten in Sporthallen)
- Angebote zur Entspannung und Konzentrationsförderung
- Projekte zur kritischen Auseinandersetzung mit Schönheitsidealen
- Essstörungen
83
Eltern /
Multiplikatoren
- Beratungs- und Unterstützungsangebote für Eltern
- Ernährungsberatung und alternative Kochkurse für Eltern
- Fachtagungen für Multiplikatoren/innen zur Vermittlung präventiver Maßnahmen und zur Erweiterung des Handlungsrepertoires
Gewerbetreibende /
Handel
Öffentlichkeit
- Unterstützung der „Krefelder Tafel“
5.
- Sensibilisierung für Gesundheitsthemen und Präsentation
beispielhafter Projekte
Dialog mit Eltern / Familien
Als Folge gesellschaftlicher Umbrüche, veränderter Familienstrukturen und Plurali- sierung
von Lebensformen sowie schwieriger Sozialisationsbedingungen, nachlassender Erziehungskompetenz und gestiegener Medieneinflüsse, hat die Arbeit mit Eltern zunehmend an Bedeutung gewonnen.
Laut § 16 (1) SGB VIII sollen Müttern, Vätern, anderen Erziehungsberechtigten und jungen
Menschen Leistungen der allgemeinen Förderung der Erziehung in der Familie angeboten
werden. Die Leistungen sollen dazu beitragen, dass Erziehungsberechtigte ihre Verantwortung besser wahrnehmen können. Aber auch wenn im SGB VIII vom Primat der elterlichen
Sorge ausgegangen wird, ist Jugendhilfe aufgefordert, auf eine positive Gestaltung gesellschaftlicher Rahmenbedingungen Einfluss zu nehmen. Dazu heißt es in § 1 (3) Ziff. 4 SGB VIII:
Jugendhilfe soll … „dazu beitragen, positive Lebens- bedingungen für junge Menschen und
ihre Familien, sowie eine kinder- und familien- freundliche Umwelt zu erhalten oder zu
schaffen“. Um dies zu erreichen bedarf es entsprechender und ausreichender Angebote
seitens der öffentlichen Jugendhilfe, in Zusammenarbeit mit den Trägern der freien Jugendhilfe.
Derartige präventive Angebote sollten auch möglichst früh einsetzen. Insofern stellt nicht
nur die Behebung von Defiziten und Korrekturen der familialen Erziehung die alleinige Orientierung dar, sondern ebenfalls die Entwicklung von Kompetenzen, Strategien und Ressourcen für eine eigenständige Lebensführung.
Daraus ergeben sich im Wesentlichen nachfolgende Aufgaben (vgl. auch Veröffent- lichung
des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, „Familien- bildung als
Angebot der Jugendhilfe“, 2007).
• Förderung des Verantwortungsbewusstsein und Sensibilisierung des
Problembewusstseins bei Eltern
• Förderung der Auseinandersetzung mit den eigenen Wertvorstellungen
• Verbesserung der Lebensqualität von Familien
• Unterstützung und Befähigung von Eltern zur Entwicklungsförderung ihrer Kinder
84
und Vermittlung adäquater Handlungsmöglichkeiten
• Stärkung erzieherischer Kompetenzen
• Steigerung der Gemeinschaftsfähigkeit von Eltern und Kindern
• Verbesserung der sozialen Infrastruktur für Familien
Eine ausgeprägte Eltern- bzw. Familienbildung ist unerlässlich, um erziehungsunsicheren
Eltern Halt, Orientierung und Wissen zu vermitteln und die Familie in ihrer Leistungsfähigkeit
zu unterstützen. Zudem kann somit Gefahren und Risiken für ihren Kindern und Jugendlichen vorgebeugt werden. Aus diesem Grunde werden Programme und Beratungsangebote
benötigt, welche den Eltern die Chance bieten sollen, ihre Erziehungsverantwortung kompetent zu erfüllen und soziale Ungleichheit abzubauen. Demnach verfolgen ergänzende und
öffentliche Angebote das Ziel, die Eltern bei der Wahrnehmung ihrer Erziehungsverantwortung in schwierigen Erziehungssituationen zu unterstützen und ihre Kinder optimal zu fördern (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Bericht über die
Lebenssituation junger Menschen und die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe in
Deutschland. 14. Kinder- und Jugendbericht ).
Der Wert von Elternarbeit und Familienbildung wird sich allerdings unter anderem auch daran messen lassen müssen, inwieweit es gelingt insbesondere Eltern / Elternteile aus sozial
benachteiligten Milieus, bzw. in prekären wirtschaftlichen oder räumlichen Lebenslagen, zu
erreichen.
6.
Schwerpunkte und Perspektiven für 2015 bis 2020
• Durchführung einer aktuellen Bestandserhebung im erzieherischen Kinder- und
Jugendschutz (Trägerlandschaft, Angebotsstrukturen, Inhalte etc.)
• Klärung des Aufgabenspektrums im Rahmen des Kinder- und Jugendschutzes
innerhalb des Fachbereichs Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung und damit
verbundener Ressourcen
• Kontinuierliche Weiterführung der Arbeitsgemeinschaft gemäß § 78 SGB VIII.
• Differenzierte Festlegung von Schwerpunkten und Prioritäten im Rahmen der
jeweiligen Jahresplanungen, in Abstimmung mit den im Kinder- und Jugendschutz
tätigen Organisationen.
85
Teil C
1.
Jugendsozialarbeit
Aufgaben und Ziele
„Jungen Menschen, die zum Ausgleich sozialer Benachteiligungen oder zur Überwindung
individueller Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind,
sollen im Rahmen der Jugendhilfe sozialpädagogische Hilfen angeboten werden, die ihre
schulische oder berufliche Ausbildung, Eingliederung in die Arbeitswelt und ihre soziale Integration fördern.“ So lautet § 13 Abs. 1 des Kinder- und Jugendhilfegesetzes.
Daraus ergeben sich für die Jugendsozialarbeit, die sich aus der schul- und arbeitsweltbezogenen Sozialarbeit zusammensetzt, folgende Ziele und Aufgaben:
• Sozialpädagogische Beratung, Begleitung und Förderung sozial benachteiligter Jugendlicher und junger Erwachsener in Bezug auf schulische und arbeitsweltbezogene/ berufliche Bildung
• Unterstützung sozial benachteiligter Jugendlicher und junger Erwachsener bei der sozialen und gesellschaftlichen Integration
• Durchführung präventiver, schulbezogener Angebote, um somit ein Scheitern so früh als
möglich zu verhindern
• Entwicklung bzw. Durchführung geeigneter arbeitsweltbezogener Angebote nach Schule
86
•
•
Unterstützung der Zielgruppe bei der Integration in Ausbildung, Arbeit oder berufsfördernde Angebote
Entwicklung bzw. Erhaltung von Kooperationen und Netzwerken, die zur Erreichung dieser Ziele notwendig sind
Die Jugendsozialarbeit ist in Krefeld der Abteilung Kommunale Zentralstelle für Beschäftigungsförderung (Kommunale ZFB) zugeordnet und fungiert als Bindeglied zwischen den Regelsystemen und denen, die drohen, ausgegrenzt zu werden. Seit der Einführung des SGB II
und den damit verbundenen Schnittmengen hinsichtlich der Zielgruppe übernimmt die Jugendsozialarbeit mit ihren Erfahrungen und ihrer Kompetenz eine Schnittstellenfunktion
zwischen dem SGB II, III, VIII sowie dem Schulgesetz. In ihrer Neutralität arbeitet sie seit vielen Jahren vernetzt und kooperiert mit Schule, Betrieben, anderen Handlungsfeldern der
Jugendhilfe, der Arbeitsagentur, dem Jobcenter, Bildungsträgern und anderen Sozialinstanzen.
Dabei liegt ein besonderer Fokus auf der Zusammenarbeit mit Schule. Nach § 7 des 3. Ausführungsgesetzes zum KJHG sollen die Träger der öffentlichen Jugendhilfe bei der Erfüllung
ihrer Aufgabe mit der Schule zusammenwirken. Dies soll insbesondere bei schulbezogenen
Angeboten der Jugendhilfe geschehen. Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe sollen das
Zusammenwirken durch die Einrichtung der erforderlichen Strukturen fördern. Im Rahmen
einer integrierten Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung soll ein zwischen allen Beteiligten abgestimmtes Konzept über Schwerpunkte und Bereiche der Zusammenarbeit und
deren Umsetzungsschritte erarbeitet werden. Aus diesem Grund wurde in Krefeld eine Kooperationsvereinbarung zwischen den Krefelder Schulen und dem Fachbereich Jugendhilfe
und Beschäftigungsförderung abgeschlossen, die in 2014 ergänzt und weiterentwickelt werden konnte.
Durch die Implementierung der schulbezogenen Jugendsozialarbeit im Rahmen des Bildungsund Teilhabepaketes hat sich die Zusammenarbeit zwischen dem Fachbereich Jugendhilfe
und Beschäftigungsförderung, dem Schulverwaltungsamt, dem Schulamt für die Stadt Krefeld sowie den Schulen deutlich intensiviert. Auf der strukturellen Ebene wurde für die Krefelder Grund-, Haupt-, Realschulen sowie die Kompetenzzentren und Berufskollegs eine
Steuerungsgruppe „Schulsozialarbeit“ initiiert, bestehend aus der unteren Schulaufsicht,
einer Vertreterin des Schulverwaltungsamtes sowie Vertreter/innen der Jugendsozialarbeit.
Ziel dieses Gremiums ist die aufeinander abgestimmte Planung zwischen den Schulen und
der Jugendsozialarbeit. Verfahrensweisen sowie eine transparente Aufgabenverteilung werden weiterentwickelt und optimiert.
Neben den Schülerinnen und Schülern bedürfen insbesondere die jungen Menschen besonderer Unterstützung, die mehrheitlich keinen Schulabschluss besitzen und multiple Problemlagen wie gesundheitliche Einschränkungen, Verwahrlosung, soziale und persönliche Einschränkungen aufweisen. Für diese Zielgruppe müssen Förderangebote bestehen, die eine
Integration in das Beschäftigungssystem ermöglichen.
Um eine aufeinander abgestimmte Planung hinsichtlich der Förderung junger Menschen zu
erzielen, wurde in 2012 die Jugendberufsagentur „Zentrum für Information und Perspektive
(ZIP)“ durch das Jobcenter sowie die Arbeitsagentur Krefeld in den Räumlichkeiten der Agentur für Arbeit implementiert, der die Jugendsozialarbeit zum 01.02.2014 beitrat.
87
Des Weiteren beteiligt sich die Jugendsozialarbeit an der NRW-Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“, die das Übergangssystem transparenter und effektiver gestalten
möchte.
Um ein möglichst breites Spektrum an Projekten vorhalten zu können, ist es notwendig, unterschiedliche Fördermittel zu akquirieren. In diesem Zusammenhang hat es sich bewährt,
die Jugendsozialarbeit bei der Kom.ZFB anzusiedeln, weil dort langjährige Erfahrungen und
das Wissen in Bezug auf Entwicklung und Durchführung von Projekten für Jugendliche und
junge Erwachsene mit dem Ziel der beruflichen Eingliederung bestehen.
Insbesondere das Einwerben unterschiedlichster Fördermittel sowie die sachgerechte verwaltungsgemäße Abwicklung von Projektanträgen erfordern spezielles Fachwissen und personelle Ressourcen.
2.
Qualitätsstandards
Um die vorgenannten Ziele und Aufgaben der Jugendberufshilfe erfüllen zu können, wurden
folgende verbindliche Qualitätsstandards aufgestellt. Grundsätzlich arbeiten alle sozialpädagogischen Fachkräfte nach dem Handlungskonzept „Casemanagement“.
- Klärungsgespräche: Mit jedem Jugendlichen findet ein sogenanntes Erst- bzw. Klärungsgespräch statt. Ziel ist es herauszufinden, welchen Unterstützungsbedarf der betreffende
Jugendliche aufweist und ob er einer intensiven Einzelfallhilfe bedarf.
- Stärken- und Schwächenanalyse: Um Stärken und Förderbedarfe sichtbar zu machen,
haben die jungen Menschen die Möglichkeit, an verschiedenen Kompetenzfeststellungsverfahren teilzunehmen, wie z.B. soziale Lerntrainings, Kompetenzchecks, biografisches
Interviews.
- Hilfeplanung: Basierend auf den Ergebnissen der Klärungsgespräche sowie der Stärkenund Schwächenanalyse finden mit jedem Teilnehmenden Hilfeplangespräche statt. Im
Rahmen dieser kontinuierlichen Gespräche werden Ziele sowie die zur Zielerreichung erforderlichen Schritte vereinbart und schriftlich festgehalten.
- Assistierte Vermittlung: Junge Menschen am Übergang von der Schule in den Beruf werden intensiv bei ihren Bewerbungsaktivitäten unterstützt. Die Unterstützung reicht vom
Bewerbungstraining über das Einüben von Vorstellungsgesprächen bis hin zur Begleitung
zu potenziellen Betrieben.
- Vermittlung von Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket: Die Fachkräfte haben
die Aufgabe, die Informationen sowie die Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket gegenüber den Lehrkräften, den Jugendlichen sowie deren Eltern und den Institutionen in der Region zu multiplizieren und die Zielgruppe bei der Beantragung zu unterstützen.
- Gender Mainstreaming: Jungen und Mädchen müssen ihr Geschlecht in selbstbestimmter
Weise leben und subjektiv entfalten, ohne dabei von Vorgaben, wie sie als Mädchen oder
Junge zu sein haben, eingeschränkt zu werden. Um eine gelingende berufliche wie soziale
88
Integration zu erreichen, ist es notwendig geschlechtsspezifische Angebote für Mädchen
und Jungen vorzuhalten.
- Cultural Mainstreaming: Etwa ein Viertel der jungen Menschen, die in Beratungszusammenhängen der Jugendberufshilfe stehen, haben einen Migrationshintergrund. Diese Jugendlichen weisen häufig Merkmale auf wie Sprachprobleme, fehlende Unterstützung ihrer Familien, Arbeitslosigkeit der Eltern, beengte Wohnverhältnisse, schlechte sozialräumliche Rahmenbedingungen, andere Wert- und Normvorstellungen. Um eine mögliche
Chancengleichheit zu erreichen, müssen insbesondere migrationssensible Angebote zielgruppengerecht (weiter -) entwickelt werden. Eine enge, aufeinander abgestimmte Zusammenarbeit mit den in diesem Arbeitsfeld tätigen Institutionen ist dafür unabdingbar
(siehe 5.6).
- Kulturelle Bildung: Eine weitere zentrale Aufgabe der Jugendberufshilfe ist, die Jugendlichen für die Teilnahme an bereits bestehenden inner- wie außerschulischen kulturellen
Angeboten zu motivieren. Darüber hinaus können bei Bedarf passgenaue Angebote konzipiert und durchgeführt werden.
- Gesundheitsförderung: Wie mehrere Studien zeigen, weisen ca. 20% der jungen Menschen psychische und/oder physische Krankheiten bzw. Auffälligkeiten auf. Aufgrund der
Tatsache, dass viele Jugendliche unter schwierigen materiellen, sozialen und gesundheitlichen Bedingungen leben, sind die jungen Menschen zu motivieren, sich mit Themen wie
„Lebensführung“ (Stressbewältigung, Suchtverhalten, Ernährung etc.), sozialen Bedingungen (Gewalt, Migration, soziale Benachteiligung etc.) und Erkrankungen (psychische Gesundheit, Sexualität, Essstörungen etc.) aktiv auseinander zu setzen. Neben der Vermittlung praktischer Kenntnisse geht es vor allem auch um die Einbeziehung sozialer und gesundheitsfördernder Netzwerke.
- Inklusion: Unabhängig von der Verabschiedung und Umsetzung der Behindertenrechtskonvention ist es der gesetzliche Auftrag der Jugendsozialarbeit, Benachteiligungen zu
vermeiden, Teilhabe herzustellen und Integration zu gewährleisten. Auch junge Menschen
mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen gehören der Zielgruppe der Jugendsozialarbeit an; entsprechend der gesamtgesellschaftlichen Diskussion muss sich diese dem Thema Inklusion stellen, die damit verbundene konzeptionelle und pädagogische Herausforderung annehmen und in Kooperation mit den Systemen Schule und Arbeitswelt Inklusion
gestalten.
- Aufsuchende Sozialarbeit: Jugendliche, die die Schule nicht mehr besuchen oder während
des Hilfeprozesses nicht zu Terminen erscheinen, werden Zuhause aufgesucht. Erfahrungen aus anderen Projekten zeigen, dass sich die Zielgruppe in ihrem gewohnten Lebensumfeld häufig deutlich aufgeschlossener zeigt.
Die Fachkräfte können im Lebensumfeld der Jugendlichen ökonomische, soziokulturelle
sowie psychosoziale Ressourcen ermitteln und verfügbar machen.
89
- Elternarbeit: Wie die Erfahrungen der bisherigen Arbeit der Jugendsozialarbeit zeigen,
kommen Eltern ihrem Erziehungsauftrag teilweise nicht oder nur unzureichend nach. Um
diesem Umstand entgegenzuwirken, haben die Fachkräfte die Aufgabe, die Erziehungsberechtigten in ihrer Erziehungskompetenz zu stärken. Dies geschieht durch eine individuelle
Einzelfallhilfe sowie durch Gruppenangebote und die Vermittlung an andere Fachdienste,
z.B. Erziehungsberatungsstellen.
- Netzwerkarbeit: Die Fachkräfte der Jugendsozialarbeit arbeiten mit den unterschiedlichen
Fachdiensten, sozialen Institutionen und Arbeitsmarktakteuren eng zusammen. Dabei
übernehmen sie eine Lotsen-, Beratungs- und Vermittlungsfunktion und organisieren Fallkonferenzen. Die Fachkräfte verfügen über ein großes Wissen bezüglich der bestehenden
Angebote in der Förderung benachteiligter Jugendlicher.
- Berichtswesen: Die Angebote mit ihren spezifischen Zielen und Standards werden regelmäßig dokumentiert, ausgewertet und gegebenenfalls an die Erfordernisse angepasst.
3.
Angebote der Jugendsozialarbeit
Die Jugendsozialarbeit in Krefeld umfasst die schul- und arbeitsweltbezogene Jugendberufshilfe sowie die schulbezogene Jugendsozialarbeit über das Bildungs- und Teilhabepaket an
Schulen, die Kooperation im Rahmen der Jugendberufsagentur, Beratungsprojekte sowie die
Teilnahme an der Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“. Die kommunale Jugendsozialarbeit ist in allen regionalen Arbeitskreisen vertreten, deren Ziel die Bekämpfung der
Jugendarbeitslosigkeit ist.
Im Folgenden werden die bereits bestehenden Angebote der kommunalen Jugendsozialarbeit sowie der freien Träger erläutert.
3.1 Schulbezogene Jugendsozialarbeit an Krefelder Schulen
Bereits seit vielen Jahren arbeitet die Jugendsozialarbeit nach § 13 SGB VIII sehr erfolgreich
an Krefelder Hauptschulen und Berufskollegs mit dem Ziel, Jugendliche mit besonderem
Förderbedarf im Übergang von der Schule in den Beruf zu unterstützen. Mit der Implementierung der schulbezogenen Jugendsozialarbeit im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepaketes (BuT) im Januar 2012 konnte dieses Angebot deutlich erweitert werden. Dabei umfasst
das Angebot der kommunalen Jugendberufshilfe bzw. schulbezogenen Jugendsozialarbeit –
BuT die Arbeit an allen Hauptschulen und Berufskollegs. Zielgruppe an den Schulen sind
vorwiegend Jugendliche, deren soziale, schulische und berufliche Integration ohne eine intensive sozialpädagogische Unterstützung nicht zu realisieren ist.
Auf der Grundlage der Umsetzungshinweise der Ministerien für „Arbeit, Integration und Soziales“, „Familien, Kinder, Kultur und Sport“ sowie des Schulministeriums des Landes Nord90
rhein-Westfalen ist die „Schulsozialarbeit im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepaketes“ als
Teil einer präventiven Arbeitsmarkt-, Bildungs-, und Sozialpolitik zu verstehen und verfolgt
das Ziel, die Zielgruppe durch Bildung bei der arbeitsmarktlichen und gesellschaftlichen Integration zu unterstützen und damit einen wesentlichen Beitrag zum Abbau der Folgen wirtschaftlicher Armut, insbesondere Bildungsarmut und Exklusion zu leisten. Daraus resultierend verfolgt die Jugendberufshilfe sowie die schulbezogene Jugendsozialarbeit - BuT die
Aufgabe, Chancen- und Bildungsgerechtigkeit zu unterstützen, die Lern- und Lebenssituation
benachteiligter Jugendlicher zu verbessern sowie sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu
fördern. Darüber hinaus unterstützt sie die Zielgruppe bei ihrer schulischen und beruflichen
Orientierung und Integration. Um diese Ziele zu erreichen, werden neben der individuellen
Einzelfallhilfe soziale Lerntrainings, Kompetenzchecks sowie theater-, erlebnis-, sowie freizeitpädagogische Angebote zum Erwerb bzw. Training von Schlüsselqualifikationen durchgeführt.
Auf der operativen Ebene konnten an jeder Hauptschule sogenannte Fachgruppen „Schulsozialarbeit“ eingerichtet werden, die aus allen an der Schule tätigen sozialpädagogischen
Fachkräften inklusive der Landesbediensteten besteht. Diese Fachgruppen sind verantwortlich für die Steuerung der Einzelfallhilfe sowie die gemeinsame Initiierung und Durchführung
von Projekten unter Einbeziehung sozialraumrelevanter Partner. Doppelstrukturen und Parallelarbeit werden damit vermieden.
Analog zu den oben genannten Inhalten der kommunalen Jugendsozialarbeit führen das Sozialwerk Krefelder Christen sowie der Internationale Bund die schulbezogene Jugendsozialarbeit im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepaketes an zwei Gesamtschulen (Sozialwerk)
sowie vier Realschulen (Internationaler Bund) durch.
3.2 Jugendberufsagentur (ZIP)
Seit Februar 2014 beteiligt sich die kommunale Jugendsozialarbeit an der Jugendberufsagentur, die in Krefeld „Zentrum für Information und Perspektive“ (ZIP) heißt. Das ZIP ist in den
Räumlichkeiten der Agentur für Arbeit angesiedelt. Aus Sicht der Jugendsozialarbeit ist das
ZIP eine sinnvolle Ergänzung der eigenen Angebote, da alle Rechtskreise SGB II, III, VIII sowie
die kommunale Koordinierung der Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA)
dort miteinander verzahnt werden.
Somit sind optimale Voraussetzungen geschaffen, um im Sinne der Jugendlichen und jungen
Erwachsenen Bildungschancen und Übergänge in Ausbildung und Beruf sicher zu stellen. Mit
diesem Angebot sieht sich die Jugendberufshilfe auch als Bindeglied zu den anderen Fachabteilungen der kommunalen Jugendhilfe wie auch zu den freien Trägern der Jugendsozialarbeit in Krefeld.
3.3 Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“
91
Die Landesregierung Nordrhein-Westfalens führt auf der Basis eines Beschlusses des Ausbildungskonsens NRW vom 18. November 2011 ein nachhaltiges und systematisches Übergangssystem Schule – Beruf ein.
Die wesentlichen Prinzipien, nach denen der Übergang Schule – Beruf neu aufgestellt wird,
lauten Vereinfachung, Systematisierung, Nachhaltigkeit und Anschlussorientierung. Angesichts des demografischen Wandels und des zu erwartenden Fachkräftemangels wird die
schulische Berufs- und Studienorientierung für alle Jugendlichen ausgebaut. Damit sollen
auch die hohen Abbrecherquoten derjenigen abgebaut werden, die zwar auf den ersten
Blick erfolgreich in eine Ausbildung bzw. ein Studium einmünden, letztlich aber aufgrund
einer mangelnden Berufs- und Studienorientierung ihre Fehlentscheidungen anschließend
korrigieren müssen. Es bleibt festzuhalten, dass die Maßnahmen der Jugendsozialarbeit für
sozial benachteiligte junge Menschen nach SGB VIII § 13 auch weiterhin notwendig sind. Die
Umsetzung dieses Prozesses wird durch die kommunale Koordinierung sichergestellt. Sie
sorgt dafür, dass mit den relevanten Akteuren ein gemeinsames Verständnis über das Zusammenwirken der Zuständigkeiten erreicht, Rollen geklärt, Absprachen und Vereinbarungen getroffen und deren Einhaltung nachgehalten werden. Diese Aufgabe ist im Fachbereich
40 Abteilung Pädagogischer Dienst angesiedelt. Die Jugendsozialarbeit des Fachbereiches
Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung beteiligt sich mit einer halben Stelle und sichert so
die Verbindung zwischen den beiden Fachbereichen. Der besondere Blick gilt dabei der Zielgruppe der benachteiligten jungen Menschen.
3.4
Neustart
Im September 2014 startete die Kom.ZFB dieses Beratungsprojekt für junge Mütter unter 30
Jahren in Elternzeit mit ihren Kindern unter 3 Jahren. Die Rechtskreise SGB VIII und SGB II
übergreifend werden die Frauen hinsichtlich ihrer Erziehungskompetenzen, ihrer beruflichen
Orientierung und sozialen Integration beraten und unterstützt. In den gemeinsamen „Spielgruppen“ erleben und erfahren die Mütter Wissenswertes zur Entwicklung und Erziehung
ihrer Kinder. Berufliche Themen und die Entwicklung individueller Perspektiven werden sowohl in der Müttergruppe als auch in der Einzelberatung erarbeitet. Ein Fokus liegt dabei auf
dem Aufbau von individuellen sozialen Netzwerken zur Stärkung und sozialen Integration der
jungen Mütter, die in der Regel noch keine Ausbildung abgeschlossen haben.
3.5 Casemanagement für Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahren
Orientierungslose Jugendliche und junge Erwachsene ab dem 18. Lebensjahr, die einen besonderen Förderbedarf aufweisen und Arbeitslosengeld II beziehen, werden mit Hilfe intensiver und individueller Beratung und Begleitung sozial stabilisiert sowie beruflich orientiert
und damit an das Beschäftigungssystem herangeführt. Träger der Maßnahme sind das Sozialwerk Krefelder Christen, IN VIA – Katholische Mädchensozialarbeit und der Internationale
92
Bund. Die kommunale Jugendsozialarbeit ist für die fachliche Begleitung des Angebotes zuständig. Die Finanzierung erfolgt über das
SGB II.
3.6 Jugend in Arbeit Plus
Jugend in Arbeit Plus, gefördert über die Europäische Union, das Land Nordrhein-Westfalen
sowie die Bundesagentur für Arbeit und die Kommunen, wird in Krefeld bereits seit 1998
durchgeführt. Mit Hilfe begleitender Beratung und Lohnkostenzuschüssen werden Jugendliche ohne und mit Berufsausbildung in den ersten Arbeitsmarkt integriert. Die kommunale
Jugendsozialarbeit übernimmt die Antragstellung und in Kooperation mit der Regionalagentur Mittlerer Niederrhein die Koordination der Runden Tische, an dem alle relevanten Akteure vertreten sind. Träger der begleitenden Beratung sind IN VIA – Katholische Mädchensozialarbeit, Internationaler Bund, Niederrheinische Kreishandwerkerschaft Krefeld/Viersen.
3.7 Jugendwerkstatt Fichtenhain
Als Angebot der arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit ist es das Ziel der Jugendwerkstatt, Jugendliche und junge Erwachsene mit besonderem Förderbedarf durch werkpädagogische Angebote zu stabilisieren und somit wieder an das Schul- bzw. Beschäftigungssystem
heranzuführen. Die Jugendlichen haben die Möglichkeit, in den Bereichen „Schlosserei,
Schweißerei, Schreinerei, Gärtnerei sowie in der Cafeteria“ praktische Erfahrungen zu sammeln. Die Arbeit eines Stützlehrers, der über den Europäischen Sozialfond finanziert wird,
ermöglicht darüber hinaus eine individuelle Förderung in Kleingruppen, die den jungen Menschen einen Einstieg in eine mögliche berufsvorbereitende Maßnahme, Schule, Arbeit oder
Ausbildung erleichtern. Träger der Jugendwerkstatt ist der evangelische Gemeindeverband.
Insgesamt stehen 24 Plätze für die Zielgruppe bereit. Finanziert wird das Angebot über den
Kinder- und Jugendförderplan des Landes sowie über § 13 SGB VIII.
4. Personelle und finanzielle Rahmenbedingungen
Die kommunale Jugendsozialarbeit umfasst abgesehen von der administrativen Unterstützung zurzeit insgesamt 21 sozialpädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Lediglich
4,6 Stellen dieser Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden dabei im Stellenplan der Stadtverwaltung abgebildet.
Die übrigen Mitarbeiter/innen sind befristet beschäftigt. Die Anzahl der befristet Beschäftigten differiert je nach Arbeitsaufwand der verschiedenen durchzuführenden Projekte.
Finanzielle Rahmenbedingungen bis 2020
Erträge
2015
EUR
1.366.293
2016
EUR
1.376.505
2017
EUR
1.386.816
2018
EUR
1.397.237
2019
EUR
1.411.209
2020
EUR
1.425.321
Aufwendungen
2.145.084
2.200.000
2.214.543
2.230.128
2.252.429
2.274.954
93
Ergebnis
Erträge ./.
Aufwendungen
-778.791
-823.495
-827.727
-832.891
-841.220
-849.633
Basis für die vorgenannte Darstellung ist der Haushaltsplanentwurf 2015 (Planungszeitraum
bis 2018). Für die Berechnung der Jahreswerte 2019 ff wurde eine kalkulatorische Steigerung
von 1% auf den Vorjahreswert zugrunde gelegt.
Ob angemeldete und begründete Veränderungswünsche im Rahmen der Etatberatungen
Berücksichtigung finden, kann erst nach Verabschiedung des Haushaltes 2015 durch den Rat
beurteilt werden. Ferner können, in Abhängigkeit von der Erstellung eines Haushaltssicherungskonzeptes, Veränderungen für die Folgejahre derzeit nicht prognostiziert werden.
Die Darstellung der finanziellen Rahmenbedingungen steht grundsätzlich in engem Zusammenhang mit Förderschwerpunkten des Bundes, des Landes oder des Europäischen Sozialfonds (ESF).
Wenngleich die Fortführung der Förderung der „Schulsozialarbeit“ bis 2017 durch das Land
NRW bereits bekannt geworden ist, können zum aktuellen Zeitpunkt beispielsweise noch
keine konkreten Aussagen zur Finanzierung der Folgejahre gemacht werden.
Darüber hinaus bietet der vorgenannte Finanzrahmen eine Betrachtung des Produktes U25 /
Jugendberufshilfe.
Durch eine geplante Änderung der Produktstrukturen (siehe auch Ziff. 5.1) ist gleichzeitig
auch mit einer einhergehenden notwendigen Anpassung der Rahmenbedingungen zu rechnen.
4.1. Finanzielle Rahmenbedingungen der freien Träger
Seit vielen Jahren engagieren sich auch freie Träger der Jugendhilfe intensiv in den Aufgabenfeldern der Jugendsozialarbeit. Dazu beantragen sie in Eigenregie oder in Kooperation
mit der Kom.ZFB Fördermittel des Bundes, des Landes oder des Europäischen Sozialfonds
(ESF). Da die finanziellen Rahmenbedingungen auch hier in einem engen Zusammenhang mit
den Zielsetzungen bzw. Förderschwerpunkten der Fördergeber sowie der jeweiligen Träger
stehen, können nur vage Aussagen zum geplanten Finanzrahmen der Jahre 2016 bis 2020
gemacht werden. Daher wurde auch hier eine kalkulatorische Steigerung von 1% auf der
Basis des Haushaltes 2014 vorgenommen.
Nachfolgend die von den Trägern gemeldeten Angaben.
IN VIA e.V.
Erträge
2015
EUR
49.300
2016
EUR
49.300
2017
EUR
49.300
2018
EUR
49.300
2019
EUR
49.300
2020
EUR
49.300
94
Aufwendungen
Eigenanteil
57.015
7. 715
57.585
8.285
58.161
8.861
58.743
9.443
59.330
10.030
59.923
10.623
Sozialwerk Krefelder Christen
e.V.
Erträge
2015
EUR
2016
EUR
2017
EUR
2018
EUR
2019
EUR
2020
EUR
380.095
383.896
387.735
391.612
395.528
399.484
Aufwendungen
Eigenanteil
449.348
69.253
453.841
69.946
458.380
70.645
462.964
71.352
467.593
72.065
472.269
72.786
5.
Schwerpunkte und Perspektiven 2015 - 2020
Insgesamt besteht eine gute Vernetzung der Akteure, die mit dem Übergang von der Schule
in den Beruf von benachteiligten jungen Menschen bzw. mit dem Themenfeld der Beruforientierung und Berufsvorbereitung befasst sind. Vor allem im Bereich der schulbezogenen
Jugendsozialarbeit existiert bereits eine gelungene Kooperation mit den Schulen auf der
operativen Ebene.
5.1 Bezirkliche Ausrichtung der Kommunalen ZFB
Analog zu den anderen Fachabteilungen des Fachbereiches Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung ist beabsichtigt, zukünftig auch die Kommunale ZFB bezirklich auszurichten - unter der Berücksichtigung der gegebenen finanziellen Rahmenbedingungen. Gerade auch im
Hinblick auf die Zielgruppe der Jugendlichen mit besonderem Unterstützungsbedarf zeigen
sich in den Kooperationen mit den anderen Fachabteilungen häufige Überschneidungen.
Eine einheitliche Organisationsstruktur ermöglicht eine abteilungsübergreifende, abgestimmte und zielgerichtete Planung im jeweiligen Bezirk und vermeidet insbesondere uneffiziente Parallelstrukturen. In Bezug auf die schulbezogene Jugendsozialarbeit verändert sich
der Blickwinkel von der institutionellen hin zu einer sozialraumorientierten Sichtweise. Durch
die abgestimmten Verfahren werden Hilfen zur Erziehung vermieden oder verringert und die
Angebote des Kinder- und Jugendschutzes sowie der Bezirksjugendpflege ergänzt.
5.2 Fortführung der schulbezogenen Jugendsozialarbeit
Für die schulbezogene Jugendsozialarbeit, die bisher im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepaketes finanziert wurde, wird das Land Nordrhein-Westfalen für die Jahre 2015 bis 2017
weitere Mittel im Rahmen einer 80% Finanzierung zur Verfügung stellen. Die konkreten Ausführungsbestimmungen sind zurzeit noch nicht bekannt.
Um eine möglichst kontinuierliche Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und deren Familien im
Sinne sogenannter Bildungsketten vom Elementar- über den Primar- und Sekundarbereich
95
bis hin zum Übergang von der Schule in den Beruf zu ermöglichen, ist es ein Anliegen, die
gesamte schulbezogene Jugendsozialarbeit (vom Primar- bis zum Sekundarbereich) inclusive
der freien Träger als ein Handlungsfeld der Jugendhilfe mit gleichen Qualitätsstandards über
den FB Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung zu koordinieren. In diesem Sinne übernimmt schulbezogene Jugendsozialarbeit eine Lotsenfunktion zwischen Schule und Jugendhilfe. Entsprechende Angebote werden gebündelt sowie bedarfsgerecht und abgestimmt
vorgehalten.
Die Koordinierung der schulbezogenen Jugendsozialarbeit im Fachbereich Jugendhilfe und
Beschäftigungsförderung bringt folgende Vorteile:
• Erstellung eines Gesamtkonzeptes „ schulbezogene Jugendsozialarbeit“ mit einheitlichen,
verbindlichen Qualitätsstandards, Indikatoren und Verfahrensabläufen
• Kontinuierliche, abteilungsübergreifende Begleitung von Kindern, Jugendlichen und deren Familien von der Kita bis zur Integration ins Berufsleben
• Verbesserung der Abstimmung in den Übergangsbereichen, insbesondere systematisch,
begleiteter Übergang vom Primar- in den Sekundarbereich usw. zur frühzeitigen Vermeidung schulabsenten Verhaltens mit anschließender Abschulung
• Bessere Verzahnung bzw. Nutzung von institutionellen Angeboten und Ressourcen im
Bezirk (z.B. Schule, Jugend- und Familienzentren, Jugendsozialarbeit usw.)
• Gemeinsame Erziehungs-, Beratungs- und Bildungsplanung von Jugendhilfe und Schule
im Sozialraum unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Bildungsbegriffe und Institutionen
• Entwicklung einer systematischen Bedarfserhebung im Sozialraum
• Ergänzung der Angebote im Bereich der offenen Kinder- und Jugendarbeit sowie des Kinder- und Jugendschutzes
• Die Arbeit setzt am Lebensmittelpunkt der Menschen an, dort wo Probleme und Lösungsansätze und zusätzlich Unterstützungsnetzwerke entstehen
• Vermeidung kostenintensiver Doppelstrukturen, insbesondere Einsparungen im Bereich
der ambulanten Hilfen zur Erziehung durch fachbereichsintern abgestimmte Verfahren
Zur Einrichtung der kommunalen Koordinierung der schulbezogenen Jugendsozialarbeit wird
ein Beirat aus dem Schulverwaltungsamt, der Schulaufsicht und dem FB Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung gebildet, der die Entwicklung von Inhalten, Qualitätsstandards und
Verfahrensabläufen abstimmt und steuert.
5.3 Jugendberufsagentur (ZIP)
Da jeder Rechtskreis auch in einer gemeinsamen Anlaufstelle seine eigenen gesetzlichen
Aufgaben wahrnimmt, gilt es arbeitsteilig so zu kooperieren, dass die Jugendlichen und jungen Erwachsenen hiervon tatsächlich profitieren. Eine Kooperationsvereinbarung schafft
Gelingensbedingungen zur Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses, damit folgende
Ziele erreicht werden:
•
•
•
•
Vermeidung von Doppelstrukturen
Entwicklung gemeinsamer Fallkonferenzen
Verringerung von Maßnahme- und Ausbildungsabbrüchen
Absenkung der Zahlen Jugendlicher ohne Berufsabschluss
96
•
•
•
Weiterentwicklung der Beratungs- und Förderangebote
Verlängerung von Bildungsketten bis in den Übergang in Ausbildung und Beschäftigung
Entwicklung von gemeinsam finanzierten Fördermaßnahmen
5.4 Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“
Für die Schulabgänger/innen wird es in Zukunft nur noch zwei Wege geben: Noch nicht ausbildungsreife Jugendliche sollen in Maßnahmen individuell schnellstmöglich zur Ausbildungsreife geführt werden. Ausbildungsreife Jugendliche dagegen sollen grundsätzlich nicht in
berufsfördernde Angebote einmünden, sondern ein Ausbildungsangebot erhalten. Oberste
Priorität hat die duale, betriebliche Ausbildung. Hierzu werden verbindliche Anschlussempfehlungen gegeben. Stehen nicht genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung, so sollen die
Jugendlichen vollzeitschulisch oder außerbetrieblich ausgebildet werden, wobei der Weg in
die duale Ausbildung zu jedem Zeitpunkt Vorrang haben soll. Für die Jugendsozialarbeit ergeben sich aufgrund ihrer langjährigen Kenntnisse im Bereich des Übergangs von der Schule
in den Beruf, mit dem besonderen Fokus auf die benachteiligten jungen Menschen, folgende Aufgabenschwerpunkte:
• Einrichtung einer Arbeitsgemeinschaft nach §78 SGB VIII Jugendsozialarbeit
• Mitarbeit bei der flächendeckenden Umsetzung des Systems mit seinen Standardelementen bis 2017/2018
• (Weiter-)Entwicklung und Umsetzung von Konzepten/Angeboten zur Förderung der Ausbildungsreife im Rahmen der Standardelemente
• Erhöhung des Angebotes an betrieblichen Ausbildungsstellen und der passgerechten
Integration in das duale Ausbildungssystem
• Initiierung von (über-)betrieblichen und/oder modularen Ausbildungen für benachteiligte Jugendliche
• Weiterentwicklung und Ausbau des Jugendhilfeangebotes (z.B. Beratungsstelle und Jugendwerkstatt)
5.5 Sozialraumorientierte Projekte
Zum Ausbau der sozialraumbezogenen Arbeit der Jugendsozialarbeit liegt ein Schwerpunkt
der Arbeit in der Beantragung von Fördermitteln des Europäischen Sozialfonds, des Bundes
sowie des Landes NRW. Folgende Vorhaben sind in 2015 geplant:
5.5.1 Jugend Stärken im Quartier
Bei „Jugend stärken im Quartier“ handelt es sich um ein Programm der Bundesministerien
für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. 50% der Finanzierung erfolgt über den Europäischen Sozialfond, die restlichen 50%
werden kommunal finanziert.
Die Bausteine des Vorhabens richten sich an Jugendliche mit besonderem Förderbedarf vom
12. bis zum 27. Lebensjahr, insbesondere an Jugendliche mit Migrationshintergrund und
Neuzuwanderer sowie Schulverweigernde.
97
Dazu soll eine Anlauf- und Koordinierungsstelle im Stadtteil eingerichtet werden, die neben
einer Klärungs- und Beratungsfunktion eine Brückenfunktion zwischen den unterschiedlichen Fördersystemen des SGB II/III und VIII, dem Schulgesetz sowie dem Kommunalen Integrationszentrum, den Migrantenselbstorganisationen, Vereinen und anderen Beratungsinstitutionen bildet. Hinzu kommt die Betreuung und Begleitung sogenannter schulischer Seiteneinsteiger/innen im Bereich der Sekundarstufe I und II sowie die Reintegration von Schulverweigernden an der Gesamtschule Kurt-Tucholski. Durch die Initiierung und Durchführung
von sog. Mikroprojekten sollen darüber hinaus sowohl für die Zielgruppen des Vorhabens als
auch für das Quartier, in dem die Menschen leben, spürbare Verbesserungen erreicht werden. Für die Durchführung der Bausteine wurde der Stadtteil Krefeld-Süd ausgewählt. Der
durch das „Kommunale Handlungskonzept Krefeld-Süd“ verfolgte Ansatz, eine ganzheitliche,
sozialräumliche und kulturelle Verbesserung für die Bewohner und insbesondere für die
Zielgruppe transparenter und attraktiver zu gestalten, soll so weiter nachhaltig verfolgt und
gefestigt werden. Das Projekt hat eine Laufzeit von vier Jahren. Das Vorhaben startet voraussichtlich im Mai 2015.
5.5.2 Hardenberg im Perspektivwechsel
Im Hardenberg-Viertel in Krefeld (Stadtteil Cracau mit Teilen von Dießem und Hardenberg)
ist zunehmend ein Bedarf an Unterstützung und Perspektivengewinnung der Zielgruppe im
Alter von 16-25 Jahren festzustellen. Insbesondere die Zielgruppe der ALG II – Beziehenden
sowie der Jugendlichen mit Migrationshintergrund, der jungen Straffälligen und der zu erwartende steigende Anteil Alleinerziehender machen den Unterstützungsbedarf in diesem
Sozialraum deutlich. Aus diesem Anlass wird die Jugendberufshilfe gemeinsam mit den
Fachabteilungen des Fachbereiches, dem Jobcenter Krefeld sowie den sozialraumrelevanten
Partnern ein Projekt für diese Zielgruppe vorhalten, das aus Mitteln des § 16f SGB II sowie
§13 SGB VIII gefördert wird. Neben der intensiven Einzelfallhilfe sollen die Jugendlichen und
jungen Erwachsenen im Alter von 16 bis 25 Jahren durch werkpädagogische Angebote persönlich stabilisiert sowie beruflich orientiert werden. Der Start des Projektes ist für das 2.
Halbjahr 2015 vorgesehen.
5.5.3 Neuzugewanderte/ junge Flüchtlinge
Die Jugendsozialarbeit hat die Aufgabe, Jugendliche und junge Erwachsene mit multiplem
Unterstützungsbedarf in ihrer persönlichen, sozialen, schulischen und beruflichen Integration zu unterstützen. Gerade im Hinblick auf die stetig steigende Anzahl von Neuzugewanderten, Flüchtlingen sowie Menschen mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus, die häufig durch
traumatische Erlebnisse geprägt sind, muss sich die Jugendsozialarbeit neuen Herausforderungen stellen. Dies betrifft sowohl die Arbeit mit den sogenannten schulischen Seiteneinsteiger/innen im Bereich der Sekundarstufe I und II als auch die Weiterentwicklung der Angebote im Übergang in den Beruf. Hierbei kommt der Kooperation mit dem Fachbereich Soziales, Senioren und Wohnen sowie dem Kommunalen Integrationszentrum des Schulverwaltungsamtes eine besondere Bedeutung zu. In einem ersten Schritt sind die Fachkräfte der
Jugendsozialarbeit durch themenspezifische Workshops vor allem im Bereich der rechtlichen
Gegebenheiten und den daraus resultierenden Anforderungen zu schulen.
98
Darüber hinaus sind klare Strukturen, Verfahrensabläufe und Aufgaben zwischen den Fachbereichen sowie den anderen Institutionen, die sich mit diesem Thema befassen, zu vereinbaren. Angebote der Jugendsozialarbeit, die sich stetig am Bedarf der Zielgruppe ausrichten,
sind immer in enger Kooperation mit den genannten Fachbereichen und Institutionen abzustimmen sowie durchzuführen.
Eine abschließende Planung und Entwicklung bis 2020 kann nicht dargestellt werden, da die
Instrumente je nach Förderprogrammen und Bedarfen variieren bzw. das Bestehende stets
in seiner Wirksamkeit überprüft und gegebenenfalls angepasst werden muss. Grundsätzlich
wird der thematische Schwerpunkt der Jugendsozialarbeit einerseits im Bereich der Koordinierung und Durchführung von schulbezogenen Angeboten und andererseits in der Entwicklung und Durchführung von Maßnahmen für ältere junge Menschen bis unter 25 Jahre mit
besonderem Unterstützungsbedarf liegen. Als weiterer Schwerpunkt wird sich die Arbeit mit
neuzugewanderten Jugendlichen und jungen Erwachsenen entwickeln.
99
Teil D
Anteil der Förderbereiche am Gesamtbudget der Jugendhilfe
Hierbei handelt es sich um eine Darstellung des städtischen Anteils für die Kinder- und Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und den Kinder- und Jugendschutz, in Relation zum Gesamtzuschussbedarf (Hauhaltsansatz) der Jugendhilfe.
2015
EUR
2016
EUR
2017
EUR
2018
EUR
2019
EUR
2020
EUR
Budget der
Jugendhilfe
-86.710.160
-89.086.385
-87.763.648
-90.016.543
-90.916.707
-91.825.874
Anteil der
Kinder- und
Jugendarbeit
-2.162.798
-2.189.660
-2.193.891
-2.202.288
-2.224.311
-2.246.554
Anteil in %
Anteil der
Jugendsozialarbeit
Anteil in %
Anteil
Kinder- und
Jugendschutz
Anteil in %
Gesamtanteil
Anteil in %
2,5
-778.791
0,9
-221.937
2,5
-823.495
0,9
-227.481
2,5
-827.727
0,9
-229.697
2,4
-832.892
0,9
-232.196
2,4
-841.220
0,9
-234.518
2,4
-849.632
0,9
-236.863
0,3
0,3
0,3
0,3
0,3
0,3
-3.163.526
-3.240.636
-3.251.315
-3.267.376
-3.300.049
-3.333.049
3,7
3,6
3,7
3,6
3,6
3,6
Basis für die o. a. Darstellung ist der Haushaltsplanentwurf 2015 (Planungszeitraum bis
2018). Für die Berechnung der Jahreswerte 2019 ff wurde eine kalkulatorische Steigerung
von 1% auf den Vorjahreswert zugrunde gelegt.
Ob angemeldete und begründete Veränderungswünsche im Rahmen der Etatberatungen
Berücksichtigung finden, kann erst nach Verabschiedung des Haushaltes 2015 durch den Rat
beurteilt werden. Ferner können, in Abhängigkeit von der Erstellung eines Haushaltssicherungskonzeptes, Veränderungen für die Folgejahre derzeit nicht prognostiziert werden.
Das Budget der Jugendhilfe umfasst den Teilergebnisplan abzüglich der Produkte
„Über 25“ und „Betreuungsstelle“.
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